Rrrrrrrrring – Zum Teufel mit dem Geschäftshandy

In meinem letzten Beitrag habe ich über meinen Tagesablauf geschrieben. Über die Routine. Allerdings habe ich rrrrrrrrrrrriiiing zwei wichtige Punkte rrrrrriing vergessen. Der erste Punkt sprengt rrrrrrrrrring meine tägliche Routine mehr, als dass sie rrrrrring Struktur hineinbringt.
„Alter Action Sandboarding hello?“
Das Geschäftshandy.
So wie es diese beiden Sätze zerlegt hat, zerlegt es jeden Tag meinen Tagesablauf. Es fängt an, wenn ich noch schlafe. Rrrrrrrrrrrriiiing. Und es gibt nichts schöneres als aus dem Schlaf gerissen zu werden und reden zu müssen. „Oh sorry, are you sleeping?“ Dümmste Frage ever. JETZT NICHT MEHR, oder glaubst du ich rede im Schlaf?
Dann geht es weiter im Auto. Rrrrrrrrrrrriiiing. Ja ich telefoniere beim Autofahren. Es ist kein Smartphone. Ich muss also nur eine Taste drücken. Und ich bin eine Frau. Ich kann mich auf den Linksverkehr konzentrieren, das Handy in der Hand halten und gleichzeitig Kunden abholen (nicht zum Nachahmen geeignet!!).

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Ich fange an mit der Begrüßung an in den Dünen. Rrrrrrrrrrrriiiing. Ja, ich habe mitten in der Wüste Handyempfang.
„Alter Action, Anne hello?“
„Do I speak to Beth?“
„No, you are speaking to Anne from Alter Action Sandboarding. “
„Beth is not there?“
„No, she is on holiday.“
„Mh…“
„But you can tell me your booking.“
„Really? That’s amazing!“
Ja, ich bin zwar nicht Beth, aber ich arbeite für das Unternehmen, bei dem du Sandboarden willst. Zum Hundertsten Mal!
Ich halte einen Anfänger am Board. Knie beugen, Oberkörper Rrrrrrrrrrrriiiing GERADE. Ganz schlecht. Kann grad nicht. „Please send me a text message!“
Am Nachmittag geht das ganze weiter. Dort fängt auch der zweite Punkt an, den ich bei der Auflistung meiner Routine vergessen hatte.
Der tägliche Strandspaziergang. Mit Zak. Dem Hund. Jeden Nachmittag. Weil er sonst depressiv daheim herumhängt und das Herrchen vermisst. Nachdem alles aufgeräumt ist, die Mails beantwortet und die Autos geputzt sind, schnappe ich die Hundeleine. Das ist der Moment, wenn Zak ausrastet vor Freude. Und der Moment, in dem man immer noch sieht, dass ich Angst vor Hunden habe, bzw mit ihnen nicht so gut klar komme. Er springt an mir hoch wie ein Verrückter. Raaaatsch. Danke Zak. Neue Kratzspur auf meinem Bein. Weißt, du dass all diese Kratzspuren an meinen Beinen von dir sind? Und weiter springt er hoch. Ich reiße die Arme in die Luft. Hilfeeee. Leine anlegen und schon zieht er mich. Über die Hauptstraße und Leine losmachen. Wird mir zu stressig. Mach das alleine Zak. Ich gebe die Richtung vor, du folgst.
Sand.
Sonne.
Meer.
Rrrrrrrrrrrriiiing.
Wellenrauschen.
„Alter Action hello, sorry wait a second, I’m right now at the beach and can’t hear anything.“ Und ich renne durch den Sand auf der Suche nach Windschutz. Hinter einem Fels führe ich dann das Gespräch.
Heute hatte ich zwei Gespräche am Strand. Dann bin ich duschen. Zum Glück brauche ich dafür nicht lange, so dass ich noch keinen Anruf verpasst habe.
Danach sitze ich am Computer. Rrrrrrrrrrrriiiing. Mails bearbeiten. Bitte waaaas? 30 Lie down boarder? Freitag Nachmittag, ja ist ok. Wir holen sie ab. Hilfeeeee. Ich brauche am Freitag alle Mitarbeiter, die ich irgendwie bekommen kann. Und Freitag vormittag werden wir sicher auch eine Tour haben. Ok, Hochsaison ist hiermit eröffnet.
Wieso schreibt mir Désirée? Was will sie von mir? Nur sehen, ob ich alles im Griff habe? Nein, ich habe heute Abend noch nichts vor. Ich muss aber jetzt in Büro. Das Video wird gezeigt.
Désirée taucht auch auf. Mit einer Flasche Wein. Während sie mir einschenkt sagt sie etwas mit eine Woche, Haus und Katzen. Moment nochmal. Du willst, dass ich in deiner Wohnung schlafe solange du weg bist? Yes! Und auf die Katzen aufpasse? Yes. Steht auf meiner Stirn Tiersitter oder so? Habe die Erziehung von Kindern studiert. Nicht von Tieren. Aber ja, klar werde ich es machen. 2 Katzen? Wird schon. Was hast du heute Abend vor? Sollen wir Essen gehen? Alles klar, los.
Kaum schiebe ich meinen ersten Bissen Lasagne in den Rrrrrrrrrrrriiiing Mund, klingelt schon wieder das Telefon. Alles klar. Bisschen laut hier im Restaurant. Ich renne nach draußen, während ich meine Begrüßungsfloskel herunterleier.
„Do you have a place tomorrow?“
„Yes.“
„Do you have two places?“
„What do you mean? There are different places to do sandboarding, but we go only on one spot.“
„No I mean for two.“
„Ah, you ask if we have space for two tomorrow?“
„Yes!“
„Yes. So 2 stand up for tomorrow, ok, where do you stay?“
Mmmmh, ähm, Robert wie heißt das nochmal?
War ja klar, dass ihr Deutsche seid, bei dem schlechten Englisch. ‚Platz‘ im Deutschen hat zwei Bedeutungen, die im Englischen entweder mit ‚place‘ oder mit ’space‘ übersetzt werden. Aber kann ja nicht jeder wissen.
„Ok, wir können auch deutsch sprechen.“
Meine Lasagne kann ich nicht zu Ende essen, ohne dass das Telefon ein zweites Mal klingelt. Nach dem Telefonat hole ich schnell meinen Notizblock heraus. Aufschreiben: wo, wer und wieviele.
Ja, dieses Telefon klingelt einfach immer. Beim Feiern musste ich mich auch schon damit auseinandersetzen. In der einen Hand deinen Drink, in der anderen das Telefon. Heute war es die Lasagne in der einen Hand. Aber noch läuft alles so weit. Meine Mitarbeiter meinen zwar langsam, sie haben keine Lust mehr zu folgen, aber wird schon. Irgendwie muss alles klappen. Noch zwei Tage. Dann ist die Chefin zurück. Dann kann ich das rrrrrring Geschäftshandy wieder abgeben. Die Verantwortung abgeben. Und einfach nur Mitarbeiter sein. Mal sehen, ob ich das noch kann?

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