Schokoladenpudding in der Wüste – 21. März

Beim Frühstück beingt mich dieses Schild in der Küche zum Nachdenken. 450 Liter Wasser pro Tag? Das ist verdammt viel. In Ghana habe ich definitiv weniger verbraucht. Aber hier? Bin ich unter dem Durchschnitt? Ich hoffe es. Aber die Reduzierung des Wasserverbrauchs gilt nicht nur für das südliche Afrika. Auch in Europa können wir sorgsamer mit dem wertvollen Gut umgehen. Zwei Tipps hängen in unserem Schlafsaal. Erstens den Wasserhahn abdrehen beim Zähneputzen. Man braucht ohnehin nur ganz wenig Wasser beim Zähneputzen. Eine halbe Tasse Wasser reicht. Um danach die Zahnbürste abzuspülen und das Gesicht zu waschen. Und dann einfach die Duschzeit auf 5 Minuten oder weniger reduzieren. Ich habe gelernt mit einem Eimer Wasser zu duschen. Es geht auch mit einem halben, wenn ich die Haare nicht wasche. In 5 Minuten kommt definitiv mehr Wasser aus der Dusche und sollte somit genügen.

image

Um 7 Uhr geht es los. Mit einem kleinen Rucksack durch den Regen ab in Van. Eine Studentengruppe von 5 Niederländern (1 Lehrerin + 4 Studenten), das australische Pärchen und ich. Es schüttet in Strömen. Im Van sitzen wir aber (fast) im Trockenen. Durch die Fugen läuft an manchen Stellen das Wasser hinein. Aber spätestens, wenn wir die Wüste erreichen, trocknet alles wieder.

image

Während den 5 Stunden Fahrt bis in das Camp in der Wüste, Sesriem, schlafe ich immer wieder ein bisschen. Doch irgendwann hält die Landschaft mich wach. Berge tauchen in der Ferne auf.

image

Und kommen immer näher.

image

Ein Schafherde kreuzt unseren Weg.

image

Längst hat der Regen aufgehört und der strahlend blaue Himmel zeigt sich.

image

Riesige Felsformationen ragen neben uns in die Höhe. Wir durchfahren den Namib-Naukluft Park.

image

Südafrikanische Oryxantilopen (auch „Gemsbok“ in englisch genannt) rennen verstört in alle 7 Himmelsrichtungen. 

image

Und dann zeigt sie sich. Die Namib-Wüste.

image

Kurz darauf erreichen wir unser Camp. Den Wettkampf wer als erstes sein Zelt aufgestellt hat, gewinne ich gegen die vielcampenden Niederländer. Tut mir Leid, aber Deutschland kann einfach nicht gegen Holland verlieren. (Ja ich gehe es ja zu, der Guide hat mir ein wenig geholfen, aber alle anderen waren zu zwei beim Aufbauen)
Und dann kam der Satz „you can relax and enjoy the time in the pool!“ Im was? Pool? In der Wüste? Ich schlage die Hände vor dem Kopf zusammen und weiß sofort, wieso jeder Urlauber in dieser Gegend so viel Wasser verbraucht. Wenn man Pools in der Wüste baut ist das kein Wunder. Dabei übernachten wir nicht in einer der teuren Lodges, sondern „nur“ auf einem Campingplatz.

image

Ich laufe eine Runde über den Platz. Springböcke kommen mir entgegen. Und grasen ungestört 5 Meter von mir entfernt. Grasen? Fragt mich nicht was sie fressen, denn ich sehe nur Sand, aber irgendwas fressen sie schon.

image

Ich bewundere die atemberaubende Lage. Die traumhaft schönen Berge, die das Campsite umgeben.

image

Ohne Worte.

image

Und was ist da? Ein Fußballspiel? Mitten in der Wüste? Ich glaub ich träume. Aber tatsächlich. Ein Elfmeter. Und Tor. Die Frauen am Rand rennen kreischend herum. Ich fasse es nicht. In der Halbzeit informiere ich mich. Zu Ehren des Unabhängigkeitstages wird ein Turnier abgehalten. Sogar einen Pokal gibt es zu gewinnen. Die Angestellten der verschiedenen Lodges spielen gegeneinander. Und den Unabhängigkeitspokal. Mitten in der Wüste. In der heißen Mittagshitze. Die Afrikaner spinnen doch. Oder moment. Wie war das mit der Weltmeisterschaft in Quatar? Wird wohl auch nicht anders aussehen…

image

Die Frauen am Rand dirrigieren die Männer auf dem Spielfeld.

image

Mir wird es zu heiß. Ich mache mich auf den Rückweg. Während die Australier Rugby geschaut haben, habe ich das Fußballspiel geschaut. Danach unterhalten wir uns über die unterschiedlichen Nationalsportarten im Land. Als der Australier, der sich mit Fußball nicht auskennt, zum Niederländer geht und meint „ah, you won the last worldcup!“ Äh stooooop, sicher nicht, das waren wir! Das muss aber gleich mal sichergestellt werden!

image

Danach machen wir uns wieder auf den Weg. Zu einem Canyon. 25 Meter tief. 3 Kilometer lang. Trocken. Wir steigen hinab und laufen das Flussbett hinauf.

image

Unglaublich trocken. Angeblich leben hier Paviane. Ich glaube es den beiden Guides NICHT. Definitiv keine Landschaft für Affen gemacht. Da gibt es nicht mal Bäume, wo sie sich verstecken können.

