Ganz normaler Wahnsinn

Manche Tage möchte man einfach streichen. Als wären sie nie passiert. Zu Vieles ist schief gegangen. Aber genau diese Tage muss man sich anschauen und daraus lernen. Damit sie nicht mehr passieren! Also, was habe ich heute gelernt? In Zukunft für drei Köpfe mitzudenken!
Es fing alles entspannt an. Nur eine Familie haben wir heute als Kunden. 4 Personen. Ein Ort zum Abholen. Alles easy. Erst scherzen wir noch in der Küche über dies und jenes. Wisst ihr Jungs wo dieses Hotel ist? Selbstverständlich wissen sie es nicht. Ich war letzte Woche einmal dort. Der Weg ist etwas kompliziert, aber geht schon. Ich habe heute beschlossen selbst zu fahren. Irgendwann muss ich mich ja mit diesen alten Schrottlauben auseinandersetzen. Ich nehme das Auto von der Chefin, aber Paulus soll mitfahren. Just in Case. Der entscheidet sich aber um 9 zum Handyshop zu fahren, weil wir ja genug Zeit haben und schon fertig mit packen sind. Und? Selbstverständlich ist er um 20 nach noch nicht zurück und ich krieg die Krise. Um halb muss ich die Kunden abholen. Und ich muss erst dort hinfahren. Also gut. Steven warte du mit deinem Wagen noch 5 Minuten auf Paulus. Ich fahre jetzt!
Und ab gehts. Die Gänge sind so nah aneinander, dass ich nie weiß, ob ich jetzt im Rückwärtsgang, im ersten oder dritten Gang bin. Kupplung hat auch einen Schaden. Ach und gar nicht gemerkt, dass ich wieder im Linksverkehr bin? Seit ich jetzt wieder in Afrika bin, ist es das erste Mal, dass ich selbst ein Auto lenke. Gut, dass sich das so normal anfühlt, dass ich deswegen nicht auch noch denken muss. Noch zwei Mal abbiegen und da sollte es sein. Bitte einsteigen. So und jetzt fahr bitte. Nur in zwei Kreuzungen habe ich Probleme in einen Gang zu kommen. Zum Glück war das im Wohngebiet und auf der Straße waren keine Autos. Jetzt kommt meine nächste Aufgabe dazu. Smalltalk mit den Touristen. Verschwitzt komme ich an der Düne an. Einmal durchatmen und entspannt wirken. Paulus ist mit Steven mitgekommen. Vor den Kunden wird nix gesagt, aber heute Nachmittag gibt das eine Ansprache! Steven fang an mit der Einweisung.
Der Tag wird aber noch besser. Paulus hat beim Packen entschieden nur den kleinen Rucksack mitzunehmen. Im großen sind aber Erste Hilfe Set, Trinkbecher, Schraubenzieher, Wachs und speed gun drin. Immer. Ihr könnt euch ja denken, was heute alles auf der Düne gefehlt hat? Achja und sie meinten wir brauchen auch nur einen Wasserkanister. NEIN, einen brauchen wir oben, einen auf dem halben Weg. Sonst verdursten die Touristen beim Hochlaufen. Du brauchst das Wasser vielleicht nicht, weil du die Anstrengung gewohnt bist, aber die Touristen brauchen es! Steven hat mir meine Wut angemerkt und ist den ganzen Weg zurück zum Auto gelaufen, um das Wasser zu holen.

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Zum Glück merken die Kunden von all dem Nichts. Oder zumindest fast nichts. Alle vier sind Anfänger auf dem Board und sie kommen alle wirklich gut damit zurecht. Können das Gleichgewicht halten und, ganz wichtig, bekommen Kontrolle über das Board.
So komme ich im Laufe des Tages in die Situation, wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann. Auf dem Weg zurück halte ich im Büro, damit der Vater mit Karte zahlen kann. Und was macht er? Er gibt mir 450N$ Trinkgeld. Soll ich mit den Jungs teilen. Weil wir so ein tolles Team sind und sie alle einen riesen Spaß hatten. Dein Ernst? Wir haben heute die Hälfte daheim gelassen und alles war chaotisch und unstrukturiert. Aber das schlucke ich hinunter und bedanke mich nur. Das wäre dann wohl das positive, was ich aus diesem Tag mitnehmen kann. Die Kunden sind zufrieden mit unserem Service. Das hat Beth von mir verlangt. „Do everything that the clients are happy in the end of the day“. Puh nochmal gut gegangen. Wieder daheim stelle ich fest, dass die beiden schon alles aufgeräumt haben und Paulus sogar schon weg ist. Also gut, dann verschiebe ich das Gespräch auf morgen. Vielleicht besser so, dann bin ich auch nicht mehr so genervt. Ich zeige Steven das Geld. Er muss lachen. Und will sein Handy herausholen um nachzurechnen wieviel jeder bekommt. Stopp. 450 teile durch 3. Jetzt. 95? Sicher? 125? Dein Ernst? Auf dem Tisch liegen zwei 200er Scheine und ein 50er. Kann man wirklich schwer teilen. Ich greife in meinen Geldbeutel und tausche das Geld. Lege 3 Hunderter auf den Tisch. Nebeneinander. Auf einen lege ich einen 50er drauf. Weißt du es jetzt? „Yes, it is 125 each, isn’t it?“
Really? Wieviel liegt hier?
„150, oh that makes 450 in total!“
Und jetzt geh. Habe diese Genugtuung jetzt gebraucht. Ab morgen weiß ich, dass ich nicht nur beim Rechnen für euch mitdenken muss.
Zak rennt mir auf Schritt und Tritt hinterher. Ich bleibe stehen. Schaue ihn an. Hängende Ohren. Trauriges Gesicht.
„Do you like to go to the beach?“ Bei ‚Beach‘ schnellen seine Ohren nach oben und seine Augen fangen zu leuchten an. Ich werte das als ja. Also gut. Ein Strandspaziergang tut vielleicht auch mir gut. Ich laufe in die Küche. Greife nach der Leine. Jetzt springt Zak im Dreieck. Na also.
Ich bin etwa eine Stunde unterwegs, da ruft Mersha aus dem Büro an. Der Herr hat heute ein Shirt in meinem Auto vergessen. Kann ich das bis 16:30 Uhr ins Büro bringen? Ich schaue auf die Uhr. 16 Uhr. Ich komme. „Zaaaaaak, we have to go!“ Zurück nach hause und ab ins Büro. Shirt abgeben. Buchungen aufnehmen. 9 Personen zusätzlich für morgen. Alle im Amanpuri. Na wenigstens ein einfach Pick up. Das kenne ich gut, ist nämlich nicht nur eine Lodge, sondern auch eine gute Bar.
So jetzt wird erst Mal geduscht. Ach nein, Tiere füttern. Dann aber JETZT duschen. Und danach brauche ein Glas Wein.

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