Ab nach Livingstone – 12.+13. März

Ich liiiiiiebe Sambia. Ich weiß, ich bin noch nicht mal 24 Stunden in diesem Land, aber trotzdem. Ich liebe es! Die Landschaft. Die Straßen. Die Transportmittel. Ja sogar die Hauptstadt ist schön. Die Lage. Einfach alles. Es gibt einfach Gegenden, die sind einen von Beginn an sympathisch. Vom ersten Blick. Und andere dafür vom ersten Moment an unsympathisch. Tansania war schön. Das bestreite ich nicht. Die Tierwelt. Atemberaubend. Aber dennoch habe ich mich dort nie so wohl gefühlt. So wohl wie ich mich jetzt nach wenigen Stunden in Sambia fühle. Von innen heraus strahle ich. Ich weiß nicht was es genau ist. Aber es ist toll.
Vielleicht ist es auch einfach die Lage Sambias. Mitten im Herzen Afrikas. Geprägt durch wunderschöne Bergmassive und unzählige Seen. Ein Land auf einem Hochplateau über 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Saftige Landschaften. Aber mit Lage meine ich auch die geographische Lage auf der Karte. Sambia ist groß. Riiiiiiesig. Wenn ich die Karte im Zug herausgeholt habe um herumzuspinnen wo ich überall hin will, dann hat es kein Ende genommen. Sambia hat nicht nur im Land unzählige Nationalparks, sondern grenzt auch an zahlreiche Länder an, in die man in hochmodernen Reisebussen in kurzer Zeit gelangen kann. Im Norden die demokratische Republik Kongo und dann im Uhrzeigersinn: Tansania, Malawi, Mosambik, Simbabwe, Botswana, Nambia und Angola. Auch alles Länder, in die ich nur zu gerne reisen würde. Wenn Geld und Zeit nur nicht begrenzt wären.
Aber zurück zu Sambia. Gestern im Zug hatte mir meine nette, aus Sambia stammende, Mitfahrerin angeboten ein Zimmer in Kapiri Mposhi zu teilen, falls wir spät abends ankommen. Ich habe natürlich zugestimmt, denn wir beide wollen in dieselbe Richtung. Next stop Lusaka. Die Hauptstadt. Da wir allerdings schon um 3 Uhr nachmittags angekommen sind, bin ich einfach mit ihr mit. Ich hatte nämlich keinen Plan was ich wollte. Das einzige, was ich in Sambia auf jeden Fall sehen will, sind die Viktoriafälle. Alle Taxifahrer ignoriert und einfach der Frau hinterhergelaufen. Die macht das schon. Handelt einen guten Preis aus und bringt uns im Taxi zur Busstation in Kapiri. Dort musste ich dann aber schon aktiv werden. Aktiv meinen Rucksack verteidigen. Unzählige Männer stürmen auf uns zu und wollen unser Gepäck abnehmen. NEIN, ich kann das selber. Und wir stellen uns unter das Schild „big bus stop“ und warten. Die Männer wollen uns Tickets nach Lusaka andrehen, allerdings steht hier kein Bus, wieso soll ich dann ein Ticket von irgendjemand kaufen? Sicher nicht. Ein Mann bleibt ziemlich aufdringlich bei mir. Dann verschwindet er kurz und kommt dann mit einer handvoll Münzen zurück. Was willst du? Ich brauche dein Kleingeld nicht.  „I want to marry you“ sagt der Mann, der mir bis zur Schulter reicht und beide Hände mit den Münzen entgegenstreckt. Ich muss loslachen. Das ist nicht dein Ernst? Ich habe in den letzten Monaten in Afrika schon einiges erlebt. Aber das übertrifft alles. Auch alle anderen Männer lachen. Er bleibt aber ernst und fragt mich erneut. Ich kann leider nicht antworten vor lachen. Beim dritten Mal Fragen antworte ich ihm dann „sorry, but I’m already married!“ Plötzlich verfinstert sich sein Blick. Kein Strahlen mehr. Jetzt habe ich ihn enttäuscht. Tut mir Leid. So ist das Leben. Man kann nicht alles haben.
Bald kommt dann auch der nächste Bus Richtung Hauptstadt und wir steigen ein. Ich schaue auf die Uhr. 14:35 Uhr. Hä? Wir sind doch erst um 15 Uhr mit dem Zug angekommen. Wie ist das möglich? Oh, Zeitverschiebung von Tansania nach Sambia. Gut, dass ich eh ohne Zeit reise. Da stört es mich eigentlich nicht, ob es jetzt eine Stunde früher oder später ist.
