Flamingos, Pelikane, Robben, Delfine und Linksverkehr – 27. März

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Heute geht es erst mal auf den Atlantik hinaus. Bootstour. Es ist neblig und verdammt kalt. Die anderen Touristen haben alle Windjacken an. Manche sogar dicke Winterjacken. Ich meinen Pulli. Eine dünne Hose. Und Flipflops. Und ja ich friere. Aber nein, ich setze mich nicht in den Windschatten. Ich nehme mir eine Decke und setze mich nach oben zum Kapitän. Und nehme den vollen Fahrtwind mit. Und die herrliche Aussicht. Der Katamaran fliegt über das Wasser. Möven und Pelikane begleiten uns. Der Himmel ist ganz in grau. Ich bekomme einen Sherry serviert. Ich lasse den Blick den Horizont entlang schweifen. Vor der Insel sind zahlreiche Flamingos im Wasser. Aber auch viele andere Vögel, wie Kormorane zum Beispiel, landen auf den „wetlands“ wie der Kapitän die Insel bezeichnet. Es ist nämlich keine Insel. Nur ein Sumpfgebiet.
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Ich blicke auf den Ozean hinaus. Daaaaa. Wie ein kleines Kind strecke ich meinen Finger aus und zeige auf etwas im Wasser. Der Kapitän dreht sich um und teilt den anderen mit „dolphins“. Ich habe ihn gesehen. Er ist gesprungen. Und da wieder. Oder ist es ein anderer? Der Kapitän hat die Geschwindigkeit des Katamarans sofort gedrosselt. Wir gleiten dahin und starren alle auf das Wasser vor uns. Immer wieder zeigt sich kurz eine Delfinflosse an der Oberfläche. Oder sogar der ganze Delfinrücken. Unmöglich ihn mit meiner Kamera festzuhalten, aber einer huscht ins Bild. Ich genieße daher lieber mit den Augen.
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Danach ist „seal-time“. Robben tauchen neben unserem Boot auf. Strecken den Kopf aus dem Wasser. Springen aus dem Wasser. Und schwupps. Einer ist im Boot. Unser Kapitän kennt die Robbe. Sie ist zutrauenswürdig. Er füttert sie mit Fischen. Wir dürfen das Fell berühren. Die Fettschicht ist wasserabweisend. Weshalb die Haut der Robben trocken bleibt. Robben sind unglaublich clever. Diese Robbe kennt alle Boote, die regelmäßig zu dieser Robbenkolonie fahren. Sie weiß auf jedem Boot, welche Person den Fisch verteilt. Und weiß sogar wo der Fisch versteckt wird. Faszinierend. Schlaue Tiere.
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Wir verbringen einige Zeit nah an der Robbenkolonie und beobachten die spielenden Robben im Wasser. Sieht lustig aus.
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Danach geht es wieder zurück. Mit Zwischenstopp auf dem Ozean.
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Lunch time. Der Mitarbeiter bereitet die Austern frisch vor. Und tischt zwei weitere Platten mit frischen Meerestieren auf. Die Austern wurden heute morgen geerntet. Der überbackene Fisch schmeckt herrlich. Die Kalamares auch. Dazu gibt es Champagner. Was für ein Luxus. Sogar mehr als ich trinken kann.
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Danach heißt es für mich Mietwagen abholen. Ja richtig. Ich habe es endlich geschafft. Allerdings diesmal allein. Die beiden Australier hatten ja die Flucht ergriffen nachdem wir ein zweites Mal keinen Wagen bekommen konnten. Und ich konnte sonst niemanden finden. So habe ich mich gestern Nachmittag in das Büro von Avis aufgemacht. Der Herr war Recht und konnte mir für heute einen Wagen reservieren. Allerdings nur ein kleines Auto. Genau richtig für mich.
Wir sprechen über meinen Plan. Ich habe keinen wirklichen Plan. Nur, dass ich in den Fish river Canyon will. Welche Route? Nein, nicht die Route über Windhoek. Die durch die Wüste. Die schönere. „The gravel route? I wouldn’t recommend you to take this road. Not alone!“ Wieso das denn? Wenn zwei Reifen platzen (es ist einer Schotterstraße), dann musst du Avis rufen und hast im Zweifelsfall kein Netz. Das heißt 10 Kilometer laufen. Denn viele Autos sind dort nicht unterwegs. Außerdem kannst du dich dort verlieren. Ja es gibt Schilder, aber wenn du mal falsch fährst vergeht ein halber Tag bis zur nächsten Kreuzung und du es merkst. Außerdem hat es in letzter Zeit viel geregnet und die Straße ist in schlechtem Zustand. Alles klar. Der Verkäufer merkt, dass es mir ernst ist und schwingt um. Alles klar, nimm die Route, aber fahre nicht schneller als 80km/h und mach dich auf ein Abenteuer gefasst. Aber wie ich sehe, du bist eh total entspannt und lebst in den Tag hinein. Ja, das bin ich. Aber ich werde diese Route und ihre Tücken noch bitter zu spüren bekommen. Nur weiß ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Da wir über meine Strecke gesprochen haben, meinte er, dass ich online buchen soll, weil ich dann bessere Bedingungen bekomme. Die deutschen Bedingungen. Er kann mir nur 500 Freikilometer pro Tag geben. Was im Zweifel eng wird bei meiner Route. Also habe ich online gebucht. Einen Tag mehr, als ich im Büro angefragt habe und dennoch 20€ günstiger. Faszinierend.
