Winterende in Swakopmund

Ich nenne es mal so. Das Ende vom Winter. Vielleicht werde ich aber auch noch eines Besseren belehrt. Für mich ist es aber jetzt der Ende vom Winter. Nach 4 Wochen Nebel und Wolken und kaum einen Sonnenstrahl wurde es auch Zeit. Für Wärme. Für kurze Hosen. Etwas Farbe im Gesicht. Gute Laune. Angefangen hat alles mit dem ersten September. Jetzt wird es Tag für Tag besser. Meistens hängt der Nebel noch über Swakopmund, aber an unserer Düne scheint die Sonne.

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Der Sand wird langsam sogar heiß. Also nicht so heiß, dass ich nicht mehr barfuß laufen kann. Aber zumindest frieren meine Zehen nicht mehr im Sand.

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Aber neben dem ganzen Wetterzeugs ging es bei uns ganz schön ab. Die Mutter meiner Chefin (Beth) hatte einen Reitunfall. Mit 72. Sie wohnt in den Staaten. Tallahassee. Gebrochenes Schlüsselbein. Ausgerenkte und gebrochene Hüfte. Mit 72. Kann sich ja wohl jeder vorstellen wie das Beth mitgenommen hat. Sie war jeden Moment bereit heimfliegen. Die erste Op hat ihre Mutter schon hinter ihr. Neue Hüfte wurde eingesetzt. Beth wollte aber erst mit dem Dokter sprechen bevor sie heimfliegt. Während sie das die letzten Tage versucht hat, habe ich die Trips an der Düne organisiert. Erwartet, dass ich eines Tages von der Tour heimkomme und nur das Geschäftshandy auf dem Tisch finde. Mit einem Zettel. „Lieben Gruß“. Oder so was. Gestern war sie dann wirklich kurz davor ein Ticket zu buchen. Eigentlich weiß ich ja alles was ich wissen muss vom letzten Mal. Vom letzten Mal als ich auf das Haus, Hund und Katze aufgepasst habe und ihr Unternehmen organisiert habe. Anfang Juni war das. Eine Woche nachdem ich hier angefangen hatte zu arbeiten. Da war alles neu. Die Stadt. Die Hotels. Die Ausrüstung. Die Touren. Die Autos. Die Gangschaltung. Die Mitarbeiter. Meine Arbeit. Und dann musste ich gleich noch Emails bearbeiten, Buchungen annehmen, Kunden pick ups organisieren. Die Mitarbeiter organisieren. Mittagessen für die Kunden einkaufen. Und was auch immer sonst noch so. Jetzt ist das anders. Ich kenne die Arbeit. Es ist Alltag für mich. Routine. Ich kann im Schlaf die Ausrüstung packen. Ich kenne die Kombis auswendig. Kann Öl checken. Das Wasser checken. Feststellen welches Rohr gebrochen ist. Wann man die Autos noch fahren kann und wann sie zum Meckaniker müssen. Bin total entspannt. Alles easy. Hochsaison ist ohnehin vorbei. Nur noch 4 bis 7 Kunden pro Tag.
Aaaaaber. Wo war ich stehen geblieben? Gestern. Beth’s 45ter Geburtstag. „Anne, can you please come into my office?“ Ja Natürlich. Was gibt es? Ich kenne die Passwörter für den Pc, die Emails und für die Facebook Seite (die ich seit Juni übernommen habe). Ich soll zuschauen wie Rechnungen gehandelt werden. Wie Überweisungen geschrieben werden. „Just in case I should stay longer.“ Alles klar. Rein ins Online Banking. 5 Überweisungen durchgeführt. Jetzt ist alles bezahlt was bezahlt werden musste. „Now you really know all my pin numbers. But don’t worry, it doesn’t help you anyway. The account is anyway empty.“ Zum Glück habe ich auch den Schlüssel für den Safe. Da sollte Geld drin sein 😉
Heute war es dann so weit. Ich treffe mich mit meinen Freunden. Wir gehen Essen. Die Skydivers haben nur einen Tandemsprung am Nachmittag. Also keine Arbeit am Vormittag. Ich weiß, dass wir nur 4 Kunden haben. „Come join us on sandboarding guys!“ Alles klar. Schuhgrößen gemerkt. „Let’s watch a movie“. Nein, ich geh jetzt heim. Irgendwas in mir zieht mich heim. Mein Bauchgefühl mal wieder. Wie vor einem Monat, als nachts zwei Frauen in Swakopmund auf meinem Heimweg überfallen wurden und ich in der Nacht selbstverständlich alleine gelaufen bin aber mich nicht für den vermeintlich sichereren Weg durch die Innenstadt (wo die beiden überfallen wurden) entschieden habe, sondern durch das Industriegebiet gelaufen bin. Ja ich glaube daran. An mein Bauchgefühl. Also heim jetzt. Schlüssel heraus. Tor aufschließen. Hallo Beth! „I am flying tomorrow Anne!“ Oh ok. Deshalb wollte ich heim. Alles klar. Bin stolz auf dich, dass du es endlich getan hast. Deine Mama wird sich freuen. Ah jetzt ist es egal, aber morgen würde ich 4 Freunde mit zum sandboarden nehmen. „You do have already without them 20 people!“ Really? Ähm, ja gut. Wird schon. Krieg ich hin. „But your friends could drive themselfs and pick up some clients in the skydive combi, do you think that might be possible?“ Aber sicher, die haben nämlich keine Arbeit morgen. Läuft! Ein Telefonat später ist alles organisiert. Und eine Stunde später ist dieser Artikel fertig. Halb 12. Jetzt wird es aber Zeit für etwas Schlaf. Gute Nacht!

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