Am Rand der Viktoriafälle – 17. März

Nach dem gestrigen aufregenden Rafting fragt mich meine belgische Freundin, die immer noch in Ghana ist folgendes: „so now resting and chilling or you have other life threatening stuff to do? Ha yes, you want to swim at the top of the waterfall?“ Sie meinte es aber im Scherz. Aber ich muss sagen, es war schwer etwas zu finden, das die beiden letzten Tage noch toppen konnte. Also habe ich diese Aktion in Angriff genommen.
image
Vorweg ein paar Informationen. Der Devil’s Pool, am Rand der Viktoriafälle, ist bekannt als der gefährlichste Pool der Welt. Es ist ein vom Sambesi geformter Pool. Am Rand, wo das Wasser in die Tiefe stürzt, ragt eine Wand (Devil’s Armchair) hinauf bis an die Wasseroberfläche. Man kann in dem Pool stehen. Man kann dorthin von Livingstone Island aus hinschwimmen. Allerdings ist dieser Pool nur in den Monaten (August bis Dezember) mit niedrigem Wasserstand begehbar. In Monaten mit hohem Wasserstand schießt das Wasser einige Meter über dieser Wand in die Tiefe, was den Pool zum Teufelsbecken macht. Und dann gibt es noch den Angel’s Pool. Näher an Livingstone Island dran, aber nur unwesentlich weiter entfernt von der Absturzkante.
image
Um 6:30 Uhr steht das Taxi vor meinem Hostel und ich steige ein. Meinen warmen Fleecepulli habe ich angezogen, weil es ganz schön frisch ist. Und was ist das? Heizung im Auto? Wow. Ich sitze in Flipflops im Auto und meine Füße werden gewärmt. Hatte ich auch noch nie.
Angekommen im Hotel „Royal Livingstone“ bewundere ich den ganzen Luxus um mich herum. Später werde ich noch etwas davon zum Probieren bekommen.
image
Doch zunächst geht es auf den Sambesi. Ich bewundere die aufsteigende Wolke der Viktoriafälle.
image
Dann geht es ist Boot und wir steuern genau diese Wolke an. Davor liegt nämlich „Livingstone Island“. Zuerst betreten vom Briten David Livingstone im November 1855.
image
Die Bootfahrt dauert nur wenige Minuten. Aber genug Zeit um festzustellen, wie reißend die Strömung des Sambesi hier bereits ist.
image
Dann geht es an Land. Dieses Stück Erde gehört zum Weltnaturerbe, aber dennoch durften kleine Flächen bebaut werden. Eine Küche, einen Frühstücksplatz für die Touristen und sogar Sanitäranlagen. Empfangen werden wir von einem Kellner mit einem lokalen Drink. Mais-Erdbeere. Schmeckt lecker. Dann heißt es auch schon ausziehen und barfuß in den Spuren der Flusspferde durch den Matsch weiter nach vorne. Der Regen erreicht uns schon. Aber nur sanft als Sprühregen. Und dann verlassen wir den Wald. Noch wenige Meter Felsen liegen vor uns bis zur Kante. An dieser Stelle ist die Insel vielleicht 10 Meter breit. Zwei Guides sind mit uns. Mir und dem Pärchen aus Boston. Alle anderen Touristen haben die späteren Touren gebucht. Der erste Guide hält mich an der Hand und ich laufe ihm hinterher. Vorsichtig und langsam. Die Felsen sind nass uns rutschig. Und ich bin barfuß. Vor uns schießt ein Wasserstrom in die Tiefe. Der Guide zeigt nach vorne. Da gehen wir hin? Waaaas? Vor uns liegt ein Holzbrett im Wasser. Nass und rutschig. Langsam laufe ich seitwärts hinüber. Ein Blick nach hinten. Da reißt die Strömung das Wasser 100 Meter in die Tiefe. Und ich steh hier auf einem nassen Stück Holz. Läuft. Ich erreiche wieder ein paar Felsen. Ein Schritt ins Wasser. Wow, der Sambesi ist so warm! Im Gegensatz zu dem kühlen Sprühregen. Ein paar Schritte weiter und dann zeigt der Guide auf einen Felsen. 20 Zentimeter neben dem Abgrund. Da hinsetzen! Waaas? Ich gehorche. Sitze. Staune. Und grinse. Atemberaubend. Ein Meter neben mir schießt der Sambesi 100 Meter in die Tiefe. Wenn ich mich nach rechts lehne, kann ich über die Kante blicken und sehe den Sambesi unten in der Schlucht. Über mir – der Regenbogen. Wooooooow.
image Am Rand der Viktoriafälle
Ich genieße den Augenblick. Worte verschwinden im Rauschen der Wasserfälle. Ich sauge den Moment in mich auf.
Ich komme zurück zu den anderen und die Frau, Tiffany, sagt nur „I was so scared about you!“ Keine Angst, jetzt bist du dran.
image
Auf dem obersten Fels rechts im Bild saß ich.
image
Gedankenversunken blicke ich zurück. Auf den Fels wo ich saß. Auf das Wasser, das daneben in die Tiefe schießt. Auf die Viktoriafälle. Auf den Regenbogen. Auf die Wolke. Und ich stehe selbst unweit des Abgrunds.
image
