Mit dem Fallschirm zum Arbeitsplatz

Ich habe ja schon einige verrückte Sachen getan, aber das hier ist mit Abstand das Verrückteste. Bei weitem. Aber ich fange von vorne an zu erzählen. Für alle mit Herzrasen Risiko – wenn ihr das hier lest, habe ich die Aktion schon überlebt, also lehnt euch entspannt zurück und lest 😉
Das Sandboarding Team ist sehr gut befreundet mit dem Skydiving Team (Fallschirmspringen). Wir unternehmen viel gemeinsam und helfen uns gegenseitig an stressigen Tagen. So wurde seit Juni darüber gesprochen, dass Anne den Tandem Fallschirmsprung machen muss. Einmal muss man das erlebt haben. Aus einem Flugzeug zu springen. Mit dem Fallschirm über die Wüste zu schweben. Swakopmund aus der Luft zu sehen. Die Dünen von oben zu bewundern. Wie auch immer, es hat einfach nie geklappt. Entweder konnte Beth mir nicht freigeben, weil wir ausgelastet waren oder die Skydivers waren voll und konnten niemand mehr aufnehmen. Ich war jetzt auch nicht gerade diejenige, die das ganze anzuschieben versucht. Bis gestern. Nach einigen Bier kommen wir ins Gespräch und Craig, der Chef des Skydiving Teams, beschließt mich einfach früh morgens mitzunehmen und mich an der Düne landen zu lassen. Dann kann ich trotzdem arbeiten. Komme halt mit dem Fallschirm zum Arbeitsplatz. Kann nicht jeder. Der Tandemmaster meint es ist nicht einfach an den Dünen zu landen. Ein anderer Fallschirmspringer, der mitspringen soll, nennt auch seine Zweifel. Craig sagt nur I don’t care. Make a plan. You have to land there!
So mache ich mich an diesem sonnig warmen Sonntag auf zum Büro von Ground Rush, dem Skydiving Team. Ja, es sieht tatsächlich so aus als würde ich heute springen. Da ist ein Formular, bitte ausfüllen. Ich füge meine Daten ein. Kreuze überall Nein an. Mein Gewicht? Ich wiege mich nie. Craig was soll ich da reinschreiben? „Sixty four“. If you say so… Kurz darauf geht es los. Im Wagen Richtung Chinatown. Wie hier alle immer sagen. Ab durch die Wüste. Runter von der Asphaltstraße. Durch Sand und Schotter ins Nichts.
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Hier soll ein Flughafen sein? Oder zumindest ein Flugplatz? Ich sehe nur Sand und vereinzelt vertrocknete Büsche. Da eine Ansammlung von ein paar Schuppen. Häuser kann man es nicht nennen. Und da steht ein Flugzeug. Sieht aus wie ein Spielzeugflugzeug.
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Damit werde ich fliegen? Na dann viel Spaß. Vorbereitung für den Sprung. Anne, you won’t get a jumpsuit. Achja, ich muss ja in Arbeitskleidung springen. Verstehe. Briefing zum Sprung? Keep your hands like this. Das war es? Das war das Briefing zum aus dem Flugzeug springen? Das ist ja nichts. Wir haben an der Düne zwei Briefings für das Sandboarden. Jeweils 10 bis 15 Minuten lang. Naja wie auch immer. Diese zwei Sachen kann ich mir definitiv merken. Und ab ins Flugzeug!
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Wo ist die Start- und Landebahn? Das Flugzeug steht auf einer kleinen gepflasterten Fläche. Darum herum nur Sand. Wir heute im Sand gestartet? Sieht so aus. In Afrika fahren nicht nur Autos im Sand, sondern auch Flugzeuge. Läuft hier.
