Tag in Moshi – 27. Februar

Während die Gruppe an Spaniern aus dem Hostel in ihrem Projekt arbeitet, habe ich mich auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Das Hostel liegt etwas abseits, aber da Moshi keine große Stadt ist, sollte ich das Zentrum in einer Viertelstunde zu Fuß erreichen. Ich überquere die Hauptstraße und schaue nach oben. Drehe mich im Kreis. Wo ist er? Daaaa. Wow. Tatsächlich. Da liegt Schnee. Ganz oben auf dem Gipfel liegt Schnee. Ich kann es kaum glauben und drehe mich während dem Laufen immer wieder in die Richtung des Kilimandjaros um. Ups, fast wäre ich gegen ein parkendes Auto gelaufen. Ok, vielleicht doch nach vorne schauen. Aber, moment, noch einmal umdrehen – atemberaubend. Keine einzige Wolke umgibt den Berg.
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Im „the only shop in africa with fixed prices“ (wie mich der Besitzer nicht verhandeln lässt) kaufe ich die nächste Fahne für meine Sammlung am Rucksack. Danach kämpfe ich mich durch die nicht locker lassenden Safariverkäufer auf der Straße hindurch. Echt nicht einfach. Ein, zwei Angebote nehme ich mit und treffe dann Emmanuel, der Guide, der die beiden Dortmunder auf den Kilimandjaro geführt hat. Zunächst laufen wir etwas durch Moshi. Die Moschee. Oh, muss der genau jetzt wieder schreien? In die Lautsprecher mit katastrophaler Soundqualität. Mit den Muezzins werde ich mich definitiv nicht mehr anfreunden.
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Wir biegen zwei, dreimal ab und stehen plötzlich im Wald. Mitten in der Stadt. Nein, ich bin mitten im Wald. Und hier kommt eine Quelle vom Kilimandjaro ans Tageslicht. Wasser aus dem Kibo-Gletscher. Wie der Guide mich aufklärt. Ich halte meine Hand hinein. Oh ist das kalt. Verdammt kalt. Die Insekten übertönen beinahe die Motorengeräusche aus der Stadt. Insekten und Vögel. Was für eine Geräuschkulisse. Eine tolle Oase in der Stadt.
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Eine Oase in der Stadt.
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Danach geht es ins Office. Dort begrüßt mich ein anderer Mann, der bereits von mir gehört hat. 4 Tages Safari in die Serengeti bitte. Zeltsafari, Budget-Safari. Genau. Start wäre im März möglich. Erst in März? Ach verdammt, Sonntag beginnt der März schon. Also könnte ich mich Sonntag einer Gruppe anschließen. Noch ein bisschen Smalltalk und dann wird alles aufgeschrieben. Rechnung notiert. Von Dollar in Schilling umgerechnet, da die Dame nicht mit Dollar zahlen möchte. Nein, weil eure Automaten nur einheimische Währung ausspucken. Komisch oder wie? Und da steht die Million. Dieser Währungskurs ist eine Katastrophe. Unterschreiben. Damit ich die Anzahlung tätigen kann, fährt mich ein Bekannter des Verkäufers ins Hostel und bringt mich mit dem Geld wieder ins Office. Puuh, da ist ein ganz schöner Stapel Geld.
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Danach verabschiede ich mich und mache mich erst mal auf den Weg zu einer Bank. Denn Geld habe ich jetzt nicht mehr. Ein Mann begrüßt mich. Und quatscht mich voll. Er kommt auch aus Deutschland. Natürlich. So wie du aussiehst. Ob ich kein Englisch kann? Bestimmt. Ich kann aber keinen Bettler bei mir gebrauchen, wenn ich Geld abheben will. Ist ja dann offensichtlich, dass ich Geld bei mir habe, wenn ich den Automaten verlasse. Ich versuche den Mann abzuhängen. Nein, ich brauche keine Begleitung. Und nein, ich brauche niemand, der mir den Weg zeigt. Ok, Sprache hilft angeblich nicht. Also muss ich ihn anders abwimmeln. Straße überqueren. Mittlerweile mache ich das mit links. Auch die vielbefahrene 4-spurige Hauptstraße. Man gewöhnt sich eben wirklich an alles. Auch an den Linksverkehr. Nur an den Muezzin werde ich mich nie gewöhnen. Eher werde ich taub.
