Warten, viel Sand, zahlreiche Buchungen, ein verpasster Flug und Karneval in Afrika

Eigentlich sollte ich jetzt schlafen. Keinen Bericht mehr schreiben. Eigentlich klingelt in 5 Stunden der Wecker. Eigentlich weiß ich noch nicht wie ich morgen 60 Personen auf die Düne bringen soll. Eigentlich weiß auch nicht wie ich meiner Chefin einen neuen Flug buchen soll.
AAAABER. Heute habe ich so viel erlebt, dass ich das JETZT niederschreiben muss, weil ich es sonst nicht mehr zusammenkriege.
Heute morgen. 4 Pick ups stehen an. Wenn du 8 Personen an 4 verschiedenen Stellen um 9:30 Uhr abholen musst, weißt du schon im Voraus, dass das nicht klappen kann. Dafür muss man keine Stärke in Mathematik haben. Aber ich, die organisierte Deutsche versucht das dennoch zu koordinieren. Wenn ich kurz vor halb die ersten Kunden abhole, dann hole ich nur KURZ nach halb die letzten ab, oder? Der Plan so weit so gut. Aber die Kunden wurden dabei nicht berücksichtigt. 9:20 Uhr stehe ich am Skeleton Beach Backpackers. Die Kunden huschen im Schlafanzug um die Ecke. Ok, sieht fast gut aus. Um halb laufen sie mit der Zahnbürste im Mund durch den Hof. Gleich sind sie so weit. „Just a few minutes“. Rrrrrring „wo bist du wir warten!“ Die ersten Kunden rufen an und warten auf mich. Selbstverständlich die Deutschen. Stehen bestimmt seit 9 Uhr draußen. Oder zumindest seit 9:20 Uhr. Bringt mir nichts. Endlich kommen die beiden Backpacker auf das Tor zu. Aber bloß keine Eile. Schreib deine Sms zu Ende. Alles entspannt. 9:45 Uhr werfe ich den Motor an. Rrrrrring! Die Dame von der Rezeption von Desert Breeze ruft wütend an. Wo ich denn bleibe. Wieso ich so spät bin. „I’m on my way!“ Wisst ihr, dass Deutsche es schon von Natur aus hassen zu spät zu sein? Da musst du mich nicht zusätzlich stressen!! Bääm, Speed humb übersehen. Fluuuuchen. Alle anderen Kunden einsammeln und ab Richtung Düne. Rrrrrring. „Are you okey with the pick up? Is something wrong with the car?“ Nein Steven, ich hab alles im Griff. Fluchen. Du musst aber noch 10 Minuten auf mich warten. Kannst ja alles schon Mal ausladen. UND STRESS MICH NICHT.
Ja, das war mein Morgen. Angekommen an der Düne, einmal tiiiief durchgeatmet und entspannt die Tour organisiert. Die Kunden waren zum Glück alle entspannt und nicht genervt, so dass ich die Verspätung am Morgen schnell vergessen habe.
Am Nachmittag fängt sich dann der nächste Stress an aufzubauen. Ich dusche. Rrrrrring.  Sandboarding. Ja, notiert. Noch eine halbe Stunde, dann muss ich im Office sein. Zum Video. Klick. Was für eine Sms? Flugzeitenänderung. Beth, meine Chefin soll planmäßig morgen in Walvis Bay landen und am Nachmittag in Swakopmund ankommen. Wahrscheinlich hat sich der Flug um wenige Minuten nach hinten geschoben. Egal, ich schick ihr die Nachricht nach Paris, wo sie auf den Weiterflug wartet. Ich laufe ins Office. Buchungen aufnehmen. Fluchen. 28 Kunden für morgen früh. Habe ich genügend Autos? Erst mal alle Angestellten anrufen. MORGEN, ARBEIT! Und jetzt rechnen… Wenn wir den zum laufen kriegen, können wir den mit der Ausrüstung füllen und den brauchen wir aber auch. Der springt auch nicht ohne weiteres an. Aaaaah. Ok, wir kriegen ihn morgen zum laufen. Wir müssen. Rrrrrring. Sandboarding tomorrow! Selbstverständlich. Ok, 30 morgen früh. 30 morgen Nachmittag. Rrrrrrrrrring. Beth? Was gibt es? Du verpasst deinen Anschlussflug? Und jetzt? Ich soll dir einen neuen Flug buchen? Sonst noch Wünsche? Was ist mit Air France? Die habem dir das eingebrockt, die sollen dich da rausholen! Ja, ok ich werde heute noch danach schauen. Aber als erstes gehe ich mit Désirée auf den Karneval. Deutscher Abend. Büttenabend.

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Vom Sandboarding Video habe ich heute nicht viel mitbekommen. Alle 2 Sekunden hat mein Handy geklingelt. Einmal war ich an meinem eigenen Handy am Telefonieren, als das Geschäftshandy geklingelt hat. Da war ich kurz echt überfordert. Aber jetzt heißt es abschalten. Ein Getränk bei Lee’s und dann ab zum Fasching. Wir treffen etliche Menschen vor dem Eingang. Alle sprechen mit Des deutsch und versuchen sich bei mir mit englisch. Seh ich so sehr wie ein Tourist aus? Nein, aber die meisten kennen sich hier einfach. Und mich nicht. Alles klar. Ich laufe hinein. Karnevalsmützen ringsherum. Ich muss grinsen. Lachen. Das ist so unwirklich. Diese Szene.

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Tanzmariechen. Funkelmariechen. Prinz und Prinzessin. Büttreden. Ich habe viel zu lachen.

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Deswegen haben die Schweizer die Uhren erfunden und Afrika die Zeit.

Trans Namib hat Boden verkauft, den sie nicht besitzen.

Auch wenn ihr morgen etwas müde seid, das macht doch nichts, denn es ist die 5te Jahreszeit.

In dieser Stadt gibt es mehr korrupte Polizisten als Toiletten.

Frauen heiraten nun mal in weiß, weil Küchengeräte nun mal weiß sind!

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Das war ein kleiner Auszug von dem, worüber ich heute Abend lachen durfte. Zwischen „Schöner Tag“, dem Fliegerlied und „Schatzi schenk mir ein Foto“.
Aber jetzt muss ich wirklich schluss machen. Es ist noch eine halbe Stunde vergangen, was für mich heißt noch 30 Minuten weniger Schlaf. Und ich weiß immer noch nicht wie ich die Kunden zur Düne bringen soll. Vielleicht auf dem Dach von meinem Minivan? Das machen die doch in Afrika oder?
Und wie bringe ich meine Chefin heim? Vielleicht sollte sie statt dem Flieger auf ein Auto umsteigen? Wäre unter Umständen schneller…

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