Pfeif auf den Prinzen, ich nehm‘ das Pferd! – 8. April

image

Pünktlich 5:30 Uhr steht das Taxi vor der Türe. Ja, ich weiß. Mein Flug geht erst um 8:15 Uhr (von Windhoek nach Maun). Und ich wollte auch erst um 7 Uhr am Flughafen sein, aber die Dame an der Rezeption meinte ich muss 2 Stunden vorher da sein. Und da sie das Taxi bestellt, kann ich nichts machen. Eine halbe Stunde fahren wir aus Windhoek raus und irgendwo mitten im grünen Wald ist dann der Flughafen. Einchecken wieder ganz einfach. Pass vorzeigen. Gepäck aufladen. Bordkarte nehmen und fertig. Naja fast. Noch durch den Sicherheitscheck. Selbstverständlich piepse ich. Auch als die Dame mich ein zweites Mal durchschickt. Heute habe ich gar nicht drauf geachtet, was ich bei mir habe. Und das Handgepäck habe ich auch nicht kontrolliert. Hoffe nur, dass mein Taschenmesser im großen Rucksack ist. Ich werde abgetastet und darf dann doch gehen. Die Zeit im Flughafen vergeht auch irgendwie, obwohl es dort nichts gibt. Und dann laufe ich zum Flugzeug. Ein winzig kleines. Nur wenige Stufen steige ich vom Boden hinauf. „On the right is your seat!“ Ich habe einen Einzelplatz. Was für ein kleines Flugzeug. Gerade Mal 35 Passagiere haben darin Platz. Auf einer Seite zwei Sitze und auf der anderen Seite vom Gang nur einen. Bequem. Gemütlich. Es kann losgehen. Ich bin bereit.

image

image

Regenwetter in Namibia. Die Flussbetten bleiben trotzdem trocken.

image

Wir heben ab. Über die grünen Wälder Namibias. Aber das, was dort vorne wie ein reißender Strom aussieht, ist ein trockenes Flussbett. Wasserreiche Flüsse habe ich in Namibia nicht gesehen. Wenn überhaupt Wasser drin war, dann nur eine Pfütze. Deshalb geht es jetzt in Okavangodelta, das für seine Wassermassen bekannt ist.

image

Aber erst Mal geht es durch die Wolken hindurch.

image

image

Die Stewardess kommt. Sparkl-was? Die haben hier Sprudel? „For me please a sparkling water! No coffee, no tea, no juice, only water!“ SPRUDEEEEL

image

Ein kleines Frühstück später landen wir auch schon wieder. Was ist das? Sieht aus wie die kleinen Dörfer in Ghana. Aber das soll Maun sein? Eine Stadt?

image

Ich steige aus dem Flugzeug aus und möchte einen Fuß in Flughafengebäude setzen. Stooooop. Hält mich ein Mann auf, der meinen Pass sehen will und mich fragt, ob ich in Westafrika war. Nicht das schon wieder. „Yes!“ „In Sierre Leone, Liberia or Guinea?“ Selbstverständlich nicht. Nur in Ghana. Impfausweis bitte. Da ist die Gelbfieberimpfung, die du sehen willst. War es das oder hast du sonst noch fragen? Danke. Ich reiche meinen Pass bei der Einwanderungsbehörde ein und bekomme einen Stempel. Das war es. So einfach ist es hier. Gepäck holen und schon laufe ich aus dem Flughafen heraus. Taxifahrer wo seid ihr? Hier komme ich! Ihr wollt mich doch immer fahren… Hallo? Haaaaallooooo? Keine Taxis? Gibt es denn so was? Ok, moment, ich brauche eh erst einmal einen Bankautomaten sonst kann ich nicht zahlen. Gegenüber vom Flughafen ist die Stanbic Bank (Standart Chartered). Eine alte Bekannte. Sehr schön. Der Bank vertraue ich. Die gibt es in Ghana, Tansania, Sambia und auch in Botswana. Karte rein, Pin eingeben und ähm wieviel Geld will ich abheben? Ich habe mich natürlich nicht informiert wieviel Pula (Währung in Botswana) wert ist. Normalerweise hebe ich immer den maximalen Betrag ab, den man abheben darf. Sind meist nur 100 oder 200 Euro. Aber diese Zahl erscheint mir zu groß. Machen wir die Hälfte. Wird schon passen.
Und jetzt? Ich lese „Travel office“ neben all den Flugsafarianbietern. Ich laufe hinein und frage nach einer Karte von Maun. Die Frau schaut sich um und sieht keine. Dann halt nicht. „Do you know the old bridge backpackers? Is it far?“ 8 Kilometer. Ok, das kann ich nicht laufen, weil ich den Weg nicht kenne. Wo kann ich ein Taxi bekommen? Die Dame ruft für mich ein Taxi. „Thank you very much“.

