24 Stunden Erreichbarkeit

Bevor meine Mitarbeiter heute morgen mit packen beginnen konnten, gab es ein „briefing“. Eine Ansage von mir. Erstens, zweitens, drittens. So wird das gemacht und nicht anders. Das ist deine Aufgabe und das meine. Verstanden? „But thats just like we do it every day.“ Really? Und was war dann gestern? Da war nix wie „every day“. Aber sei’s drum. Der gestrige Tag wurde eh aus dem Gedächtnis gestrichen. Und jetzt ab an die Arbeit.
Ach und wisst ihr was? Plötzlich funktioniert alles. Der Tag läuft strukturiert ab. Alle Gegenstände werden auf die Düne gebracht. Nichts wird vergessen. Die Briefings (ja, das ist ein deutsches Wort, ihr könnt es gerne im Duden nachschlagen) werden ohne Unterbrechung durchgeführt. GEHT DOCH!
Drei Frauen sind unter den 9 Touristen heute. Eine Deutsche, zwei Österreicherinnen. Die eine hatte einen Unfall auf Skiern (Kreuzbandriss) und wurde vor 3 Monaten operiert. Noch hat sie ein Verbot von Skifahren für 6 Monate. Aber snowboarden (also sandboarden) kann man doch schon machen oder? Natürlich.
Ich verstehe ja die Dame. Ich kenne mich. Ich wäre und bin ja auch nicht anders. Ich war diejenige, die vor zwei Jahren mit dem 2 Tage alten Bänderriss in die Snowboardschuhe gestiegen ist und ein Wochenende in Sölden die Pisten non stop auf und ab gefahren ist. Also unterstütze ich diese Frau. Sie zeigt Zweifel und Angst um ihr Knie. Sie ist eine Anfängerin auf dem Board. Möchtest du, dass ich dich halte? Aber nicht loslassen. Keine Sorge, ich kann mit dir den ganzen Weg mitlaufen, wenn du das möchtest. Und los geht’s.
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Und so machen wir das auch. Unten angekommen entscheide ich mich nicht außenrum hochzulaufen, sondern die Düne gerade hochzulaufen. Auf dem halben Weg bereue ich es, aber vor meinen Mitarbeitern zeige ich trotz noch so vielen neckenden Sprüchen keine Schwäche. Ich komme tatsächlich vor der Österreicherin oben an, bin aber völlig außer Puste. Bisschen Bewegung schadet mir aber nicht.
Oben springe ich dann gleich wieder herum und helfe den Anfängern beim Starten bis die Dame wieder oben ist und es für mich ein zweites Mal hinab geht. Der Hund rennt hinter mir. Seit die Chefin weg ist, läuft Zak mir jeden Schritt hinterher. Überall hin. Auch auf die Toilette. Da muss ich die Türe schließen, um meine Ruhe zu haben. In der Wüste läuft Zak aber normal nur einmal die Düne hoch. Bis es ihm dort oben zu heiß ist. Dann geht er zurück zum Auto. Der einzige Schattenplatz weit und breit. Aber heute rennt er wirklich jeden Weg mit mir mit. Hinab. Hinauf. Hinab. Hinauf. Erst nach dem Dritten Mal gibt er auf und geht zum Auto. Mittlerweile nehme ich auch den Weg außen herum. Laufe nur schneller hoch, als die Touristen.
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Verschnaufpause oben auf der Düne
Die letzte Fahrt mache ich als Privatlehrer dann selbst auf dem Board mit der Österreicherin. Ich muss dafür zwar rückwärts fahren, aber ein Sandboardlehrer muss das können.
Wieder zu Hause setze ich mich erst Mal an den Computer. Mails beantworten. Doch kaum sitze ich dort, flitzt die Katze in den Raum.
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Das ist ihre Zeit. Sie braucht Zuneigung. Die sie von mir normal nicht bekommt. Also setzt sie sich auf meinen Schoß.
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Solange wie ich im Arbeitszimmer sitze. Oder besser gesagt solange bis ich aufstehe und sie herunterwerfe. Ja ich weiß, ich bin nicht gerade tierlieb. Passiert.
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Aber die Katze scheint damit klarzukommen.
Nach Sonnenuntergang marschiere ich ins Büro. Kommissionszahlungen checken. Neue Buchungen? Morgen früh wird es keinen Trip geben. Es sieht so aus, als würde der Ostwind kommen und dann kann ich nur am Nachmittag raus auf die Düne. Der Ostwind ist das was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Er kommt normal im April oder Mai, kam aber dieses Jahr noch nicht. Er bringt heiße Luft vom Festland, so dass wir dann in Swakopmund bis zu 40 Grad bekommen. Für wenige Tage. Aber das Problem für das Sandboarden ist, dass er vormittags Sandstürme bringt, so dass man keine Tour machen kann. Beth, meine Chefin, hat mir alles ganz genau erklärt. Was ich dann machen muss und und und. Mit dem Videomann habe ich jetzt beschlossen die zwei Touristen vom Morgen auf den Nachmittag zu schieben, wo wir ohnehin schon eine Tour haben. So muss ich morgen früh nicht in Himmel starren und das Wetter lesen.
