Mein nicht normaler Alltag

Ich weiß, ich habe alles andere als einen normalen Alltag. Aber wenn man das was für mich zum Alltag geworden ist, als normal nimmt, dann waren die letzten beiden Tage definitiv nicht normal.

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Fangen wir bei gestern an. Beth hatte frei. Ich habe die Kunden abgeholt. Und meine Scheibenwischer abgetippt. It’s so amazing! Rain drops on the window! So exciting! Rufe ich begeistert durch das Auto. Der nette Herr hinter mir meint nur „that’s nothing exciting for us“. Doof. Freut euch doch für uns! Freut euch für das Land, das in 6 Monaten im Landesinneren und somit auch in der Hauptstadt kein Wasser mehr haben wird. Freut euch für dieses Land, dass es regnet.

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Aber wie auch immer. Mir ist es eigentlich egal wie ihr dazu steht. Ich werde den Trip durchführen. Ob mit oder ohne euerm Lächeln. Übrigens könnt ihr das gar nicht Regen nennen. Ihr werdet nämlich gar nicht nass. Ich arbeite sogar im T-shirt. Ach und by the way. Wenn ihr wüsstest wie die Kunden letzte Woche das Wetter verflucht haben, weil es so heiß war, dann würdet ihr euch über die heutigen angenehm kühlen 20 Grad freuen. Ich freue mich jedenfalls.

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Und der Himmel sieht bezaubernd aus mit den Regenwolken, dem Nebel und den Schäfchenwolken im Wechsel. Nur habe ich selbstverständlich meine Kamera nicht dabei. Und das Bild von unserem Kameramann gibt die Stimmung nicht wirklich wieder.
Soviel zum gestrigen Tag. Heute hat Beth beschlossen die einzigen beiden Kunden für heute zu fragen, ob sie auch morgen Sandboarden gehen können und uns allen dann frei gegeben. Also um 10 Uhr dann. Nachdem die Autos ge- und wieder entpackt waren. Ich also schon wach war seit 7:30 Uhr. Was macht man dann mit so einem angefangenen Tag? Eigentlich wäre ein Putztag an der Reihe. Also Handtücher, Bodenwischer und Vorhänge in die Waschmaschine geworfen. Und dann erst Mal zum Strand. Mit Zak. Der war schon ganz verwirrt, weil kein Kombi heute zur Düne gefahren ist. Aber mit einem Strandspaziergang kann er auch leben. Und ich kann mich danach besser aufs Putzen konzentrieren. Staubsauger von Jason, meinem Nachbarn, leihen und los geht’s. Einmal alle Wände absaugen. Ich will alle Spinnen! Oder sollte ich die lassen? Die fressen zumindest die nervigen Moskitos. Zu spät. Spinnen weg. Also müssen die Moskitos jetzt auch eingesaugt werden. Fliegendes Fangspiel. Muss lustig aussehen wie ich mit dem Staubsauger durch die Luft wedele. Aber Hauptsache die Viecher sind dann weg. Und weiter geht es ins Badezimmer. Ich weiß, dass da eine große Spinne ist. Ich sehe sie immer wenn ich dusche. Doch, oh Wunder jetzt ist sie nicht da. Na toll, dann sehe ich sie wohl wieder, wenn ich heute Abend dusche. Schnell das Bad aussaugen und aufwischen womit der einfache Part fertig ist. Danach kommt mein Zimmer dran. Das all-in-one Zimmer. Schlaf- und Wohnzimmer in einem. Mit Teppichboden ausgelegt. Was perfekt ist für jemanden wie mich der 24/7 barfuß läuft und somit den ganzen Schmutz von draußen auf dem Teppich verteilt. Bevorzugt Samen. Denn Jason füttert die Vögel direkt vor meiner Türe. Also laufe ich durch die Samen und drücke sie in meinen Teppichboden hinein. Und jetzt versuch das Mal herauszubekommen. Mit einem Staubsauger, der eine Kraft wie ein Luftstoß hat. Damit kannst du nur mit dem Rohr saugen. Senkrecht auf den Teppichboden halten. Und schön langsam. Ja der Staubsauger ist alt. Und ja er wurde schon 17 mal geklebt. Aber ich beschwere mich nicht. Solange ich mir keinen eigenen leisten kann, bin ich froh diesen ausleihen zu dürfen. Jason bemerkt, dass die Vorhänge das erste Mal in ihrer Geschichte gewaschen wurden. Und das ist nicht auf mich bezogen. Diese Vorhänge sind vermutlich schon über 10 Jahre in der Wohnung. Aber vor mir haben nur Männer dort gewohnt. Ich will keine Vorurteile verteilen, aber laut Jason wird alles, was ich putze das erste Mal geputzt, weil meine Vorgänger nie geputzt haben. Männer halt. Ich sauge weiter. Vogelfedern ein. Selbstverständlich habe ich Vogelfedern im Zimmer, wenn eine Million Vögel vor meiner Wohnung gefüttert werden. Und sonst so? „That’s very German to hang the curtains right after washing back to the window. Because why should you hang them on the washing line, if you can hang them right on their place.“ Ich verstehe seine Bewunderung nicht und sauge weiter. Wieso sollte ich Vorhänge auf die Wäscheleine hängen? Auf die Idee wäre ich nie gekommen. Kurz vor Schluss helfe ich einem von Jason’s Freunden noch mit einem elektronischen Gerät. Von Fahrenheit auf Celsius umgestellt. Kein Hexenwerk. Für diese älteren Herren schon. Ich sauge fertig. Bedanke mich. Gebe den Staubsauger zurück. Frage nach einem Schraubenzieher. Was würde ich bloß ohne Jason machen? Ziemlich dumm gucken auf jeden Fall.
Also am Waschbecken herumschrauben. Abfluss reinigen. Jetzt wird Jason neugierig. „You are on a mission today! What are you doing?“ Als er herausfindet, dass ich den Abfluss reinige kommt er mit einem Reinigungsmittel herein. Angeblich haben meine Vorgänger auch das Waschbecken immer verstopft. Ich erspare euch die Erklärung wie. Auf jeden Fall ist das jetzt auch sauber. Und ich fühle mich wieder wohl in meinem Heim.

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Solange bis Jason, der Künstler ist und alles Mögliche repariert und herstellt, anfängt vor meinem Fenster zu sägen. Nein!!! Kurz zuvor öffnet er den zurück gebrachten Staubsauger und stellt fest dass in meinem Zimmer viel Dreck ist. Nein echt jetzt? Weißt du von wo das kommt? Von deinem Arbeitsstaub, deinen Vogelsamen und all den anderen Müll den du vor meiner Türe fabrizierst. Maybe you’re right

TIA.
This is Africa.
Africa is tough.

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