Kinder, Sand und Snowboards

Nach dem freien Tag gestern, ging es heute wieder an die Arbeit. Auf die Düne.
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Ich sammel eine Familie ein. Gebucht zum lie down boarden. Die Mutter fragt mich, ob die beiden Töchter auch das stand up boarden probieren dürfen. Vom Prinzip kein Problem, allerdings müssen wir schauen, ob wir die passenden Schuhgrößen dabei haben. Angekommen an der Düne verteilen wir zuerst die Schuhe an die andere Familie, die das stand up boarden gebucht haben. Die übrigen Schuhe verteilen wir an meine Familie. Vater und Mutter entscheiden sich auch dafür. „Sorry Beth, but don’t put any lie down boarders in my car. You know that they will get out of the car as a stand up boarder.“ Sage ich zu meiner Chefin. Ich bin nun Mal die Snowboarderin in diesem Team und mir reichen 15 Minuten Anfahrt, um die Kunden umzustimmen. Da wir für jede Person, die stand up boarden gebucht hat zwei Paar Boots einpacken ist das in der Regel kein Problem, wenn ich jemand auf dem Weg umstimme. Und auch bei den 4 heute ist es aufgegangen. Der Mutter habe ich meine Snowboardschuhe gegeben, da sonst keine gepasst haben. Deshalb habe ich extra Schuhe dabei. Beth und Paulus übernehmen die beiden übrig gebliebenen lie down Boarder und ich fange oben auf der Düne mit den beiden Familien an. Von der einen Familie können alle Snowboarden. Also erkläre ich ihnen nur den Unterschied zwischen Sand und Schnee und schicke sie hinab. Meistern alle ganz gut. Nur die 8 jährige Lola tut sich am Anfang etwas schwer. Aber auch sie bekommt das hin.
Und nun zu euch. Zunächst erkläre ich euch wie wir auf dem Board stehen. Die jüngere Tochter (fragt mich nicht nach Namen, ich bin eine Niete im Namen merken) steht auf und will los. Äh weißt du wie es geht? No. Dann setz dich nochmal hin und hör kurz zu. Aber so ungeduldig wie die 4 dasitzen, komme ich nicht dazu meine übliche Einweisung durchzuziehen. So erfahren sie nur die Hälfte. Aber selbst Schuld. Wer ungeduldig ist, dem kann ich nicht helfen. Die kleine bewegt sich ein paar Meter. „I can’t do this.“ Tja, hättest du mich ausreden lassen, wüsstest du jetzt was du machen musst.“ Aber die Pädagogin in mir bleibt sich treu. Ich lasse sie machen. Learning by doing. Erstens lernt sie, dass sie das nächste Mal die Anweisung mitnehmen soll und zweitens lernt sie jetzt sich selbst in der Düne durchzuschlagen. Go for it.
Auch die anderen drei dieser Familie bleiben hier und da mal auf der Düne stecken und blicken hilfesuchend zu mir hoch. Aber wisst ihr was? Hättet ihr mich ausreden lassen, dann würdet ihr jetzt nicht im Sand feststecken. I don’t care. Selber Schuld.
Aber sie haben dennoch alle Spaß. Und bevor jede Person zum zweiten Mal hinab fährt, bekommt jeder noch einen kurzen Tipp von mir. Und so wird jeder von Abfahrt zu Abfahrt besser.
Zeit zum lie down boarden. Was bei uns jeder, egal ob stand up oder lie down boarder, für zwei Fahrten machen darf. „Anne do you want to go down and grab the water or push the people?“ fragt mich die Chefin. I go down. Ich muss mich definitiv bewegen, damit das Blut in meinem Körper nicht gefriert. Es ist wirklich kalt. Und meine Mama schreibt mir soeben, dass sie in Deutschland 33 Grad im Schatten haben. Selbstverständlich. Wir haben 12 Grad in der Wüste. Und ich bin barfuß und in kurzer Hose. Also Düne runter und wieder hoch.
