Von der Küste in die Berge – 26. Februar

Es ist 6 Uhr. Ich stehe auf der Straße vor dem Hostel auf der Suche nach einem Taxi. Einem offiziell registrierten Taxi. Ein Mann rennt auf mich zu. „Taxi?“ Ja, aber welches in dein Auto? Da steige ich nicht ein. „Why not? You don’t trust me?“ Normalerweise würde ich dir sofort trauen und einsteigen. Allerdings wurde ich hier in Tansania gewarnt vor Taxifahrern, die einen ausrauben. Und als Frau alleine unterwegs muss man sich gewisse Sicherheitsregeln setzen. Ich muss für meine Sicherheit selbst sorgen. Aber hier gibt es keine offiziellen Wägen. Nicht an diesem Stand. „But we can go to the reception and let them know about me.“ Das klingt nach einem Plan. Er strengt sich wirklich an. Nur leider steht die Frau von der Rezeption gerade unter der Dusche. Nach 20 Minuten warten beschließe ich einfach mit ihm zu fahren. Wenn er von sich aus sich bei der Rezeption melden will, dann reicht mir das als Bestätigung. Sein Preis liegt aauch unter dem, was ich von anderen Reisenden gehört habe. Let’s go. Um die Ecke hole ich noch Geld am Automat, weil der Fahrer mir empfiehlt nicht am überfüllten Busbahnhof abzuheben, sondern lieber hier. Er meint es wirklich nur gut. Wir fahren mit offenem Fenster und ich atme die Stadtluft ein. Wir fahren in die Mitte und der Fahrer macht Fenster hoch und verriegelt das Auto von innen. Peng peng. Männer rennen um das Auto und schlagen an Türen und Fenster. Wie das hidr abgeht. Wir stehen. „Ignore these people, go over there to the office to buy the ticket!“ Ihm geht es wirklich um meine Sicherheit. Danke vielmals. Ich steige aus und nehme meinen Rucksack aus dem Kofferraum bevor mir ihn jemand wegschnappt. 10 Männer laufen neben mir. Oder 20. Alle reden auf mich ein. Oder versuchen mich in eine Richtung zu zerren. Der Taxifahrer zeigt noch einmal in die Richtung, in der die Büros stehen. Asante sana! Danke nochmal.
Dar Express. Habe gelesen, dass das das sicherste Busunternehmen ist. Um 10 Uhr fährt der Bus los. So spät? Eine Telefonat später teilt mir der Mann mit, dass der Bus schon voll ist. Mmmh, und nun? Er zeigt mir ein Foto von einem anderen Bus. Wann fährt der los? Jetzt? Und schon rennen wir über den Busbahnhof bis zu einem Bus, der gerade den Bahnhof verlassen soll. Mein Gepäck? Hinten die Klappe geöffnet und hineingeworfen. Selbstverständlich habe ich nur weit hinten in der vorletzten Reihe einen Platz bekommen und selbstverständlich nicht am Fenster. Aber was soll man machen. Wer nicht reserviert, der muss damit klarkommen. Augen zu und gute Nacht.
PENG PENG. Ich wache auf. Hände schlagen gegen die Wände des Busses. Männer mit Waren auf dem Kopf drängen sich vor die Busfenster und machen mit dem Schlagen auf sich aufmerksam. Ich kaufe ein Wasser und Cashewkerne. Dann fallen meine Augen wieder zu. Zur Mittagszeit halten wir auf einem Restplatz. Mein Nebensitzer weckt mich. 15 Minuten Zeit habe ich, um auf die Toilette zu gehen und mein Mittagessen zu kaufen. Beim Zurückkommen setze ich mich ganz frech einfach ans Fenster. Mein Nebensitzer starrt die ganze Fahrt über eh nur auf den Bildschirm und verfolgt sie Filme.
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Jetzt kann ich die Landschaft genießen. Mein Kopf am Fenster genieße ich alles, was an mir vorbeifliegt und sauge die ständig wechselnden Landschaften in mich auf.
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Eine lange Zeit über fahren wir an den Eisenbahnlinien vorbei. Die sind allerdings schon verwachsen. Viehherden streifen die Ebene entlang. Lehmhäuser bilden kleine Dörfer.
image Achtung Bodenwelle
Und ich hüpfe immer auf und ab. Wie ich diese Bodenwellen hasse. Wobei auch auf der geraden Asphaltstraße hüpfen wir. Denn flach ist die Straße nicht. Aber wenn dann noch eine Bodenwelle kommt, dann berührt mein Kopf fast die Decke des Busses. So ist das eben, wenn man hinten sitzt.
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Was war das? Tatsächlich? Ein Dromedar. Nein, sogar drei. Mitten in der Natur. Wenige Meter von der Straße entfernt. Ja, ich bin in Afrika.
Riesige Plantagen säumen den linken Straßenrand. Eine palmenartige Pflanze prägt die Landschaft über viele Kilometer hinweg.
