Ein bisschen improvisieren beim Organisieren

Was macht man an einem sonnigen Sonntagmorgen? Genau, arbeiten! Und wieso? Weil man seinen Job liebt. Meistens zumindest…
7 Uhr Wecker klingelt.
Anziehen.
Ins Auto springen.
Zu meiner Freundin Des fahren, wo ich eigentlich noch auf die Wohnung aufpassen muss, da sie im Urlaub ist.
Katzen füttern.
Wäsche in die Waschmaschine werfen.
Zurück fahren.
Hund und Katze meiner Chefin füttern.
Essen für den Trip einkaufen.
Packliste für meine Angestellten schreiben.
Pick-ups organisieren und jedem mitteilen wer wen wo abholen muss.
Losfahren.
Kunden anrufen, weil sie nicht dort stehen wo sie sollten.
Kunden doch noch finden und einladen.
Auf dem Rückweg die Orientierung verlieren und so tun als wüsste ich wo ich lang fahre.
Anruf von meinem Mitarbeiter erhalten, weil meine Freundin Nici (sollte heute für mich arbeiten) nicht dort steht wo sie abgeholt werden sollte.
Nici anrufen und fluchen, weil sie nicht abhebt.
Steven mitteilen, dass er ohne sie zur Düne fahren soll.
Endlich die Hauptstraße wiedererkennen.
Richtung Düne fahren.
Wieder an Nici denken.
Ein schlechtes Gewissen bekommen, weil ich nicht Mal weiß, ob sie gestern sicher heimgekommen ist nach der Party in der Disco. Ich bin eine schlechte Freundin. Nur weil ich selbstbewusst nachts durch Afrikas Straßen laufen kann heißt das nicht, dass anderen Frauen nichts passieren kann.
Über die Schotterpiste holpern.
An der Düne ankommen und Nici erkennen.
Durchatmen. Umsonst Sorgen gemacht.
Autopilot einschalten. Briefing durchführen.
Fragen der Touristen beantworten.
Steven und Paulus mitteilen, dass sie heute die stand up Boarder übernehmen und ich mit Nici die lie down Boarder nehme.
Entgeisterten Blick, aber schweigen von Paulus ernten.
Wütenden Blick und Widerstand von Steven ernten. Why? No way, I do the lie down boarders!
Steven erklären wer hier die Chefin ist.
Steven erklären, dass er das tut was ich sage. I am doing with Nici the lie down boarders, because it is a german family with 3 little girls.
Wütenden Angriff von Steven ignorieren. Well then you can do the afternoon trip as well!
Meine Güte du zickst mehr als jede Frau. Aber kein Problem. Ich kann den Trip mit Nici organisieren. Auch, wenn sie noch nie hier gearbeitet hat. Aber dann bekommt sie das Geld und nicht du. Ich dachte, du bist Pleite und brauchst jeden Cent? Aber was auch immer. Das ist dein Problem. Wenn du beleidigt sein willst, tu es. Aber bitte nicht vor den Kunden. Das ist absolut nicht professionell.
So übernehme ich die deutsche Familie und erkläre nebenbei Nici noch ihren Job als lie down instructor. Der Kameramann gibt mir Rückendeckung für den Streit mit Steven. No worries Anne, you made the right decision. Danke!
Rrrrrring. Alter Action good morning. Ja nebenbei beantworte ich auf der Düne noch 10 Anrufe. Aaaaaah. Lasst mich doch einfach einen Satz zu Ende sprechen! Es ist echt verflixt mit diesem Geschäftshandy. An manchen Tagen ist es so still, dass ich mehrmals am Tag darauf schaue, um zu kontrollieren, ob es überhaupt an ist, weil es nicht klingelt. Und dann gibt es Tage wie heute. Eine Nachricht von meiner Sekretärin. 5 weitere Kunden für heute Nachmittag. Perfekt. Gut, dass ich den Kunden gestern nicht abgesagt habe. Jetzt sind es immerhin schon 8 für den Nachmittagstrip.

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Der Trip läuft, die kleinen Mädels haben Spaß auf den Brettern und Steven hat sich auch eingekriegt. When is the afternoon trip? I just have to drop my car at home, my girlfriend needs it.
Na also geht doch. Rrrring. 10 heute Nachmittag.
Paulus kannst du nochmal arbeiten? Du siehst nicht gut aus. I would rather not. I feel like getting sick.
Alles klar. Nici? Ja ich kann nochmal, wenn du brauchst.
Ich rechne. Verdammt, ich brauche 3 Autos. Also 3 Fahrer. Nici traust du dir zu mit dem Minivan Kunden abzuholen?
Entgeisterte Nici starrt mich an.
Ok, ruhig durchatmen. Kriegen wir hin. Du fährst jetzt mein Auto mit den Kunden zurück und ich sitze neben dir. Ok, ja das wäre gut.
Nici ist noch nie im Linksverkehr gefahren. Und hinter dem Steuer von einem Minibus saß sie auch noch nicht. Ich erinnere mich an meinen Einstieg im März hier. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Noch als Backpacker zu der Zeit, half ich Beth an Ostern 4 Tage an der Düne aus bevor ich weiter gereist bin. Am Ostersonntag sagte sie mir, dass ich ein Auto von der Düne zurück fahren muss. Den Kunden das Office zeigen und sie an ihrem Hotel absetzen. Selbstverständlich kannte ich mich noch kaum aus. Mein Auto musste angeschoben werden, weil es nicht ansprang. Etwas holpernd habe ich es geschafft. Und den Wagen sogar zurück zur Werkstatt gebracht, obwohl ich dort noch nie war. Ja, das war ein Sprung ins kalte Wasser. Also stell dich nicht so an Nici. Ich bin echt einfühlsam mit dir. Gebe dir die Möglichkeit mit mir den Wagen zu fahren. Und du muss eh nur 5 Leute an unserem Office abholen. Du kennst ohnehin die Stadt schon, weil du schon 2 Monate hier lebst. Ich glaub nicht, dass ich den Weg zur Düne finde. Komm schon, du warst schon so oft mit mir sandboarden!

