Arusha – 5. März

Anico, die Wienerin, die ich auf der Safari kennengelernt habe, und ich, wir hatten ähnliche Pläne. Arusha und dann zurück nach Dar es Salaam. Mit dem Bus. Diese Fahrt dauert über 10 Stunden und ist in Gesellschaft angenehmer zu überstehen.
Aber erst Mal einen Tag Arusha erkunden. Ich warte in der Bar, auf dem Dach des Hostels (Backpackers Arusha – sehr günstige und gute Unterkunft im Zentrum Arushas, top Lage, sauber und schön) als Anico mich anruft.
„Wo bist du?“ frage ich sie.
„Ich glaube in der Nähe, an einer Tankstelle“ behauptet sie.
„Ich sehe dich nicht!“
„Ich steh unter dir!“ stellt sie fest und wir haben uns gefunden.
Wir laufen gemeinsam durch die Straßen, schlürfen erst Mal eine Kokosnuss leer und schlendern über einen kleinen, lokalen Markt.
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Tut mir Leid für die Qualität, aber die Kamera lag im Hostel.
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Was ist denn das? Steine? Wir laufen an einen Stand und nehmen den Stein in die Hand. Die Verkäuferin macht uns darauf aufmerksam, dass wir es probieren sollen. Stein essen? Schon hat Anico ein Stück im Mund. Und? Wonach schmeckt es? „Erde“ sagt sie lachend. Ich probiere auch ein Stück und laufe nachher mkt knirschenden Zähnen herum. Komische Tradition. Erde essen. Oder was es auch immer ist.
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Am Straßenrand bleibt Anico stehen. Kaffee bitte. Sie schwört auf diesen Kaffee, der günstig auf der Straße verkauft wird. Mit vielen Gewürzen und sehr schmackhaft. Ich kann dazu nichts sagen. Ich trinke keinen Kaffee.
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Berge voller Früchte auf dem Markt.
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Schon mal überlegt Autoreifen als Schuhsohle zu verwenden? Machen die Einheimischen hier alle. Praktisch und kostet nix, da Reifen überall am Straßenrand liegen. Auf dem Markt habe ich eine schönere Version der Schuhe gefunden. Und gleich gekauft. Ich sehe diese Art an Verwertung als Recycling. Die Reifen würden ansonsten verbrannt werden oder einfach die Umwelt verschmutzen. So wird der alte Autoreifen wiederverwertet. Tolle Idee!
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Wir schlendern weiter durch die Straßen, ignorieren penetrante Straßenverkäufer und landen im nächsten Markt. Wir lassen uns über die Massai Medizin aufklären. Wir wissen jetzt welche Stöcke sich zum Zähne putzen eignen und welche Früchte gut für den Babymagen sind.
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In Körben werden Bohnen und andere Hülsenfrüchte verkauft.
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Da mein Hostel so zentral liegt, gehen wir kurz zurück, legen die gekauften Waren ab und fragen an der Rezeption nach einem Fleckchen Natur zum Entspannen in der näheren Umgebung.
„No here is nothing!“ antwortet uns die Dame freundlich. Natürlich nicht. Arusha liegt mitten in der Natur, am Fuß des Mount Meru, aber nein, Natur gibt es hier nicht.
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Der Blick von der Hotelbar auf den 4700 Meter hohen Mount Meru.
Also machen wir uns selbstständig auf den Weg und stehen 10 Minuten später mitten im Wald. Aber nein, Natur gibt es hier nicht. Cashew Kerne knabbernd genießen wir die Ruhe und ignorieren die Warnung einer Frau „it’s dangerous here“. Mein Bauch fühlt sich wohl, also bin ich sicher.
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Etwas später machen wir uns wieder auf den Weg und betrachten ein Gebäude näher, welches uns aus der Ferne neugierig gemacht hat. Es sieht nach einem Hindu-Tempel aus. Hier in Tansania sind sehr viele Inder zu sehen, also möglich, dass es so einer ist.