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Noch vor Sonnenuntergang erreichen wir Lusaka, die Hauptstadt Sambias. Meine neue Freundin möchte mir im Bahnhof gleich den Bus nach Livingstone zeigen, aber ich bedanke mich und winke ab. Jetzt ist erst Mal genug vom unterwegs Sein. Erst Mal eine Pause einlegen und eine Nacht in Lusaka verbringen. Ich bedanke mich bei der Frau aus Sambia und verteidige gleichzeitig meinen Rucksack, den einige Taxifahrer an sich reißen wollen, um mich chauffieren zu können. „Come, let’s go!“ ABER ICH WILL KEIN TAXI! Das ist nicht möglich. Ich bin hier die einzige weiße Frau auf dem gesamten Busbahnhof und alle Männer haben schon Dollarzeichen in den Augen. Und ich mache ihre Träume kaputt. Aber es ist nicht möglich, dass eine weiße Frau KEIN Taxi nimmt. DOCH IST ES. PUNKT. „Where do you go? Lusaka backpackers? Or the other backpackers?“ Verdammt noch mal, lasst mich in Ruhe. Ich will mich hier erst Mal umsehen. Und ich weiß noch gar nicht wo ich hin will. Heute keine Lust auf backpacker Unterkünfte. Ich werde ein Hotel nah am Bahnhof suchen, damit ich morgen schnell wieder am Busbahnhof bin. „Taxi mama?“ Ich brauche unbedingt ein Schild mit „I DON’T NEED A TAXI“ in dicken, fetten, leuchtenden Buchstaben. Oder ein T-shirt. Irgendwas. Aber ihr macht mich noch wahnsinnig. „Mama?“ NEIN. Erstens bin ich keine Mama und zweitens habe ich dich nicht um Hilfe gebeten. Irgendwann erreiche ich tatsächlich den Ausgang des Bahnhofs und schau mich um. (Während ich weitere Anreden ignoriere). Was steht denn da? Intercity Hotel. Direkt neben dem Bahnhof. Ja perfekt. Da geh ich hin. Fünf Schritte. OHNE TAXI.
Für umgerechnet 12€ bekomme ich ein Einzelzimmer. Mit Fernseher und Ventilator. Eines von beiden nutze ich, könnt euch ja denken was. Und dann sagt die Dame an der Rezeption auch noch einen Satz, der mich glücklich macht. Da die Sonne langsam untergeht frage ich sie „is it safe to walk outside in the dark?“ „Totally safe!“ Und da ich es nicht glauben mag, wiederholt sie den Satz gerne nocheinmal. „Really, it’s really safe here.“ Na dann erkunde ich mal Lusaka by night!
Zielstrebig am Bahnhof vorbei wo ich wieder mit „Mama“ angequatscht werde. Ich glaube das heißt in der lokalen Sprache „Frau“. Ich brauche erst mal einen Bankautomat. Im Zug hatte ich meine letzten tansanischen Schilling in sambische Kwacha umgetauscht. Viel war das aber nicht. Und ich habe immer noch keinen blassen Schimmer wie der Wechselkurs ist. Denn meine App, die ich als Währungsrechner nutze, meinte, dass 7500 Kwacha einem Euro entsprechen. Aber ich habe nur 210 Kwacha in die Hand bekommen. Ich habe dann vermutet, dass einfach drei Stellen gestrichen wurden, denn das habe ich in Rumänien mal erlebt. Aber man kommt auch ohne Umrechnung in Euro klar. Hundert ist eine große Zahl, also ist der Preis zu hoch, wenn mir jemand 100 verlangt. Punkt. Am Ende der Straße entdecke ich ein Shoppingzentrum. Warum ich in letzter Zeit gerne in solche Zentren gehe? Nicht nur, weil es dort Subways gibt, sondern vor allem weil ich dort unbeobachtet Geld abheben kann. Oder besser gesagt, man beobachtet mich dort bestimmt auch, wenn ich am Automaten stehe, aber dort ist es etwas Normales. Alle Leute hier gehen Geld abheben. Die meisten sind sogar wohlhabender als ich. Auf der Straße sieht das ganz anders aus. Da fühle ich mich nie sicher, wenn ich Geld abgehoben habe.
Anschließend laufe ich noch ein wenig die Straßen entlang. Es fühlt sich so toll an alleine zu laufen. Obwohl es gerade dunkel wird. Trotzdem kann ich draußen herumlaufen. Über eine Brücke. Ja, hier gibt es tatsächlich eine Brücke. Obwohl unten „nur“ Bahngleise sind. Bahngleise sind hier eigentlich weder ein Grund für Schranken, noch für Brücken. Aber nicht in der Hauptstadt Sambias. Lusaka ist modern. Freundlich. Grün. Mit Springbrunnen auf Kreisverkehrsinseln. Grünen Fußgängerzonen. Und eben Brücken über Bahnstrecken. Fortschrittlich. Sympathisch. Modern
Bevor ich zurück ins Hotel gehe, kaufe ich mir noch ein Ticket für den nächsten Morgen nach Livingstone. Auf dem Busbahnhof finde ich riesige Reisebusse. Riiiiiiiiiiiiesig. „Overnight bus“ oder „transafrica“ heißen die. Fahren in Nachbarländer. Oder sogar bis Johannesburg. Da bekomme ich schon wieder Lust auf das Reisen. Obwohl ich erst von einer 50-stündigen Fahrt angekommen bin. Aber dennoch suche ich mir einen etwas kleineren aus. Eben einen Bus, der nach Livingstone fährt. Um 6 Uhr in der früh.
