The whirlpool-lady – 16. März

Nächstes Abenteuer steht an. Wildwasserrafting oder wie nennen sie es hier? „White water rafting“ Noch weiß ich nicht worauf ich mich da wirklich eingelassen habe. Ja, ich glaube ich werde nass. Und ja, der Sambesi ist ein verdammt kraftvoller Strom. Aber Angst? Keineswegs.
Der Mann an der Rezeption meinte noch, ich soll auf jeden Fall lange Kleidung tragen. Sie Sonne brennt nämlich ziemlich. Also Leggins unter die kurze Hose gezogen. Oberarme bekommen seit 5 Monaten afrikanische Sonne ab, also sollte etwas Sonnencreme reichen!
Wir fahren eine Weile durch Maisfelder hindurch und hüpfen in dem Transporter auf und ab. Da er auf den Seiten offen ist, klatschen immer wieder Äste in mein Gesicht. Wir sind da. Wow. Ein riesiger Canyon erstreckt sich vor uns. Atemberaubende Aussicht.
image Team Melvin (ich ganz links)
Kurze Sicherheitseinführung und Befestigung der lebenswichtigen Schwimmweste und des Helms. I’m Melvin and I take the first 6 people. Schnell stehen die ersten beisammen. Es wird sich noch zeigen, dass dies die verrücktere Gruppe wird (Zwei Südafrikaner, ein Australier, ein Amerikaner, der seit 20 Jahren in Tansania lebt mit seiner Tochter UND ICH). Wer voller Energie begeistert auf seine Kunden zugeht ist definitiv der bessere Guide. Oder abenteuerlustiger. Wie man es nimmt. Und wer sofort Ja schreit, das sind die Adrenalinjunkies, die sofort loslegen wollen. Doch zunächst müssen wir an den Sambesi gelangen. Das heißt in die Schlucht absteigen.
Ich bin die erste, die über die Felsen hinabsteigt. Nein, es ist kein Alpen-Höhenweg. Es geht senkrecht bergab. Läuft. Der kürzeste Weg halt. Das Paddel nutze ich als Stütze, wenn ich das Gleichgewicht nicht halten kann. Etwa auf der Hälfte beginnen Holzleitern. Bei dieser Steigung würde ich eigentlich mit dem Gesicht Richtung Berg absteigen. Aber die beiden Südafrikaner sind dicht bei mir und so balanciere ich mein Gleichgewicht und steige die Leiter mit Blick auf den Sambesi hinunter. Später im Video werde ich feststellen, dass die meisten hinter mir auf dem Hinterteil sitzend hinuntergerutscht sind. Aber die hatten auch zum Teil Flipflops an. Unten angekommen schmerzen meine Knie höllisch. Dabei hat die eigentliche Aktivität noch nicht einmal begonnen. Aber erst mal in den Sambesi gesprungen. Dann sind die Kleider und Schuhe schon mal nass. Und eine gute Abkühlung nach diesem Abstieg. Nach einer kurzen Einweisung geht es los. Die Kommandos bitte merken.
Right forward, left backward – das sagt er so schnell, wie ich nicht Mal denken kann, wo rechts und links ist.
Stop – aufhören zu paddeln
Go down – wenn wir in eine Stromschnelle geraten, dann heißt es safety line ergreifen und im Boot knien.
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Vor uns liegt der erste Wirbel. Wir paddeln kräftig auf ihn zu. Riesen Welle von rechts. „Strong forwards!“ Wir paddeln kräftig. Ich leg mich zur Seite. Doch da war kein Wasser. Nur das tiefe Loch der Welle. Und klatsch. Starke Leistung. Erste Steomschnelle und schon lande ich im Wasser. Aber die war nicht so schlimm. Habe sogar so viel noch reagieren können, dass ich das Paddel im Boot gelassen habe. Und mich an der Schnur festgehalten. Dave zieht mich hoch und begrüßt mich mit „We are gentleman. So we said ladies first!“ Da stelle ich fest, dass Stephanie, die andere Frau im Boot auch ins Wasser gefallen war. Da gab’s gleich was zu lachen.
