Kurztrip nach Florida

Wie, du fliegst schon wieder nach Afrika und zu mir kommst du nie?
Ich fliege dort hin, um zu arbeiten.
Ich würde dir das Geld geben, damit du herfliegen kannst. Aber wieso musst du jetzt wieder nach Afrika?
Ich bin dort glücklich Rita.
Stille
Ich mache das für mich. Es ist meine Entscheidung. Mein Leben das ich lebe. Und ich möchte mein Leben glücklich leben. Deshalb fliege ich wieder nach Namibia. Weil ich dort glücklich bin.
Stille
Wieso soll ich woanders hin, wenn ich dort meinen Platz für  jetzt gefunden habe? Ich habe nicht gesagt, dass es für immer ist.
Wie lange bleibst du?
Solange wie ich dort glücklich bin.
Bist du im November zu Hause, wenn ich nach Deutschland komme?
Weiß ich nicht.

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Dieses Gespräch habe ich im Mai 2015 mit meiner Tante geführt, als ich einen Monat in Deutschland war und dann für 6 Monate nach Namibia zum Arbeiten geflogen bin. Sie wohnt in den USA. Und nein, ich war noch nie dort. Meine Eltern sind mit mir als Kind nie irgendwo hin geflogen. Als Auswanderer aus Rumänien hat dafür erstens das Geld gefehlt und zweitens wollte meine Mama nie fliegen. So saß ich das erste Mal mit 16 Jahren in einem Flugzeug. Alleine mit einer Freundin. Auf dem Weg nach Lanzarote. Über 3 Stunden hat der Flug gedauert. Das weiß ich noch. Mehr nicht. Danach bin ich pro Jahr ein bis maximal zwei Mal geflogen. Immer mit Freunden. Immer zu einem Reiseziel innerhalb Europas. Nur bei einem Urlaub auf die griechische Insel Kos, habe ich einmal einen anderen Kontinenten betreten, als ich einen Tagesausflug in die Türkei machte. In den asiatischen Teil. Und dann kam Afrika ins Visier. Und Afrika ließ mich nicht mehr los. Lange Flüge. Viele Umstiege. Alleine unter hunderten von fremden Gesichtern. Alleine in fremden Kulturen. Alleine ohne Angst. Nur mit Neugier. Und plötzlich schlafe ich bei Start und Landung im Flugzeug anstatt Bonbons am laufenden Band zu lutschen um den Druckausgleich zu schaffen. Plötzlich ist jeder Flughafen wie ein Bahnhof für mich. Klein. Einfach zum Zurechtfinden. Nach 5 Langstreckenflügen in 15 Monaten. In diesen 15 Monaten sitze ich mehr Stunden im Flugzeug als die 21 Jahre davor zusammengezählt.
Frankfurt – Accra
Accra – Daressalam
Kapstadt (-Johannesburg – Doha) – Frankfurt
Frankfurt – Windhoek
Walvis Bay (- Johannesburg – Dubai) – Frankfurt
Und jetzt sitze ich im nächsten Flieger. Ich weiß nicht einmal wielange die Flugzeit ist. Ich weiß nur, dass noch 2:19h verbleiben.
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Frankfurt – Tampa
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Ein weiterer Überraschungsflug. So wie bei meinem Heimflug aus Namibia am 4. Dezember erwartet mich auch diesmal niemand am Ankunftsort. Meine Tante erwartet meinen Onkel und seine Frau, die mit ihr ihren 60ten Geburtstag in Venice feiern wollen. Sie weiß allerdings nicht, dass noch 8 weitere Verwandte und Bekannte im Flugzeug sitzen. Und sie weiß nicht, dass ich komme. Im Dezember hat sie mich angerufen und mich etwas beleidigt gefragt, wieso ich erst im Dezember heimgeflogen bin und nicht zwei Wochen früher. Da war sie noch in Deutschland. Weil es mein Leben ist. Und meine Entscheidung ist wann ich wohin fliege. Und genau deshalb fliege ich jetzt zu dir. Für 6 Tage einmal über den Atlantik und wieder zurück. Kann man schon Mal machen. Oder was meint ihr? Früher habe ich immer gesagt, wenn ich sie besuchen gehe, dann fliege ich nicht nur für zwei Wochen rüber. Nein, dann will ich auch etwas vom Land sehen und herumreisen. Mit dem Camper die Westküste entlang. Oder so etwas in der Art. Früher. Das war die alte Anne. Die neue Anne erfährt an einem Tag von dieser geplanten Überraschungsparty. Fragt wieso jeder davon weiß nur ich nicht. Fragt Mama und Papa wieso sie nicht mitfliegen. Und bucht den Flug wenige Stunden später. Sitzend in Swakopmund. Den Direktflug Frankfurt Tampa. Ohne den Flug von Namibia nach Deutschland überhaupt zu haben. Spontan. Offen für verrückte Ideen. Voller Überraschungen. Das ist die neue Anne.
Packt 7 Tops. 7 Mal Unterwäsche. Einen Bikini. Einen Pulli. Eine kurze Hose und ein Paar Flip-Flops in den Koffer. Und fragt sich wieso er so leer ist?
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Mama was muss ich noch mitnehmen?  frage ich meine Mama. Bin ich doch die letzten 15 Monate immer nur mit einem Rucksack gereist. Mama gibt mir noch einige Bücher für meine Tante. Mein Papa eine Flasche Schnapps. Kulturbeutel hinein und Koffer zu.
