Der Sprung in die Schlucht und ein Tag mit einem Wechselbad der Gefühle – 14. März

Heute wollte ich es wagen. Ob ich den Mut wirklich dazu habe? Mich in die Schlucht zu stürzen? In Richtung des tosenden Sambesi. Mal sehen.
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Ich fahre wieder mit dem vollen Kleinbus an die Grenze, steige aus und laufe die Straße entlang. Da ist der Grenzposten. Ich bekomme einen Zettel in die Hand gedrückt und darf hinüber. Weil ich ja nur bis auf die Brücke will. An den Bahngleisen entlang führt die Straße auf die Brücke. Die Viktoria Bridge. Eine Brücke, die Züge, Autos und Passanten transportiert. Und am Rand ist die Station. „You want to do the bungee jump?“ Ja, das will ich. Ein Formular. Blabla. Alles auf eigene Kosten. Kein Mitarbeiter haftet für Verletzungen oder meinen Tod. Da muss ich kurz schlucken. Überfliege den Rest und unterschreibe. Rucksack in den Safe und ab auf die Brücke. Es ist noch früh am Morgen. Ich bin die zweite, die den Sprung heute wagt. Ein Mitarbeiter empfängt mich äußerst freundlich. Eine Passantin fragt mich, ob ich springen werde. „Oh, you are really brave!“ Ah, so schlimm ist das doch nicht. Hoffe ich. Einige Passanten versammeln aich um die Absprungstelle. Alle wollen mich springen sehen? Der Mitarbeiter legt mir die Gurte an. „Two, so that it’s 100% safe!“ Das ermutigt und beruhigt mich gleich wieder.
image Alles easy.
Aber nach außen strahle ich sowieso Gelassenheit aus. Alles easy. Und jetzt unter dem Zaun durch auf die Absprungfläche. Noch bin ich gesichert. Ein Mann filmt mich.
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Ich konzentriere mich. Ich muss drei Meter nach vorne springen und die Arme ausstrecken. Ok, kann ich mir merken. Handtücher werden um meine Beine gewickelt. Dann der Gurt darüber. Ein anderer Mann befestigt das Seil. Im Pinguingang watschel ich an die Kante. Nicht- wow ist das tief! – nicht nach unten schauen habe ich mal gehört. Ich schaue fasziniert auf den tosenden Sambesi unter mir.
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„Look to the horizon!“ Ah ja, ich schaue hoch und sehe die wunderschöne Schlucht vor mir. 5, 4 – ah nicht so schnell. 2 – 1. Und Hilfe! Der Boden ist weg.
image Der Schrei
Und dann kam die Erinnerung – Arme strecken!
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Moment, ich muss die Arme strecken. Und nach vorne fallen. Uiiiiiiiii. In den Regenbogen hinein. Freier Faaaalll.
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Da ist das Wasser. Und endlich spüre ich das Seil. Es dehnt sich und dehnt sich und dehnt sich. Und bääm. Ich werde wieder hochgerissen. In einem Tempo. Wo ist oben und wo ist unten? Da sind die Viktoriafälle. Wunderschön. Auch kopfüber. Ich schaukel auf und ab und bewundere den reißenden Sambesi. Den Regenbogen. Die Schlucht. Die Wasserfälle. Atemberaubend.
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Körperspannung
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Dann ist der Spaß auch schon vorbei und ich werde wieder hochgezogen. Bis zu einer Plattform mit Geländer. „Stand up.“ Boden unter den Füßen. Tolles Gefühl. Ich werde am Geländer gesichert und von dem Bungee Seil befreit. Da hochklettern und immer eins nach dem anderen umstecken. Die Leiter hoch? Senkrecht geht über mir eine Leiter Richtung Brücke. Kann ich überhaupt klettern? Weiche Knie? Niemals. Läuft. Und Karabiner umstecken. Einen nach dem anderen. Dann komm ich wieder auf einen Gang. Ein Mann hilft mir die letzte Stufe hoch und schickt mich in die andere Richtung. Ich schaue nach unten. Waaaaaahnsinnig tief. Und umstecken. Ist das ätzend. Alle 5 Meter muss ich die Karabiner umstecken. Noch ein Blick in die Schlucht. Und ich bin wieder an Land. Simbabwe. Und jetzt über die Brücke zurück nach Sambia. Dauernd fragen mich Männer, wie der Sprung war. „Amazing“ antworte ich nur und strahle über das ganze Gesicht. Der Mitarbeiter lobt mich dann sogar. „It was a good jump!“ Really? Das sagst du doch nur so oder? Ich bedanke mich und laufe zurück. Im Café darf ich den Sprung nochmal erleben. Auf Video. Der Schrei. Die rudernden Arme. Und dann der gestreckte Körper der ihn die Tiefe saust. Wahnsinn. Ein Mitarbeiter überreicht mir ein Papier. „The certificate that says that you are crazy!“ Haha so was wollte ich schon immer mal haben. Ein Zertifikat, das meine Verrücktheit bestätigt. Läuft.
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Danach gleich noch ein Selfie auf der Brücke. Vor der Schlucht und vor den Wasserfällen.
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Ein letzter Blick auf die Schlucht.
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Und zurück nach Sambia.
Das war komplizierter wie die Einreise nach Simbabwe. Schlange stehen. Körpertemperatur messen. Stempel abholen. Also auch nichg so viel mehr, aber zeitaufwendiger.
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An den vielen Pavianen vorbei bin ich in einen Park gelangt. Oder besser gesagt eine Hotelanlage. Im Nationalpark. Zebras links. Hotelzimmer rechts. Antilopen rechts. Sambesi links. Und vorne huscht noch ein Waran (keine Ahnung, ob der so heißt) über den Weg.