Meine Angestellte im Büro hat aber noch eine Kundin für morgen früh gebucht. Bitte ruf sie an und sag, dass sie nur am Nachmittag kommen kann.
Die Touristen trudeln allmählich ein. Die Slideshow mit den Fotos wird gestartet. Nehmt euch einen Stift und Papier und notiert euch die Nummern von den Fotos, die ihr kaufen wollt. Danach wird das Video gestartet. Eine DVD mit dem Video bekommt ihr alle. Ist im Trippreis inklusive. Ich liebe es den Film am Abend anzuschauen. Die Filmcrew macht den richtig gut. Achja und da bin ich. Wie ich senkrecht die Düne hochlaufe. Macht euch ruhig lustig.
Mersha braucht Geld, um den Guides die Komission zu zahlen. Sie hat Craig gerufen. Er ist der Co-Inhaber dieses Büros. Also gut, dann kann ich jetzt gehen. Feierabend. Yeeeah.
Ich laufe einige Straßen weiter. Zum Sitz des Skydiving Unternehmens. Dort ist auch eine Bar und mit meinen Freunden wird der ein oder andere Drink getrunken. Nebenbei unterhalten wir uns wie der Tag so war. Oft haben wir dieselben Kunden. Morgens stehen sie bei mir auf der Düne, nachmittags springen sie mit den Jungs aus dem Flieger. Ja, dort sind alles Männer. Also stehen hier 6 Männer und ich. Rrrrrrring. Oh nein. Das ist das Geschäftshandy. So viel zum Thema Feierabend. Mit dem Handy gibt es kein Feierabend. 24 Stunden Erreichbarkeit. Diesen Service bietet Beth an. Also muss ich das Handy immer bei mir haben. Heute hatte ich schon einige Anrufe auf der Düne. Ja, in der Wüste hat man auch Netz. Manchmal sogar besseren Empfang als daheim in Scharnhausen. „Alter Action Sandboarding good EEEEVENING“. Was morgen früh sandboarden? Mmmh, sorry gaaanz schlecht. Bin am feiern und möchte morgen ausschlafen. Wie wäre es mit Nachmittag?
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Unbreakable. Water proofed. Sand proofed.
Kaum bin ich zurück bei der Gruppe klingelt wieder ein Handy. Doch diesmal nicht meins. Bones hat das Geschäftshandy von den Skydivern. Haha. Doch viel Zeit bleibt mir nicht zum Lachen. Bald klingelt mein Handy wieder. Leute es ist Freitag Abend was ist los? „Can we do tomorrow morning sandboarding?“ Nein. „Ok, then we will try to do skydiving in the morning and sandboarding in the afternoon.“ Thats a really good idea. Ich lege auf und komme lachend zur Gruppe zurück. Bones, dein Handy wird gleich klingeln. Hab der gesagt sie soll Morgen früh Skydiving machen und am Nachmittag zu mir kommen =)
„Really? I will tell her, that I just spoke to the girl from the sandboarding crew and she said she will do the trip in the morning. Even at 6 o’clock!“ No way! Wir sind 6 und du bist allein Anne. I don’t care. Ich schlafe morgen aus!
Wie ihr seht haben wir unseren Spaß 😀
Später ruft Craig noch an. Bones soll mir Geld geben für die Kommission. Die ich dann morgen früh ins Büro bringen muss. Schlechte Idee dieses Geld anzunehmen. Das hieße dann endgültig, dass ich morgen früh aufstehen muss.
Wir laufen ins Zentrum. Its disco time. Ich mit den Taschen voll Geld. Doch Moment. Direkt neben der Disco ist mein Büro. Und an meinem Schlüsselbund müsste auch der Schlüssel für das Büro sein. Ich schließe auf. Laufe ins Büro. So, nun wohin mit dem Geld? Das Büro ist von drei Seiten mit Glasfenstern umgeben. Naja, wird schon niemand einbrechen. Beim Abschließen klemmt dann allerdings das Schloss. Die Männer meinen ich soll das Büro von den Car guards bewachen lassen. Seeehr lustig. Doch einer von ihnen bekommt die Türe doch noch zu. Puuuh. Jetzt ist WIRKLICH Feierabend. Um Mitternacht…
(Am nächsten Morgen hat mich selbstverständlich das Geschäftshandy geweckt).

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