The real african experience – a braai in the river

Heute morgen habe ich meinen drei Guides gesagt, dass wir einen Nachmittagstrip haben und drei von uns arbeiten müssen. Steven schlägt vor Schere, Stein, Papier zu spielen, um festszustellen wer arbeiten wird. Aber ich, als derzeitige Chefin, sehe das anders „No Steven, you will work with Paulus and Richard this afternoon. No discussion! Richard will work double today because he did not show up for work since he partied with me on saturday night. Party is fine, but you still have to come to work the next day.“ Richard schweigt und akzeptiert. Steven versucht noch zu diskutieren, da er die Nachmittagstrips hasst. Aber keine Chance heute. Heute Nachmittag habe ich etwas vor und werde nicht arbeiten.
Mit meinen Freunden grillen. Im Flussbett landeinwärts. Nicht am Strand, weil der Nebel schon wieder tief über Swakopmund hängt. Ich musste am Nachmittag noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um die Jungs mitbekommen. So schwer hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ihr wollt surfen gehen? Es ist kalt, windig und neblig in Swakopmund. Außerdem sind die Wellen viel zu groß für euch. Ihr seid nicht gut genug im surfen um darin zu überleben. Ich kaufe alles ein für den Braai (das Wort in Afrikaans, das für grillen steht), hole Nici ab und sobald ihr vom skydiven zurück kommt, fahren wir los. Keine Widerrede! Verstanden?
Da die Jungs noch einige Sprünge am Nachmittag zu absolvieren haben, gehe ich erst mit Nici und Zak eine Runde am Strand joggen, bevor ich Bier und Fleisch einkaufe, einen Rost einpacke und was man sonst noch so für ein Braai braucht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo wir genau hinfahren, denn die Jungs haben mich noch nie dorthin mitgenommen. Aber ich weiß, was man zum Grillen braucht und alles weitere wird sich zeigen. Schlussendlich ist mein Kombi gepackt, Zak sitzt neben mir und wir sammeln die Leute ein. Bones bringt noch seinen Mitbewohner Martin mit. Der arbeitet nicht direkt für die Skydiver, er ist aber auch Pilot und mit ihm gibt es immer viel zu lachen. Alle drin? Also los, wohin muss ich fahren? Erst Mal Richtung Windhoek aus der Stadt heraus. „Anne, a beer?“ Zum 87ten Mal ich trinke nicht, wenn ich fahre. Kein Alkohol. „But why?“ Ich weiß, das versteht niemand in Swakopmund, aber so bin ich! Dawie fragt mich, ob er fahren soll. Ähm nein danke. Ich kann auch so Spaß haben. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt mir noch nicht im Ansatz vorstellen konnte was da noch auf mich zukommt und wieviel ich noch lachen würde.
An der nächsten Kreuzung rechts. „Do you have a four by four?“ fragt mich Martin, der Älteste unter uns. Selbstverständlich nicht. Du kennst doch diese Kombis. „We will get stuck in the river!“.
Dawie „what is a river?“
Bones „I guess it is that where you will get stuck in the sand with your car“.
Nein, ein Fluss in Afrika ist nicht dasselbe wie ein europäischer Fluss. Deshalb können wir auch im Fluss grillen. Aber diese Beschreibung bringt mich dennoch zum lachen. Wo lang? „Behind the fences right!“ ruft Martin von hinten. Ich biege ab. Fahre auf Sand. Noch entspannt, denn der Sand ist fest. Dawie, der Beifahrer, soll jetzt den Copilot spielen und mich lotsen. Denn jetzt geht es durch den weichen Sand. Die Spurrillen sind über 20 Zentiment tief. Martin sagt nur „don’t stop Anne!“ Spuren führen in alle Richtungen durch das Flussbett.

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Dawie: „turn left“
Peter: „no straight!“
Martin: „right!!“
Bones: „straight and then right!“
Nici lacht.
Jungs wollt ihr mich eigentlich veräppeln? Wisst ihr wo ihr hinwollt? Wenn ich könnte, würde ich jetzt stehen bleiben und warten bis ihr euch geeinigt habt. Da, das schlecht geht ohne stecken zu bleiben folge ich den Spuren, die am meisten gefahren wurden.
„Keep the steering wheel straight!“ ruft Martin von hinten. Würde ich ja gerne machen, allerdings muss ich in den Spuren bleiben und die gehen alles andere als gerade.
Turn right!
Left!
No!!
Right.
Ich höre schon nicht mehr zu. Wenn ich mich nicht so sehr auf das Fahren konzentrieren müsste, würde ich jetzt genau wie Nici vor lachen zusammenbrechen. Die Spuren machen eine scharfe Linkskurve um einen Busch herum. F***. Ich drehe das Lenkrad, komme halb um die Kurve. Knacks. Den halben Busch mitgenommen. Uuuuund Stopp. Selbstverständlich stecke ich fest. Rückwärtsgang einlegen. Keine Chance, das wars. Die Jungs öffnen die Schiebetüre. Zak springt heraus und pinkelt erst Mal an den Busch. Wir lachen uns alle kaputt.
Schauen uns dann die Hinterräder an. Keine Chance, da muss erst Mal Luft heraus gelassen werden.