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Aber da war noch was, was ich euch noch nicht erzählt habe. Wie ihr bestimmt an der Qualität der Bilder schon erkannt habt. Die wurden alle nicht mit meiner guten Canon aufgenommen. Nein, definitiv nicht. Aber die gute ist nicht mehr zu verwenden. Die Wasserschlacht an den Viktoriafällen hat sie gestern nicht überlebt. Ich hatte zwar einen Regenschutz für sie mit, aber einmal habe ich den Reißverschluss einen Zentimeter offen gelassen. Unbemerkt. Und da war es um sie geschehen. Sie hat in meiner Kameratasche baden dürfen. Fragt nicht, wie ich mich gefühlt habe. Mein wertvollster Gegenstand. Und ich hab versagt. Aber ich wollte mich nicht hinunterziehen lassen. Darüber ärgern macht sie auch nicht wieder ganz. Deshalb laufe ich jetzt hier am Sambesi entlang und mache Fotos mit meinem Tablet.
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Betrachte den aufsteigenden Sprühregen der Wasserfälle von weitem.
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Laufe an der hoteleigenen Bar vorbei.
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Versuche zwei wunderschöne Schmetterlinge zu fotografieren. Was mir sichtlich misslingt. Obwohl die beiden geduldig posieren. Ein Tablet ist einfach keine DSLR.
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Aber die Landschaft am Sambesi ist dennoch wunderschön.
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Auf einer Schaukel lasse ich mich nieder und hänge meinen Gedanken nach. Lasse die letzten Erlebnisse revue passieren. Und genieße den Blick auf den flachen aber rasend schnell fließenden Sambesi.
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Und auch auf die Absturzkante. Wunderschön hier.
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Ich laufe weiter. Werfe einen letzten Blick auf den Sambesi.
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Klettere über Äste.
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Und fahre zurück in das Hostel. Verbringe den Nachmittag am Pool. Aber ich kann weder richtig entspannen, noch genießen. Ich habe zwar hier in Afrika gelernt gelassener zu werden. Mich nicht über Dinge aufzuregen, die ich nicht ändern kann. Und den Moment zu genießen. Aber verdammt nochmal ohne meine Kamera bin ich nicht ich selbst. Ohne Kamera fehlt mir was. Ohne Kamera habe ich keine Lust weiterzureisen. Ohne meine Kamera packe ich meine Karten nicht aus, um mir mein nächstes Ziel auszusuchen. Und so kann es einfach nicht weitergehen.
Was hatte der deutsche Unternehmer in Dar es Salaam an mir so bewundert? Was meinte er macht mich so erwachsen? Mein in Alternativen denken. Ja wo sind deine Alternativen jetzt?
Ok, also ich hab es mit meinem Tablet heute versucht. Versuch fehlgeschlagen. Ein Tablet ist keine Alternative.
Ich habe meine Kamera in die Sonne gelegt. Wasser nur bedingt verdampft. Auch keine Alternative.
Ich suche nach dem nächsten Canon Store, der Kameras repariert. Ist in Johannesburg. Tausende von Kilometer weg. Auch keine Alternative.
Was ist dann eine Alternative mit der ich leben kann? Ab in die Stadt und suchen. Ich sehe einen LG Shop. Der hat aber nur Nikon Kameras. Als stolzer Canon Besitzer hasst man Nikon. Ich laufe weiter. Verdammt. Mir fällt ein, dass es Samstag nachmittag ist und alles schließt. Zurück in den LG Shop. Die freundliche Dame erklärt mir zwar, dass sie gerade schließen, aber als ich sage, dass ich mich für ihre Kameras interessiere, sagt sie sofort „no problem!“ Viel Auswahl ist da zwar nicht, aber ich muss mir da jetzt eine aussuchen. Zuerst nehme ich zwei Digitalkameras in die Hand. Hmmm. Nicht wirklich was für mich. Und dann eine Bridgekamera. Etwas Besseres. Ich habe nicht viel Zeit. Zähle mein Geld. Und entscheide mich für die Kamera. Mein ganzes Bargeld geht dafür drauf. Aber das ist es mir jetzt wert. Anstatt einer der gewünschten Quadtour und einer Bootsfahrt im Sonnenuntergang habe ich jetzt die 220€ in eine neue Kamera investiert. Man muss Kompromisse eingehen.
Mit dem Karton unter dem Arm, laufe ich mit einem Lächeln im Gesicht durch die Straßen von Livingstone. Gönne mir ein gutes italienisches Eis mit den letzten Münzen und laufe zurück in die Unterkunft.
Jetzt gibt es sogar Bilder für euch von dieser tollen Anlage.
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Der Pool mit der Kletterwand im Hintergrund.
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Liegeoasen am Pool und unter der afrikanischen Sonne.
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Leseecke mit Fußball und Rugby Übertragung.
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Das ist das Livingstone Backpackers. Eine sehr schöne Anlage, die man schon für 10€ im Mehrbettzimmer genießen kann.
Und dann läuft mir noch dieser Südafrikaner über den Weg. Der mich unbedingt ansprechen musste, weil ich so schüchtern aussehe. Ich musste loslachen. Ja heute nicht mein Tag. Aber so kommen wir ins Gespräch und bääm ich habe meinen Roadtrip durch Südafrika gesichert. Mit privaten Guide und Insidertipps. Er lädt mich gleich mal zu seinem BBQ am Pool ein und im Gegenteil zu der gestern stattfindenden Poolparty verziehe ich mich nicht wieder in mein Zimmer, sondern genieße das gute Fleisch. Was ein Tag!