Heute meinte er dann nur „I got ypur details and I can see that you got unlimited kilometer, so now you can go crazy!“ Yeaaah! Er fragt mich noch „Do you know where you sleep tonight?“ Und lacht nur, nachdem ich es verneine „I love it how you travel!“ Ich auch =)
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Noch die Versicherung für Reifen und Scheiben abeschlossen und den Autoschlüssel bekommen. So vertraut. Ich bekomme einen kleinen Polo. Mein erstes Auto, das ich mit meinem Führerschein vor 5 Jahren gefahren bin, war ein Polo Classic. Und die letzten Autos waren Golf. Also alles Volkswagen. So werde ich heute wenigstens damit kein Problem haben. Bekannte Schaltung. Bekannte Ausstattung. Ich laufe zum Auto, öffne die Türe. Verdammt. Da ist das Lenkrad nicht. Ok, so tun, als würde ich etwas verstauen. Aussteigen und auf der richtigen Seite einsteigen. Lenkrad auf der rechten Seite im Linksverkehr. Verwirrend. Schlüssel umdrehen und ersten Gang einlegen. Fuß aufs Gas. Wieso fährt das Ding nicht? Ich schaue neben mich. Verdammt. Handbremse lösen wäre auch eine Idee. Was man so alles verlernt in 6 Monaten. Einmal versuche ich mit der rechten Hand zu schalten, greife aber nur in die Türe. Danach gewöhne ich mich schnell daran, dass ich mit der linken Hand schalten muss. Auch sonst komme ich auf der Straße erstaunlich gut klar. Zu Fuß und als Beifahrer habe ich mich ja schon seit fast 2 Monaten mit dem Linksverkehr angefreundet. Stellt sich jetzt als Vorteil heraus. Und Swakopmund mit seinen 100 Stopschildern, an denen wirklich jeder zu Stehen kommt, und dem wenigen Verkehr ist angenehm, um mit dem Fahren anzufangen. Ich fahre zuerst zum Spar, kaufe 10 Liter Wasser, damit ich in der Wüste wenigstens nicht verdurste, wenn ich strande, packe in meiner Unterkunft meinen Rucksack ein und mache mich auf den Weg nach Walvis Bay. Walvis Bay liegt etwa 30 Kilometer entfernt von Swakopmund. Gut zum Warmzuwerden die Strecke. Die Dünen links. Der Atlantik rechts. Dazwischen die Straße. Recht gut befahren. Feierabendverkehr. Freitagnachmittagsverkehr. Habe mir sagen lassen, dass heute Freitag ist. Ich bin nämlich total raus mit den Wochentagen. Seit ich in Ghana aufgehört habe zu arbeiten. Ich habe einen leichten Drang nach links. Schön gegensteuern. Ist schon komisch, dass rechts neben mir das Auto schon aufhört. In Walvis Bay fahre ich ein paar Straßen auf und ab bis ich das Schild finde. Backpackers. Da schlafe ich heute. „Do ypu have a bed free for tonight?“ Ich bin der einzige Gast in der Unterkunft. Läuft. Wieder einen Massenlagerpreis bezahlt und ein Zimmer für mich bekommen. Mit Badezimmer. Und Küche. Ein Traum.
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Zum Abendessen mache ich mich auf den Weg zum Hafen. Heute leiste ich mich was. Das Restaurant gefällt mir. Auf Stelzen im Wasser. Neben mir tauchen im Wasser Robben auf. Vor mir ein Teller mit Kartoffelbrei, Hähnchenfilet mit Mozarella überbacken und ein Glas Savanna Dry. Wurde alles schneller serviert als ich den Blog schreiben konnte. Ich genieße den Abend. Entspanne vor dem bevorstehenden anstrengenden Tag morgen.
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Walvis Bay
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Pelikane am Ufer
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Spuren im Sand
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Abendessen mit Meerblick
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