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Der Kilimandjaro ist allgegenwärtig in der Stadt.
„Lady“, oh bist du immer noch da? Ich biege ab und kaufe mir ein Wasser. „Buy one for me, I’m tired!“ Wasser hilft nicht gegen Müdigkeit. Hör auf mir hinterherzurennen, dann wirst du auch nicht müde. Oder geh schlafen. Ich überquere die Straße ein weiteres Mal und steuere auf eine Bank zu. Gut, dass die Bankgelände hier abgesäumt und von einem bewaffneten Mann bewacht werden. An den Anblick dieser großen Gewehre habe ich mich auch schon gewöhnt. Oh mein Gott. Was ist hier los? Ein Automat, der Geld spuckt ist in Afrika wie ein Sechser im Lotto. Und 87 Menschen stehen Schlange. Na toll. Bis ich dran kommen würde, wäre das Spiel zu Ende. Ich verlasse das Gelände und überquere einen Kreisverkehr. Gegenüber ist noch eine Bank. Das weiße Gewand spricht wieder zu mir. Ok, gleich schleuder ich dir was entgegen. „NBC“ ruft der Mann und lacht, während ich das Gebäude betrete. Ah, ist das ätzend. Und wo ist der Automat? Natürlich nicht hier. Der ist nie drinnen. Verdammt. Aber immerhin hat diese Flucht ins Gebäude meinen Verfolger abgehängt. Ich laufe um das Gebäude herum und finde neben einem weiteren Wachmann 4 Bankautomaten. Am ersten kommt eine Fehlermeldung. Am zweiten auch. Natürlich, kein Geld im Automaten. Aus dem Nächsten bekomme ich dann doch noch Scheine heraus. Jetzt wieder zurück. Sprecht mich nicht an. Durch das wirrwarr an Kreuzungen schlage ich mithilfe meiner Karter wieder den Heimweg ein. Ich laufe an ein paar Männern unter einem Baum vorbei. Sie sitzen auf ihren Motorbikes und warten auf Kundschaft. „Let’s go!“ ruft mir einer zu. Entgeistert starre ich ihn an. Wohin denn? Keine Ahnung was du vorhast, aber ich werde laufen.
Zurück in der spanischen Community. Ich betrete den Aufenthaltsraum. 15 Leute plappern spanisch. Beachvolleyball? Wer ist dabei. Und jetzt beginnt ein lustiges Spiel. Immer eine Person sagt einen Satz auf englisch (wenn man es Satz nennen kann) und danach wird auf spanisch über den nächsten diskutiert. Oder was auch immer. Es dauert zumindest bis ich verstehe, was sie mir sagen wollen. Der Ball ist zu hart? Nein. Ok, was dann? Zu weich? „The ball is empty! Yes empty!“ Erklärt mir ein Mann und feiert sich danach. Weil er den Satz zu stande gebracht hat. Ja, schön und gut, aber wie wäre es mit aufpumpen? Schlussendlich bekomme ich doch noch eine Gruppe zusammen, die mit mir Beachvolleyball spielt. Auch auf dem Feld bleiben wir dem spanisch treu. Schon ok, ich brauche keinen zum Unterhalten auf dem Feld. Spaß macht es trotzdem.
Eins muss ich noch sagen: in so einer Community fühlt man sich oft einsamer, als wenn man ganz allein in einer fremden Stadt ist.
Am Abend ist die Gruppe noch bei Musik zusammengesessen und anschließend in einen Club. Ich wurde auch eingeladen, habe aber aber abgelehnt. Irgendwann ist genug. Ich brauche nicht in einer Gruppe zu sitzen und nichts zu verstehen. Unterhalten kann ich mich da eh mit niemandem so richtig. Dafür ist ihr englisch zu schlecht. Auch das der Besitzer des Hostels. Von daher schreibe ich lieber. Und atme das Parfümchaos ein, das die anderen 5 Mädels in meinem Zimmer hinterlassen haben. Wie man nur so viel Parfüm verwenden kann?

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