Atemberaubende Viktoriafälle – 13. März

Ich bin da. An den Viktoriafällen. Es ist noch ein bisschen unfassbar. Aber ich bin tatsächlich da. Ich habe das Gefühl angekommen zu sein. Das erste Mal seit meiner Reise in Ostafrika. Ja, ich habe es tatsächlich geschafft. Als ich meine Flüge gebucht hatte, hatte ich noch keine Vorstellung von irgendetwas aus dem südlichen Afrika. Keine Vorstellung was die Distanzen angeht. Keine Vorstellung davon, was machbar ist und was nicht. Keine Vorstellung davon wie ich dort reisen kann. Ich hatte meinen Flug nach Tansania und meinen Rückflug aus Südafrika. Ich hatte keine Vorstellung wie ich von einem Ort an den anderen gelangen wollte. Nur eines wusste ich. Ich will zu den Viktoriafällen. Ich will sie sehen. Und genau deshalb habe ich jetzt das Gefühl in mir. Allerdings übertreffen die Wasserfälle alle Vorstellungen, die ich von ihnen hatte. Doch erst Mal langsam.

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Die Viktoriafälle. Die Wassermassen des Sambesi Flusses stürzen auf einer Breite von fast 2 Kilometern in die Tiefe. 100 Meter tief. Und der dabei entstehende Sprühnebel steigt bis zu 300 Meter in die Luft und ist in 30 Kilometer Entfernung noch gut zu sehen. Weshalb die Viktoriafälle in der lokalen Sprache „donnernder Rauch“ genannt werden. Außerdem gibt es einen Regenwald, der nur durch dieses Sprühnebel seine Feuchtigkeit zum Gedeihen erhält. Zu Ende der Regenzeit (also jetzt) schießen bis zu 10 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die 50 Meter breite Schlucht. Damit bilden die Viktoriafälle den breitesten durchgehenden Wasserfall der Erde. Seit 1989 gehören sie zurecht zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Bevor ich heute los bin, hatte ich die anderen Gäste im Hostel befragt, ob es in Livingstone auch ein lokales Bussystem gibt. Die Damen und Herren hatten aber nur den Kopf geschüttelt und gemeint es gibt nur Taxis. 100 Kwacha zu den Wasserfällen. Das ist viel Geld. Naja, ich habe meine Kamera gepackt und bin los. 10 Minuten später saß ich in einem vollgestopften Kleinbus, der zur Grenze fährt. Denn dort befinden sich die Viktoriafälle. An der Grenze zu Simbabwe. Keine Ahnung was die Volontäre hier seit Monaten machen. Wahrscheinlich nur am Pool entspannen. Aber auf jeden Fall nicht durch Livingstone laufen. Denn dort trifft man sofort auf diese Busse. Habe 4 Kwacha gezahlt. Musste dann nur über die Bahngleise laufen und war schon am Eingang. Dafür musste ich hier dann ordentlich Eintritt zahlen. Aber das ist ja normal. Für so eine Touristenattraktion.

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Und jetzt höre ich sie. Die tosenden Wasserfälle. Ein paar Schritte durch den Wald und ich sehe sie zum ersten Mal. Wow. Einfach nur wow.

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Wunderschön.

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Und verdammt laut. Ich stapfe durch den Wald und laufe den Rundgang, der mir zunächst einen Blick auf die Schlucht auf der anderen Seite und den Blick auf die „Victorias bridge“ ermöglicht.

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Eine wunderschöne Schlucht, durch die der Sambesi fließt.

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Im Wald höre ich Affen. Ich tippe auf Paviane, da ich einen auf dem Parkplatz gesehen habe.

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Plötzlich stehe ich vor einer Brücke. Hinter mir der doppelte Regenbogen. Rechts von mir die tosenden Wasserfälle. Vor mir die Brücke. Im Sprühnebel. Der Nebel nimmt auch die Sicht auf die Breite der Wasserfälle.

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Und auf den letzten Metern der Brücke ging ein Regenschauer auf mich nieder, wie ich ihn seit Monaten nicht erlebt hatte. Es waren nur 3 Sekunden. Aber ich war klitschnass bis auf die Unterwäsche.

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Der Himmel ist blau. Die Sonne scheint. Aber ein Regenschauer prasselt auf mich herab. Faszinierend.

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Ich halte mich am Geländer fest und blicke in die herabstürzenden Wassermassen. Bald habe ich auch das Gefühl zu fallen. So stark ist diese Kraft. Ich hebe den Blick und sehe sie vor mir. Nicht endlos weit, da der Nebel die Sicht einschränkt. Aber beeindruckend alle mal.

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Es tut mir Leid. Aber mir fehlen die Worte das zu beschreiben, was ich gesehen habe.
In einer weiteren Aussichtsbucht lache ich über Einheimische unter einem Regenschirm.

