Sandstürme, Hitze im Winter und eine Windböe bei der Landung

Ich wache auf. Es ist kurz nach 3 Uhr nachts. Ich höre den Wind in den Bäumen rauschen. Der Ostwind ist unterwegs. Sind alle Fenster zu? Sonst bringt der Sandsturm Sanddünen ins Haus. Ich drehe mich um. Gegen 7 Uhr wache wieder auf. Der Wind rüttelt an meiner Türe und spätestens jetzt weiß ich, dass ich heute morgen nicht arbeiten werde. Ich höre die Eisenbahn. Viel zu laut. Ja der Ostwind bringt auch das Geräusch zu mir. Um 7:30 Uhr erreicht mich die Nachricht von meiner Chefin afternoon trip. War ja offensichtlich. Also weiterschlafen. Wie die letzten Tage. Wir haben ihn seit Samstag. Starken Ostwind. Für alle, die sich nicht so gut mir dem Swakopmunder Klima auskennen hier ein kleiner Crashkurs. Wir sind momentan mitten im Winter. Winter bei uns bedeutet Nebel (etwa 150 Tage Nebel pro Jahr) über der Küste und Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad. Nachts auch nah am Gefrierpunkt. Hier an der Küste haben wir ganzjährig einen Südwester Wind, der eine frische Brise vom Ozean her weht. Weshalb es auch im Sommer nicht zu heiß wird. Allerdings haben wir ein einzigartiges Wettersystem, das uns mitten im Winter zwischen April und Juli für einige Tage hintereinander Ostwind bringt. Das bedeutet der Wind kommt vom Inland und bringt uns die aufgeheizte Wüstenluft. Ein normaler Ostwind beginnt schon spät abends mit einer leichten Brise und ab 3 Uhr verwandelt er sich in einen Sandsturm, der unseren Alltag bis etwa 12 Uhr einschränkt. Dann legt er sich und bis 2 Uhr ist es fast windstill bevor der Südwester vom Ozean wieder weht, so dass wir angenehm warme Nachmittage haben. Weshalb wir unsere Vormittagtrips auf den Nachmittag verlegen müssen. Diese Ostwind Tage sind die heißesten im Jahr. Nicht mal im Sommer wird es so warm in Swakopmund. Was unseren Winter angenehmer macht, da er die miserablen kalten Tage zerreißt. Dieses Jahr hatten wir schon einige Tage Ostwind sowohl im April, Mai als auch im Juni. Doch die waren nie so stark, was für uns die Entscheidung schwerer gemacht hat. Ist draußen ein Sandsturm oder ist der Südwester stärker und der Ostwind erreicht nur Rossing mountains? Können wir den Trip machen oder nicht? Die letzten 5 Tage war es so offensichtlich, dass Beth an manchen Tagen nicht mal die Rund SMS verschickt hat.

I wake up. It’s 3am. Listen to the wind blowing through the palm trees. The Eastwind is on its way. All the windows are closed. I don’t need a sand dune in my room. 7am, the wind is rattling on my door. It’s pretty obvious that there won’t be a morning trip. I turn around. 7:30 I receive the message ‚afternoon trip‘ from my boss. Awesome, so continue sleeping. I love the Eastwind. The only days in the year when I can sleep longer than 7:30 and start working only at 1pm. Beautiful hot days in the middle of winter. No fog for days and stunning sunsets. That’s the Eastwind for me.
Quick introduction into our Clima for you. We have in Swakopmund 150 days fog a year and all year round a strong southwester wind which brings a cool ocean breeze. In some days a year in middle of winter between April and July the wind comes from the east and brings us hot air from the desert inland. Sand storms in the morning and beautiful calm and warm afternoons. The hottest days of the year. In winter.
For whole Swakopmund means that cancel all the activities in the morning and stay in the house. It’s a sandstorm. We live in the desert, so adapt to nature. Everybody comes back to live around 12 o’clock. Then we can work. And braai. And party. And walk around without jackets. In winter.

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Nun denkt ihr wunderbar, ich habe so viele Vormittage zur freien Verfügung. Aber ehrlich gesagt dass gibt es nicht viel was ich tun kann. Alle Aktivitäten sind selbstverständlich flachgelegt. Man kann sich nur drinnen bewegen, denn selbst durch die Stadt spazieren macht keinen Spaß im Sandsturm. Also auf dem Bett liegen, Buch lesen und warten bis er vorüber ist. Die Arbeit beginnt dann um 13:30 Uhr. Brutal heiß, weshalb alle im Sparmodus arbeiten. Langsam, damit der Südwester Zeit hat uns abzukühlen. Funktioniert nicht immer. Arbeiten müssen wir trotzdem, denn die Hochsaison hat begonnen. Die Teilnehmerzahlen schwanken zwischen 10 und 30. An einem Nachmittag waren es sogar 50. Das ist anstrengend.

We have Eastwind since saturday. It’s now the 5th day in a row that we moved the morning trip to the afternoon. We work still every day due to the fact that busy season started. The numbers vary. Every day between 10 and 30. One afternoon we had even 50.

