Sicherheitsgurte und Gemecker in der letzten Reihe

Ich weiß nicht, ob ihr meine Geschichten von der Arbeit überhaupt noch hören könnt, aber ich merke, dass jeden Tag etwas Erwähnenswertes passiert. Also erzähle ich. So auch heute.
Ich weiß nicht wieso „but why is it always me who has to pick up these grumpy germans?“ frage ich meine Mitarbeiter angekommen an der Düne. Laut meiner App wird „grumpy“ mit mürrisch, griesgrämig, knatschig und miesepetrig übersetzt. Genau das verkörpern meine Kunden heute morgen, als ich sie bitte einzusteigen. Zu viert in die letzte Reihe bitte. „So you have also FOUR seat belts in this row?“ Halt die Klappe und steig ein. Das ist Afrika. Sei froh, dass das Auto fährt und die Türe zugeht. Ja, ich weiß, das Fahrerfenster ist halb geöffnet, aber das bleibt so. Ich mag das so. Ja, ich trage einen Schal, aber das Fenster bleibt halb offen. Verstanden? That’s africa – deal with it!
Wenn du Sorgen um deine Sicherheit hast, geh nach Deutschland. Dort ist alles TÜV geprüft. Sogar die Kletterbäume im Kindergarten. Ob man dort lernt wie man mit unvorhersehbaren Geschehnissen umgehen soll ist ein anderes Thema. Noch habe ich Swakopmund nicht verlassen, da höre ich erneut die Stimme aus der letzten Reihe „interesting stop sign, you don’t have to stop“. Really? Ja, das war eine der Kreuzungen, in denen ein Mal im Jahr ein Auto entlang fährt. Also zweiter Gang, gucken und weiterfahren. Und Anhalten. „This is not a german stop sign“ antworte ich ihm und lasse mich nicht beeindrucken. Nächste Kreuzung. „4-stop-junction“ werden sie hier genannt. In Deutschland wäre es eine rechts-vor-links Kreuzung. Hier heißt es, der der als erstes ankommt, fährt als erstes. Ich bin die zweite. Also bremsen. Halten. Erster Gang. Losfahren. „So this was a german stop sign?“ Trällert es aus der letzten Reihe und ich habe jetzt schon keine Lust mehr auf diese Gruppe. Yes it was!
Angekommen an der Düne drücke ich diesem netten Herrn gleich Mal ein Formular in die Hand. Einmal unterschreiben bitte. „Like everything what is fun in life, there is a risk, but if you follow our instructions nobody will get hurt“. Danke. Ehrlich gesagt, ich habe mir noch nie durchgelesen, was dort wirklich drauf steht. Auch als ich im März als Kunde hier war nicht. Einfach ausfüllen und fertig.
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Der Sohn des Deutschen ist auch ein Anfänger auf dem Board. Bei der dritten Abfahrt bleibt er in der Mitte der Düne liegen. Ich habe nicht gesehen was passiert ist. „Is everything okey?“ No, schluchzt der Kleine und hält sich das Knie. Ich fliege hinunter zu ihm. Schnalle das Board ab. Was ist passiert. Knie verdreht. Ok, klingt erst Mal nicht so gut, aber ich kenne mich durch das Handball mit Knieverletzungen aus. Und kenne den Schrei einer Person, wenn das Kreuzband oder Innenband reißt. Diese Junge liegt ziemlich entspannt da. Und schreit nicht. Also alles easy. Wo tut es weh? Strecken, beugen geht alles? Ja, aber tut weh. Alles klar, entspann dich, das wird schon. Der Vater fährt an uns vorbei. Unkontrolliert. Mach kein sch***, das nächste Krankenhaus ist weit weg. Na du bist mir ja eine große Hilfe. Ich beruhige den Jungen. Das Krankenhaus ist nicht weit weg. Auch, wenn wir hier mitten in der Wüste sind. Lassen die Schmerzen nach? Sehr gut. Wir sitzen noch eine Weile, bis der Kleine meint, dass er nichts mehr spürt. Willst du runter laufen? Nein fahren. Alles klar, ihm scheint es echt gut zu gehen. Ich befestige das Board wieder und lasse ihn fahren. Sieht gut aus. Zumindest besser als der Papa.
Bei der letzten Abfahrt bringt der Vater noch einen Spruch, dass es in meinen Ohren nur so klingelt „brech dir nix!“ Aaaah, so etwas sagt man nicht. Damit gibst du dem Kind erst die Idee hinzufallen. Es ist genau das gleiche, als würdest du vor ihn einen Kuchen stellen und sagen „nicht naschen, der ist für morgen!“ Ist wohl klar, was jedes Kind versuchen wird?! Aber nein, ich lasse nicht den Pädagogen heraushängen, sondern gebe stattdessem dem Kleinen noch ein paar technische Anweisungen. Ablenkung.
Das war es für heute. Ich muss jetzt schnell duschen und dann ab ins Office. Den Film anschauen und feststellen, wie oft ich einfach nhr dastehe und nichts mache. Ja, ich habe meinen Platz immer noch nicht gefunden. Seit die Chefin wieder da ist, weiß ich nicht was meine Aufgabe ist. Außer mit Kindern kommunizieren.

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