Bevor ich ins Bett gehe, denke ich zum Glück noch dran noch meine Uhr umzustellen. Sonst hätte mein Wecker mir nichts gebracht. Aber ich hoffe nur, dass die Uhr in dem Bus heute nachmittag gestimmt hat. Denn weitere Uhren habe ich in Sambia nicht gesehen. Am Bahnhof? An der Hotelrezeption? Im Einkaufszentrum? Träumt weiter. Uhren gibt es nicht in Afrika. Aber meine innere Uhr ist so gut, dass sie mich am nächsten Morgen 10 Minuten vor dem Wecker aufweckt. Danke. Ich werde einfach ungern aus dem Schlaf gerissen. Dann wache ich schon lieber von allein um 5 Uhr auf. Läuft bei mir.
image „Shalom“-Busunternehmen
Pünktlich um 6 Uhr verlassen wir den Bahnhof. Ok, ich muss schon zugeben. Ich liebe feste Abfahrtszeiten. Fahrpläne. Pünktlichkeit. Auch nach einem halben Jahr in Afrika. Und ich liebe es bequem zu reisen. Einen Wunschsitzplatz zu haben. Habe den mir gestern beim Fahrkartenkauf ausgesucht. Direkt hinter dem Fahrer. Herrliche Sicht durch das riesige Fenster. Den Platz neben mir frei. Traumhafte Landschaften. Endlos lange gerade Straßen. Ich liiiebe Busfahren. Reisen. Manche sehen Busse und Bahnen als Mittel zum Zweck. Sie bringen dich von A nach B. Ich sehe in ihnen eine Art das Land zu sehen. Die Landschaften vorbeirauschen zu sehen. Herrlich. Entspannend.
Da ändert auch der Busangestellte, der sich neben mich setzt und mich heiraten will, nichts an meiner guten Laune. Ich bin verheiratet. Immer noch. „I will kill your husband, then you can marry me!“ Sonst geht’s dir aber gut? Glaubst du wirklich, dass ich dich dann heiraten würde? Ok, tust du wirklich. Schau nicht so ernst. Ich kann da nur lachen. Sorry. Such dir jemand anderes. Ich muss mich wieder auf die Landschaft konzentrieren. Kopfhörer in die Ohren und genießen. Ein See. Wunderschön.
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An einem Rastplatz, an dem wir für 10 Minuten halten, entdecke ich einen weiteren Punkt weshalb ich Sambia liebe. Moderne Rastplätze. Saubere Sanitäranlagen. Toilettenpapier vorhanden. Sogar mit elektronischem Händetrocknern. Den ich zwar genauso wenig wie in Europa nutze, aber es gibt ihn. Dafür freue ich mich umsomehr über die Seife. Das saubere Waschbecken. Das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt. Ich habe eigentlich keine hohen Ansprüche. Bin in den letzten Monaten in sehr armen Gegenden gereist. Auf Toiletten gegangen, die den Namen nicht verdient haben. Aber so eine saubere, voll ausgestattete Sanitäranlage hat schon etwas. Ja, sie hat etwas Luxus. Aber den nehme ich gerne mit.
image Moderner Bus
Zurück im Bus mache ich es mir wieder bequem auf meinen beiden Sitzen und genieße die Straßen. Die gut asphaltierten Straßen. Die Straßen mit Fahrbahnmarkierungen. Die Straßen mit Verkehrsschildern. Die Straßen mit Geschwindkeitsbegrenzungen. Die Straßen ohne viele Kurven. Die Straßen mitten durch die Natur.
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So vergehen die Stunden und wir erreichen um die Mittagszeit Livingstone. Noch bevor ich mich überhaupt aus meinem Sitz erhoben habe, versammeln sich schon 10 Taxifahrer um die Eingangstüre und rufen „Taxi“, winken mit ihrem Schlüssel oder versuchen mit einem Kopfnicken oder Augenzwinkern mich für ihr Auto zu bekommen. Nein danke. Ich brauche kein Taxi. Ich laufe zum Gepäck. Ein Mann bleibt hartnäckig. Erklärt mir, dass dieser Bahnhof etwas außerhalb liegt, weil ein neuer internationaler Busbahnhof zur Zeit in der Stadt gebaut wird. Deshalb fährt er mich. Wohin? Ich weiß noch nicht wo ich hingehe, also kannst du mich auch nicht fahren. Verstanden? Diesmal hatte ich allerdings schon eine Unterkunft im Kopf. Das Livingstone backpackers. Und Google Maps sagt mir, dass ich in 10 Minuten zu Fuß dort bin. Sorry mein Freund, aber ich laufe, erkläre ich dem Mann, während ich meinen Rucksack aufsetze und davonlaufe.
10 Minuten später stehe ich vor dem Hostel, das diesen Namen nicht verdient. Swimmingpool. Eigene Kletterwand. Liegeoase. Tischkicker. Liegestühle. WLAN. Bücherecke. Poolbar. Musikanlage. Und was weiß ich noch alles. Mein neues zu Hause für mindestens zwei Nächte.

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2 Gedanken zu “Ab nach Livingstone – 12.+13. März

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