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Wann gehst du morgen los Anne? Weiß ich nicht Mama. Ich suche mir bevor ich schlafen gehe eine Verbindung heraus und stelle mir dann dementsprechend den Wecker. Ich weiß immerhin schon, dass mein Flieger um 11 in Frankfurt abhebt. Reicht das nicht? Meine Freundin fragt mich wo die alte Anne geblieben ist.
Die, die immer überpünktlich war.
Die, die immer top organisiert war.
Die, die alles geplant hat.
Die, die immer Tausend Dinge an einem Tag gemacht hat.
Die, die Langeweile nicht kannte, weil sie zu viel Programm hatte.
Die, die verloren war, wenn sie Mal 5 Minuten nichts zu tun hatte.
Die, die immer verantwortungsbewusst gehandelt hat.
Die, die sich selbst fast immer hinten angestellt hat.
Die, die immer im Stress war.
Die, die kein englisch kann.
Diese Anne habe ich zurückgelassen. Es wurde Zeit für eine andere Anne.
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Eine, die auch mal zu spät kommt.
Eine, die nicht weiter als bis Morgen plant.
Eine, die keinen durchgeplanten Tagesablauf hat.
Eine, die auch Mal Zeit verbringt Nichts zu tun.
Eine, die auch Mal spontan einen zwei Tagesausflug organisiert.
Eine, die auch Mal Fehler macht. (Und diese zugibt.)
Eine, die auch Mal etwas vergisst.
Eine, die lernt, dass man nicht an alles denken muss.
Eine, die lernt, dass ihre Freunde an das denken, was sie vergisst.
Eine, die auch Mal Zeit für sich braucht.
Eine, die auch mal entspannt.
Eine, die plötzlich auf Englisch denkt.
Eine, die sich selbst nach vorne stellt.
Eine, die trotzdem für ihre Freunde und Familie da ist.
Eine, die Entscheidungen trifft wie sie es will.
Eine, die durch Nichts zu stressen ist.
Eine, die verrückte Dinge tut.
Eine, die auch Mal verantwortungslose Dinge tut.
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Eine, die viel lacht.
Eine, die glücklich ist.
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Und ja, das ist was meine Reise durch Afrika mit mir angestellt hat.
Und wenn du mit dieser Veränderung nicht klar kommst, dann muss ich leider Tschüss sagen. Denn ich ändere mich nicht für andere Menschen.
Wenn du allerdings mit mir den Schritt gehen willst, dann verspreche ich dir du wirst noch mehr Spaß haben mit mir als früher und mehr lachen 😉
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An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Eltern bedanken, denn ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Ohne sie wäre ich nie in der Lage gewesen, solch einen Schritt zu wagen. Und damit meine ich nicht die finanzielle Hilfe. Ich meine damit die Erziehung, die sie mir mitgegeben haben. Die Selbstständigkeit zu der sie mich erzogen haben. Die Stärke, die sie in mir aufgebaut haben. Die Offenheit anderen Kulturen gegenüber. Die Fähigkeit selbst zu denken und Regeln nicht blind einzuhalten, sondern zuerst in Frage zu stellen. Den Mut, Dinge auch alleine tun zu können. Und die Kraft auch Mal gegen den Strom zu schwimmen. Danke dafür!
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Und jetzt ist der nächste Langstreckenflug auch schon wieder vorbei. Dabei kam er mir gar nicht so lang vor. Gut, ich bin schon eingeschlafen bevor wir überhaupt auf die Startbahn gerollt sind. Aber pünktlich zum Mittagessen war ich wach. Winnetou 3 angeschaut. Am Ende vom Film eine Träne verdrückt. Dann ein bisschen gelernt. Und anschließend 3 Stunden am Stück geschlafen. Einen weiteren Film angeschaut. Ich bin Malala. Definitiv empfehlenswert. Ich bewundere dieses Mädchen. Soviel Mut hätte ich auch gerne. Sich einfach gegen die Taliban auflehnen. Als kleines Schulmädchen. Jetzt Friedensnobelpreisträgerin. Zurück zum Thema. Was habe ich auf dem langen Flug noch gemacht? Über meine schlafende Sitznachbarin geklettert, die geschlafen hat. Mein Onkel musste lachen. Was denn? Ich wollte sie nicht wecken. Anschließend eine Runde im Flugzeug gedreht. Wieder über die Sitznachbarin geklettert. Ihr Kopftuch etwas verrutscht. Zurückgerückt. Hingesetzt. Gelernt. Und jetzt dann philosophiert. Eigentlich wollte ich euch nur berichten, dass ich das erste Mal den Fuß auf amerikanischen Boden setzen werde. Und dann hat mein Hirn verrückt gespielt. Meine Finger nicht mehr aufgehört zu tippen. Tut mir Leid. Ich wollte heute eigentlich keinen so langen Eintrag schreiben. Jetzt ist es wieder ein Roman geworden. Deshalb sage ich Respekt, wer bis zum Ende gelesen hat! Danke =)
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2 Gedanken zu “Kurztrip nach Florida

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