Turbulenter Arbeitstag

Nachdem ich soeben das Video vom heutigen Arbeitstag gesehen habe, müsste ich mich eigentlich drei Mal bekreuzigen. Dafür, dass sich heute niemand ernsthaft verletzt hat. Auf dem Video habe ich die Stürze erst richtig gesehen. Inklusive meinen eigenen. Meine Güte was ein Tag.
Heute hatte ich den Wagen voll mit Portugiesen. Und zwar für afrikanische Verhältnisse voll. Mehr Menschen als Sitzplätze im Wagen. Habe mal wieder falsche Informationen von einer Reiseagentur erhalten. Aber „that’s africa, deal with it“. Und das habe ich getan. Keine Sekunde gezögert oder nachgedacht was legal ist oder nicht. Das fällt mir erst gerade ein. 4 müssen in eine Reihe. Quetscht euch rein. Und Gott sei Dank biege ich immer direkt vor der Polizeikontrolle rechts ab. Läuft.
Trotz meinen fehlenden Portugiesischkenntnissen haben die Touristen sich nicht blöd angestellt beim stand up boarden. Ganz im Gegenteil. Sie haben es bemerkenswert gut gemeistert. Gefährlich wurde es dann nur beim lie down boarden. Das wir eigentlich immer als die einfacherer Wahl verkaufen. Doch die hatte es heute in sich. Normalerweise haben wir dort eine Sturzquote von 1:20 und das auch nur, weil sich diese Person besonders blöd anstellt. Heute hatten wir aber beim lie sown boarden 7 Stürze bei 10 Abfahrten. Unvorstellbar. Die Leute haben sich der Reihe nach einfach nur noch überschlagen.
Dabei fing es so gut an. Der kleine Junge war der mutigste und kam als erster zu mir. Ich lege ihn auf das Brett und kontrolliere, dass er richtig drauf liegt. Dann sagt er zu mir „I don’t know if I am strong emough to pull this up!“ „You are!“ Sage ich nur und schiebe ihn an. Und siehe da. Er nimmt die optimale Bahn und erreicht 72km/h. Doch danach kamen nur Pfeifen. Hatten Angst vor der Geschwindigkeit oder was weiß ich. Ich sehe sie nur einen nach dem anderen hinter dem Hang drehen, fliegen und liegen. Normalerweise darf diese Abfahrt jeder mindestens zweimal machen. Heute nicht. Wir brechen es ab. Nach zahlreichen spektakulären Stürzen. Und kehren zurück zum Stand up boarden. Die letzte Abfahrt steht an. Doch nach diesen vielen Stürzen sind wohl die meisten eingeschüchtert und keiner möchte über die Schanze. „But I really like to see somebody going over it“. Also gut, ich erbarme mich. Alle stehen unten und schauen hoch. Ein Kameramann rechts, einer links von mir. Schlimmer kann es auch nicht mehr werden.
Keine Ahnung was ich im Flug machen wollte. Im Video sieht es nach einem Salto oder so aus. In Wirklichkeit war es eine Kopflandung. Oder wie wir in der Fachsprache sagen „face landing“. Ich stehe gleich wieder und fahre weiter hinab. Spüre aber kurz ein Ziehen im Nacken. Deshalb tragt ihr Helme! Hab im Sand aber Sonnenbrille und Geschäftshandy verloren. Zum Glück sind beide Gegenstände an der Oberfläche geblieben und der Kameramann konnte sie hinab bringen. Doch meine wunderschöne, gelbe Sonnenbrille (Wert von 3€) ist kaputt 😦
Und genau heute habe ich wieder mein Shirt mit „Sh** happens, deal with it“ an. Als hätte ich es geahnt. Ich komme zur Gruppe und erkläre ihnen, dass ich nur gestürzt bin, damit sie sich nicht so schlecht fühlen.
Heute kommen wir eine halbe Stunde später als sonst in der Stadt an. Die Stürze haben uns Zeit gekostet.
Wieder daheim lächle ich. Eine Putzfrau ist doch etwas tolles. Sie hat zwar nicht meine kleine Wohnung geputzt und ich muss mir immer noch überlegen wie man einen Teppichboden ohne Staubsauger säubert, aber zur Zeit wohne ich eh nur in dem Haus von meiner Chefin und dort glänzt alles blitzeblank. Wäsche gewaschen, getrocknet, zusammengelegt und sogar aufgeräumt. Geschirr gespült. Müll geleert. Hundenapf gewaschen. Bett gemacht.

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Wollte euch soeben zeigen wie perfekt glatt die Bettdecke gestrichen wurde. Aber Zak hat mir das Bild versaut. Ich kann tun und lassen was ich will. Er vermisst seine Mama. Und immer wenn er sie vermisst, legt er sich dorthin wo sie normalerweise liegt. „Zak, BEEEEACH?“ ok, nicht ausrasten. Langsam. Ich muss nur noch ein paar Sachen holen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Hund mich für total bescheuert hält.  Er läuft mir am Nachmittag jeden, wirklich JEDEN Schritt hinterher. Da ich aber ein so gutes Gedächtnis habe, laufe ich vom Haus durch den Garten in mein Zimmer, um die Handtasche zu holen, sehe sie Haarbürste und komme mit dieser und dem Taschenmesser wieder im Haus an und stelle fest, dass die Handtasche immer noch im Zimmer ist. Und laufe wieder zurück. Zak hinter mir. Ich laufe vom Wohnzimmer in die Küche und lande im Arbeitszimmer. Was wollte ich eigentlich? So irre ich wie eine Frau mit Alzheimer durch den Tag und trete dauernd dem Hund auf die Pfoten. Dass der dann nicht Mal aufgibt verstehe ich nicht.
Sobald ich die Hundeleine in die Hand nehme, rastet er dann völlig aus. „Don’t freak out Zak, yes we are going to the beach!“ Er springt hoch und reißt sein Maul auf. Ähm langsam. Kann damit nicht umgehen. Was tust du? Beiß mich nicht! Und schnappe auch nicht nach mir! Irgendwie spüre ich ein Stechen im Knie. Der Sturz war sicher nicht gesund für meine Gelenke. Aber meine Gelenke haben eh alle schon lange eine Schaden, also ist das auch egal.
Am Strand angekommen entdecke ich einige Kinder. Sie spielen Fußball. 4 Mülltonnen stehen als Torpfosten im Sand. Wie kreativ die noch sind. Keine Handys. Nur einen Fußball und Mülltonnen.

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Verdammte Handykamera. Taugt nichts. Morgen muss ich wirklich Mal wieder meine Spiegelreflexkamera herausholen. Die ist bestimmt schon verstaubt. Morgen gehe ich nur arbeiten, wenn wir mehr als 4 Kunden haben. Ich bin Chef. Ich kann mir freinehmen, wenn ich es will.
Rrrring. „Alter Action Sandboarding helloooo?“ 3 Mal Stand up. Puuuh, das ist knapp. Jetzt darf niemand mehr anrufen…

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