Die Hochsaison beginnt in 3 – 2 – 1 – Chaos!

Eigentlich fing alles ganz entspannt an. 17 Leute heute. 10 lie down boarder, 7 stand up. Das ist die perfekte Zahl, denn wir haben 3 funktionierende Autos. Eins für die Ausrüstung, zwei für die Kunden. Fassungsvermögen: 18 Kunden.
Wie immer bin ich die erste in der Werkstatt. Habe schließlich auch den kürzesten Weg von den Mitarbeitern. Praktisch, wenn man direkt daneben wohnt. Kurz vor 9 trudeln Steven und Jay ein. Noch ein par Snowboards werden präpariert. Die Getränke eingepackt. Dann geht die Tür auf und Beth teilt uns mit „one more stand up and one more lie down“. Die zwei müssen mit Jay und Steven im Wagen mit der Ausrüstung mitfahren. Ok, so viel Platz ist noch. Ich packe ein zusätzliches Snowboard ein. Die T-Shirts und Pullis kommen bei mir in Gepäckraum. Beth steht schon wieder in der Werkstatt. „5 more lie down and Anne I need you to go to Spar and buy more food“. Diese Buchungen kurz vor knapp. Es ist fast 9 und um 9:30 Uhr werden die Kunden abgeholt. Beth muss in 10 Minuten los, weil sie Kunden weit außerhalb des Zentrums abholen muss. Ich flitze in Spar gegenüber. Die Verkäufer kennen mich noch von der Zeit, als ich alles organisieren musste, weil Beth im Urlaub war. Schnell alles eingepackt und zurück. Beth ist gerade dabei loszufahren. Ich werfe nur noch schnell die Einkäufe in die Kühltasche. Zurück in die Werkstatt. Alles gepackt soweit? Was ist mit den 5 zusätzlichen? Die fahren uns im eigenen Auto hinterher sagt Jay. Alles klar. Ich werfe noch einen Blick in meinen Wagen, sieht sauber aus, und fahre los. Erstes Hotel, 5 Leute einpacken. Selbstverständlich bin ich zu früh. Aber das ist ok. Ich kann warten, das ist besser, als wenn die Kunden auf mich warten müssen. Da kommen sie. Eine Familie. Eins, zwei…fünf, sechs. Moment, sollten das nicht 5 sein? Zähl nochmal. Ok, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Nein, das ist definitiv 6. „Sorry guys, but are all of you coming to do the sandboarding?“ Obviously yes. Offensichtlich haben sie nur für 5 gebucht, bringen aber eine Person zum Zuschauen mit. Is that a problem? Right now yes. Weil ich habe noch 4 weitere Personen mitzunehmen. Und Beth hat schon mehr eingeplant wie ich Sitze habe. 4 in eine Reihe geht, aber 5 ist echt nicht drin. Ich hole das Handy heraus. „Steven I need you at Swakopmund luxury suites. You have to take one more person.“ „Where??“ Ich fluche. Wer ist hier aufgewachsen und arbeitet seit Jahren in der Tourismusbranche? Und wer kennt die Hotels immer noch nicht? Ok, whatever. I meet you at Cafè Anton!  Und einsteigen bitte. Am Café Anton schiebe ich meinen Zuschauer in das andere Auto, denn er ist einer, denn ohnehin zwei Sitzplätze für sich braucht und in meinem Auto bekommt jeder nur einen halben. Dann bitte ich das belgische und das offensichtlich deutsche Pärchen einzusteigen. Los geht’s. Und nein, das Fenster kann ich nicht schließen.

image

An der Düne angekommen bin ich natürlich wieder die erste. „Sorry guys, this is my german issue. To be always in time. So enjoy the sun, take some pictures, the other cars will join us soon.“ Früh genug wie sich herausstellt. Das sind definitiv mehr, als nur die 7 zusätzlichen, die heute morgen gebucht haben. „Yes but most of them are spectators.“ That’s boring. Steven schaut mich an und fragt, ob wir genug Ausrüstung für die lie down boarder haben. Ich hatte heute morgen 10 abgezählt, doch mittlerweile sind es mindestens 17 lie down Boarder. Ich zähle die Handschuhe. Wird gerade so passen. Muss reichen. Die Geuppen werden geteilt. Es müssten 8 stand up Boarder sein. Ich zähle eins, zwei, drei … acht, neun, zehn, elf. What the -? Ok, entweder ich bin echt eine Niete im Zählen, oder ihr veräppelt mich heut alle. Ich schnappe mir den Rucksack, einen Wasserkanister und drei lie down Boards auf den Kopf. Los gehts. „Do you take one more for my kids?“ fragt mich der Vater aus meinem Auto. Don’t worry we will bring enough for all of you.
Oben angekommen übernehme ich kurz die Snowboarder, Beth die Anfänger. Meine „Profis“ sind schnell unten. Ob stehend oder rutschend ist eine andere Frage, aber ich kann Beth mit den Anfängern helfen. „Don’t lean back, try to cross the dune don’t lean back!“ schreie ich den Hang hinab. „Anne, leave them. They are south africans. They do not listen. Especially the guys. They do not listen at all. You will learn this.“ Also gut, wenn du meinst. Next please. Da lang. Oder kommst du auch aus Südafrika?