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Sieht auf dem Foto vielleicht nicht so schlimm aus, aber da ging definitiv nichts mehr. Während ich erst Mal vor lachen aus dem Auto falle, gibt Martin Anweisungen an die Jungs. Luft raus aus den Reifen! „Fourtyfive seconds“. Eine Minute später schauen wir uns die Reifen an. Sind immer noch zu hart. Weitere 30 Sekunden bitte. Ok, reicht. Keiner der Männer macht Anstalten sich hinter das Lenkrad zu setzen und den Wagen herauszufahren. Angeblich habe ich mich doch nicht so schlecht geschlagen. Ich steige ein und lege den Rückwärtsgang ein. Die Männer schieben. Und ich bin draußen. Erster Gang. Losfahren. Zweiter Gang. Und weg fahre ich. Versuche in den sich durch den Sand schlängelnden Spuren zu bleiben. Zak rennt hinter mir. Ich fahre aus dem weichen Sand heraus. Halte an. Geschafft. Ich drehe mich um. Oh nein. Eine Bierflasche ist auf dem Sitz umgekippt. Konntet ihr euer Bier nicht mitnehmen? Nici’s Savanna steht noch auf dem umgeklappten Sitz. Jetzt breche ich vor Lachen zusammen. Wir haben immer diese Diskussionen über Bier und Savanna. Wir Frauen würden ja nix richtiges trinken. Whatever. Schaut her, sage ich den Männern, die langsam angelaufen kommen. Das ist eindeutig ein Punkt für das Savanna. Auch wenn ich keine Ahnung habe wie die Flasche bei dem auf und ab Gehüpfe stehen bleiben konnte.
Aber zurück zu unserem eigentlichen Plan. Wo lang jetzt? Ehrlich gesagt musst du wieder zurück durch das Flussbett, denn die Grillstelle ist da. Martin zeigt nach links. Dawie erwidert „no it’s there!“ und zeigt nach rechts. Ich fange wieder an zu lachen. Falls ich überhaupt je aufgehört hatte zu lachen. Also gut, ich will jetzt und hier von euch wissen in welcher Richtung der Grillplatz liegt und dann bringt mich mein Orientierungssinn dort hin. Ohne wieder stecken zu bleiben. Bones dreht sich um und stellt erst Mal fest wie breit das Flussbett ist „It’s quiet impressive how far we got, before we got stuck. That was a really long way. Well done Anne!“ Ja, danke, hilft mir jetzt auch nicht weiter, da wir alles wieder zurück müssen. Schlussendlich nehme ich die Richtungsanweisung von Martin an, da ich dem ältesten hier doch am meisten vertraue und fahre wieder zurück. Um den Busch herum. Wieder nehme ich ihn halb mit, aber diesmal bleibe ich danach nicht stecken. Und jetzt links weg. Oh mein Gott das sind nur noch dünne Spuren. Im tiefen, weichen Sand. Bloß nicht stehen bleiben. Und es wäre auch definitiv der falsche Moment, um sich zu verschalten. There it is? Wo? Was? Ich sehe nix. Ah da! Wasser. Tatsächlich. Wie surreal. Eine Oase mitten im Sand.

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Stop over there in the hard Sand. Ich halte an. Geschafft.

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Wir schauen uns die Räder an. Der rechte hintere Reifen ist ziemlich platt. Seeeeehr platt. Quasi leer. „Who did this one?“
Peter!
„Peter I told you 45 plus 30 second!“ ruft Dawie.
„The dutch cannot count!“ fügt Martin hinzu.
Ja, schaut euch das Auto an. Ihr seht sofort aus welchen Reifen die drei Afrikaans Männer die Luft herausgelassen haben und an welchem der Holländer am Werk war. Jetzt wird erst Mal eine Runde auf Peter herumgehakt. Danach wird ausgepackt. „You have a table Anne? That is allowed on a braai in africa!“ Ihr könnt ihn im Auto lassen. Der ist wegen dem Sandboarden im Kombi. Wir brauchen den täglich für das Mittagessen.

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Der Tisch findet seinen Weg dennoch nach draußen. Praktisch ist er eben doch. Auch wenn er nicht typisch afrikanisch ist. But we had the real african experience already. Beim im Sand stecken Bleiben.
Bones macht Feuer. Ich bin fertig Feuer. Habe meine Arbeit geleistet. Alle sicher bis zur Oase gebracht.

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Ich bewundere derweil noch die Oase. Der einzige Fleck mit Süßwasser in einer Umgebung von hunderten Kilometern. Faszinierend. Deshalb liebe ich Afrika. Afrika ist so unberechenbar. Afrika überrascht dich hinter jeder Kurve mit einer neuen Landschaft. Hinter jedem Busch mit einem neuen Erlebnis. I love it.

