Die 5te Jahreszeit beginnt – Karneval in Swakopmund

Wie jeden anderen Tag auch, mache ich mich auf den Weg in Spar, um das Mittagessen für die Kunden einzukaufen. Doch was ist das? Was machen diese ganzen Tanzmariechen hier? Und die Männer in Karnevalskostümen. Ich bin verwirrt. Zurück zur Routine. Einkaufawagen holen. Einkaufswagen wo seid ihr? Auf euren Platz wird Glühwein verkauft. Die 5te Jahreszeit in Swakopmund hat begonnen. Ja so etwas gibt hier. Schließlich leben hier genug Deutsche, die das organisieren können. Ich mache verwirrt meinen Einkauf. Tomaten, Zwiebel, Gurke. „25 Bretchens please“ sage ich der Dame in der Brotwarenabteilung, die die Brötchen in meine Klappkiste legt. Am Anfang tat ich mir echt schwer mit dem Wort „Bretchen“. Ich kann einfach nicht englisch reden und dann „Brötchen“ bestellen. Deshalb habe ich immer von „bread“ gesprochen. Mittlerweile verwende ich das Wort „bretchen“, welches aus dem Afrikaans kommt. „40 Dollar Meat and 30 cheese“ gebe ich weiter meine Bestellungen auf. Auf dem Weg zur Kasse begegne ich der Karnevalsgruppe. Eine der Frauen spricht mich auf deutsch an. Ich laufe verstört an die Kasse und bezahle meinen Einkauf.
Etwas später mache ich mich mit meinem Wagen auf den Weg die Kunden abzuholen. Zwischen zwei Abholpunkten ruft mich Steven an. „We do have a flat tire, we will come a bit later“. Serious? Das stellt ihr erst 2 Minuten nach dem ihr losfahren hättet sollen fest? Das Auto stand in der Garage und du hast es heute morgen schon bewegt. Aber was ändert das jetzt an der Situation. That’s africa. Ich werde mit den Kunden an der Düne auf dich und den Wagen mit der Ausrüstung warten.
Gesagt getan. Den Kunden erklärt was Sache ist und mit der Einweisung begonnen. Denkt an Sonnencreme! Es sieht aus, als würde es heute echt heiß werden. Verdammt, ich hab vergessen mich selbst heute einzucremen. Passiert. Aber meine Haut hat sich in den letzten 20 Tagen auf der Düne schon an die Arbeitsbedingungen angepasst. Ich laufe auch ohne Sonnencreme nicht Gefahr einen Sonnenbrand zu bekommen. Läuft.
Kurz nachdem ich mit der Einweisung fertig bin, taucht Steven mit der Ausrüstung und dem Kameramann auf. Passt doch alles. Ausrüstung verteilen und mit der üblichen Routine weitermachen. Heute habe ich 10 Anfänger auf dem Board. Steven und Paulus übernehmen die Lie down boarder. Alles im Griff. Und meine Gruppe schlägt sich super. Alles Naturtalente. Nur springen will keiner. Aber einen Sprung wollen sie sehen. Also gut. Auf der letzten Abfahrt könnt ihr mich sehen. Aber ihr müsst als erstes runter. Ich muss nämlich als letztes oben sein. Vorschrift. Aber verdammt ich habe den Rucksack mit Ausrüstung. Egal. Das kann ich. Und fliiiieg. Selbstverständlich kann ich das. Muss ich als „Sandboarding instructor“. Und vorbei ist der Arbeitstag.
Nach dem Video am Abend mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu Freunden. Bin zum Grillen eingeladen. Erste Häuserreihe nach dem Strand. Das heißt während ich am Feuer stehe, höre ich die Wellen brechen. Lässt sich hier leben. Wirklich. Auch wenn alle um mich herum Afrikaans sprechen und ich Bahnhof verstehe, aber selber Schuld, wenn du es nicht lernst. Dachte nur, dass nur Südländer (Italiener, Spanier, Franzosen) so unfreundlich sind und nur ihre Sprache sprechen, die Erfahrung habe ich nämlich schon gemacht.
Später kommt einer auf die Idee in die Wüste zu fahren und dort ein Lagerfeuer zu machen. Ich wollte mich gerade auf den Weg machen. Sonntag früh muss ich, im Gegensatz zu den anderen, arbeiten. Aber was solls. Man lebt nur einmal, schlafen kann ich, wenn ich alt bin. Mit zwei Autos fahren wir los. Ich hinten auf einem Geländewagen. Wir umfahren die Polizeikontrollen, die nachts Swakopmund überwachen. Wir fahren gefühlt ewig. Ich weiß gar nicht wieso. Schließlich ist Swakopmund ja mitten in der Wüste. Wohin geht es? Eine Dreiviertelstunde später halten wir. Ich steige aus. Ich sehe nichts. Moment, das ist gelogen. Ich schaue in den Himmel und sehe Millionen von Sterne. Wow. Und die Milchstraße von einer Düne bis zum Horizont auf der anderen Seite. Ich liebe es. So klar. So viele Sterne. Ihr könnt mir erzählen was ihr wollt, aber nirgendwo in Europa kann man die Sterne so klar sehen. Allein die ganzen Städte in Europa leuchten schon viel zu stark, als dass man so ein klares Bild vom Nachthimmel bekonnen könnte.
So und jetzt Holz holen. Kleiner Scherz am Rande. Wir sind umgeben von Dünen. Und Sand. Holz mussten wir mitbringen.
Knistert das schön. Ich lege mich auf den Boden. Und starre in den Sternenhimmel. Das könnte ich stundenlang tun. Ich glaub das habe ich auch lange getan. Zwischendurch um das Feuer getanzt. Musik kommt aus dem Auto. Tanzen hält warm. In der Wüste ist es kalt. Anne willst du heim? Nooooooooooo. Haha, dachte du musst morgen arbeiten? Ja, wird schon. Und ich lege mich wieder auf den Rücken. Füße am Feuer, damit sie warm bleiben. Daaa, eine Sternschnuppe. Und da noch eine. Ah Moment, wenn man eine Sternschnuppe sieht darf man sich was wünschen. Daaa noch eine. Aber was? Und daaaa schon wieder! Mir fällt einfach nichts ein. Nennt man das wunschlos glücklich? Wenn man 4 Sternschnuppen sieht und einem nichts einfällt, was man sich wünschen könnte? Ich glaube ja. Ich fühle mich sehr entspannt. Und glücklich.
Bei der siebten Sternschnuppe ist mir dann ein Wunsch eingefallen. Der hat sich aber nicht auf mich bezogen.

Ich. Liebe. Den. Afrikanischen. Sternenhimmel.

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