image

Im Taxi stelle ich dann fest, dass ich wieder in einem ärmeren Land angekommen bin. Nicht nur daran, dass Essen auf der Straße verkauft wird und überall Esel herumlaufen. Nein, auch an den Gesprächsthemen mit dem Taxifahrer. „Do you have a boyfriend? – Yes? In Germany? – But you can also have one in Botswana! Even for one week! – If you need one, just tell me!“ Danke für das Angebot. Ich dachte nur Männer dürfen mehrere Partner (Frauen) haben. Frauen dürfen auch mehrere Männer haben? Aber nur, wenn die Männer in verschiedenen Ländern leben. Interessant.

image

Ich bin da. Am Fluss. Der wenig Wasser führt, wie mir gesagt wird. Es ist so bizarr. Ich reise seit Monaten durch Afrika. Fast nur im Trockenen. Obwohl ich durchaus auch in Regenzeiten in den einzelnen Ländern reise. So wie jetzt. Aber es ist immer trocken. Ungewöhnlich trocken für die Jahreszeit. Naja, so sind immerhin die Krokodile weiter weg vom Zelt.

image

„Do you have a dorm bed free?“ Nein? Dann was anderes? Ein Einzelzimmer? Nehme ich!

image

Kurze Zeit später kommt die Frau an der Rezeption wieder.
„Sorry, but they work on this room.“ Und jetzt? Kein Schlafplatz für mich? „We have tents. You can pay here for camping and rent this tent.“ Klingt gut. Nehme ich.

image

Das Old Bridge Backpackers ist eine schöne, einfache Unterkunft am Fluss.

image

Am Nachmittag werde ich abgeholt. Hab meine erste Aktivität im Delta gebucht. Ich stehe vor dem Gatter. Ein Mann öffnet das Tor und schon bewegt sich ein Pferd auf mich zu. Ich versuche es zu streicheln. Bin nicht so der Typ dafür. Sehe glaub ich komisch aus. Ein Hund kommt angerannt. Und springt an mir hoch. Aaaaah. Was mache ich hier eigentlich? Was ist in mich gefahren, dass ich diese Aktivität machen wollte? Ich mag doch keine Tiere. Das sagen zumindest alle, die mich besser kennen. Auf jeden Fall keine domestizierten Tiere. Wilde Tiere schon eher. Diese schwachen Momente wo sich mein Gehirn ausschaltet und ich dann beschließe irgendeine gestörte Aktivität zu machen. Und mein Körper nachher mit dem Entschluss zurechtkommen muss. „Do you ride horses?“ Ähm nicht. Bin vor paar Monaten mal auf einem Pferd gesessen. Aber das war es auch. Erinnert ihr euch daran? Es war in meiner Anfangszeit in Ghana. Müsste Oktober 2014 gewesen sein. War aber nur ein kleiner Ausritt am See entlang. Und jetzt? Was das ist mein Pferd? Ganz schön groß. Andere würden wahrscheinlich sagen „wunderschöner kräftiger Hengst!“ Weißes Pferd. Schimmel nennt man das oder? Ja, ich bin fast ein Pferdeexperte. Der Mann bringt das Pferd aus dem Stall und hält neben einem Stein. Ich steige drauf und dann mit Schwung auf das Pferd. So groß ist das, dass man eine Treppe braucht. Alles klar mein Freund. Und jetzt gehorchst du mir, verstanden? Der Junge (sieht nicht älter als 18 aus, ist aber 2 Monate älter als ich, wie ich später erfahre) schwingt sich auf sein Pferd, gibt mir keine große Einweisung wie die Frau in Ghana und läuft los. Der Hund rennt mit.

image

Ich soll auf den Busch aufpassen. Drum herum lenken.

image

Ah, noch nicht alles verlernt. Sehr schön. Klappt doch.

