Erster „Arbeitstag“ – ab in die Dünen

Ich will nicht aufstehen. In meinem Zimmer ist es so kalt. Nur unter der Daunendecke ist es auszuhalten. Doch ich muss aufstehen, denn heute haben wir Kunden. Der erste Arbeitstag steht an. Einen Schluck Wasser getrunken. Brr ist das kalt. Ein Wunder, dass es nicht gefroren ist in der Flasche. Türe auf. Wow. Blauer Himmel. Dann wird es heute wenigstens auf der Düne warm. Denn noch friere ich trotz zwei Hosen und drei Schichten am Oberkörper. Aber das wird noch. Da bin ich heute zuversichtlich.
Nach dem Frühstück ist es dann auch so weit. In der Garage stehen 4 Minivans und selbstverständlich brauchen wir eins, das hintwn geparkt ist. Stephen, ein Mitarbeiter, fährt den vorderen raus. Dann bin ich dran. Aber alles kein Problem, denn ich habe den besten Copiloten der Welt. Zac, der Hund und mein treuer Begleiter, sitzt auf dem Beifahrersitzt und bellt kurz bevor ich mit dem Außenspiegel am Tor vorbeischramme. Läuft so weit ganz gut.
Dann gehe ich mit Beth einkaufen, während die Männer die Ausrüstung richten. Boards, Schuhe, Helme, Ellenbogenschoner. Wir kaufen Käse, Schinken, Tomaten, Zwiebel und Brötchen. Eben alles, was man für ein Mittagessen in der Wüste braucht. Dann kommen noch die kalten Getränke (Cola, Fanta, Sprite und Bier) in die Kühltasche und los geht’s.
Ich setze mich zu Paulus, dem einzigen Dunkelhäutigen in meiner Crew, in den Wagen. Kunden abholen. Und ab jetzt heißt es speichern. Ziel ist es jedes Gasthaus, Hostel und Hotel kennen und wissen wo es steht. In der großen Stadt Swakopmund. Namib Guesthouse? Check!
Und dann geht es raus aus Swakopmund und ab in die Dünen. Ein bisschen Smalltalk mit den Kunden. Ghana? Wirklich? Das Mädchen, das wir eingesammelt haben, kommt tatsächlich aus Ghana. Hat dort 6 Jahre gelebt. Und schon wird mehr aus dem Smalltalk. Ein richtiges Gespräch.
Und schon sind wir da. Während Beth den Touristen eine Einweisung gibt, richten Stephen, Paulus und ich die Ausrüstung. Dann muss diese Ausrüstung auch noch verteilt werden. Eigentlich gar nicht so schwer. Bis auf die Schuhgrößen. Wieso haben wir auf dieser Welt so unterschiedliche Messgrößen dafür? 40? Hier, probier den an. „Eight US?“ Ähm Beth, was ist das? Gib ihm das weiße Paar. Ok, und du? „Eight UK!“ Ah und was ist das jetzt? Falls ihr dachtet das ist dasselbe,  falsch gedacht. Ich glaube heute Nachmittag studiere ich im Internet Schuhgrößen. Irgendwie muss ich das auch lernen. Doch dann sind tatsächlich alle versorgt.
„So Beth what should I take up the dune?“ „Hm, let me think, well you can take your own board if you like to. Today we have not so many stand up boarders.“ Seriously? Das sind aber alles Beginner. Keine Snowboarder dabei. Aber wenn du meinst. Ich hole mir das Brett, meine Boots und laufe hinter den anderen hoch. Oben angekommen ziehe ich erst Mal meinen Pulli aus. Ja, jetzt ist es warm genug für meine kurze Hose und ein Top.
image
Blick in Richtung Swakopmund
Sobald alle oben angekommen sind, gibt es dann eine weitere Einführung. Da es schließlich alles Anfänger sind, muss alles erklärt werden. Vom Funktionieren der Bindung über das Wachsen den Boards bis hin zum Gleichgewicht Halten auf dem Brett. Beth ist gerade dabei zu erklären wie man bremst, als ihr Geschäftshandy klingelt. Sie schaut auf die Nummer, drückt weg. Fängt ihr Satz wieder an und das Handy klingelt wieder. Sie nimmt an und ich springe für sie ein und vollende den Satz. Und kurz darauf geht es los. Einen nach dem Anderen schicken wir die Touristen den Hang hinunter. Einer kommt mehr, der andere weniger sandig unten an. Doch als ich mir mein Brett anschnallen will, stelle ich mir fest, dass es auf goofy eingestellt ist. Als ich es unten geschnappt habe, hab ich nur auf die Farbe geschaut und das genommen, das ich vor zwei Monaten auch hatte. Doch ich habe nicht darauf geachtet wie es eingestellt war. Doof. Doch wir haben immer Werkzeug dabei, so dass ich die Bindung umstellen kann. Kaum fertig damit, kommen die ersten wieder hoch, so dass ich die für ihre erste Abfahrt lobe und ihn sage, was sie bei der zweiten Abfahrt besser machen können. Dann stelle ich mich drauf und düse die Düne hinab. Yeah, das macht Spaß. Dann wieder hochlaufen. Danach fahre ich mit einer Anfängerin hinab und mache mit ihr im flachen Teil ein zwei Kurven. Gelingt ganz gut, bis sie eine Frontlandung macht. Sie hebt den Kopf und ich lache nur. Wieso? Frontlandung = mit dem Gesicht voraus in den Sand. Ich sag nur – es sieht echt witzig aus! An der ersten Wasserstation wird das Gesicht gewaschen und weiter geht’s.
image
Ausblick über die Namib Wüste. Am Horizont ist der Atlantik zu erkennen.
So vergeht der Tag und die letzte Abfahrt steht an. Ich schicke die Kunden einen nach dem Anderen den Hang hinunter, so dass Swaize, der Filmer, von jedem die letzte Abfahrt filmt. Dann schaue ich mich um und sammel alles ein, was noch oben geblieben ist. Ein Wasserkanister? Wird auch in den Rucksack gestopft und los. Der Rucksack ist ganz schon schwer, aber ich muss den jetzt runter bringen, denn oben ist niemand mehr. Unten am Hang warten alle Touristen. Wieso lauft ihr nicht los zu den Autos? Na gut, dann fahr jetzt runter und fall bloß nicht. Denn blamieren ist nicht. Der Rucksack zieht mich zwar ordentlich nach unten, aber drei große Kurven schaffe ich dennoch.
Zurück am Auto gibt es dann erst Mal Mittagessen für alle.
Zurück daheim wird erst alles ausgepackt und aufgeräumt bevor ich mich in den Garten in die Sonne setze. Und schwupps – sitzt die Katze wieder auf meinem Schoß. So langsam, gaaaaanz langsam freunde ich mich mit ihr an. Aber nur mit ihr. Zac hat es sich heute selbst verspielt. Als wir an den Dünen angekommen sind (er war in einem anderen Auto und hat mich also FÜNFZEHN Minuten nicht gesehen), ist er an mir hochgesprungen uuuuund? Ganzer Oberschenkel zerkratzt. Kurze Hose und so…
Ihr merkt schon, meine größten Sorgen hier sind die Haustiere 😀

Advertisements

Ein Gedanke zu “Erster „Arbeitstag“ – ab in die Dünen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s