Geisterstadt Kolmannskuppe – 30. März

Begeistert von dem deutschen Organisationstalent. Dem Fleiß. Der Geschicklichkeit. Dass ich das mal sagen sollte. Stolz auf die Deutschen zu sein. Und das haben die hier echt alles vor über 100 Jahren gebaut? Mitten in der Wüste? Ich kann es immer noch nicht glauben. Doch schaut selbst.

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Das hier ist die Geisterstadt Kolmannskuppe. So wird sie zumindest heute genannt. Weil die Deutschen hier vor 70 Jahren weichen mussten und die Stadt seitdem leer steht. Eine ehemalige Diamantenstadt. Heute nur noch ein paar einsturzgefährdete Häuser.

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1905 blieb ein gewisser Herr Kolman in einem Sandsturm mit seinem Ochsenkarren stecken. Die Ochsen liefen davon. Der Karren blieb. Die Kuppe entstand. Der Name war da. So sagt es die Überlieferung. In diesem Jahr kauften die Deutschen hier das riesige Stück Land. Für etwa 200 Pfund und ein paar Gewehre. Ein guter Deal. Denn im Laufe der Diamantengewinnung wurde diese Stadt zur reichsten Stadt Afrikas (zu der Zeit). Selbstverständlich für Einheimische für die schwere Arbeit der Gewinnung der Diamanten geholt. Sie lebten etwas Abseits von den Deutschen.

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Die Deutschen hingegen war Ladenbesitzer, Metzger, Architekt, Schlachter, Buchhalter, Arzt und alles was man sonst noch so in einer Stadt braucht. Ja es gab eine Schlachterei und eine Metzerei wo bute deutsche Leberwurst hergestellt wurde. Die Deutschen wollten auf nichts aus der Heimat verzichten.

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In der Eisfabrik wurden Eisblöcke hergestellt, so dass jede Familie einen Eisblock pro Tag für ihren Eisschrank erhielt. Die damalige Firma produziert heute noch Kühlschränke.

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Frischwasser wurde aus Kapstadt!!!!! importiert. Langer Weg durch die Wüste.

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Und auf dem Berg gespeichert. Jede Familie hatte einen Meerwasser-Wasserhahn. Für Wäsche und so weiter.

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Das Kolmannstaxi, gezogen von zwei Ochsen, transportierte Waren durcn das Dorf.

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Eine Eisenbahn bauten die Deutschen von Lüderitz bis nach Aus. In nur 10 Monaten! Unglaublich diese Meisterleistung. Das ist eine Strecke von 130 Kilometern. Nur durch die Wüste. Heute wird eine moderne Eisenbahnlinie gebaut. Seit 2005. Sie ist immer noch nicht vollendet. Trotz all der modernen Technik arbeiten die Fachleute schon 10 Jahre daran. Ich kann es nicht fassen. In 10 Monaten haben sie die Bahnstrecke damals gebaut!
Achja, Strom und Telefone hatten die Deutschen damals auch schon. Vor 100 Jahren. Mitten in der Wüste. Läuft bei denen.

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Das Gerüst für die Häuser wurde in Deutschland fertiggestellt. Steine, aus Deutschland importiert. Eigentlich wurde alles aus Deutschland importiert. Deshalb sahen die Wohnungen von innen auch wie deutsche Wohnungen aus. Nur, dass sie eben in der Wüste in Namibia standen.

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Das war die Wohnung der Ladenbesitzerin. Mit Original Einkaufszettel für Deutschland. Und darunter eine Notiz einer Nachfahrin.

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Zudem hatten die Deutschen in Kolmannskuppe auch ein Krankenhaus, das für bis zu 200 Patienten Platz hatte. Von denen jeder pro Tag ein Glas Wein bekam. Deshalb gab es unten im Krankenhaus einen großen Weinkeller. In der Wüste. Tolle Ärzte. Achja und ein Röntgengerät brachten die Deutschen auch mit. Das erste im südlichen Afrika. Es fand nicht nur Knochenbrüche, sondern auch Diamanten im Fleisch. So einfach ließen die Deutschen sich nicht überlisten von den Einheimischen. Dem Diamantenschmuggel keine Chance.

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Achja und dann kommt der skurrilster Teil der Stadt. Für mich zumindest. Das Schwimmbad. Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Deutschen haben hier kurz nach 1900 ein Schwimmbad errichtet. Mit Sprungbrett. Mitten in der Wüste. Und es mit Meerwasser aufgefüllt. Und nein, das ist nicht so ein kleiner Pool. Wenn, dann machen sie schon ein ordentliches Teil. Ich kann es immer noch nicht glauben. Die Größe dieses Beckens. Unglaublich. Mit meiner Kamera konnte ich leider nur die Hälfte davon festhalten. Der Weitwinkel ist nicht groß genug. Das Schwimmbad aber schon. Groß genug für Schwimmwettkämpfe. In der Wüste.

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Zur weiteren Unterhaltung ging man nach dem Aufenthalt im Schwimmbad eine Runde Kegeln. Mit selbstverständlich in Deutschland gefertigten Kegeln.

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Am Abend fand man die Damen dann in der Champagnerbar und die Männer im Raucherzimmer. Oder beim Abendessen am Tisch mit Klingel. Da hängt an jedem Tisch eine Kordel von der Decke herunter. Noch ein Wein? Dann zieh nur an der Kordel und der Kellner kommt. Wieso gibt es das heute nicht mehr?

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Es gab ziemlich früh ein erstes Kasino in Kolmannskuppe, das dann später von einem moderneren abgelöst wurde. Darin fanden Tanzveranstaltungen, Opern, Turnfeste, Theater und was weiß ich noch alles statt. Unglaublich. Diese Turngeräte!

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In der Küche des À-la-carte-Restaurants kann man heute noch den Original Ofen bewundern. Täglich wurden darauf 400 Essen zubereitet.

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Achja eine Bücherei mit Lesezimmer haben die Deutschen auch errichtet. Ich glaube, es war sogar die erste Bücherei in Afrika. Kann mich nicht mehr an alles erinnern, der Guide hat so vieles erzählt.

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Er hat uns auch erklärt, dass es in Kolmannskuppe nicht nur Diamanten gab, sondern auch Schlangen. Und eins von beiden findet man heute noch hier. Könnt euch ja denken was.
Außerdem findet man auch viele Käfer. Käfer in der Wüste? Ja. Die stellen sie jeden morgen auf den Kopf und sammeln so das Wasser aus dem Nebel ein. Den gibt es hier nämlich reichlich. Nebel.

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Und falls du mal durstig durch die Wüste läufst, zerdrück diese Pflanze. Darin ist unglaublich viel Saft. Wenn du es aber nicht brauchst,  probiere es nicht, denn es verursacht Magenschmerzen und hilft die verschluckten Diamanten wieder herauszuspülen.

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Ich weiß nicht mehr was ich noch erzählen soll, es war zu viel. Aber unglaublich interessant. Deshalb noch ein paar Bilder als letzte Eindrücke.

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Das war Mal ein Beitrag der anderen Art. Aber Geschichte kann ab und an auch echt interessant sein!

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2 Gedanken zu “Geisterstadt Kolmannskuppe – 30. März

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