Von Spitzkoppe über Twyfelfontain nach Vingerklip

Heute morgen habe ich mich von meinen Freunden verabschiedet, bin mit Sandy ins Auto gestiegen und habe Spitzkoppe hinter mir gelassen.

image

Zwei Nächte unter klarem Sternenhimmel geschlafen. Ohne Zelt. Nur auf einer Matratze. Und nicht Mal gefroren. Hier im Landesinneren ist es unglaublich heiß. Was für ein Tag gestern. Der Aufstieg bis zur Spitze. Es war unbeschreiblich. Das Gefühl oben zu stehen. Es geschafft zu haben. Heute fühle ich nur noch Schmerz. In jedem Muskel. Zum Glück muss ich heute nichts anderes machen als das Gaspedal drücken.

image

Denn nur ich werde dieses Auto die nächsten 7 Tage fahren. Schließlich sind diese Schotterpisten mein neues zu Hause. Ich fahre täglich darauf. Zur Arbeit. Sandy sitzt neben mir und redet über die Spaltung von Lipiden und den Abbauprozess von Glucose (oder so was ähnliches, kann mir das nicht merken, die Begriffe klingen so fremd für mich). Sie lernt Biochemie für das Examen nach dem Urlaub. Sie studiert Mathe und Chemie. Ich studiere die Sand- und Schotterpisten. Wo ich 80km/h fahren kann oder doch nur 60. Aaaaaah, wieso schlitter ich trotzdem? Ok, dann halt 30!

image

Heute morgen habe ich Bones darum gebeten etwas Luft aus meinen Reifen zu lassen, da wir die Woche fast nur auf den gravel roads verbringen würden. Von 2,2 Bar hat er meine Reifen auf 1,8 vorne und 1,7 hinten gebracht. Ich fühle mich jetzt definitiv sicherer. Man fährt weicher. Trotzdem macht das Auto manchmal was es will und nicht was ich ihm sage.

image

Wir sehen Brandberg aus der Ferne.

image

Und während Sandy ihre biochemischen Formeln aufsagt spreche ich mit dem Auto. Weiter rechts, ich will weiter rechts fahren. Ok dann halt nicht. Auf diesen Straßen darf man das Lenkrad nicht wirklich bewegen, wenn man wie ich einen kleinen Polo und kein Allrad fährt. Deshalb lasse ich das Auto in den Spuren fahren, die es sich aussucht.

image

Neben uns stehen 4 Strauße. Wunderschöne Tiere. Ich fahre weiter. Möchte die Tiere nicht stören.

image

Die Straße geht auf und ab. Dreht sich nach links und rechts. Ganz untypisch für Namibia. Aber gefällt mir. Die Berge. Die Kurven. Die Anstiege.

image

Wir erreichen Twyfelfontain. Weltkulturerbe. Alte Felsmalereien. Wunderschöne Landschaft (für mich als Hobbyfotograf der interessantere Teil). Wir laufen los vom Parkplatz. Sengende Hitze. Um den Kiosk herum. Den anderen Leuten hinterher. Jemand ruft nach uns. Die Frau aus dem Informationszentrum. Have you been at the reception. Sandy schaut mich schuldbewusst an. Yes we have! entgegne ich der Dame. Sie sagt nur wir sollen der Gruppe vor uns folgen. Gesagt getan. Offensichtlich besteht die Gruppe aus einem Guide und 4 Touristen. Der Guide bleibt an einem Baum steht. Ich begrüße ihn und laufe weiter. Where are you going? Where is your guide?  Ich brauche keinen Guide. Was sagst du? Hier kann man nur mit Guide hin? Alles klar Sandy lass uns gehen.

image

Eintritt gespart. Natur bewundert.

image

Danach fahren wir weiter auf unserer Lieblingsschotterpiste.

image

Bis kurz vor Khorixas. Dort ist etwas schwarzes. Was ist das? Asphalt. Eine asphaltierte Straße? Im Ernst jetzt? Sandy worauf muss da jetzt achten? Nichts, fahr einfach.
Die nächsten 100 Kilometer in Richtung Vingerklip über den Asphalt gesaust, nur die letzten 20km waren wieder Schotter. Heute wollten wir in einer Lodge übernachten. Als Belohnung für Sandy, weil sie zwei Nächte mit mir Campen musste. Vingerklip Lodge haben wir ins Auge gefasst, doch ob die noch ein Zimmer frei haben?

image

Aber erst Mal genießen wir das wovon ich heute morgen geträumt habe: Vingerklip im Sonnenuntergang bewundern.

image

Wunderschön dieser einzelne Fels in der Landschaft.

image

Entstanden durch Erosion. Faszinierende Landschaft.

