Wunderkinder auf dem Snowboard

Es tut mir Leid, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt, aber ich hatte einfach keine Zeit. Die Hochsaison zeigt sich von ihrer besten Seite. Ich komme soeben von einem vollem Tag heim. Am morgen hatten wir 35 Leute, am Nachmittag 20. Nach so einem Tag ist man fertig.

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Aber ich muss noch ein paar Worte loswerden über gestern. Da waren diese beiden Kinder. Holländer. 9 und 11 Jahre alt. Schon beim Briefing sind sie mir aufgefallen. Bevor ich den Unterschied zwischen Sand und Schnee erklären konnte, schaut der Kleine die Düne hinunter und sagt zu seinem Papa auf holländisch „das ist wie Tiefschnee fahren oder?“. Da hab ich erst mal dumm geguckt. Das heißt nicht nur, dass der Kleine schon im Tiefschnee gefahren ist und weiß worauf es dabei ankommt, sondern auch, dass der ganz schön klug ist. Er denkt mit. Viele Erwachsene kommen die Düne hoch und sagen nur „it is so different“, weil sie es nicht auf die Reihe bekommen (weil sie in Wirklichkeit keine so guten Snowboarder sind wie sie denken). Und dann kommen diese beiden Jungs, die die Düne hinunter fliegen. Und ich bleibe oben mit offenem Mund stehen. Zweite Abfahrt. Springt ihr jetzt? Selbstverständlich. Ich erkläre ihnen worauf es beim Sprung ankommt. Papa übersetzt. Ich drehe sie und richte sie gerade auf die Schanze zu. Und fliiiiieg. Was zum-? Normalerweise sage ich allen Erwachsenen, die sich nicht trauen, dass sie keine Angst haben müssen vor der Schanze. Es ist kein Kicker, der dich hoch in die Luft schleudert. It is just a drop. Und dann kam er. 9 Jahre alt. Steuert auf die Schanze zu. Katapultiert sich selbst hoch in die Luft und landet den Sprung. Ich sage nichts mehr. Überhaupt nicht. Und springen werde ich auch nie wieder. Nachdem ich die beiden gesehen habe. No way. Achja und beim Dritten Sprung ist dann der grab dran. Für alle, die sich in der Fachsprache der Snowboarder nicht so auskennen, das heißt, dass man sein Board in der Luft mit einer Hand greift. Selbstverständlich kann der Kleine das auch. Sein Bruder sowieso. Feierabend für mich. Ich stelle mich nicht mehr auf das Brett. Ich fühle mich nur schlecht neben den beiden. Geht gar nicht. Und die sind nicht mal in den Bergen aufgewachsen. Kommen aus dem Flachland. Der jüngere fährt erst seit zwei Jahren Snowboard. Heißt er war zwei Mal im Winterurlaub. Stellt aber jeden hier in den Schatten. Unglaublich. Weiter so. Aber du musst nach Österreich umziehen, damit du mehr trainieren kannst. Dann wirst du einer der ganz Großen eines Tages. Da bin ich mir sicher.

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Ein Gedanke zu “Wunderkinder auf dem Snowboard

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