Dichter Nebel, Scheibenwischer und missglückte Backups am Rechner

Manche Tage beginnen voller Energie. Ich stehe auf. Werfe die Wäsche in die Waschmaschine. Erhitze Wasser für meinen Tee und den Kaffee meiner Chefin am morgen. Frühstücke. Hänge die Wäsche auf. Fluche. Denn es nieselt. Quasi. Es regnet nie in Swakopmund. Aber es gibt Nebel. Sehr dichten Nebel sogar. So dichten Nebel, dass man denkt es regnet. Selbstverständlich wasche ich meine Kleider nach 4 sonnigen Tagen. Am Nebeltag. Und wie ein Backpacker das so macht. Ist nichts mehr im Rucksack. Das letzte Hemd wird getragen. Leider keine lange Hose verfügbar. Alles auf der Wäscheleine. Und das muss heute trocknen. Sonst habe ich morgen nichts zum Anziehen. Das wird nie im Leben trocknen. Gut, es ist erst 7 Uhr. Aber trotzdem.
8:30 Uhr, die Wäsche hängt an der Leine. Ich betrete die Garage. Fahre die Autos hinaus. Richte die Schuhe. Steven kommt. „Oh, that are a lot of boots! Do you think we can pack them in the two point three (all unsere Kombis haben bestimmte Namen)?“. „I don’t think so.“ Ich schaue auf die Schuhe. Ich schaue in den Gepäckraum. Mein räumliches Denkvermögen sagt nie im Leben. Meine Ego antwortet „I will show you how to pack that. Like a woman packs that. Only these two pair of boots will stay behind.“ Und los geht’s. Da wird gestapelt. Gedreht. Gepackt. Steven sieht beeindruckt aus „that is smart – that is overseas-thinking“. Nenne es wie du willst. Aber verdammt. Da bleiben tatsächlich nur zwei Paar übrig.
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Ich bin beeindruckt von mir selbst. Steven stellt die übrigen Schuhe auf. Nein, da werden sie nicht stehen bleiben. Aber egal, gut gepackt. Ich schließe die Türe. Und starre auf die Buchstaben Emergency Exit.
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Sieht gut aus mit den ganzen Schuhen dahinter. Die den Notausgang versperren. Habe eh nie verstanden, wie diese Türe als Notausgang dienen soll. Schließlich ist dahinter das Reserverad befestigt. Wie auch immer. Hauptsache sieht gut aus.
Und los. Ich fahre mit dem two point three los. Zweite Kurve. Fliiiiiiieg. Links. Rechts. Schlittern. Wow, was ist das? Nasse Fahrbahn. So etwas kenne ich nicht. Nicht seit 2 Monaten. Nicht in Namibia. Zum Glück habe ich noch keine Kunden im Auto. 3 Kanadier, ein Engländer und ein New Yorker später krieche ich langsam durch die Stadt. Keine Eile heute. Die nasse Straße überfordert mich. Könnt ihr euch das vorstellen? Nicht, dass es hier regnen würde. Aber wir haben heute so dichten Nebel, dass die Straße klitschnass ist. Und ich den Scheibenwischer anwerfe. Nicht nur einmal. Antippen und so. Im Intervall läuft er die ganze Zeit. Der Nebel bleibt einfach an der Scheibe hängen. Und dann diese rutschige Fahrbahn. Komme ich gar nicht klar. Ich bezweifle, dass meine Reifen irgendein Profil haben. Aber wer braucht das auch, wenn man nur auf Schotter fährt? Am Anfang habe ich immer Angst vor diesem Teil der Strecke gehabt. Ok nicht Angst, aber Respekt. Dieser eine Teil, an dem der Schotter so schlecht ist, dass dein Kombi nur hin und her schlittert. Aber meine Nambia erfahrenen Mitarbeiter haben mich gelehrt speed is your friend. Mit mehr Geschwindigkeit kommst du besser darüber. Und ich muss sagen heute schaue ich sehnsüchtig auf dieses Stück. Nur weg vom Asphalt. Weg von der rutschigen Straße. Ich will nur Sand. Und Schotter. Das reicht. Da sind wir. Und Steven. Und Beth. Wo ist Paulus? Paulus hat mal wieder kein funktionierendes Handy. Oder noch immer nicht. Wie auch immer. Auf jeden Fall ist er nicht hier. Und das war eine Qual heute meint Beth. Weil er seine Kunden nicht finden konnte. Und sie ihn nicht erreichen. Dann hat er das Handy der anderen Kunden benutzt um Beth zu erreichen. Und. Und. Und… die Boots sind in seinem Auto….. was lernen wir daraus Steven? Es ist in Ordnung, wenn wir einen Wettbewerb aus dem Wagen packen machen. Aber keine Snowboardschuhe in Paulus Wagen. Keine Ausrüstung in sein Auto. Wieder etwas gelernt.
