Wiedersehen

Zum Glück habe ich mir einen Sitzplatz reserviert. Sonst könnte ich mich gar nicht entscheiden, wo ich mich hinsetzen soll.
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Willkommen im Zug der SBB von Stuttgart nach Zürich. Ja nach Zürich will ich. Oder in die Nähe von Zürich. Nach Grafswald. In das Dorf, in dem Tamara eben wohnt. Die Schweizerin mit der ich vor über einem Jahr in Ghana 24 Stunden am Tag 2 Monate lang verbracht habe. Vor wenigen Stunden stand ich noch auf dem Spielfeld. Mal wieder ein Handballspiel. Mal wieder eine dumme Abwehrbewegung. Mal wieder umgeknickt. Mal wieder die Bänder demoliert. Aber das Tor verhindert!
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Also Knöchel verbunden. Snowboard unter den Arm geklemmt, Rucksack auf den Rücken geworfen. Über den Stuttgarter Bahnhof gehumpelt. Ab geht es in die Schweiz. Auf der Zugfahrt über die schlechte Internetverbindung geflucht. In Ghana war die besser auf den langen Busfahrten. Zugticket online gekauft. Für den nächsten Kurztrip. Hat eine halbe Stunde gedauert, weil die Verbindung immer abgebrochen ist. Noch ein Zugticket gekauft. 3 Stunden vergangen. Nächster Halt Zürich Hauptbahnhof.  Aufstehen. Fluchen. Sachen packen. Auf den Bahnsteig hüpfen. Fluchen. Zu den Rolltreppen humpeln. Auf die Uhr schauen. Fluchen. Ich habe noch 5 Minuten bis meine S-Bahn nach Effredingsda (kann mir den Ort nicht merken, aber da holt mich Tamara ab) abfährt. Ich habe noch kein Ticket für die Fahrt. Ich habe noch keine schweizer Franken. Gleis 43 suchen. Einen Versuch starten zu rennen. Fluchen. Weiterhumpeln. Den Fahrkartenautomaten besetzen. Visa Karte mit einer Hand umklammern. Effredingsda eingeben. Wieso steht da ein Betrag in Euro? Rucksack abwerfen. Geldbeutel herausholen. Euros einwerfen. Ticket holen. Auf die Uhr schauen. Fluchen. Zu den Rolltreppen rennen. Sah wohl eher wie hüpfen aus. Fluchen. Auf dem Bahnsteig verwirrt umher schauen. Ist das mein Zug? Hineinspringen während ich auf der Anzeige Effredingsda lese. Türen gehen zu. Puuh, das war knapp. Lächeln. Hat doch alles Bestens geklappt. Weiß gar nicht wieso es nicht klappen hätte sollen. 6 Minuten Umsteigezeit um halb 12 nachts in Zürich sind völlig ausreichend. Und so falle ich kurze Zeit später Tamara um den Hals. So dick angezogen haben wir uns auch noch nie gesehen. Sagt sie als erstes. Lachen. Ich freu mich auf die nächsten Tage.
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Am nächsten Tag sitzen wir um halb 8 schon wieder im Auto. -6 Grad Außentemperatur. Ab geht’s zum Skifahren (und boarden)! Nach 20 Kilometern bleiben die Scheiben schmutzig.
„Ich glaube mein Spritzwasser ist leer.“
Das glaub ich auch. Hast du noch welches im Auto.
„Ähm Nein. Ich wüsste ja nicht einmal wo ich das einfüllen soll.“
(Wie oft habe ich mich schon mit meinem Papa gestritten, weil ich spontan Skifahren gehen wollte und er dann genervt war, weil wir das Spritzwasser im Dunkeln auffüllen mussten. Das muss nämlich jedes Mal vor dem Ausflug ins Skigebiet aufgefüllt werden. Und wie oft hat er mir gesagt, auf dem Parkplatz im Skigebiet es erneut nachzuschütten bevor ich wieder heimfahre. Wie oft habe ich das vergessen und bin 1 Kilometer vor meiner Haustüre an den Rand gefahren, um es nachzuschütten, damit Papa nicht merkt, dass ich vergessen habe. Aber ja deshalb bin ich nie ohne Scheibenwasser dagestanden.)