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Direkt daneben steht ein Mann, der Früchte in Tütchen packt. Schulkinder stehen um ihn herum. Was ist das? Neugierig komme ich näher und schon streckt mir der Mann eine Frucht zum Probieren entgegen. Mmmmh lecker. Ich weiß zwar nicht was es ist, aber ich kaufe zwei Beutel. Anico kauft noch ein paar frittierte Kochbananen, die wir zusammen mit den Früchten in einem weiteren Stück Natur zu uns nehmen. Aber nein, hier gibt es keine Natur.
Danach machen wir uns auf den Weg zum Busbahnhof. Busticket für morgen kaufen. Ohne jegliche Ahnung wo wir hinmüssen, laufen wir los und kommen irgendwann tatsächlich am Bahnhof an. Aber dieser Ort ist wie erwartet schrecklich. Eine Traube an Männern läuft neben uns her und schreit auf uns ein. „Let’s go“, „buy here“, „ticket to Dar?“ Aaaaaah! Lasst mich alle in Ruhe, fasst mich nicht an, zerrt mich nirgendwo hin und lasst mich entscheiden wohin ich laufe. Wir schauen uns die Büros an, finden das des „Dar Express“ aber nicht (bestes und vertrauenswürdiges Busunternehmen, Preis gleich wie alle anderen Busse). Ich habe ja echt gelernt entspannter zu sein und mich nicht schnell stressen zu lassen, aber irgendwann nervt es einfach nur noch. „FASS MICH NICHT AN“ rufe ich wütend in deutsch und schlage um mich. Schrecklich. Lass uns weiter gehen. Ein Mann sagt zu Anico „Dar Express is full!“ Sie lacht nur. Ich habe ihm nichtmal gesagt wann wir fahren wollen und er sagt schon, dass es keinen Platz mehr gibt. Etwas klüger könnte er sich schon anstellen. Ich lache nur und behaupte „Dar express ist für das nächste Jahr ausgebucht!“ Ein Mann meint uns in das gewünschte Büro bringen zu wollen, wir folgen ihm die Straße entlang. Weitere Männer umschwärmen uns immer noch und rufen „what do you want? Ticket?“. Anico antwortet verzweifelt „I want peace!“ So verlassen wir diesen anstrengenden Ort und gelangen zwei Straßen weiter tatsächlich zum Dar Express. Zwei Weiße stehen vor uns am Schalter „See you tomorrow!“ Selber Bus? Ja, dann bis morgen.
Anico und ich suchen orientierungslos den Weg zurück zu meinem Hostel. Unterwegs kaufen wir auf der Straße noch frisch gepressten Mangosaft. Wow ist der lecker! Damit sich die Straßenkinder freuen, kaufen eine Flasche bei jedem Jungen. Anschließend unterhalten air uns über Hygiene und das Straßenessen, wie auch diese Säfte. Aber wir sind beide derselben Meinung. Wenn man sich hier nicht auf der Straße bedient, dann braucht man auch nicht in so ein Land reisen.
Zurück im Hostel lege ich mich entspannt in der Bar die Beine hoch, als ein Mann auf mich zukommt. „Anne?“ ruft er und schaut mich verwirrt an. Ich muss lachen. Ja, ich bin es. Habe meine Rastahaare nicht mehr. Haha, es ist Andy, der Dortmunder, den ich auf Sansibar kennengelernt habe. So klein ist die Welt. So schnell trifft man sich wieder. Aber morgen geht es für ihn wieder nach Hause. Und mein bus fährt um 5:50 Uhr los. Zumindest soll er das. Mal schauen wann er wirklich fährt.
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10 Minuten lang stehe ich im Hostel vor diesen Mülleimern. Absolut fasziniert. Mülltrennung? Gibt es so etwas? Ich bin ja eigentlich schon glücklich, weil ich endlich wieder Mülleimer auf den Straßen sehe. Zwar nicht viele, aber es gibt sie. Aber jetzt getrennte? Wo werden die entsorgt? Ich bin überfordert. Und fasziniert.

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