Ostergrüße aus Swakopmund – 5. April

Ja ich bin immer noch in Swakopmund. Und ja ich habe wieder lange nicht mehr geschrieben. Aber manchmal fehlt mir einfach die Zeit dazu. So ein Beitrag nimmt mir abhängig von seiner Länge 1 bis 2 Stunden Zeit ein. Ja, das Schreiben macht mir Spaß, aber dennoch gibt es Tage an denen ich schlicht und ergreifend zu faul bin. Oder zu müde. Oder keine Zeit habe. Deshalb hole ich jetzt an Ostern wieder auf.
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Diesen Hund interessiert es nicht, dass ich Hunde nicht mag. Setzt sich immer neben mich.
Was ich in Swakopmund mache? Jeden Tag raus auf die Dünen fahren. Und dem Sandboarding Team helfen. Osterzeit ist nämlich busy-time. Alles ausgebucht. Das heißt bis zu 50 Touristen auf den Dünen. Da gibt es viel zu tun. Und so wurden meine helfenden Hände freundlich entgegen genommen. Heute, am Osterwochenende, laufe ich also in das Büro und warte auf meinen Abholservice, der mich in die Dünen bringt. Die Dame an der Rezeption hebt das Telefon ab und meint es ist für mich. Die Chefin. „Anne, I really need you today. But I can’t pick you up. My van is full. A friend of me will pick you up. And you have to drive back one van. Jay can’t stay there. So you have to bring these clients back.“ Ähm genau. Alles klar. Wenn’s sonst nix ist.
So komme ich an der Düne an und mache mich an die Arbeit. Schuhe aus dem Minibus herausholen und nebeneinander hinstellen. Der Größe nach sortiert.
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Danach werden die Boards herausgelegt und dann alles verteilt. Helme. Schuhe. Boards.
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Danach kann es dann die Düne hochgehen.
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Oben wird dann erklärt wieso wir auf die Düne hochlaufen und nicht einen Lift bauen oder mit Quads fahren. Für mich war das von Anfang an klar. Für andere nicht, deshalb wird es erklärt. Wer es sich nicht erklären kann, der kann mich gerne persönlich danach fragen 😉
So vergeht der Tag auf der Düne während ich im Steilen auf und ab laufe und den Anfängern beim Start helfe. Eine besonders kluge Dame meinte ihre Gopro im Sand zu verlieren. Das ist normalerweise das Aus. Einmal im Sand? Du kannst so lange buddeln, du wirst den Gegenstand nie wieder finden. Aber diese Dame hatte Glück. Ich habe auf der Hälfte des Hanges einen schwarzen Fleck entdeckt und bin hinuntergelaufen. Und tatsächlich. Ihre Kamera. Danach ist nichts mehr passiert. Es ging zurück zu den Minibussen und nach dem Mittagessen wurde es dann ernst. Steve fragt „who is the driver of this car?“ Das bin ich, wieso? Es springt nicht an. Achso na dann. Wenn es sonst nichts ist. Er hat sich kurzerhand hineingesetzt und wir haben den Wagen angeschoben. Bis der Motor zu hören war. Und dann durfte ich hinein. Rückwärtsgang, erster Gang und dritter Gang liegen sehr nah beieinander. Alles klar. Wie schaltet man in einem Minibus? Einfach mal Gas geben und so tun, als würde ich das schon Jahre machen. Hab schließlich 10 Kunden im Wagen. Und los geht es. Über die liebe Schotterpiste. In sehr schlechtem Zustand ist sie hier. Ich fahre um einiges langsamer als die anderen vor mir. Bin mit dem Schalten auch leicht überfordert. Ich glaube ich bin nur im dritten und vierten Gang gefahren. Die ganze Zeit. In Swakopmund dann erst Mal orientieren. Ich muss denen das Büro zeigen, denn dort wird am Abend das Video vom Boarden gezeigt. Zweite Ampel links. Dann geradeaus. „Here we are. This is the office.“ Dann drehe ich um und fahre sie zurück ins Hotel. Zum Glück kenne ich mich schon ein bisschen aus in dieser Stadt. „That should be your hotel!“ Bitte Türe selber aufmachen, ich will den Wagen nicht ausmachen. Und Dankeschön. Jetzt muss ich den Wagen noch zur Chefin fahren. Gegenüber vom Spar. Und geschafft. Dann überlasse ich das Parken den Anderen.
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Zu Fuß geht es für mich zurück in mein Hotel. Unterwegs finde ich noch ein Schild mit typisch afrikanischen Öffnungszeiten. Diese hier beziehen sich nur auf das Osterwochenende.
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In meinem Zimmer wird erst Mal geduscht. Und was rate ich allen unseren Boardern immer? Zieht die Kleidung IN der Dusche aus. Nicht im Badezimmer. In der Dusche. Wenn ihr einmal Sandboarden wart, dann wisst ihr was ich meine.
Am Abend gehe ich dann erst ins Büro, wo der Film gezeigt wird und ich auf den Fotos immer wieder einen gelben Fleck zwischen all dem braun-grau-schwarz finde. Danach gehen wir beim Italiener Pizza essen und Wein trinken. Chefin zahlt. Läuft. Dort treffen wir einen ehemaligen Mitarbeiter des Teams, der heute seinen eigenen Business macht. So nennt man das hier. Business. Alles ist Business. Dieser nette Mann nimmt mich danach mit in die Slums. „I have to show you the township. It should look like Ghana!“ Na dann bin ich gespannt.