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Die selbstverständlich trotzdem klitschnass waren. Die Gruppe von etwa 10 Leuten wollte unbedingt ein Foto mit mir. Jeder einzelne. Und jede einzelne. Geduldig habe ich mich hingestellt. Auch mit dem Sambier im gelben Dortmund-Trickot. Habe ihm aber erklärt, dass er das falsche Trikot trägt, um mit mir auf einem Foto zu sein. Er meinte nur, es ist aber dieselbe Farbe wie mein Outfit. Mmh, was soll ich da noch sagen. Er schafft es leider nicht auf meinen Blog. Eine der Damen dafür.

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Anschließend sind sie auch bereit ein Foto mit meiner Kamera für mich zu machen.

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Da bin ich. Am Ziel meiner Reise. Wenn meine Reise jemals ein Ziel gehabt hat. Dann eher am Traum meiner Reise?

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Ich laufe noch einige Meter und setze mich auf das Geländer. Alle 30 Sekunden prasselt ein Regenschauer auf mich herab. Immer dann, wenn ein Windstoß das Wasser hinaufbläst. Meine Kleidung klebt an mir. Wenn man in eine  Swimmingpool geschmissen wird, kann man nicht nasser sein. Aber ich genieße es. Das Wasser. Die Kälte. Den blauen Himmel. Die Sonne. Den doppelten Regenbogen.

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Dann laufe ich weiter. In einer weiteren Bucht stehen etwa 15 sambische junge Frauen und tanzen im Regen. Barfuß. Schwingen sie Hüften, wie es nur Afrikanerinnen können. Und lachen. Traumhaft. Mit welch einer Natürlichkeit.

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Nach einer Weile stehe ich alleine da. Auf dem Felsen. Nur ein Holz trennt mich von der Schlucht. Ununterbrochen prasselt das Wasser auf mich herab. An dieser Stelle spürt man die Viktoriafälle definitiv am stärksten. Ich liebe es. Strecke das Gesicht in Himmel und spüre den Regen.

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All die Bilder, die jetzt folgen, sind nicht an den beschriebenen Punkt entstanden. An dem Punkt kann man nur mit einer 100 Prozent wasserdichten Kamera Fotos machen.

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Ich schaue in das tosende Wasser und spüre den Sambesi.

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Mit einer Windböe steigt Nebel auf und ich sehe die 50 Meter entfernten Wasserfälle nicht mehr. Doch dann zeigen sie sich wieder. Und ich weiß es jetzt. Die Viktoriafälle sind definitiv der schönste Ort, den ich bisher auf meiner Reise besucht habe. Die Serengeti hat mich schon mit ihrer Artenvielfalt und tollen Tierbeobachtungen beeindruckt. Diese Tiere kann man auch in einem Zoo sehen. Auch wenn ich Zoos verabscheue und das nicht mit der freien Natur vergleichen möchte. Aber diese Wasserfälle kann man nicht einmal in einem Zoo sehen. Sie sind absolut einmalig. Faszinierend. Beeindruckend. Atemberaubend.

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Die Viktoriafälle gehören auf jeden Fall auf jede Bucket list (=Dinge, die man im Leben gemacht haben muss). DEFINITIV. Einmal muss jeder hier gestanden sein. Ich kann das nicht in Worte fassen. Auch niht in Bilder. Ihr mögt die Bilder vielleicht schön finden. Aber ihr werdet nie das Gefühl haben was es heißt an den Viktoriafällen gewesen zu sein, wenn ihr nicht dort gewesen seid.

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Ich fühle sie mit dem ganzen Körper. Ich sehe den Sambesi in die Tiefe stürzen. Ich höre die tosenden Wassermassen. Ich schmecke das Wasser auf meiner Zunge. Ich rieche den Zauber in der Luft. Ich spüre den Sprühregen auf meiner Haut. Es ist die ganzheitliche Wahrnehmung, die diesen Moment prägt. Ein unvergesslicher Moment. Wie ich hier stehe und einfach nur dem Wasser lausche. Die Wasserfälle verschwinden und wieder auftauchen sehe. Den Mund aufreiße und das Sambesi-Wasser trinke. Die Sturzbäche auf meiner Haut spüre. Und eine Gelassenheit ausstrahle. Der Regenbogen schließt sich zu einem Kreis. Genau da wo ich stehe, schließt sich der Kreis. Faszinierend. Ein Regenbogen war für mich immer ein Halbkreis. Jetzt berühre ich ihn aber. An meinen Füßen schließt sich der Kreis. Wunderschön. Das Bild wird für immer in meinem Kopf bleiben. Dieser Punkt an den Viktoriafällen, wo es bei Sonnenschein und blauen Himmel in Strömen regnet und der Regenbogen einen Kreis bildet. Unvergesslich.

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Reicht den nächsten Urlaub ein. Bucht einen Flug. Sucht euch eine Unterkunft aus. Geht hin. ERLEBT DIE VIKTORIAFÄLLE!

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