Opuwo – eine kleine Stadt im Norden Namibias

Heute morgen haben wir die hübsche Damara Mopane Lodge mitten im Nirgendwo verlassen und uns Richtung Norden aufgemacht. Next stop Opuwo.

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400 Kilometer liegen vor uns. Etwa die Distanz von gestern. Gestern haben wir mit kurzen Stopps 10 Stunden gebraucht. Heute sind keine Stopps geplant. Schaffen wir es in 8 Stunden? Die ersten 100 Kilometer legen wir erstaunlich schnell zurück. Die Straße ist in gutem Zustand, frisch begradigt. Breit. Kaum Verkehr, aber das muss ich ja nicht erwähnen. Auf meinen Strecken in Namibia begegne ich auf 100km etwa zwei bis drei Autos. Ja was ist das? Asphalt? Im Ernst jetzt? Aber nur durch den Ort oder? Der Asphalt geht weiter? Amazing!!

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Zig Kilometer weit erstreckt sich die Asphaltstraße vor mir. Die einzigen Hindernisse sind langsam fahrende Geländewägen, Kühe am Straßenrand und auf der Straße sowie kreuzende Ziegen- und Schafherden.

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Tatsächlich bleibt die Straße bis Opuwo in solch einem gutem Zustand, so dass wir die 400 km heute in knapp 4 Stunden zurücklegen.

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Abgesehen vom Anhalten wegen Viehherden musste ich noch zwei Mal stoppen. Einmal wegen einer Polizeikontrolle. Nummernschild wurde notiert, mein Führerschein begutachtet (habe den internationalen nicht erwähnt, da ich nicht wusste wo er ist, hat aber auch niemand danach gefragt) und weiter durften wir. Das zweite Mal mussten wir wegen einer medizinischen Blockade anhalten. Check wegen der foot and mouth disease. Diese Kontrolle kenne ich schon aus der Zeit, als ich durch das südliche Afrika gereist bin. Aus dem Auto aussteigen. Mit den Füßen auf das nasse Tuch (speziell vorbereitet) treten und wieder einsteigen. Der Angestellte spritzt kurz die Reifen ab und weiter geht’s. Ohne weitere Stopps bis nach Opuwo. Aus der Ferne sieht es wirklich aus wie eine große Stadt. Aus der Nähe erkennt man quasi nur Townships, wie Sandy es nennt.

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Es sind aber einfach die Häuser, in denen die Leute hier im Norden leben. Der Norden Namibias ist ärmer. Was mich sehr an Ghana erinnert.

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Wobei der Norden hier etwa so aussieht wie der Süden Ghanas.

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Sandy weiß noch nicht so genau wohin mit sich selbst. Erat Mal in die Unterkunft. Abba Guesthouse. Das haben wir reserviert. Die einzige Buchung, die wir im Voraus getan haben. Ein ok in einer Mail war die Bestätigung für die Reservierung.

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Hat aber geklappt. Und vor Ort festgestellt, dass zu dieser Unterkunft eine Schule gehört. Eine Schule mit 170 Kindern unter 6 Jahren. Ja wie ihr euch vorstellen könnt bin ich da sofort aufgeblüht. Habe mich in den Hof gesetzt und ihnen beim Spielen zugeschaut.

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Das sind tolle Klettergerüste. Mit Reifen als Schaukeln. Zwei Mädchen kommen zu mir. Sie heißen Alberta und Viktoria und lieben die Schule. Lernen macht ihnen Spaß. Sie haben jeden Nachmittag Schule und müssen jetzt wieder in den Unterricht. Ich lasse meinen Blick über die Straße gleiten. Beobachte die vorbeilaufenden Menschen.