image

Und plötzlich versperrt ein großer Felsen den Weg. „That’s the end!“ Wir können hier nicht mehr weiter? Und wo ist das Wasser? „Behind, you can go there at your own risk!“ Nerv mich nicht. Ich bin im Sambesi geschwommen, ich kann hier in den Baby-Canyon über diesen Felsen klettern. Und tue es selbstverständlich. Und sehe es. Das Wasser. Kein großer Fleck, aber es ist Wasser. Eine Fläche 2 auf 3 Meter. Tief unten im Canyon. Geschützt von dem intensiven Sonnenlicht. Faszinierend.

image

Ein Gruppenbild bevor es wieder hinaus aus dem Canyon geht.

image

Ab in den Van und weiter zur Düne unweit von unserem Campingplatz. Ehrlich gesagt sieht sie so nah aus, als könne man in 10 Minuten zu Fuß hinlaufen. Aber ich der Wüste täuschen Entfernungen. In Wirklichkeit sind es 5 Kilometer.

image

Unser Guide fährt uns nur bis zur Düne und lässt uns dann allein. Zum Aufstieg des Sonnenuntergangs und dem Rückweg durch die Dunkelheit.

image

Ich sehe es schon, dass wir zu spät sind, um den Sonnenuntergang noch zu sehen. Dennoch laufe ich in einem ordentlichen Tempo den Berg hoch.

image

Doch langsam verschwinden die Berge hinter mir im Schatten.

image

Ich setze mich in den Sand und genieße die Aussicht.

image

Ein Mann kommt herunter. Ich frage ihn wie weit es bis zur Spitze ist. „There is no top!“ Dieser Akzent kommt mir bekannt vor. Der Mann fragt mich, ob er deutsch sprechen kann. Er meint es gibt keine Spitze auf dieser Düne. Schweizer. Eindeutig! Natürlich. Er ist mit einer Asiatin unterwegs. Auto gemietet. Allrad. Zwei Zelte auf dem Dach. Ob ich mit will? Sofort. Aber mir fällt schnell ein, dass mein Gepäck in Windhoek ist. Viel zu weit weg. Mittlerweile sind auch die anderen angekommen. Wir sitzen gemeinsam und genießen die Aussicht.

image

Dann machen wir uns auf den Weg nach unten, denn es wird dunkel.

image

Unten angekommen steht wütend und in Panik einer der Holländer. Er ist mit seiner Freundin nicht hinauf gegangen. Was ist dein Problem? Völlig in Panik stürzt er in ein anderes Auto hinein und sagt, dass er uns unseren Guide zurück schicken wird. Wir können nicht alleine laufen. Wir kennen nicht den Weg. Langsam mein Freund. Wir waren da oben. Wir haben das Camp gesehen. Wir müssen nur geradeaus laufen. Und weg ist er. Wir stehen immer noch da. Und diskutieren lange. Ich bin die, die unbedingt laufen will. Die Lehrerin meint wir sollen auf den Wagen warten. Es wird stockdunkel. Ich sehe den Berg hinter unserem Camp. Darüber zwei hell leuchtende Sterne. Da laufen wir hin, denn der Berg wird bald in der Dunkelheit verschwinden. Die Sterne nicht. Stirnlampe an und los. „Now you are our guide!“ sagt die Lehrerin. Alles klar. Tim meint noch, dass wir in einer Reihe laufen sollen. So sehen wir für Hyänen wie ein riesiges Tier aus und sie werden uns nicht angreifen. Andere gefährliche Tiere gibt es nicht. Wir stapfen durch den Sand. Zwischen den Grasbüscheln hindurch. Immer die beiden Sterne vor uns. Die Milchstraße taucht hoch über unseren Köpfen auf. Ich liiiiiiiiiiebe den afrikanischen Sternenhimmel. Wunderschön!
Rechts neben uns taucht ein Wagen auf. Unser Guide sucht uns. Ich fluche innerlich. Ich wollte zurücklaufen. Einmal durch die Wüste laufen und sich an den Sternen orientieren. Schließlich hat es uns der Guide erlaubt. Nur dieser kleine, 18-jährige Angsthase meint sich über diesen Plan hinwegsetzen zu können. Er verhält sich eher wie 16. Aber ist mir egal wie alt er ist. Ich mag es nicht, wenn jemand anderes darüber bestimmt was ich darf und nicht. Es bringt alles nichts. Ich mache dem Guide mit meiner Stirnlampe ein Zeichen, so dass er anhält. Wir stapfen hinüber. Die Lehrerin entschuldigt sich im Namen ihres Studenten, dass mein Abenteuer jetzt kaputt ist. Der Guide macht sich lustig über mich. Er will mich 10 Meter vor dem Camp aussteigen lassen. Nicht witzig. Dieser Junge soll mich bloß nicht ansprechen. Sonst kann er was erleben.
Unser Koch schafft es aber mich zu beruhigen. Er hat gegrillt. Schweinefleisch, Würstchen, Hühnchenspieße. Einen griechischen Salat zubereitet. Und und und. Unglaublich. Die Lehrerin fragt mich „are you scared about anything? Oh no, for sure not. You are travelling alone!“ „Oh yes I am! DOGS!“ Aber sonst ziemlich wenig, das stimmt.
Wir sind alle zum Platzen voll, als der Koch meint, dass er jetzt den Nachtisch bringt. Nachtisch? Was ist das? Ich glaube ich hatte seit Monaten keinen Nachtisch. Schokoladenpudding? Ich glaub ich träume. Aber es ist wahr.
Ich sitze mitten in der Wüste. Sehe Sterne von einem Horizont zum Anderen. Die Milchstraße in der Mitte. Ab und an ein paar Sternschnuppen. Und esse Schokoladenpudding. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s