Wir paddeln wieder. Dem anderen Boot hinterher. Verfolgt von einigen Männern in Kajaks. Das sollen unsere Lebensretter sein, wenn wir vom Boot getrennt werden und nicht zurück kommen. Melvin, unser Guide, ist ein kleiner Spaßvogel „if you fall into the water and you see some crocodiles, don’t be scared! That are vegetarian crocodiles, coming from zimbabwe!“ Bis zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass es Krokodile im Sambesi gibt. Der Fluss fließt zwischen den beiden Ländern Sambia und Zimbabwe.
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„The next rapid is coming. Fifty fifty!“ Alles klar. Wir paddeln kräftig darauf zu. Und verdammt diese Welle vor uns ist hoch! Verdammt das Boot kippt und blubb blubb. Wo ist oben und unten? Da ist hell. Ah Luft holen! Und wieder reißen mich die Stromschnellen hinunter. Atmen? Ah das war Wasser. Luft? Ich komme wieder hoch und japse nach Luft. Und huiiii es dreht mich im Kreis und reißt mich hinunter? Wieso zum Teufel habe ich eine Schwimmweste, wenn ich trotzdem den Strudel hinuntergezogen werde? Damit ich wieder hochkomme, ja ich weiß. Die Strömung ist verdammt stark. Endlich sehe ich wieder etwas anderes als nur Wasser. Das Boot ist noch weiter flussaufwärts. Der Guide macht mir ein Zeichen ich soll Richtung Felsen schwimmen. Ja leichter gesagt als getan bei der Strömung. Schließlich nähert sich ein Mann im Kajak und ich kraule zu ihm. Geschafft. Ich kralle mich an die Spitze des Kajaks und lasse mich kutschieren. Bis zum anderen Boot. „You’re fine? What did you do?“ Werde ich begrüßt. „Oh, I was just a bit thirsty!“ Dieses Boot hat eine feste Paddelbefestigung und ist während dem kompletten Rafting nicht gekippt. Keine Person von innen ist je ins Wasser. Paar feine Damen sind da drin, die nicht nass werden wollen. Und die Männer wollen ihre Damen nicht verlassen. Langweiler. Wieso habt ihr nochmal das Rafting gebucht?
Schließlich kommt auch mein Boot in die ruhige Bucht und ich springe hinüber. Ein anderer Kajakfahrer bringt mir mein Paddel, das ich selbstverständlich verloren hatte. Faszinierend, dass er das gefunden hat. Gut, dass die Paddel an der Wasseroberfläche bleiben. Dabei erfahre ich auch, dass unser Boot in der Stromschnelle komplett gekippt ist und jeder im Wasser gelandet ist. Dave hatte mich im Strudel gesehen. „That was crazy! The whirlpool just sucked you down! Crazy whirlpool-lady!“ Passiert. Ja ich ziehe die Strudel an. (Für alle, die nicht so fit in englisch sind. „Whirlpool“ in englisch ist nicht mit dem Schwimmbecken zu verwechseln, das wir im Deutschen als Whirlpool bezeichnen. Es ist schlicht und ergreifend ein Strudel.)
Eine Runde „High-Five“ und weiter gehts! Achja Angel, eine Kalifornierin, hat in unser Boot gewechselt. „It looks like much more fun!“ Ja, wenn du gerne im Wasser bist, dann ja. Im Gegenzug ist der zweite Guide ins andere Boot. Also haben wir noch Melvin, unseren Guide, 4 Männer und 3 Frauen. Melvin erklärt uns sein Motto „go hard or go home!“ Wir stimmen ihm johlend zu. Voller Adrenalin sind wir. Und stürzen uns in die Fluten. Aber dennoch kämpfen wir etwas besser. Vielleicht doch etwas Angst wieder unter das Boot zu geraten? Da waren andere, während ich im Strudel kämpfte. Wobei Melwin meinte, er hat die richtige Stelle verpasst. Er will also, dass wir kippen. Crazy guide! Aber wir applaudieren. „Jump out and hold the line!“ Was? Wir sollen hinaus springen? Oder war das ein Spaß? Nein, es war ernst gemeint. Also ab ins Wasser. Wir halten uns an der „safety line“ fest und schießen durch die Strömung. Verdammt schnell. Und verdammt hohe Wellen. Stromschnellen. Was auch immer. Aber richtig großartig. (Ich mag die deutsche Übersetzung nicht. In englisch klingt es besser.) IT WAS REALLY AWESOME!
