Ostwind, 35 Grad im Winter und Chaos auf der Düne

Eigentlich habe ich erwartet, dass es heute keinen Trip gibt. Gesterm hatten wir nur zwei Kunden. Also den Wecker um 7:30 Uhr ignorieren. Nach dem Klingeln um 8 Uhr langsam aus der Decke kriechen. Zähne putzen und ab in die Küche. Frühstücken. What the f*** is that. Ich schau auf den Terminplaner von meiner Chefin. Sie sagt nur I know. 32 Leute heute. Whaaaaat. Ok, nix mit entspannen heute. Sogar vor 8:30 Uhr fange ich an mit packen. Aber wieso zum Teufel ist es so heiß? Eigentlich friere ich jeden Morgen. Doch jetzt ziehe ich meinen Pulli schon aus. 22 Grad um 8 Uhr. Top und Hot pant reichen. Was das heißt? Finally the east wind came through.
The east wind. Magisches Wort in Swakop. Jeder schwärmt davon. Jeder erzählt mir davon. Jeder liebt ihn. Jeder liebt die Tage mit 40 Grad im Wind, die nur durch den Ostwind möglich sind.
Meine erste Reaktion? Husten bis zum umfallen. Der Ostwind bringt die Luft vom Festland. Also Luft aus der Wüste. Also heiße Luft. Staub. Staub in der Luft. Du hast Asthma? Gib das atmen gleich auf. Wird nix. Steven meint ich soll mir einen nassen Schal um den Hals wickeln. Jay sagt, ich soll meinen Asthmaspray mitnehmen.
Gesagt. Getan.
Der Ostwind bringt aber noch etwas mit sich. Nämlich Wind. Starken Wind. Sehr starken Wind. Nicht, dass wir hier am Atlantik Wind nicht gewohnt sind. Aber aufgrund des Ostwindes mussten oft Trips abgesagt werden, weil auf der Düne eine Sandsturm tobte. Hoffentlich nicht heute. Keine Lust umsonst zu packen.
Heute muss jeder einen Wagen fahren. Ich sammel meine Leute ein. Swakopmund Hotel. Desert Sky Backpackers. Auto voll und weiter zu Desert Explorer. Dort wartet noch ein Auto, das mir hinterher fahren wird. Beth ruft an. Ich verstehe nichts. Wo muss ich noch jemand abholen? Am Office? No, two cars at desert explorer. Ok, ich komme dort an, spreche mit zwei Familien. Das ist mein Auto. Ihr folgt dem weißen Kombi. Ich verlasse den Parkplatz. Fahre auf die Hauptstraße. Drehe mich um. Drei Geländewägen folgen mir. What the -? Naja, zwei davon werden meine Kunden sein. Passt schon. Erste Kreuzung abbiegen. Immer noch drei. Kreisverkehr. Immer noch drei. Wir verlassen Swakop. Was ist das? Eine Sandwolke vor mir. Meine Minibus wird nach rechts und links gerissen. Macht das Fenster zu. Der Sand kommt von links. Ich kann mein Fenster nicht schließen. Ich fahre langsam. Biege ab auf die Schotterpiste. Immer noch drei Autos. Die folgen definitiv mir. Naja. Zuwachs bekommen.

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An der Düne suche ich erst Mal einen Parkplatz. Gar nicht so einfach. Im ganzen stehen heute 10 Autos an unserem Platz. Beschreibt die Lage beim Briefing.

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Ich kümmere mich um die Ausrüstung. Huste zwischendurch. Monika, unsere Fotografin verzweifelt mit uns. „What are we doing today? Steven with heart problems in the heat. Anne will stop breathing in the dust. Looks good.“ Ja, wird schon. Hier draußen weht der Wind zwar stark, aber in der Luft ist nicht so viel Staub wie in der Stadt. Hier wird nur Sand herumgewirbelt.
Rucksack auf und hochlaufen. Trotz Sonnenbrille bekomme ich Sand in die Augen. Und kämpfe gegen den Wind beim Hochlaufen. Den oberen Teil der Düne erkenne ich kaum noch. Der kräftige Ostwind hat sie ordentlich verändert. Unsere Schanze freigelegt. Die muss neu platziert werden, um heute genutzt werden können. Oben angekommen brauche ich erst Mal Wasser. Viel Wasser. Normal trinke ich kaum etwas bis nichts. Zu kalt. Aber heute brennt die Sonne. Um 9 schon über 30 Grad. Hier auf der Düne schon über 35 Grad geschätzt. Um 10. Wir setzen unsere Arbeit wie gewohnt fort. Ich mit mehr Atemzügen pro Minute als sonst. Aber ohne Asthmaspray. Die Dame da nehme ich mir vor. Ich habe sie genau beobachtet. Sie hat sich immer weiter nach hinten geschoben. Und sagt immer wieder I won’t do that. No. No way. I am not going down. Wir machen das zu zweit. Du an meiner Hand. Also los. Ich spüre schon bei den ersten Metern ihre Angst. Anstatt auf ihren Füßen landet das Gewicht auf meinen Händen. Das heißt morgen Muskelkater. Gibt schlimmeres. Wie zum Beispiel heißen Sand. Ich laufe barfuß. Seit ich gemerkt habe, dass Laufen im Sand meine Socken zerreißt. Ist eigentlich kein Problem. Das barfuß laufen. Manchmal friere ich zwar, aber sonst ganz angenehm. Aber heute ist alles anders. Auch der Sand. Brennend heiß.
Letzte Abfahrt, Mittagessen und zurück.
Jetzt ist meine Zeit. Bikini an und ab an Strand. Heute ist der Tag zum Baden. Einmal muss ich es tun. In Swakopmund im Atlantik schwimmen. Zak traut sich nicht ins Wasser. Verständlich. Ist auch echt kalt. Gefühlte zehneinhalb Grad. In Wirklichkeit vermutlich 11 Grad. Aber zumindest die Luft ist warm. So friere ich nicht, während ich mich von der Sonne trocknen lasse. Meine Chefin meint ich spinne. Weil ich tatsächlich schwimmen war. Bisschen verrückt sein schadet nicht. Bin danach mit Zak noch den ganzen Strand entlang gejoggt. Er mit mir im Wasser. Hat Spaß gemacht.

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