Windhoek – 20. März

Der Wecker klingelt. Es ist 23:15 Uhr. Eine Stunde habe ich geschlafen. Während die beiden Australier noch eine Dusche nehmen, versuche ich ihm Garten nocheinmal ins WLAN zu kommen. Vielleicht auf der Terasse. Oh nein, diesmal war sicher ich der Auslöser. Die Alarmanlage der Unterkunft ist angesprungen. Dabei habe ich das Haus nicht einmal berührt. Bin nur im Hof am Haus entlang gelaufen. Na gut, dann halt nicht. Ich setze mich vor unseren Schlafsaal neben meinen Rucksack. Ein Auto hält draußen vor dem Tor. Tim kommt aus dem Zimmer und fragt „is this a taxi?“ Ich befürchte Nein und laufe Richtung Tor. Da entdecke ich die Uniform. Polizist? „Is here everything okey?“ fragt mich der Fahrer, der aus dem Wagen ausgestiegen ist. Ein Angestellter einer Sicherheitsfirma. Ich erkläre ihm kleinlaut weshalb die Anlage angegangen ist. Tim kommt hinzu. „Would it be possible to take us to the fuel station?“ Was fragst du da gerade? Ich schlage die Hände vorm Kopf zusammen. Der Uniformierte sagt selbstverständlich, dass er das nicht darf. Aber er möchte uns nicht laufen lassen und nachts in Tsumeb ein Taxi zu bekommen grenzt an die Unmöglichkeit. 2 Minuten später sitzen wir im Laderaum des Pickups und Madeline bedankt sich bei mir, dass ich die Alarmanlage ausgelöst habe. Nichts zu danken, war mir ein Vergnügen. Dort steht der Bus schon. Kann das sein? Ja, sie haben uns gesagt, dass wir 60 Minuten vorher da sein sollen, aber wir haben gemeint das ist zu früh. So hatte ich vorgeschlagen, dass wir uns eine Stunde vor Abfahrt auf den Weg machen. Aber der Bus, der aus Livingstone kommt ist so gut in der Zeit, dass er zu früh ist. „He, you guys again?“ Der Busfahrer, der uns letzte Nacht hier herausgeworfen hat, begrüßt uns wieder. „I told you to come to windhoek!“ Wirft er uns vor nachdem wir erklärt haben, dass wir hier keinen Erfolg hatten. Wir bekommen die Sitze in der ersten Reihe. Ich sitze am Gang, bin todmüde, kann aber nicht schlafen, weil es so unbequem ist.
Um 5:30 Uhr erreichen wir Windhoek, Namibias Hauptstadt. Es ist stockdunkel und kein Taxi weit und breit. Was ist da los? Habe ich Afrika verlassen? Während wir unser Gepäck holen, trudeln langsam ein zwei Taxis ein. Sofort stürmen die Leute hin. Ohne Stress erhalten wir aber auch noch eins. Er hält vor dem Backpackers, aber drinnen keine Reaktion. Der Fahrer schlägt uns vor, uns in ein anderes Backpackers zu fahren. Wir haben keine andere Idee, also los. Dort haben wir mehr Glück. Zwar können wir nicht in ein Zimmer, aber immerhin in der Lounge auf den Sofas entspannen. Und schlafen. Um halb 8 wache ich auf und laufe erst Mal zum leckeren Frühstücksbuffet. Müsli. Joghurt. Milch. Was für ein Luxus. Danach bekomme ich ein Zimmer im Dorm.
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Das Hilton Hotel
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Wir laufen los. Zu Fuß durch die Stadt. Wolkenkratzer. Ampeln. Bäckereien. Bücherei. Keiner verkauft Essen auf der Straße. Keiner transportiert Waren auf dem Kopf. Frauen in Miniröcken. Hotpants. High Heels. Diese Stadt könnte auch irgendwo in Deutschland stehen. Deutsche Schilder. Deutsche Straßennamen. Große Einkaufszentren. Deutsche Bäckereien. Deutsche Sprache. Deutsche an jeder Ecke.
Ein Zebrastreifen. Ich bleibe stehen und warte. Wie immer. Bis eine Lücke zwischen den Autos entsteht. Zwei Autos bleiben stehen. Was ist denn das? Ok, ich bin definitiv in Deutschland gelandet. Nirgendwo sonst auf der Welt halten Autos am Zebrastreifen.