Alle einsteigen. Außer mir ist noch eine Kunde, der den Tandemsprung macht. Der wird aber woanders aus dem Flugzeug springen. Wow, wo sollen wir sitzen? Wir sind zu sechst. Die beiden Tandemmaster, die beiden Filmer und der Kunde und ich. Und natürlich der Pilot. Der hat seinen eigenen Platz. Wir sitzen auf dem Boden. Gequetscht. Türe zu? Es gibt keine Türe. Mein Kumpel, der mich filmt, sitzt auf der Kante in der Türöffnung. Wir rollen. Wir heben ab. Drehen. Habe keine Angst herauszufliegen. Ist das nicht komisch? Das Flugzeug in halb schiefer Lage. Ich sitze in einem Flugzeug ohne Türe und bin nicht angeschnallt. Schaue völlig entspannt aus dem Fenster. Mache Späße mit meinen Freunden. That’s africa!
Wow. Wie wunderschön das aussieht. Die Landschaft atemberaubend. Sand trifft auf Wasser. Wüste trifft auf den Ozean. Und da dazwischen, umkreist von allem, liegt Swakopmund. Die Stadt in der Wüste. Wüste im Norden. Wüste im Osten. Sanddünen im Süden. Atlantik im Westen. Ich lächle. Strahle über das ganze Gesicht. Schaue von rechts nach links. Atme tief ein. Wirklich wunderschön. Die Berge dort vorne. Schwarz. Der Fluss dort vorne. Trocken. Und da Swakopmund. Die Innenstadt. Und was ist das? Sieht aus wie winzig kleine, bunte Bauklötze. Das sind die Townships. Sieht lustig aus. Wir steigen höher und höher. Nähern uns den Dünen. Ein Zeichen wird durchgegeben. In 30 Sekunden wird gesprungen. JETZT schnallt mich der Tandemmaster an seine Brust fest. Bis jetzt saß ich quasi lose im Flieger. Klick, eins, zwei, drei, vier und fertig. Hände hierhin. Gregoire, der Kumpel der mich filmt klettert raus aus dem Flieger. Hält sich an der Kante fest. Steht auf dem Rad. Ich rutsche an die Kante. Meine Beine fliegen im Fahrtwind. And go! Ich falle. Yeeeeeeeah. Wow wie schnell wir sind. Arme strecken. Daumen hoch und in die Kamera lächeln. Doch ich schaue fast nur nach unten. Sieht hammer aus. Ich springe in die älteste Wüste der Welt. Die Namib Wüste. Und was für ein Ruck. Ich sitze. Und schaukel sanft im Fallschirm hin und her. Cois gibt mir die Lenkseile für den Fallschirm. Hier mach. Was? Ich soll lenken? Einmal links ziehen. Und huiiiii. Wir drehen uns im Kreis. Unter mir die Düne. Mein Arbeitsplatz. Verdammt, das ist ja ein weiter Weg von den Autos bis zu unserer Düne. Von oben sieht man erst welchen langen Weg wir täglich laufen. Hätte ich echt nicht gedacht. Sieht echt weit aus.
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Und ich ziehe rechts. Wir drehen uns wieder im Kreis. In die andere Richtung. Läuft! Where should we land? 
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Cois übernimmt wieder die Lenkung und steuert uns auf die Kombis zu. Ich sehe Zak. Oh nein, der wird mir bei der Landung hinterher rennen.
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Da ist unsere Kameracrew. Einmal winken. Hier kommt euer Sandboarding instructor!
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Füße hoch. Laufen. Stehen. Yeeeeeeah. I did it! Das war verdammt geil! Abschnallen und zu den Kunden. Here I am. Your Sandboarding instructor for today!
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P.S.: Bilder aus der Luft in diesem Artikel.

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5 Gedanken zu “Mit dem Fallschirm zum Arbeitsplatz

  1. Supertoll!
    Einmal Fallschirm springen, davon träume ich noch immer seit meiner Jugendzeit.
    Du hast es ausprobiert, ich bin sehr beeindruckt.
    Vielleicht klappt es auch noch bei mir. Parasailing habe ich mal ausprobiert, zusammen mit Heike.
    Es war super.

    Gefällt 1 Person

    1. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Und die Landschaft hier ist einfach atemberaubend.
      Mache es auf jeden Fall, du wirst es nicht bereuen 😉

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