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12 Gedanken zu “Der Sprung in die Schlucht und ein Tag mit einem Wechselbad der Gefühle – 14. März

  1. Ich bin seeeeeehr beeindruckt !!! Das muss ja ein Gefühl gewesen sein ……… Offenbar gibt es da ja in der Nähe der Viktoriafälle von der 10euro Unterkunft bis zum Hotel für anspruchsvolle, unsportliche Touristen so ziemlich alles.

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    1. Ja Unterkünfte gibt es in der vollen Preisspanne. Wie du sagst. Vom günstigen, aber guten Hostel für Backpacker bis zur luxuriösen Hotel und Spa Anlage ist alles dabei! Aber vor allem nach oben ist die Preisspanne offen. Teure Lodges schlagen sich um die beste Lage.

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      1. Das kann ich mir vorstellen. Hotel mit Blick auf die Victoriafälle…… Da kann man natürlich absolute Fantasiepreise verlangen.
        Und danke für die Fähnchen 🙂

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  2. Hi Anne,
    ganz toller Blog! Ich mag es wie du schreibst 🙂
    Bin hier gelandet, weil es für mich spontan nach Sambia geht in 4 Wochen.
    Respekt vor dem Bungee Jump! Benötigt man hierfür eientlich auch noch ein Visum für Simbabwe? Oder ist die Brücke sozusagen „neutrales Land“?
    Ganz liebe Grüße
    Lisa

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    1. Hey,
      Danke erst Mal für das Lob.
      Der Sprung ist quasi im Niemandsland. Du musst an der Grenze nur sagen, dass du nur zum Bungee Sprung gehst und dann bekommst du einen Stempel aufs Papier. Nimm den Pass aber mit!
      LG
      Anne

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      1. Aber gerne und ich danke dir!
        Benötigt man dann für Sambia ein multiple entry oder stempeln die nur das Formular ab?
        Tausend Dank nochmal, weder im LP noch sonstwo findet man da Hinweise.

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      2. Nein, du brauchst kein multiple entry. Du bekommst einen Stempel auf ein weißes Papier, das du abgeben musst, wenn du wieder zurück kommst.

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