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Deutsche Straßennamen und deutsche Schilder
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Aber wieso so viele Polizisten? Und so viele Soldaten in den Straßen? Tim klärt mich auf. Morgen ist der Unabhängigkeitstag. 25 Jahre ist Namibia unabhängig. Im Gegensatz zu Ghana ist Namibia recht jung. Ghana war das erste afrikanische Land, das sich von der Kolonialmacht befreit hat. Bereits 1957.
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Polizeiautos sperren die Straße. Was ist passiert? Ich schaue nach vorne. Ein Militärmarsch. So viele Soldaten. Alle bewaffnet. Ok, nein ich bin nicht in Deutschland. Definitiv nicht. Das wäre nicht möglich. So viel Militär in den Straßen. Durch die „Indepence Avenue“ kommen immer mehr Soldaten. Männer. Und Frauen. Manche Einheiten sind strikt getrennt. Manche gemischt. Und dann die Spezialeinheiten. Wow, ich fühle mich ein wenig wie im Krieg. Wieso müssen die alle ihre Waffen tragen? Die Musikkapelle läuft hinterher. Und dann kommen die Militärfahrzeuge. Mit schweren Geschützen. Gut getarnt. Bewaffnete Booto auf Anhängen. Scharfschützen. Die ganze Breite. Hinter fahren noch Krankenwägen und wieder Polizeiwägen. In einigem Abstand dann der Freiheitsmarsch der zivilen Bevölkerung. Der Einheimischen. Der Himbas. So wie die einheimische Bevölkerung hier genannt wird. Tanzend und springend folgen sie den Militäraufgebot. An den Seiten stehen unzählige Zuschauer. Mit Kameras in den Händen. Jubelnd und Applaudierend. Was ist das Geräusch? Ich schaue zum Himmel. Vier Hubschrauber folgen dem Marsch in der Luft. Uiiiiiiiiii. Ein lautes Drönen zischt über unsere Köpfe hinweg. Im letzten Moment erkenne ich die Düsenjets. Ziehen farbige Kondensstreifen hinter sich. In den Farben der namibischen Flagge. Kurz darauf erneut. Unglaublich dieses Drönen. So laut. Aber auch so schnell. Nur wenige Milisekunden kann man sie über sich am Himmel sehen. Zwischen den Wolkenkratzern ist der Himmel klein. Faszinierend dieser Aufmarsch. Und dabei ist das nur der Vorgeschmack. Morgen geht die richtige Party los. Am eigentlichen Unabhängigkeitstag. Des früheren Deutsch-Südwestafrika. Dem heutigen Namibia.
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Etwas später ziehe ich erneut durch die Straßen. Souvenirs auf dem Boden verteilt. Doch ein Zeichen, dass ich in Afrika bin. Genauso wie die Verkäuferinnen. Himba-Frauen. Ein Volk, das sich mit einer roten Erde einschmiert. Daher kommt die rötliche Hautfarbe. Färbt ab, kann ich auch sagen. Ziemlich schnell versammeln sie sich um mich und stecken mir Armreifen umd meine Handgelenke. Ich habe ja so viele, deshalb muss ich so was mögen. Meine Arme sind rot. Ich kaufe zwei Armreifen. Einen aus Kuhhörner hergestellt und einen aus Palmblättern geflochten. Dafür gibt es auch ein Foto.
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„Bäckerei“ lese ich. Ja es geht weiter. „Platz“, „Bücherei“ und „Kirche“ sind hier gängige Bezeichnungen. Ich schaue herein. „Laugenstange“ lese ich. LAUGENSTANGE? Haben will! „Sorry, we do not have it now!“ Aaaaaah. Ja, hatte vergessen, dass ich in Afrika bin. Und ein Salami-Käse-Baguette. Auch nicht. Ja, ich bin in Afrika. In Afrika ist es unmöglich eine Bestellung in einem Restaurant (Bar/Café) aufzugeben und alles serviert bekommen. Irgendwas ist immer nicht verfügbar. Und dabei ist es egal wie exklusiv das Restaurant ist. Etwas ist immer nicht vorhanden. Das ist Afrika.
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Habe ich schon erzählt, dass mich noch kein Taxifahrer bedrängt hat? Nein? Wirklich! Ich glaube es auch kaum, aber es ist so! Unglaublich aber wahr. Alles ist möglich im modernen Windhoek.
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