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Während die anderen in ihrem Boot trocknen, haben wir unseren Spaß im Wasser. Dann geht es wieder hoch ins Boot. Nicht so einfach. Ich schaffe es nur mit Hilfe von oben. Einer kräftigen Hand, die mich hochzieht. Dann wird wieder gepaddelt.
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Habe ich schon erzählt wie atemberaubend schön die Schlucht ist? Grüne Wälder oben. Felsen an den Wänden. Und einfach wunderschön. Leider haben die Fotografen keinen Blick für die Natur. Deshalb gibt es kein Foto für euch.
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Wir kommen an eine Stelle, wo das Wasser laut Guide 95 Meter tief ist. Das ist verdammt tief. Für einen Fluss. Das ist so tief, wie die Felsen links und rechts von uns in Himmel hinauf ragen. Wahnsinn. „Jump into the water!“ Diesmal lassen wir es uns nicht zweimal sagen. Was sagte er? Wir sollen uns in der Mitte vom Fluss halten. Gar nicht so schwer, denn da reißt uns die Strömung eh hin. Ich treibe auf die beiden Südafrikaner zu. „No, whirlpool-lady is coming! Go away from us!“ Ich lache. Greife nach Dave und schon dreht es uns. Aber nur kurz unter Wasser. Ah ich liebe es. Abenteuer pur. Adrenalin pur. Vor uns zeigen sich große Stromschnellen. Wenn man im Wasser ist, also der Kopf an der Wasseroberfläche, dann sehen diese Dinger noch größer aus. Wir greifen uns alle 6 an den Händen und formen einen Kreis. „Let’s do it together!“ Und huiii. Es zieht uns in ein Tal und dann hinauf auf die Welle. Und wieder hinunter. Wir drehen uns. Wieder ein Strudel. „Oh no, the whirlpool-lady is with us!“ Wir drehen uns im Kreis. Schreien. Und Lachen. Irgendwie kommen wir wieder hinauf auf die Welle. Und lassen uns treiben. Schwimmen wäre nur Kraftverschwendung. Die Strömung macht das für uns. „Go right!“ Ok, das ist jetzt wieder schwerer. Gegen die Strömung kraule ich in Richtung der Bucht. Und geschafft. Der Strömung entkommen. Nach kurzer Zeit erreicht uns auch das Boot und wir paddeln wieder weiter. Wir springen auf und ab in den nächsten Steomschnellen. Wir fliegen in ein Tal und die Stromschnelle erhebt sich vor uns um einige Meter in die Höhe. Wahnsinn. Wir fliegen hoch. Landen wieder. Mit einer Ladung Wasser von oben. Aber wir bleiben im Boot. Woooow. Ich liebe es! Und wieder flucht unser Guide, dass er nicht den richtigen Punkt gefunden hat. Deshalb schickt er uns wieder in die Fluten. Die beiden Männer vor mir mit einem Salto. Ich rutsche noch im Boot aus und lande irgendwie im Wasser. Die Südafrikaner schwimmen schnell weg von mir. „Stay away whirlpool-lady!“ Ich lache und werde in die Luft geschleudert. Was für eine Welle. Wasser. Luft. Wasser. Luft. Wasser. Und atmen. Das Wasser wird flacher. Stromschnellen überstanden. Angel kommt näher. Wir greifen uns mit der rechten Hand und schon drehen wir uns. Ich schreie. Wow. Wieder ein Strudel. Wie schnell wir uns drehen. Wir bleiben aber über Wasser. Wir lachen beide. Und kommen nach 10 Sekunden (10 Sekunden sind verdammt lang!) wieder hinaus. Wow. Sie jauchzt vor Freude. Und bedankt sich bei mir. Ich lache. Gerne. War mir eine Freude. Auf der weiteren Fahrt sammle ich noch ein paar Strudel ein. Aber es sind nur kleine. Die lassen mich nur einmal um die eigene Achse drehen. Aber auch das ist ein Spaß. Ah ich liebe es!!!!