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Eine Himbafrau schaut zum Tor herein. Hier laufen die Himbafrauen nicht wie in Swakopmund oder Windhoek zur Belustigung der Touristem in ihren traditionellen Gewändern herum. Nein hier laufen sie so herum, weil sie ihre Tradition leben.
Sandy und ich machen uns zu Fuß auf den Weg, auch wenn sie am Anfang gemeint hat hier läuft sie ganz sicher nicht herum. Wieso denn nicht? Oh, ja wir sind die einzigen Weißen hier. Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Aber keine Angst, die tun nichts, die sind nur freundlich. Ziegen und Kühe laufen an uns vorbei. Überqueren die Straße. Sandy sagt alle 5 Minuten krass. Ich genieße das ganze Treiben.

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„Was genießt du hier? Das ist doch alles nur schrecklich! Ja, ok die Berge im Hintergrund sind schön, aber der Rest ist einfach nur krass.“ Ich muss lächeln. Nein Sandy, ich fühle mich hier wohl. Es erinnert mich so sehr an mein Leben in Ghana. Ja es ist ein einfaches Leben. Aber die Menschen sind glücklicher als wir Europäer. Obwohl sie nicht Mal sauberes Wasser haben. „Wieso sprechen die uns dauernd an? Das nervt voll. Ich ignoriere es nur.“ (Bezogen auf die how are you – I’m fine and you Konversationen zwischen mir und den Einheimischen) Sandy, weil sie freundlich sind. Die wollen nichts von dir. Die wollen dich rein aus Höflichkeit grüßen.
Wir laufen weiter. Ein paar Frauen haben am Straßenrand auf einer Decke kleine Säcke mit Waren ausgebreitet. Ich bleibe stehen und schaue die Waren interessiert an. Sofort stürmt eine Frau heran. Sandy sagt nur „och nee echt nicht, das brauch ich jetzt nicht“. Jetzt ignoriere ich sie und fange ein Gespräch mit der Frau an. Die braunen Klumpen Erde verwenden die Himbas um die rote Farbe auf ihre Haut aufzutragen. Die Samen hier verwenden sie als Parfüm. Reiben sich damit ein. Ich darf einmal riechen. Riecht gut. And what are these leafs for? Die geben der Kleidung einen guten Duft. Thank you very much! Ich bedanke uns verabschiede mich. Mal wieder interessant so ein Gespräch mit den Einheimischen. Wieder etwas dazugelernt. Und hast du gemerkt Sandy, die hat mir gar nichts andrehen wollen, die hat mir freundlich alles erklärt ohne überhaupt Geld zu verlangen! Das meine ich mit die sind einfach freundlich.
Etwas später laufen wir noch in einen heruntergekommenen lokalen Tante Emma Laden herein auf dessen Türschwelle Sandy bereits sagt, dass sie hier auf jeden Fall nichts kaufen wird. Du musst nichts kaufen. Ich will nur, dass du einen Eindruck davon bekommst. Von dem Leben hier. Von den Menschen. Der Kultur. Beim erneuten Betreten der Türschwelle auf dem Weg nach draußen hat Sandy ein neues paar Schuhe an den Füßen und ein weiteres Paar Flipflops in den Händen. 4€ ausgegeben. Einen Eindruck reicher.
Zum Abendessen bringe ich sie noch in ein Restaurant. Draußen sitzen wir und unterhalten uns über die trockene Hitze hier im Norden und über geschwollene Hände, während hinter uns Kühe vorbeilaufen und im Müll wühlen. Sandy klopft Staub von ihrer teuren Handtasche. Ich lache. Seit Tagen versucht sie den Sand und Staub von sich und ihren Utensilien fern zu halten. Doch vergeblich. Dafür ist sie nicht nur im falschen Land, sondern auf dem falschen Kontinent. Akzeptiere es einfach. Dass du sandig und staubig bist. Es ist nur eine Woche für dich. Und du erleichterst dein Leben, wenn du nicht die ganze Zeit gegen die Natur ankämpfst. Es einfach akzeptierst. Und deine Energie für schönere Dinge aufbewahrst.

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