Dünenbesteigung im Schein der Milchstraße – 22. März

Ich wache auf. Es ist 3:45 Uhr. Ich weiß nicht wie mein Körper das macht, aber er weckt mich immer kurz vor dem Wecker. Deshalb ist ein Wecker überflüssig geworden. In der Dunkelheit baue ich mein Zelt ab und kurz darauf verlassen wir das Camp. Die Fahrt dauert nicht lange, dennoch schlafen wir alle ein.

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Wir sind da. Es ist immer noch stockdunkel. Die Milchstraße leuchtet noch über uns. Vor uns die Düne 45. Den Pulli an. Die Stirnlampe auf. Und los geht’s. Die Düne hinauf. Ich vorneweg. In einen Tempo. Schließlich will ich vor Sonnenaufgang oben sein. Zwei Niederländer sind dicht hinter mir. Ich versinke im Sand. Es ist mühsam. Seeehr mühsam. Ich sammel Sand in den Schuhen. Weg damit. Und in Socken weiter aufwärts. Ich sehe kaum mehr, als die Kante der Düne. Der Guide meinte einfach an der Kante entlang. Ich drehe mich um. Huch. Die beiden Australier. Wo sind die Niederländer? Nicht mehr zu sehen. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehen wir wieder. Ich vorneweg. Die beiden Australier in meinen Fußstapfen. Madeline erzählt mir, dass die beiden in Australien Dünen besteigen als Workout. Puuh, das ist anstrengend. Mir wird warm. Pulli ausziehen. Verschnaufpause.
Ich schaue nach vorne. „We are almost there“ sage ich. Tim lacht nur. Später weiß ich weshalb. Wir hatten zu diesem Punkt gerade die Hälfte der Strecke geschafft. Die nächste Hälfte war nur ein Kampf. Oben angekommen schmeiße ich mich in den Sand. Atmen. Abartig wie anstrengend es ist im Sand bergauf zu laufen. Die Lampe brauche ich nicht mehr. Dunkel ist es immer noch. Ein paar Sterne kann man immer noch sehen. Aber wir sind die ersten. Wow.

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Eine halbe Stunde später trifft der Rest der Gruppe ein. Und dann immer mehr Menschen. Wie eine Massenwanderung. Auch der Schweizer, den wir gestern getroffen haben, ist oben.

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Langsam taucht auch die Sonne auf.

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Es ist immer noch kühl.

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Aber wunderschön.

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Ich genieße einfach nur.

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Die Dünen neben uns haben Postkartenmotivcharakter.

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Und dann geht es hinunter. Senkrecht. Ich renne. Und fliege. FLIIIIIIEGE. Und bin schon unten.

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Unten warten unsere Guides schon mit einem üppigen Frühstücksbuffet. Kaffee. Tee. Milch. Yoghurt. Müsli. Cornflakes. Toast. Körnerbrot. Butter. Käse. Wurst. Marmelade. Tomaten. Gurken. Feta Käse. KÄÄÄSEEEE. Und was weiß ich noch. Luxus pur.

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Ich unterhalte mich mit dem Schweizer. Dann kommt die Südkoreanerin hinzu. „You’ve been on Sansibar?“ Dieser Satz hat gereicht. „In Nungwi! We met just before you went diving! And before I left the village!“ Yeeeeees. Ich glaube es nicht. Ich glaube es einfach nicht. Die Welt ist viel zu klein. Vor einem Monat, auf Sansibar, habe ich diese Frau beim Frühstück getroffen. 5 Minuten haben air uns unterhalten. Nicht lange. Ich war nicht sehr interessiert, weil ich auf dem Sprung war. Auf dem Sprung in die nächste Stadt. Doch dann. 1 Monat später. Mitten in der Wüste. Auf einer Düne (gestern). Treffen wir uns wieder. Einen Tag später erinnern wir uns aneinander. Es ist einfach unglaublich. Es war nur eine kurze Begegnung. Eine von vielen Reisebekanntschaften. Doch diese werde ich nie vergessen. Wie wir uns wieder getroffen haben. Unglaublich. Deshalb sagen vor allem Vielreisende „Die Welt ist klein. Winzig klein.“

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Danach geht es weiter. Auf der Asphaltstraße durch die Wüste.

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Auf dem nächsten Parkplatz müssen wir umsteigen. Es geht im Sand weiter. Mit einem Allradfahrzeug.