image

Doch was ist jetzt mit unserer Lodge? Wir erreichen das Tor. Geschlossen. Kein Pförtner zu sehen. Sandy lacht. Ich mache den Motor aus. Steige aus. Untersuche das Schloss. Rüttel am Tor. Sandy lacht noch mehr. Schiebe den Riegel zur Seite. Öffne das Tor. Sandy ist still. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich fahre hinein. Bis zur Rezeption. Was? Keinen Raum mehr frei? This time of the year we are fully booked. Sandys Laune kippt sofort. Ich unterhalte mich noch mit der Dame. Sie empfiehlt mir es in der Damara Lodge zu versuchen. Der nette Herr daneben wünscht uns the best accomodation for tonight. Dankeschön. Zurück ins Auto. Tor wieder öffnen und schließen. Sandy neben mir ist bedrückend still geworden. Schreibt ihrer Mutter, dass wir keine Unterkunft finden. Es ist auch schon spät. Die Sonne ist weg. Wir fahren 40 Kilometer bis zur nächsten Lodge. Das ist kein Scherz. Wir fahren nicht 40 Kilometer bis zum nächsten Ort. Nein zur nächsten Unterkunft. Näher gibt es nichts. Nur Wildnis. Habe Sandy vorgeschlagen, dass wir wildcampen. Fand sie nicht witzig. Also fliege ich wieder zurück über den Asphalt. Morgen müssten wir diesen Teil der Strecke eh fahren. Ich halte Ausschau nach dem Eingang der besagten Lodge. „Was ist, wenn die auch voll sind?“ Die werden nicht voll sein. Antworte ich überzeugt. Auch, wenn ich keine Ahnung habe was wir tun sollen, wenn die hier auch voll sind. Zum nächsten Ort sind es 50 Kilometer. Es ist schon nach 19 Uhr und ich sitze jetzt seit 10 Stunden hinter dem Steuer. „How can I help you? “ Do you have a space for two? Tatsächlich? Und schon werden wir hineingelassen. Am Parkplatz holt uns ein Mann ab. Zeigt uns das Zimmer. Das Buffet ist bis 8 heiß, bis 9 könnt ihr essen. Er wirft Sandys Koffer auf seinen Wagen, ich meinen Rucksack auf den Rücken und wir laufen zu unserer Hütte.

image

Am nächsten Morgen sehen wir erst den wunderschönen Innenhof.

image

Und stellen fest, dass um jede Hütte herum Gemüse angebaut wird. Karotten, Zwiebeln, Paprika, Petersilie und und und…

image

Was uns kurz darauf zum Abendessen aufgetischt wird.

image

Sandy und ich laufen in den Essensbereich hinein. Ein Kellner führt uns an einen Tisch. Wir setzen uns. Und jetzt? Wie funktioniert das jetzt? Wir stehen auf und schauen uns das Buffet an. Einfach bedienen? Die anderen Gäste schauen uns jetzt schon komisch an. Wir laufen um die Ecke und fragen doch noch Mal an der Rezeption nach. Einfach bedienen? Erst wird euch die Vorspeise gebracht und dann könnt ihr ans Buffet. Alles klar. Wir laufen zurück an unseren Tisch. Ein Kellner fragt nach unseren Getränken. Kurz darauf bringt eine Dame die Vorspeise.

image

Ich schaue Sandy hilflos an. Welches von dem vielen Besteck muss ich jetzt nehmen? „Von innen nach außen“ antwortet sie. Umgekehrt fände ich logischer, aber ich gehe davon aus, dass sie mehr Ahnung vom Verhalten in teuren Restaurants hat. Vorspeise war gut. Die Dame räumt unsere Teller ab und schaut etwas verdutzt auf das Besteck, das darauf liegt.

image

Wir stehen auf und füllen unsere Teller am Buffet. Sandy ich glaub nicht, dass man das so macht. Man tut immer nur ein bisschen auf den Teller und holt sich nach. Huuupsi zu spät. Wir laufen mit unseren Bergen von Essen auf dem Teller zurück an Platz. Ich versuche mich am Oryx Steak. Das Messer schneidet nicht wirklich. Sandy ich glaube wir haben das falsche Besteck benutzt. Wir lachen los. Die Leute um uns herum tuscheln schon. Wir müssen schon aussehen,  als hätten wir tagelang nichts gegessen. Wir lassen uns nicht ablenken und leeren die Teller. Nachschlag? Ja, aber mit dem demselben Teller? Eine Dame kommt und räumt unsere Teller weg. Ok, Frage beantwortet. Wir holen uns Nachschlag. Sollen die Leute doch denken was sie wollen, wir werden sie eh nie wieder sehen. Wir können uns das hier nicht jeden tag leisten, deshalb nutzen wir es aus. Der Nachtisch wird serviert. Womit muss ich den jetzt essen? Löffel oder Gabel? Iss einfach  unterbricht mich Sandy.

image

Der ist echt heftig. Mir fehlen die Worte. Eigentlich mag ich nichts wirklich schokoladiges. Aber das hier? Oh mein Gott, ich könnte mich darin wälzen. Göttlich! Sandy lässt die Hälfte drauf. Kratzt mit dem Löffel die Schokolade vom Teller. Sandy was tust du? Sie starrt auf den Nachtisch. Ach sch*** drauf ruft sie und isst den Rest auf. Der Kellner bringt einen Zettel. Müssen wir das jetzt zahlen?  Fragt mich Sandy. Ich lese nur Signature, unterschreibe und gebe ihm den Zettel zurück. Wir rollen zurück zu unserer Hütte. Lange nicht mehr so gut und viel gegessen.

image

Jetzt freue ich mich aber auf mein Bett. Mein ganzer Körper schmerzt von der heftigen Anstrengung gestern. Vom Aufstieg zur Spitzkoppe.

image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s