image

It’s time for lie down boarding. Auch für mich. Die zwei kleinen Mädels trauen sich nicht allein. Also gut. Dann lass mich jetzt mit der einen runter, dann lauf ich schnell wieder hoch und nehme die andere. Ich drängel mich an der Schlange vor. Kinder zuerst. Ich lege mich auf das Brett. Die Kleine obendrauf. Und gut festhalten. Nach drei Metern sehe ich etwas im Augenwinkel sich nähern. Hilfe Zak kommt. Nicht in meine Bahn. Ok, ich habe definitiv immer noch Angst vor Hunden. Vor allem, wenn ich mit dem Gesicht voraus den Hang hinab rase. Ich muss schneller qerden, so dass Zack mich nicht einholt. Der Abhang. Ich fliiiiiege. Oder besser gesagt wir zwei. Bauchmuskeln anspannen. Die Landung wird hart. Und noch ein Hügel. Ah, der ist böse. Schneller, Zak kommt. Und geschafft. Die Kleine schreit „that was amazing“. 72km/h. Vorgestern waren es 71. Sie will nochmal. Zuerst renne ich die Düne hoch und nehme ihre Schwester auf den Rücken. Mittlerweile liegt der Rekord bei 74km/h. Die Schwester ist kleiner. Aber wir schneller. 74. Was die großen Männer können, schaffen wir locker. Die Kinder und ich. Noch einmal die größere Schwester. Wahrscheinlich keine 10 Jahre alt. Festhalten und los. Zak kommt wieder angerannt. Hilfeeee. Steven lacht „you are getting faster and fast. Now you hold the record. That was 75km/h.“ High Five mit Kala. Sie lacht und freut sich. Ja heute haben wir die Tageshöchstgeschwindkeit erreicht. Am Ende bin ich 4 Mal hinunter gefahren. Könnt euch ja denken wie oft ich dann hochgelaufen bin. Am Ende des Tages habe ich diese Familie wieder am Hotel abgesetzt und ein ordentliches Trinkgeld mit den Worten „thank you for the help with the kids“ bekommen. Selbstverständlich teile ich das mit den anderen.
Jetzt sitze ich im Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen (es ist 16:20 Uhr, die Sonne verschwindet in einer halben Stunde). Beth kommt aus dem Haus „Anne I need your help with the E-Mails. You have to translate one of them.“ Sag mir nicht, dass da jemand auf deutsch geschrieben hat? Yes, he did. Tatsächlich, das können auch nur Deutsche sein. Gesagt getan. Beth entscheidet sich in englisch zu antworten. Der junge Herr soll wissen, dass er in ein englisch sprachiges Land reist. 5 Minuten später kommt Beth wieder „your boss is a damn a… in technics. Can you please help me something on the computer?“ Ich muss lachen. Selbstverständlich. Und ja, du erinnerst mich immer mehr an meine Mama. Das muss ich den Damen im Spar erzählen.
Das ist eine andere Geschichte, aber recht lustig. Denn die Verkäufer und Kassierer im Spar haben mich in Beths Abwesenheit nach meiner Mutter gefragt und sie damit gemeint. Dazu muss ich sagen, dass Beth doppelt so alt wie ich ist, es vom Alter her also sein kann. Allerdings geht sie seit 20 Jahren in Spar einkaufen, die Leute kennen sie also schon lange. Allerdings wurde Beth noch nie mit Kindern gesichtet. Nicht wie ich, die in Deutschland mal hier mit 3 Jungen, dann da mit 4 Mädchen (Tagesmutterjobs) gesehen werde. Sie hat nichts mit Kindern am Hut. Wo war ich also die letzten 20 Jahre? Aber so weit denken die nicht. Ich habe also mitgespielt. Auf die Frage „when is you mom coming?“ habe ich mit „next friday“ geantwortet. Gestern Abend sind wir beide in Spar einkaufen gegangen. Wir kochen ab und an gemeinsam das Abendessen. Und da war sie wieder. Die Dame an der Kasse. „You are her mom, isn’t it? I see it, both blond hairs, the same eyes, the face, I knew it.“ Beth schüttelt verwirrt den Kopf. Ich stimme der Dame nur lachend zu. Ein bisschen Spaß muss sein. Und schließlich verhält sich Beth in gewissen Situationen wie meine Mutter. So wie beim Kochen. Wir haben gestern Carbonara zubereitet. Und sie bestand darauf, Brokkoli hinein zu tun. „If I can turn you into a pet lover, I will be able to turn you into a vegetable lover“. Ich lache nur. Das hat meine Mutter 20 Jahre lang versucht und mittlerweile aufgegeben. Vor allem ist Brokkoli echt nicht der beste Anfang. „I won’t be upset, if you don’t eat it.“ Don’t worry, ich bin mittlerweile Profi im Gemüse aussortieren. „Ok, I will be upset.“ Passiert.
Und dann ist die Sache mit der Technik. Erst gestern habe ich meine Mutter via WhatsApp erklärt, wie sie ihr Problem am Computer lösen kann. Mittlerweile bin ich echt gut darin. In technische Probleme lösen via Afrika. Und hier helfe ich meiner Chefin. Organisiere und manage ihre Facebook Seite. Ja ihr seht, ich helfe wo ich kann. Und wenn ich gerade nicht beschäftigt bin, dann friere ich. Wie jetzt. Die heiße Dusche wartet…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s