Viel Sand, Regen, keine Touris und Nachtspaziergänge

Ich sitze auf dem Sofa und lausche dem Wellenrauschen. Ja durch das geöffnete Fenster hindurch kann ich den Ozean hören. Ich bin total entspannt. Obwohl eine recht turbulente Zeit hinter mir liegt. Es hat sogar schon geregnet! Hier in der Wüste. Das ist etwas Besonderes für uns.
Ich bin jetzt erst 7 Tage in Namibia und doch kommt es mir schon viel länger vor. Es ist einfach schon so viel passiert in dieser Woche. Alles begann mit meiner Welcome back Party. Meine erste Woche wurde zu Nicis Farewell-week (Abschiedswoche). Nici ist die Freundin, die ich in Namibia kennengelernt habe. Mit der ich am Strand joggen gegangen und Zak mitgeschleppt habe. Mit Nici habe ich zusammen die Jungs zu Aktivitäten gebracht und die Monate sind wie im Flug verflogen. Jetzt soll das alles zu Ende sein? Ich kann es noch gar nicht richtig begreifen. Eigentlich brauche ich erst Mal Zeit, um langsam anzukommen. Doch dafür ist keine Zeit. Rock climbing. Campen. Farewell party. Farewell braai. Ein letztes Mal gemeinsam den steckengebliebenen Kombi aus dem Sand schieben. Ein letztes Mal die Freunde vor der Haustüre absetzen. Und dann stehen wir da. Wie zwei verlorene Schafe. Stehen uns gegenüber. Gegen Mitternacht unter der Straßenlaterne. Die Hände hinterm Rücken verschränkt. Stumm. Unfähig etwas zu sagen. Unfähig diesen Abschied zu beginnen. Wie soll man denn auch bitte so eine füllende Zeit mit einer Umarmung abschließen? Ich kann das nicht. Und auch nicht die richtigen Worte finden. „Danke“ bringen wir beide noch über die Lippen. Dann drehe ich mich um. Öffne die Fahrertür des Kombis. Starte den Motor. Und fahre los. Ohne mich nochmal umzudrehen. Ich kann das nicht. Abschiede. Abschiede sind etwas schreckliches. Ich bin keine die losweint. Ich bin die, die Tage später erst feststellt, dass die Person fehlt. Beim Joggen. Beim Zak suchen. Beim Volleyball spielen. Beim einkaufen gehen. Beim Feiern gehen. Beim Klettern. Beim Skydiven. Beim Sandboarden. Ja sogar, wenn jemand das Handy nicht annimmt. Einfach überall. Ja Nici du fehlst mir. Sehr sogar.

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An Nicis letztem Tag kam noch hinzu, dass ich den ganzen Tag die Handwerker im Zimmer hatte. Neuer Boden kommt in meine Wohnung. Letztes Jahr hatte ich einen Rohrbruch weshalb die ganze Wohnung unter Wasser stand. Teppich musste raus, das stand nicht zur Frage. Aber genau jetzt? Zwei Tage nachdem ich eingezogen bin und alles eingerichtet habe? Ich hatte nicht mal Lust alles wegzuräumen und habe nur die Wertsachen aus dem Zimmer genommen als die Handwerker pünktlich um 8 Uhr vor meinem Zimmer standen. Naja und am Nachmittag stand natürlich alles wieder kreuz und quer. Aber der neue Teppichboden ist so schön weich. Und auch das Laminat im Badezimmer gefällt mir.
Aber ja wie gesagt. So war ich auch zusätzlich beschäftigt und konnte trotz der Tatsache, dass ich nicht arbeiten musste nicht zur Dropzone kommen und Nicis Solo-Sprung zu sehen. Ja, Nici hat die Static line begonnen und macht Solo Skydive Sprünge. Ich fühle mich auch schlecht, weil ich nicht da war. Aber es war einfach alles zu viel, dafür, dass es meine erste Woche war. Und mein Arbeitsvisum wurde ein zweites Mal abgelehnt. Nur gut, dass wir eh keine Kunden haben und ich so nicht arbeiten kann.
Den Samstag habe ich dann genutzt um zu entspannen und bin das erste Mal an Strand gegangen. Nach sage und schreibe 5 Tagen! Dabei lebe ich quasi am Strand. Eine Gehminute entfernt vom Strand. Viele von euch wissen, dass ich immer die erste bin, die ins Meer rennt sobald sie dort ankommt. Ja, jetzt bin ich wieder da am Meer.
Am Sonntag ist dann auch schon Tamara angekommen. Tamara, die ich in Ghana kennengelernt und in der Schweiz wiedergesehen habe. Damals in Ghana war sie mit einem 25 kg schweren 80 Liter Rucksack unterwegs, den selber nicht einmal hochgehen konnte. Als ich sie gestern am Flughafen abholte, konnte ich ihren 10 kg leichten 50 Liter Rucksack mit zwei Fingern hochheben. Ja, Reisen lehrt. Mehr als jede Schule. Und da sind wir jetzt.

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Wieder vereint.
Während ich im Haus die Stellung halten muss, weil meine Chefin ab nach Windhoek ist, schicke ich Tamara für ein paar Tage auf Safari. Es sind zwar jetzt schon 3 Tage am Stück, an denen ich nicht gearbeitet habe, aber das gehört zu diesem Job dazu. Die Ungewissheit. Die Ungewissheit darüber wann und ob du arbeiten musst. Ich nehme mir die Gelassenheit dafür aus dem Meer. War heute wieder nach dem Abendessen mit Zak am Strand. Nachtspaziergang. Sehr entspannend. Sanftes Wellenrauschen. Sterne am Himmel. Und rot leuchtende Wolken zwischendurch, die von den Lichtern der Stadt gefärbt werden.
Damit wünsche ich euch eine gute Nacht!

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