image

Wir reiten nebeneinander in der Straße. Also im Sand. An großen Termitenhügeln vorbei. Zwischen Büschen durch. An Wasserstellen entlang. Von den Bäumen ragen immer wieder Äste in Weg. Da muss ich herumlenken, denn es sind alles Dornensträucher. Nicht gerade angenehm, wenn man entlang streift. Gelingt mir aber erstaunlich gut. Der Hengst reagiert auf die kleinste Bewegung, die ich mit meiner rechten Hand mache. Er folgt mir. So gefällt es mir. Wir laufen nicht mehr in Autospuren, sondern querfeldein. Slalom um die Bäume. Will der Herr meine Fähigkeiten testen? Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht reiten kann. Dort vorne kommt ein gerades Stück. Wir traben ein bisschen, ok? Hallo was? Nein, habe ich noch nie gemacht. Einfach hinter dir her? Danke für die Anweisung. Achja und die Schnur soll ich kürzer halten (entschuldigt mich alle, die hier Profis sind, aber ich kenne die Begriffe nicht). Aber traben soll ich können. Gar nicht so einfach da im Takt mitzuwirken. Aber ich bleibe im Sattel. Immerhin. In Swakopmund ist in meiner letzten Unterkunft ein Mädchen im Krankenhaus gelandet. Nach dem Reitausflug. Ohne Traben und Galoppieren. Nur reiten in der Mondlandschaft. Pferd hat sich erschreckt und sie ist heruntergefallen. Wirbel eingeklemmt. Oder so etwas. Sie konnte sich auf jeden Fall kaum noch bewegen. Und was mache ich hier jetzt? An Büschen und Bäumen vorbeifliegen. Ich bremse. Reicht erst Mal. Der Junge (nein, ich habe mir seinen Namen selbstverständlich nicht gemerkt) fragt mich wie es war. Bin noch Sattel. „Now there is more space, so let’s try cantering.“ Kenter-was? Ich kenne nur das Kentern von Schiffen. Und das ist nichts schönes. Aber ich denke mir schon was er meint. Galoppiert man nicht erst, wenn man richtig gut ist? Nach mehreren Reitstunden oder so? Es geht los. Und auf und ab. Immer schön im Takt. Ganz schön schnell. Ich halte mich mit einer Hand im Sattel fest. Und bremsen. Da sind wir schon.

image

Der Fluss liegt vor uns. Naja, Fluss ist mal dahingestellt. Wasser ist da. Im Juli soll angeblich die ganze Auenlandschaft überflutet sein. Aber definitiv nicht, wenn ich da bin. Gut für uns, denn wir folgen dem Hund durch das Wasser. Hier stört mich der Hund nicht. Bin ja höher als er. Aber der Fluss ist vielleicht doch tiefer als gedacht? Bis zum Bauch reicht dem Pferd das Wasser. Ich winkel die Beine an. Vor uns eröffnet sich eine weite Graslandschaft. Flussaue. Büsche. Gräser. Genug Platz zum Galoppieren. Nochmal? Und los. Was meinte er? Schön ausbalancieren! Ja, das ist ganz schön wichtig, sonst landest du schnell im Gras. Ach und lenken muss ich auch noch. Mein Freund lass den Busch bitte stehen und gehe rechts dran vorbei. Ich muss auch noch mit der Hand nach rechts ziehen. Aber gleichzeitig trotzdem den Schwerpunkt über dem Pferd halten. Multitasking Freunde. Nebenbei noch die Landschaft genießen? Läuft. Am Zaun eine kurze Fresspause für die Pferde und dann geht es wieder zurück.

image

Ich fliiiiiege. Wie Winnetou im wilden Westen. So fühle ich mich zumindest. Verdammt ist das schnell. Was meinte er? Pferde können bis zu 120 km/h schnell rennen? Abartig. Lenkeeeeen. Aaaallles im Griff. Dann geht es wieder durch den Fluss und einen anderen Weg zurück. An Kuhherden vorbei. Schafen. Ziegen. Hunden. An Büschen entlang und unzähligen Vögeln. Farbenprächtigen Vögeln.
Roter Schnabel. Blaues Gefieder. Gelber Schnabel. Grüner Bauch. Weiße Krone. Orangefarbener Rücken. Jeder hat irgendein Körperteil in einer knalligen Farbe. Mindestens eins.

image

Es wird immer wieder ein Stück galoppiert. Jetzt auch, wenn es etwas enger ist. Nicht nur auf weiten Wiesen. Im Wald. Es ist kurvig. Und schnell. Baum geh aus dem Weg. Weeeeeeeeg. Ok, dann halt nicht. Dann muss ich lenken. Puuh gerade noch geschafft. Und weiter. Äste von oben. Lenken hilft nicht. Also muss ich mich ducken. Im Galopp eine Herausforderung. Aber irgendwie schaffe ich auch das. Eine Kuhherde. Auf der Straße. Weg daaa. Iiiiiiich kommeeeeeee. Verschreckt rennen die Kühe in alle Richtungen. Ich galoppiere souverän durch die Mitte. (Zumindest fühle ich mich so).

image

Unscharf, aber eine schöne Fläche zum Galoppieren! 

image

So geht der zweistündiger Reitausflug im Okavangodelta auch langsam zu Ende.

image

Noch ein Wasserloch meistern und geschafft.

image

Und so geht mein erster Tag in Botswana zu Ende. Und am Ende bin ich sogar glücklich, dass ich wieder eine verrückte Idee hatte. Es war ein wunderschöner Ausflug!

Advertisements

4 Gedanken zu “Pfeif auf den Prinzen, ich nehm‘ das Pferd! – 8. April

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s