Ab ins Auto. Ja Auto. Daran werde ich mich nie gewöhnen. Drinking and driving. Macht hier jeder. Und du fährst zwangsläufig mit. Naja, wir verlassen den Stadtkern und fahren durch Mondessa. Ein Slumviertel. „Does it look like your village in Ghana?“ Nicht wirklich. Schau dir die Häuser an. Gemauert. Betonmauern. Kein Lehm. Die Straße? Die ist in gutem Zustand! Ach und das Wichtigste. Hier liegt kein Müll herum. „Then lets go to the bar!“ Alles klar. Ich nehme ein Savanna Dry. Das bekomme ich nämlich in einer geschlossenen Flasche. So weiß ich was drin ist. Wieviel kostet das? „Don’t worry.“ Ok, zahlen darf ich wieder nicht. Dann ab auf die Tanzfläche. Ich beobachte erst Mal. Zum Beispiel die hochschwangere Frau in der knallengen, weißen Leggins. Mir wurde gesagt, dass sie im 8. Monat ist. Sie bewegt sich aber wie eine Bauchtänzerin auf dem Parkett. Das kein Parkett ist. Und ich sauge die Atmosphäre in mich auf. Die entspannten Leute. Die lockere Stimmung. Gute Laune überall. Gefällt mir. Und dann werde ich auch schon mit hinein gezogen. Ein Frau schnappt meine Hände und schon bewege ich mit ihnen im Takt. Da lacht keiner, wenn du nicht so gut tanzen kannst. Im Gegenteil. Die sagen nur, wie toll du es machst. Und sind glücklich, dass du mit ihnen tanzt. Mein Begleiter lässt mich in der Mitte der Tanzfläche, nimmt aber mein Handy in seine Tasche. Ist sicherer. Alles klar.
Für den nächsten Jazzsong schnappt die hochschwangere, schlanke, immer lächelnde und eine Schildmütze tragende Frau meine Hand und wirbelt mich über die Tanzfläche. Mein Begleiter nimmt mir nur schnell meine Flasche aus der Hand. Stört beim Tanzen. Die Dame fasziniert mich. Ihre Ausstrahlung. Unglaublich. Ich glaube ich habe so etwas noch nicht erlebt. Sie strahlt. Sie lächelt. Sie wirkt entspannt. Glücklich. Und steckt dich an. Ich muss auch lächeln. Es geht nicht anders. Irgendwas an ihr ist ansteckend. Ihre positive Ausstrahlung.
Danach kommt ein ruhigeres Lied und ich bekomme die Chance zu verschnaufen und meine Flasche zurückzubekommen. Puuh. Tanzen ist anstrengend. „Does this bar look like in Ghana?“ Ich schaue mich um.
Frauen in engen Leggins.
Frauen in Hotpants.
Frauen mit bauchfreien Oberteilen.
Frauen löchrigen Leggins (modisch löchrig, nicht getragen löchrig).
Frauen in knallengen, langen Kleidern.
Frauen mit Miniröcken.
Frauen mit kurzen Haaren.
Frauen mit modischen Mützen.
Frauen aller Hauttypen auf einer Tanzfläche.
Küssende Paare. (Ich glaube ich habe seit einem halben Jahr kein küssendes Pärchen gesehen. In Ghana ist das verboten. Und auch in Ostafrika nicht gern gesehen. Aber hier? So normal wie in europäischen Clubs).
Ja Männer sind hier auch zu sehen. Aber die Frauen dominieren die Tanzfläche. Und die Frauen machen den Unterschied zu Ghana. Diese Frauen hier sind selbstbewusst. Kleiden sich wie sie wollen. Tragen was sie wollen. Bedecken ihr Haar womit sie wollen und wann sie wollen. Und machen sie mit ihrem Haar was sie wollen. Sie tanzen auf der Tanzfläche wie sie wollen. Und überhaupt. Frauen gehen wohin sie wollen. Und eben auch in Bars. Auch in den unteren Gesellschaftsschichten. Also nein. Es ist definitiv nicht wie in Ghana. „But why? Ghana was the first country in Africa who got independency. All the african countrys are looking up to Ghana. Are impressed about what this country achieved in 1957. Namibia got his independency only 25 years ago. But this is so strange when you say now, that Ghana is less developed than Namibia. And poorer. With all this gold they have.“ Ja so ist das. Nicht immer alles logisch im Leben. Oder einfach zu erklären. Ich werde wieder auf die Tanzfläche gezogen. Bekomme ein neues Savanna Dry.
In der nächsten Verschnaufpause läuft ein Mann an mir vorbei und begrüßt mich. Sofort stellt sich mein Begleiter zwischen mich und ihn und macht den jungen Mann zur Sau weil er mich dumm anmacht. „But I just asked her ‚how are you‘? Didn’t I?“ Ich stehe nur da und sage er soll den Mann gehen lassen, es ist alles in Ordnung. Aber danke, dass du so auf mich aufpasst.
So verbringe ich den Abend in einer Bar in den Slums und habe so viel Spaß wie lange nicht mehr. Die Leute sind einfach so freundlich hier! Am Ende werde ich wieder zurück in die Altstadt bis vor mein Hotel gefahren. Danke für den tollen Abend =)

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Mein Frühstückstisch. Fragt mich nicht wieso dort für zwei Personen gedeckt war. Am ersten Tag war nur ein Teller da. Am zweiten Morgen meinte die Dame, dass ich mit meinem Freund da bin. Hab sie ungläubig angeschaut und gefragt, ob ich auch sein Frühstück haben kann.

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