Apropos gelernt. Ich möchte echt nicht der Rassist unter den Bloggern sein, aber ich muss ein paar Fakten über den Schwarzen in unserem Team loswerden. Das ist nicht negativ gemeint. Es ist völlig neutral betrachtet. Fakten aufgelistet. Wer ein Problem mit meiner Schreibweise hat, soll meinen Blog bitte meiden.
Paulus,
40 oder 41 Jahre alt (wer weiß das schon, es war auf jeden Fall ein kalter Winter)
5 Kinder von 5 verschiedenen Frauen
Heiratet im August (Hochsaison der Hochsaison bei uns)
Heiratet keine der Mütter seiner Kinder
Hat seinen Führerschein gekauft
Kann nicht lesen (was ich seit heute weiß)
Kommt immer zu spät (womit ich nicht 8:32 meine, sondern 9 Uhr, er verpasst also die Hälfte der Zeit, die wir zum Packen brauchen)
Ist faul
Arbeitet am Minimum
Ihr lest immer noch mit? Das freut mich. Denn ich hatte heute echt ein schlechtes Gewissen. Nachdem ich in der Werkstatt alle Schuhe der Größe nach beschriftet und aufgeräumt habe, bin ich so manches Mal ausgetickt. Why is this pair over here? Aren’t you able to read? Rufe ich durch die Werkstatt. Unwissend, dass einer meiner Mitarbeiter unable to read is. Na gut, jetzt weiß ich es. Was hilft es? Was tun? Schweigen und die Schuhe selbst einordnen?
Themawechsel. Es ist Winter. Désirée hat mir aus Johannesburg (Südafrika) Handschuhe und einen Schal mitgebracht. Echte Snowboardausrüstung aus Afrika. Wer hat so was schon? Und fragt nicht wer braucht so was? Iiiiiiiich. Es ist freaking cold. Sie hat es mir als Dankeschön mitgebracht. Weil ich auf ihre Katzen aufgepasst habe. Wieso auch immer. Ich liebe sie. Meine neuen Handschuhe. Und den Schal. Perfekt für meine Arbeit. Perfekt für die Kälte. Perfekt für den afrikanischen Winter.
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Ja ich weiß, ich trage eine kurze Hose. Aber ich habe euch gesagt, dass ich alles in die Waschmaschine geworfen habe. Übrigens hat Désirée mich nur halb versorgt. Handschuhe und Schal sind schön und gut, aber wo bleibt meine Skihose?
Am Nachmittag ruft Beth (meine Chefin) mich. Zum Computer. i need your help. Hab alles kaputt gemacht. Habe ein Backup gemacht, aber jetzt finde ich nur noch die Rechnungen von April. Beim dem Wort backup stehen mir die Haare zu Berge. Ich mache nie Backups. Speichere aber alles extern ab. Wie auch immer. Meine Aufgabe ist jetzt ihre verlorenen Dateien wiederzufinden. Wie auch immer. Ich bin jung und kenne mich mit Elektronik aus. Selbstverständlich. Ich kenne das Spiel von daheim. Von meiner Mutter. Da heißt es nur Aaanneee alles ist weg. Wenn sie auf minimieren klickt und das Word Dokument verschwindet. Das finde ich schnell heraus. Aber das hier sieht komplizierter aus. Beth muss etwas erledigen. Als sie zurück kommt sitze ich ich in der Küche. Are you sitting here because you gave up, or because you have been succesful? Really? Was denkst du von mir? Selbstverständlich habe ich deine Datei gefunden. really? How? Frag mich nicht wie. Aber das ist sie. Und das nächste Mal, wenn du ein Backup machst, machst du kein Backup von deinem alten Backup, sondern erstellst ein neues ok? Der Unterschied sollte für dich in englisch noch logischer als für sein. Kein restore a previous backup sondern ein create a new backup. Verstanden? Beth umarmt mich. Wow, was ist das los? Anscheinend war die Datei ziemlich wichtig.
Am Abend gehen Beth und ich essen. Wir beide sind zu faul zum kochen. Und wir lieben es unsere Kunden vom nächsten Tag am Abend zuvor an der Bar zu trefen. Nicht.
Dafür lieben wir das Essen. Es ist mein erstes Mal im Restaurant Kuckis. Aber was für ein erstes Mal. Was für ein Essen.
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Einmal Eisbein mit Bratkartoffeln und ein Wiener Schnitzel bitte.
Gute Nacht

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