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Ok, alles klar. Du wartest am Office mit den Kunden auf mich und fährst dann hinter mir. Besser? Ja. Schalte in zweiten Gang. Breeeeems! Die Bremsen funktionieren nicht wie bei einem Neuwagen.
Rrrrring. Reaaaally? Wir sind eh schon spät dran. In einer halben Stunde müssen wir die Kunden für den Nachmittagstrip abholen. Vorher noch alles aus- und neu packen. Steven ist mit dem Ausrüstungswagen stehen geblieben. Gangschaltung funktioniert nicht mehr. Ich kann dich nicht holen. Ich muss meine Kunden weit außerhalb absetzen. Paulus soll dich ziehen. Hast du ein Abschleppseil?
Wieso jetzt? Wirklich? Muss das sein? Immer ich…
Also gut. Durchatmen. Kopf klar kriegen. Organisieren.
Nici nächste links.
Wir brauchen Beths Auto. Sie meinte wir werden es nicht brauchen, aber wenn doch muss ich Öl nachfüllen. Also gut, ich werde wohl 2 Minuten haben, wenn ich wieder in der Werkstatt bin. In den zwei Minuten muss ich den Wagen entsanden, Öl in Beths Auto füllen und kontrollieren, ob die Jungs nichts vergessen zu packen.
Wir setzen die Kunden ab. Nici kommt einigermaßen mit dem Wagen klar. Ich gebe ihr das Auto, das ich normalerweise fahre, weil es das Beste ist. Die Gangschaltung ist am einfachsten von allen. Ich nehme Beths Kombi. Fülle Öl nach. Wir brauchen Eis für die Getränke. Ich gebe Nici 10N$ und schicke sie über die Straße in Spar. Wir sehen uns am Office! Ich fahr los. Es ist 14:32 als ich bei dem ersten Hotel ankomme. Die Kunden sind nicht da. Noch auf Spaziergang durch die Stadt. Kann man machen, wenn man Sandboarden um 14:30 Uhr gebucht hat. Whatever, that’s africa. Immerhin bin ich nicht zu spät. Nach all dem Chaos. Um 14:40 Uhr tauchen die beiden auf, der Vater verschwindet aber für weitere 5 Minuten, um die Kamera aus dem Hotelzimmer zu holen. Rrrring. Meine Kunden rufen an. Wo ich bleibe. Ja, bin auf dem Weg. Geduldet euch. That’s africa. Ich fahre los. Mercha aus dem Office ruft an. Sie hat 2 mehr für mich. Um 14:45 Uhr buchst du 2 für den Trip um 14:30? That’s africa. Schuhgrößen? Ok, Steven ist mit der Ausrüstung schon auf dem Weg zur Düne. Ich hoffe wir haben genug Bretter und die richtigen Schuhgrößen. Wird schon. Ich hole die nächsten ab. Zähle einmal. Zähle nochmal. Solltet ihr nicht zu dritt sein? Yes, but….. Ok steigt ein!
Ich fahre am Office vorbei, warte auf Nici und lache innerlich, weil ich sehe, dass sie 7 kräftige Männer im Wagen hat. Jetzt zeig ihnen wie eine Frau fährt 😀
Wir kommen alle an der Düne an und ach Wunder schaffen wir es auch für jeden passende Schuhe zu finden. Unglaublich. Ich muss lachen. Steven we made it! Ja, der kleine Zwischenfall von heute morgen ist längst vergessen. Und ab die Düne. Steven und Nici übernehmen die lie down boarder, weil dort immer jemand unten und oben sein muss. Somit habe ich 10 stand up boarder. Eigentlich sollte man dafür auch 2 instructor haben. Aber gut. Ich schaffe das schon.
Der Nachmittag ist sehr windig und ich springe hin und her, aber irgendwie funktioniert alles. Um 6 bin ich wieder zurück in Swakop. Kurz ins Office, weil meine Kunden mit Kreditkarte zahlen möchten. Im Office sitzen die Kunden vom Vormittagstrip und warten auf das Video und die Slideshow. Ich sage kurz hallo und verschwinde wieder. Normalerweise würde ich dort anwesend sein. Heute muss das unser Kameramann alleine machen.
Ich setze die Kunden ab.
Fahre zurück in die Werkstatt.
Bezahle Nici und Steven für die Arbeit.
Fahre Nici heim.
Bedanke mich bei ihr für ihre Hilfe.
Fahre heim.
Checke Emails.
19 Uhr – Feierabend.
Nach gefühlten 12 Stunden Arbeit.
Nach tatsächlichen 12 Stunden auf Achse.
Jetzt habe ich Hunger! Und nein, ich werde jetzt nicht kochen.
Des? Lass uns essen gehen!
Während Des mir von ihrem tollen Urlaub erzählt, nehme ich nur die Hälfte wahr, weil man Hirn ausgebrannt ist. Irgendwie waren die beiden Tage Recht anstrengend. Fühle mich ausgelaugt.
Gute Nacht!

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