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Ich genieße die Aussicht. Auch, wenn die Sonne brennt.

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Die „Straße“.

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Und einige südafrikanische Oryxantilopen.

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Dann halten wir. Vor uns liegt die Düne „big daddy“ und das Deadvlei. Das tote Tal. Die Düne ist fast 400 Meter hoch. Die Sonne brennt schon zu stark, um sie zu besteigen. Doch die Hälfte laufen wir hoch.

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Und ich bin geschockt. Es ist so einfach. Vor uns sind schon viele hochgelaufen. Haben Stufen in den Sand getreten. Und in diesen Stufen ist es so einfach zu laufen. Man versinkt nicht. Man bekommt nicht einmal Sand in die Schuhe. Unglaublich. So könnte ich einen Marathon laufen. So fühle ich mich jetzt. Auch Madeline ist fasziniert. Jetzt weiß ich welche Arbeit ich vorher geleistet habe. Als erste die Düne bestiegen. Die Stufen für die anderen gemacht.

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Es sieht aus wie ein See. Aber hier fließt schon lange kein Wasser mehr.

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Rechts neben uns zeigt sich das Deadvlei. Menschenmassen pilgern im Tal dorthin. Die Bäume, die im toten Tal stehen, sind vor etwa 1000 Jahren gestorben. Stehen aber immer noch.

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Und dann geht es bergab. Die Australier vor mir. Dann ich. Wieder fliegend. Ich fliiiiiiiiiiiege.

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Und in wenigen Sekunden bin ich unten.

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Im Deadvlei.

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Wieder treffen wir den Schweizer und die Südkoreanerin, die dieselben Stopps machen, wie wir. Der Schweizer meinte, wir machen ein Foto wie die Asiaten. Die machen immer das Peace Zeichen auf jedem Foto. Die Südkoreanerin lacht nur. Und winkt.

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Unglaublich die Landschaft hier.

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Einfach tot. Wie der Name schon sagt.

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Da ich beim bergab Laufen wieder Sand in meinen Schuhen gesammelt hatte, habe ich die Schuhe ausgezogen. Aber der heiße Sand brennt sogar durch die Socken hindurch. Der Weg durch das Tal zurück zum Traktor. Einsteigen und ab nach Sossusvlei. Hier war zuletzt 2010 ein See. Wann er wieder kommt, weiß niemand. Der Traktorfahrer gibt uns Anderthalb Minuten zum Fotografieren.

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Und ahmt die Touristen nach. Mit einem Apfel statt einer Kamera.

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Dann fährt er weiter. Und ich entdecke das skurrile Bild. Ein Durchfahrt verboten Schild mitten in der Wüste.

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Auf dem Rückweg halten wir neben einem Fahrzeug, das im Sand feststeckt. Unser Traktorfahrer steigt aus und rennt hinüber. Er setzt sich hinein und bringt das Fahrzeug im Rückwärtsgang langsam in Bewegung. Aber nicht aus dem Sand hinaus. Doch an Kraft soll es nicht mangeln. Es sind genug starke Männer in unserem Wagen, die kurzerhand helfen und das Fahrzeug mit vereinten Kräften aus dem Sand schieben.

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Also im Sand ist es immer noch. Aber es steckt nicht mehr fest.

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Ich bewundere weiter die Landschaft. Die Bäume, die von keine Ahnung was leben.

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Die Antilope, die sich nicht aus dem Schatten bewegt hat.

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Wir steigen wieder in unseren Van ein und fahren zurück ins Camp.

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Ein Kampf hat diesem Tier ein halbes Horn gekostet.

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Zurück im Camp bereiten unsere Guides das Mittagessen vor.

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Während wir die Landschaft genießen.

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Nach dem Essen wird gemeinsam abgewaschen, abgetrocknet, aufgeräumt und abgefahren.

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Ihr denkt dort ist ein See? Dort, vor den Bäumen? Fatamorgana. Das nennt man Sinnestäuschung. Oder in diesem Fall Kameratäuschung.

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In Solitaire halten wir kurz. Einem Dorf in der Wüste, das für seinen Apfelkuchen berühmt ist. Skurril. Verrückt. Afrikanisch.

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Dann geht die Fahrt zurück durch die wunderschöne Berglandschaft bis nach Windhoek. 6 Stunden.

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