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Wieder im Boot steuern wir Land an. „Who likes to jump from a rock?“ In unserem Boot selbstverständlich alle. Die anderen beiden Boote sind schon da. Wir lassen die Helme wie befohlen im Boot (weiß nicht wieso) und klettern an der Felswand entlang. Gut, dass ich meine Joggingschuhe anhabe. Auch wenn sie nass sind, etwas Halt habe ich darin. Die meisten steuern die erste Stufe an. Ich klettere hinter den beiden Südafrikanern her. Hoch hinauf. 10 Meter Sprung. Schaff ich locker. Bin gestern von 100 Metern in die Tiefe gesprungen, also werde ich das auch schaffen. Ich muss ordentlich klettern. Die Felswand hoch. Während die anderen von 3 bis 4 Metern in den Sambesi springen, komme ich oben an. Wow, das ist verdammt hoch. Schaff ich das? Ich klettere sicher nicht wieder hinunter. Die Blöße gebe ich mir nicht. Und ich bin schon mit 15 beim Canyoning in den Alpen von 10 Meter in einen Fluss gesprungen. Die beiden Südafrikaner springen. Und sind verdammt lange in der Luft. „Ready?“ Nein. „You need to spring forwarts. So that you do not touch the rocks!“ Wenn es sonst nix ist. „Five, four, three-“ Ah, er zählt schon. „Two-„, ok ich muss jetzt. Aaaaaaah und platsch. Das war geil! Yiha. AMAZING!
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Ein Foto von mir in der Luft gibt es nicht. War zu schnell für den Fotograf.
Zurück an Land fragt mich ein anderer Guide „you jumped from the top?“
„Yes!“
„You are f*****g crazy! Where are you from?“
„Germany“
„Ok, no more questions left. That explains everything.“
Na dann.
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Wieder im Boot passieren wir weitere Stromschnellen und haben dabei unseren Spaß. Dann kommt die letzte. Dort steuert unser Guide aber nicht den gefährlichen Punkt an, weil er sagt, dass danach ein gefährlicher Strudel kommt. Trotzdem fliegen wir hoch in die Luft. Werden nass. Klammern uns fest ans Boot. Und schreien. Und plötzlich drehen wir uns. „Ah whirlpool-lady is with us!“ Wir lachen. Unser Boot ist aber ein bis zwei Meter tiefer als die normale Wasseroberfläche. Wahnsinn. Wie der Strudel das Wasser hier in die Tiefe reißt. Und wie er sogar das riesige Boot mit sich reißt. Wir überstehen den Strudel aber und ereichen kurz darauf die Sandbank. Yeeeeeah! Ein letztes Mal die Paddel in die Luft reißen und „high five“ rufen. „Thank you Melvin, it was amazing!“
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Während mir zur Gondel spazieren, läuft Melvin aber den Berg hoch. Er hat panische Angst vor ihr. Unvorstellbar. Sr stürzt sich unerschrocken in die reißenden Fluten des Sambesi. Aber in eine Gondel kann er nicht steigen. Wieso ist hier überhaupt eine Gondel? Mitten im Nirgendwo? Arbeitsplatzbeschaffung. Ihr lacht, aber das ist die Wahrheit. Die anderen Einheimischen klären uns auf. Achja. Gondel ist auch nicht ganz wie in Europa. Festhalten beim Start ist wichtig. Und die Türe ist die ganze Zeit offen. Aber lustige Fahrt. Wir scherzen mit den Guides. Und genießen den Blick auf die wunderschöne Schlucht.
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Daumen hoch für das Wildwasserrafting im Sambesi.
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Immer noch voller Adrenalin ereichen wir unseren Truck. Und stürzen uns später wie die Tiere auf das Mittagessen im Restaurant. Im Preis inbegriffen.
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Und nochmal. Es war abartig A.M.A.Z.I.N.G!
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Der Blick auf den Sambesi und den in der Ferne aufsteigenden Sprühregen.
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2 Gedanken zu “The whirlpool-lady – 16. März

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