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Martin hat Freunde von uns (Mias und Caren) angerufen, die nur um die Ecke wohnen (um die Ecke in Namibia heißt 10min Autofahrt) und den einen platten Reifen wieder aufpumpen können. Sie bringen ihre 5 Hunde mit. Jetzt ist Zak im Hundehimmel. Nur gehen die alle schwimmen. Zak hasst Wasser. Er ist halt ein Dünenhund. Liebt Sand.
Ich finde es bemerkenswert, dass wir noch vor Sonnenuntergang angekommen sind. Es ist immer noch warm hier. Und am Horizont sehen wir den Nebel, der über Swakopmund hängt.

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Bis jetzt sieht es noch so aus, als hätte ich nichts vergessen. Alles wonach Bones fragt, kann ich ihm geben. Rost, Grillzange, Messer, Schneidebrett, Gewürze… Sieht so aus, als hätte ich doch an alles gedacht. „Cheers to Anne. Thanks for organising it. Was an amazing idea, it would have been so cold at the beach!“ Ich stoße mit meinem Schöfferhofer Biermix an. So eins kann ich schon trinken. Und keine Sorge. Es gab nicht viel zu organisieren. Ihr dürft nur Beth nix davon sagen. Haben ihren besten Kombi genommen, den außer mir niemand fahren darf. Sie hat ihn mir anvertraut. Und ich fahre damit Büsche um und lasse Luft aus den Reifen. Verschütte Bier auf dem Sitz. A propos. Peter you can clean the car tomorrow. Wer ist dafür? Alle Hände gehen hoch. Das nennen wir Demokratie in Afrika.

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So und jetzt bewundere ich die Kreativität meiner Afrikaans Freunde. Vier Bierflaschen werden umgedreht in Sand gesteckt und fertig ist die Halterung für den Rost.

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That’s africa!
Achja und ich muss mich schon wieder für die schlechte Qualität der Bilder entschuldigen. Allerdings habe ich zwar an meine Jungs gedacht und genug Fleisch und Bier eingepackt, aber mich vergessen. Vergessen meine Kamera mitzunehmen. Passiert.
Nachdem Braai lege ich mich auf den Rücken in den Sand und starre in den Sternenhimmel. Bewundere die Milchstraße. Ich liebe den afrikanischen Sternenhimmel. Sooooo viele Sterne. „Anne do you know our stars?“ fragt mich Martin. Nein, ich kenne nur ein paar Sternenbilder vom nördlichen Sternenhimmel. „Do you see these stars? That is the cross!“  „No, it’s over there!“ verbessert Martin Dawie. Ich fange wieder an zu lachen. Ja, dafür liebe ich euch. Weil ihr so einzigartig seid. Nichts hat nur einen Platz bei euch. Jeder sieht dieselbe Sache woanders.
Gegen 10 Uhr verlassen wir unseren Grillplatz. Ich sehe nichts. Wenn ich nichts sage, meine ich nichts. Wenn es in Afrika dunkel ist, ist es stockfinster. Der Nebel ist mittlerweile auch hier angekommen und so spenden auch die Sterne keine Licht mehr. Scheinwerfer an. Dawie läuft um das Auto herum und untersucht der Sand. Der Sand ist so ziemlich nur dort hart wo ich stehe. Ich muss aber wenden. Wenden heißt Gänge wechseln und Lenkrad. Beides Sachen, die man im weichen Sand nicht tun sollte. „Don’t drive around the bush, the sand is too soft over here“ ruft Dawie. Na gut, in der anderen Richtung ist das Feuer und es geht bergab. Ich entscheide mich für die Richtung. „Don’t drive into the water“ ruft Peter. Und ihr meine Lieben trinkt jetzt euer Bier und schweigt währenddessen. Verstanden?
Ich fahre vorsichtig Richtung Wasser. Drehe das Lenkrad. Halte an. Schalte in den Rückwärtsgang. Aaaah, das Rad dreht durch. Verdammt. 5 Minuten und einige Drehversuche später steht der Kombi in entgegengesetzter Richtung in den Spuren. Ich möchte keine Richtungsanweisungen mehr. Ich finde den Weg. Mit Geschwindigkeit hüpfen wir über den Sand. Einen kleinen Hügel hoch. Auto geht aus. Die Männer lachen „no more fuel in the car“. Ja, meinen Mitarbeitern passiert das tatsächlich bei der Arbeit. Aber nicht mir. Motor an und weiter geht’s.
Right!
Left!
Ich fahre geradeaus. Und komme schlussendlich auf die Asphaltstraße zurück. Geschafft. Jetzt nur nicht schnell fahren. Schließlich habe ich nicht viel Luft in den Reifen. Mit 50km/h geht es zurück auf der Landstraße nach Swakopmund.
Und wieder schlafe ich mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Was für ein wunderschöner Nachmittag das doch war. Selten so viel gelacht. Wir müssen unbedingt öfters etwas unternehmen. Also ich organisieren. 😉

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