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Zwischendurch bleibt nicht viel Zeit um sich um die Autos zu kümmern. Aber Ersatzteile von alten VW Kombis findet man ohnehin nicht in diesem Land. Also setzen wir unsere Kreativität ein. Gibt es nichts logischeres in der Wüste als einen Skistock als Stütze im Auto einzusetzen?

There is not a lot of time in between to fix cars. And you anyway cannot find any spare parts for these VW combis in this country. So what else to do than use your creativity? Isn’t it the most logical thing to fix a car in the desert with a skiing stick?

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Ich liebe die Ostwind Nachmittage. Sie bringen die schönsten Sonnenuntergänge des Jahres. Färben den Himmel blutrot.

I love the Eastwind afternoons. They bring us the most beautiful sunsets of the year. Paint the sky red.

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Und das ist mein Arbeitsplatz. Neidisch?

And that is my working office. Jealous?

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Achja ich habe auch gelernt, dass Skydiven im Ostwind ganz interessant sein kann. In den letzten Wochen kam ich kaum zum Fallschirmspringen, weil ich entweder Doppeltrips oder wegen dem Ostwind nur nachmittags gearbeitet habe. Und ja im Sandsturm startet auch kein Flugzeug. Aber gestern hat meine Chefin festgestellt, dass ich 4 Wochen am Stück gearbeitet habe und die Chance besteht einen Tag frei zu nehmen. Da habe ich die Chance gleich genutzt und bin raus zur Dropzone gefahren. Nur zwei Tandemspringer. Heißt eine Ladung. Mein erster Sprung von 10 000 Fuß  (~3000m). Den Sprung habe ich genossen. Fast 30 Sekunden im Freien Fall. Dann Fallschirm öffnen. Und fliegen. Bis 1000 Fuß alles kein Problem. Doch dann spüre ich die Turbulenzen, die meinen Fallschirm herumrütteln. Ich schaue nach unten. Wo ist die Windsocke? Eben bließ der Wind noch aus Osten, jetzt kommt er vom Meer. Alles bereit zur Landung. Füße hoch. Leinen ziehen. Füße auf den Boden. Umdrehen. Und wumms. Eine kräftige Windböe hat mich genau bei der Landung erfasst. Heißt sie reißt mich nach hinten. Ich schleife über den Boden. Ohne Chance zu stoppen. Mund und Augen zu. Habe ich beim Sandboarden gelernt. Hilft um keinen Sand in Mund und Augen zu bekommen. Ich realisiere, dass ich einen Helm auf habe und drücke ihn gegen den Boden um zu bremsen. Gleichzeitig versuche ich die Leinen auf den Boden zu drücken. Und selbst flach bleiben, denn das Schlimmste was jetzt passieren kann, ist dass der Wind mich aufhebt und dann knalle ich hart auf den Boden. Also flach bleiben. Ich werde langsamer. Komme zum Stehen. Liegen besser gesagt. Ich bewege mich nicht. Nicht, dass noch eine Böe kommt. Die zwei Packer erreichen mich als erste und befreien mich aus den Seilen. David mein Instructor hilft mir auf. Are you ok? Bin mir nicht sicher, aber ich spüre nichts, also ja. Dries bringt mir erst Mal ein Bier. Auf den Schreck. Das war mehr Adrenalin als im freien Fall. Are you hurt? Ich entdecke eine Schürfwunde am kleinen Finger. Und am Ellenbogen. Das wars. You are really lucky. Kann man so sagen. David meint ich habe alles richtig gemacht. Da kann man nicht viel machen. Niemand kann Windböen vorhersagen. Jemand schüttet eine Wasserflasche über mich. Er meint ich bin schmutzig und brauche eine Dusche. Wir lachen wieder.

The last weeks I didn’t really get to jump, because I couldn’t combine it with work. But yesterday Beth realised that I worked for a month straight through. And she could give me off the day. So I went to the dropzone as soon as the wind died down. 2 tandems. So only one load. But doesn’t matter. It is gonna be my first jump from 10 000ft. I am excited. Let’s get up. Almost 30 seconds of free fall. Amazing. I love it. Open the parachute and fly around. Up to 1000ft. I suddenly feel my parachute getting blown around. Turbulences. Yeah that is gonna be an interesting landing. Prepare yourself. Feet up. Flare. And feet down. Turn around and ..too late. A wind gust aimed for me and drags me over the ground. I close my eyes and mouth what I learned by sandboarding. It helps to protect your mouth and eyes from the sand. Oh and I have a helmet, so press it to the ground. Might help breaking. Suddenly I stop. I stay flat to the ground. Until the two packers arrive and help me to control the parachute. David, my instructor, helps me to stand up and asks me if I’m ok. Not sure, don’t feel anything so I should be fine. Dries arrives with a bottle of beer ‚think you need that‘. Thank you, that was more adrenaline than in free fall. ‚Are you hurt?‘ I check my body and find some scratches on my little finger and my left elbow. ‚That’s it?‘ Seems like it. ‚You’re really lucky!‘ Definitely.
David said there was nothing I could have done. It’s a wind gust you can’t predict it and can’t escape. Betsy throws a bottle of water over me because apparently I’m dirty. And there we laugh again.

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