Ungesichert. Dann drehe ich mich um. Auf der anderen Seite schießt das Wasser ebenfalls in die Tiefe. 106 Meter. Dort laufen wir jetzt hin.
image
Links unten das erste Becken, der Angel’s Pool. Mein Ziel.
Wieder an der Hand des Guides steige ich über Felsen, versinke im Schlamm, laufe am Denkmal des Herrn Livingstone vorbei und habe zwei Meter rechts von mir immer noch den Abgrund. Wofür ist dieses Seil? „Safety line“. Aaaaaaaaha. Sicherheitsschnur heißt immer Gefahr. Der Guide steigt ins Wasser. Ich hinter ihm. Boden suchend. Auch wenn es Pool heißt, ist es lange noch nicht so eben wie ein Pool. Ein weiterer Schritt und stehe bis zur Brust im Wasser. Eine Hand fest um die Leine geklammert. Eine am Felsen. Das ist die ganze Sicherung, die ich habe. Die Strömung ist verdammt stark. Ich steige über einen weiteren Felsen und lande bis zum Hals im Wasser. Beide Hände umklammern das Seil. Die Strömung reißt mir die Füße davon. Und fast meine Bikini Hose. Also eine Hand an die Hose. Ich finde einen Stein im Wasser auf dem ich sitzen kann. Und schaue um mich. Yeeeeeeeeah. Ein Schrei. Ein Echo hallt zurück. Und ich grinse. An der Kante der Viktoriafälle.
image
Wahnsinn. Einfach nur Wahnsinn.
Der Guide schiebt mich nach hinten. Was tust du? Ich bin gleich an der Wand. Unter dem Wasserfall. Atmeeeeen? Hinter dem Wasserfall. Wow. Ah Luft. Atmen! Wow. Vor mir schießt Wasser in den Pool. Und dann zwei Meter weiter 100 Meter in die Schlucht hinab. Unglaublich.
image
Ich genieße noch ein paar Minuten den Moment. WAHNSINN.
Dann geht es zurück. Ich versinke in Gedanken, während ich über die Felsen zurück laufe. Ungesichert. Zum Glück liegt dieser wunderbare Ort in Afrika und nicht in Europa. In Europa wäre dieser Trip selbstverständlich aus Sicherheitsgründen unmöglich gewesen. Erfüllt nicht die TÜV Sicherheitsstandarts. Hier in Afrika gibt es keinen TÜV. Ein Paar helfende Hände, ein Holz, eine Schnur im Wasser und perfekt ist das Abenteuer. Jedes Jahr stürzen halt ein bis zwei Menschen aus diesen Becken die Viktoriafälle in die Tiefe. Aber das ist Schicksal. Mit ein bisschen Vorsicht bleibt man oben. Und etwas Armkraft. Ich liebe es. Ein wahnsinns Gefühl. Unbeschreiblich.
image
Zurück an Land bekomme ich ein kuscheliges Handtuch in die Hand gedrückt. Einen Stuhl. Und einen Mann, der mir erst die Füße wäscht, abtrocknet und mir dann meine Flipflops anzieht. Zu skurril die Situation. Erst lassen sie mich an den gefährlichsten Punkt der Viktoriafälle. Die Absturzkante. Und dann waschen sie meine Füße. Ein anderer Kellner bringt mir das Frühstück. Fein dekoriert auf einem Teller. 5 Sterne tauglich.
image
Makrotauglich ist meine neue Kamera nicht wirklich, aber dafür schmeckt der gebratene Schinken, das pochierte Ei und der Muffin um so besser. Schönes Ende einer weiteren adrenalingeladenen Aktion. Verrückt. Aber atemberaubend.
image
Zum Sonnenuntergang habe ich noch einen Ausflug zu den Viktoriafällen gemacht. Ein US Amerikaner, der hier in Sambia für ein paar Monate arbeitet. Aber Eingang zu den Wasserfällen zeigt er sein Working permit und zahlt den Eintrittpreis für Einheimische. 7 Kwacha (1€). Ich glaube es nicht. Ich zahle 140 Kwacha (20€). Ich bin es ja gewohnt, dass für Ausländer ein höherer Preis verlangt wird. Oft das Doppelte. Aber das hier ist ohne jeglichen Vergleich.
image
Regenwald. Der seine Existenz ausnahmslos sen Viktoriafällen zu verdanken hat.
image
Der Zoom meiner neuen Kamera beeindruckt mich. Am Kontrast muss noch gearbeitet werden.
Zunächst laufen wir hinunter an den „boiling pot“. Hier strömt das Wasser aus den Viktoriafällen zusammen. Ein riesen Strudel bildet sich. Und vor uns die Brücke. Dort bin ich hinunter gesprungen.
image
Danach geht es wieder hoch und durch den Sprühregen zu den Wasserfällen. Habe ich euch schon erzählt wie wunderschön die Viktoriafälle sind?
image
Sonnenuntergang und aufsteigendes Wasser. Tolle Kombination.
image
Achja meine Kamera. Keine Sorge. Denselben Fehler mache ich nicht zweimal. Habe die Kamera wieder mitgenommen. Ja. Aber ich habe sie zusätzlich in eine Plastiktüte eingewickelt.
So habe ich mich schlussendlich von den Wassermassen verabschieden können. Auf Wiedersehen. Irgendwann komme ich wieder. Das verspreche ich. Ihr seid zu schön, um nicht bewundert zu werden.
image
image

Advertisements

3 Gedanken zu “Am Rand der Viktoriafälle – 17. März

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s