Mit Condor von Frankfurt nach Windhoek

Ich sitze im Flieger. Der Platz neben mir bleibt anscheinend leer. So wie Zig andere Sitzplätze im Flugzeug. Ich mag Flüge nach Afrika. Das halbe Flugzeug bleibt leer und ich kann mich gemütlich ausstrecken. Entspannt auf die 10 Stunden Flugzeit blicken.
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Eine Frau im langen, weißen Brautkleid mit Schleppe läuft an mir vorbei. Hä? Habe ich etwas verpasst? Kann man seit neuestem im Flugzeug heiraten? „Boarding completed“ höre ich aus den Lautsprechern. Doch irgendwie tut sich nichts. Der Kapitän begrüßt uns und meint dann, dass wir schon seit 15 Minuten bereit zum Abflug sind. Aber irgendwie ist so viel los auf dem Flughafen, dass wir nicht ausparken können. Das ist Deutschland. Überall Staus. Auch auf dem Rollfeld. Kurze Zeit später finden wir eine Lücke und rollen los. Doch kurz darauf stehen wir wieder. In der Warteschleife vor der Startbahn. Ich gebe auf, dreh mich zur Seite und schlafe ein.
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Ich wache auf und habe das Gefühl wir sind immer noch am Boden. Kann das sein? Habe bestimmt eine Stunde geschlafen. Ich schaue zum Fenster heraus. Ich sehe nur Wolken. Wir sind tatsächlich schon in der Luft und ich habe nichts davon mitbekommen? Fliegen ist ganz schön entspannend geworden. Als ich das nächste Mal aufwache hat der Himmel unter uns aufgeklart. Es sind keine Wolken mehr zu sehen. Dafür das tiefe Blau des Ozeans. Oder eher das blaue Mittelmeer. Wir fliegen westlich von Korsika und Sardinien und steuern auf den afrikanischen Kontinenten zu.
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Als das Mittagessen serviert wird taucht Afrika unter mir auf. Über Algerien betreten wir den afrikanischen Luftraum. Der Himmel ist so klar, dass ich Berge und Straßen gut erkennen kann. Statt einem Salat und einem weißen Brötchen gibt es bei der deutschen Airline unter anderem Sauerkraut und ein Laugenbrötchen mit deutscher Markenbutter.
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Die Berge unter mir sind verschwunden. Ich sehe nur noch Sand. Und Straßen, die ins Nichts führen. Zumindest für mich ins Nichts. Hier und da entdecke ich kleine Orte in der Sahara. Daneben immer schwarze Flächen. Was die damit machen? Das kann ich aus 10 Kilometer Entfernung nicht erkennen.
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Meine Kamera hat wohl doch einen Schaden. Ist genauso verrückt wie ich. Zeigt mir irgendwelche Farben, die es nicht gibt. Die sieht wohl auch schon eine Fata Morgana. Ich sehe nur Sand. Bis zum Horizont.
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Nach einem Mittagschlaf wache ich auf, schaue zum Fenster raus und was sehe ich da? Immer noch Sand. Wir sind immer noch über der Sahara. Mittlerweile sind wir über dem Niger. Ich fasse es nicht wie groß die ist. Das muss auch ziemlich öde für den Piloten sein. Wenn man stundenlang fliegt und nichts anderes sieht als Sand. Bis zum Horizont. Ich schaue eine Weile raus. Am Horizont tauchen ein paar Wolken auf, die Schatten auf die eintönige Landschaft werfen. Das war es aber auch an Abwechslung. Straßen sind schon lange keine mehr zu sehen. So tief in der Wüste kann man sich auch einfach nicht orientieren. Auch auf meinem Monitor sehe ich keine Stadt mehr in der Nähe. Lediglich das Land „Niger“ steht geschrieben.
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Eine Weile später tauchen komische Formationen unter uns auf. Der Tschad. Aber was ist das? Sieht aus wie Wasser zwischen Dünen. Ist aber sehr unrealistisch in der Wüste. Jetzt sehe ich wohl eine Fata Morgana. Doch langsam nähern wir uns der Halbwüste. Dörfer und Flüsse tauchen wieder auf. Oder zumindest Flussläufe. Dass dort Wasser fließt bezweifle ich.
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Die Wolkenfelder werden dichter. Verdecken die Sicht auf die Erde.
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Nur Dank des Monitors weiß ich, dass wir soeben über den Tschad fliegen. Etwas später meldet sich der Kapitän und erklärt weshalb wir so zickzack geflogen sind. Wir mussten Wetterzellen ausweichen. Aber jetzt sind die Steilkurven vorbei. Über dem Kongo überqueren wir den Äquator. Der Kapitän macht uns darauf aufmerksam, dass die Sonne soeben rechts von uns untergeht und der Mond links von uns am Horizont auftaucht.
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Und auf einen Schlag ist es dunkel. Es ist gerade 18 Uhr. Aber draußen sieht man nichts mehr. Alles ist schwarz. Nur der Mond leuchtet als heller weißer Kreis. Ja, ich bin wieder in Afrika.
Doch dann wieder eine Ansage vom Kapitän. Wir starten den Sinkflug. „In Windhoek erwarten uns 4 Grad, ich hoffe Sie haben die Schneeanzüge eingepackt!“ Wir fallen fast die Augen aus dem Kopf. VIER Grad? Ich glaub, ich hör nicht richtig. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob wir wirklich in Afrika ankommen. Sooo kalt habe ich den Winter in Namibia nicht erwartet. Dann habe ich definitiv falsch gepackt.
Wir landen bei schlussendlich +1 Grad Celsius. Ich steige aus dem Flugzeug aus und erfriere trotz Jacke auf dem Weg zum Flughafengebäude. Dann muss ich auch noch draußen warten, weil die ganzen deutschen Passagiere sich so dumm anstellen beim Screening. Wie oft ich dieses Ebola-Screening schon gemacht habe. Etliche Male dieses Jahr. So komme ich dort auch schnell durch. Dafür benötige ich mehr Zeit bei der Einwanderungsbehörde. Ich benötige ja ein Arbeitsvisum. Dann den Rucksack vom Gepäckband und ab ins Taxi.
Im Chameleon Backpackers in Windhoek begrüßt mich die Dame an der Rezeption mit „wow, you are back!“ Wow, die hat sich mein Gesicht gemerkt. Bei so vielen Besuchern nicht selbstverständlich. Sie ist aber definitiv besser vorbereitet als ich. Sie hat eine dicke Wollmütze auf sem Kopf. Eine, wie sie die Inuit tragen. Ja, eine Mütze hätte ich auch lieber Mal einpacken sollen. Und Handschuhe. Und eine Daunenjacke. Und und…
Die Temperaturen sinken soeben unter Null Grad. MINUS EIN GRAD. Und das in Afrika. Ich glaube es nicht. Und verabschiede mich von euch, während ich mich in die Daunendecke kuschel…

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2 Gedanken zu “Mit Condor von Frankfurt nach Windhoek

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