Bei der Rückfahrt kaufen wir welches an der Tankstelle.
„Gibt es das dort?“
Ja. Weißt du wo man deine Motorhaube öffnet?
„Ähm nein, keine Ahnung.“
*Lachen* Ja ich habe dich definitiv vermisst Tamara!
Ich werde es dir auffüllen.
Aber nicht, dass du das Wasser beim Öl einfüllst.“
Bösen Blick verteilt. Ich bin zwar ein Frau, aber so gut kenne ich mich dann doch aus beim Auto!
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10 Kilometer später sehen wir vor uns eine Bahnschranke sich senken.
„Um Gottes Willen sind die lebensmüde? Wieso fahren die beiden Autos noch weiter?“ fragt Tamara entsetzt während sie bremst.
Tamara die Schranke bezieht sich auf eine Seitenstraße. Du darfst wieder beschleunigen und den beiden Autos hinterfahren.
Weitere 5 Kilometer weiter fahren wir auf eine nicht geräumte Straße.
„Ich weiß nicht Mal, was ich machen muss, wenn ich ins Rutschen komme. Lenken? Bremsen oder Gasgeben?“
Am Besten Handbremse anziehen und Gas geben.
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Wir starren entgeistert auf das Thermometer. -14 Grad. Und die Temperatur fällt stetig. Am Tiefstpunkt erreicht sie -18,5 Grad. Hätte ich gewusst, dass es so kalt wird, hätte ich mich wärmer angezogen. Hätte ich einfach Mal den Wetterbericht gelesen. Hätte ich mich ordentlich vorbereitet. Zu spät. Das überlebe ich auch so.
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Ein Traum von Skifahrbedingungen warten auf uns in Hoch-Ybrig.
Perfekt präparierte Pisten.
50 Zentimeter Pulverschnee im Gelände.
Sonne pur.
Keine Menschen.
Herrlich.
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Während dem Boarden stelle ich noch fest wie sehr man das Fußgelenk beim Snowboardfahren belastet. Ich steuere damit, ich federe und fange Sprünge damit ab. Naja, war heute alles etwas schmerzhafter als sonst. Aber ich wollte es ja. Aber am Abend sah der Fuß auch dementsprechend aus. Dick und blau.
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Bis wir uns dann Richtung Mittagspause aufmachen. Tamara die Skier zusammenklappt. Anne wir haben ein Problem. Meine Ski sind kaputt.  So wie sie die beiden hochhebt, fällt ein Teil von der Bindung ab. Besser gesagt der Skistopper. Oder wie das Teil auch immer heißt. Keine Panik Tamara, das kriegen wir wieder hin! Ich schaue den Ski mir an, sehe aber nichts, weil er so vereist ist. Ich stelle ihn ins Haus, damit das Eis schmilzt, während wir essen. Unser Schnitzel für fast 25€ genießen. Ja die Schweiz ist wirklich teuer.
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Danach untersuche ich den Ski wieder. Ich brauche nur einen Schraubenzieher. Kreuz bitte. Tamara bittet einen Kellner um einen und schon ist der Ski wieder repariert. Also weiter geht’s.
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So verbringen wir gemeinsam einen kalten aber wunderschönen Tag im Schnee.
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Und auf dem Rückweg halten wir an der ersten Tankstelle, kaufen Spritzwasser und ich zeige Tamara 1) wo man die Motorhaube öffnet und 2) wo das Wasser nachgefüllt wird und wo das Öl drin ist. Nur damit sie das auch weiß.

P.S.: Ich kann es immer noch nicht glauben, dass du Wasser aus dem Weizenglas trinkst. 😀
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