In der Zwischenzeit fahren die ersten hinunter. Nur Lola traut sich nicht. Beth schickt sie zu mir. Ich soll mit ihr etwas weiter unten starten. Alles klar. Ich lege das Brett in den Sand. Lola darauf. „Now lift it up!“ Aber das mit dem Anheben klappt nicht wirklich. Die 8 Jährige hat Angst vor dem Gefälle. Wieso denn? Auf dem Brett kannst du hier höchstens 40 km/h bekommen. „Ok, do you want to go down with me?“ YES!! Also gut. Ich lege mich auf das Brett. Sie auf meinen Rücken. „Have you ever done this?“ fragt die zarte Stimme. No. Antworte ich. Im selben Moment stoße ich mich ab und wir rutschen los. Ok, lift up the front is the most important thing, sage ich allen. Also lift it up! Ich gebe mein Bestes während eine kräftige Stimme in mein Ohr schreit. Gut, dass ich Kindergeschrei gewohnt bin. Und wer kommt angerannt? Zak. Nein, wirklich. Renne ja nicht in meine Bahn. Muss mich schon genug konzentrieren.
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Aber Zak folgt mir schließlich überall hin. Und jetzt gibt er wirklich alles, um mit mir mitzuhalten. Unten angekommen erkläre ich der Mutter, dass es nicht meine erste Abfahrt auf einem lie down board ist, aber die erste mit einem Kind auf dem Rücken. Sie lacht nur und sagt „yes for the first time doing it you shouldn’t take your own child“. Die hat zum Glück guten Humor. Aber anscheinend habe ich gute Arbeit geleistet, denn die Kleine will nochmal hinunter. Also gut. Dann aber erst Mal hochlaufen. Beth fragt uns, ob wir nun von ganz oben starten wollen. Ich schaue sie verwundert an. Das geht? Zu zweit? Over that drop? Sie nickt nur. Lola auch. Puuh, ok dann los. Diesmal kontrolliert Beth, dass Lola richtig auf mir drauf liegt. Und sich gut an mir festhält. Aber bitte nicht am Hals. „Are you ok, Anne?“ Ask me again, when I’m done with this. Und los geht’s. Wir beschleunigen. Wir beschleunigen ordentlich. Und jetzt kommt der Drop. Wir steuern gerade darauf zu. Die Kleine fängt an zu schreien. Wir fliegen. Kenne ich alles. Aber vor mir ist noch eine Bodenwelle. Jetzt kreische ich mit. Bauch anspannen und abfedern. Und Brett anheben. Wir düsen auf der anderen Seite die Düne hinauf. 71km/h. Wow nicht schlecht. Mein persönlicher Rekord liegt bei 75. Die Kleine quiekst noch. High Five. Gute Arbeit Lola. Ganz schön mutig. Mir zu vertrauen 😉
Danach geht es die letzte Abfahrt hinab. Alle auf dem Stand up Board und ich auf drei lie down Brettern zusammen mit drei Rucksäcken. Ich muss ja alles hinab bringen. Wasserflaschen. Wachs. Jacken. Rucksäcke. Alles im Griff.
Auf dem Rückweg halten wir im Office. Meine Kunden kaufen noch Pullover. Paulus sagt 2 Pullover und ein Tshirt. Ich rechne schnell „eighthundred-“ eighty! Ergänzt Mercha. Mercha? Wow, ich bin stolz auf dich. Ich schlage mit ihr ein. Mercha ist die Angestellte im Office. Wenn ich die letzten Wochen mit Kunden zu ihr gekommen bin, die mit Kreditkarte zahlen wollten, dann hat sie immer mit dem Taschenrechner die Summe berechnet. Ich habe ihr die Summe aber immer genannt, bevor sie es überhaupt eintippen konnte. Also hat sie irgendwann nur noch mich angeschaut und auf meine Zahl gewartet. Deshalb bin ich jetzt baff. Meine Arbeit lohnt sich. Den Taschenrechner brauchst du nicht mehr. Nur noch deinen Kopf 😉

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