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Berge erstrecken sich am Horizont. Endlich. Endlich wieder Berge. Das Meer ist ja wirklich schön. Ich liebe es. Aber irgendwann fehlen mir die Berge. Eine Abwechslung in der Landschaft. So wie hier. Auf der rechten Seite erstrecken sich hohe Berge und links, da wo ich fotografieren kann, erstreckt sich weites Flachland und ab und an erheben sich einzelne Hügel aus der Landschaft. Wunderschön.
Was ist das braune da vorne, das zum Himmel ragt? Ah, ein Sandsturm! Faszinierend wie das aussieht. Da sind ja ganz viele. Durch die flache Ebene kann man sehr weit sehen und kann bis zum Horizont unzählige Sandstürme zählen.
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Die Zeit verfliegt und der Nachmittag verstreicht. Wolken bedecken den Gipfel eines besonders hohen Berges. Ist das der Kilimandscharo? Am Rand der Wolkenschicht kann ich Schnee entdecken. Schnee! Ja, wirklich Schnee! Faszinierend! Dieser Anblick. Also ja, es ist der Kilimandscharo. Und wir sind da, denn Moshi liegt am Fuß des Kilis. Fast 10 Stunden Busfahrt liegen jetzt hinter mir. Wahnsinn. Kommt mir gar nicht so lange vor. Abgesehen vom Auf- und Abhüpfen war die Fahrt auch angenehm.
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Mit den Füßen noch auf den Stufen im Bus greifen schon 100 Arme nach mir und genausoviele Münder rufen „Taxi, Taxi!“ Langsam Freunde. Wenn ihr mir nicht Platz macht, dann bleibe ich gleich im Bus! Und du zerrst mich nirgends hin, denn ich muss erst meinen Rucksack aus den Ladenflächen holen bevor der Bus weiter nach Arusha fährt. Danke. „Let’s go!“ Wohin? Weißt du überhaupt wohin ich will? Nein, also langsam. „Karibu Hostel – do you know it?“ Der Mann vor mir überlegt. Ein anderer Fahrer ruft „I know the place“ und darauf ruft der Mann vor mir „I know, I know!“ Selbstverständlich sagst du das jetzt. Damit ich nicht mit jemand anderes mitfahre. Preis verhandelt und ab ins Auto. „Do you have a phone number or adress?“ Natürlich nicht. Als ich heute im Bus saß, habe ich mein Notebook herausgeholt und in meiner Hostelworld App nach einer günstigen Unterkunft in Moshi gesucht und bin auf das Karibu Hostel gestoßen. Mit zwei Mal aussteigen und Leute fragen findet der Fahrer auch meine Unterkunft.
Zwei Spanierinnen heißen mich herzlich willkommen. Es sind die Besitzer. Ob ich reserviert habe? Nein, natürlich nicht. Oh, ich glaube wir sind voll, aber ich schau noch einmal. Mmh, wie oft ich diese Antwort gehört habe und immer noch ein Bett bekommen hab. „One bed in the dorm is free!“ Haha, Glück kann man erzwingen oder? Das Bett nehme ich, danke! Im Zimmer begrüßt mich eine Südländerin. Und schnell begreife ich, dass ich hier mitten in einer spanischen Community gelandet bin. Immer diese Südeuropäer. In Ghana habe ich in Tamale so eine französische Community getroffen. Die sprechen miteinander nur französisch und unternehmen alles gemeinsam. Und sprechen selbstverständlich miserabel englisch. Als ich mich mit Marie zu denen gesetzt hatte, hat Marie gesagt, dass ich kein französisch kann. Das hat die absolut nicht interessiert. Die haben den ganzen Abend französisch gesprochen. Und mich ignoriert. Bis wir gegangen sind. Absolut unhöflich so ein Verhalten.
Auf Sansibar bin ich dann in die italienische Community geraten. Sogar die Tansanier sprechen dort fließend italienisch. Ganz skurriler Ort. Und jetzt hier dieses Hostel. 20 Spanier, die in einem Projekt als Freiwillige arbeiten und in dem Hostel leben. Spanier unter sich, also wird nur spanisch gesprochen. Anstatt „Karibu“ Hostel, sollten sie die Unterkunft „buen venido“ heißen. Oder so ähnlich. Spanisch ist nicht meine Stärke. Mit englisch komme ich ziemlich weit und französisch verstehe ich auch fast alles. Italienisch habe ich mal angefangen und werde das als nächstes in Angriff nehmen.
Das Problem an diesen Communities ist, dass sie absolut keine Rücksicht auf andere nehmen. Sie sprechen in ihrer Sprache und sind glücklich, dass sie sich nicht in einer anderen Sprache anstrengen müssen. Das Problem dabei ist nur, dass sie so kein bisschen besser werden in englisch. Und ihre Community nicht verlassen können, denn sie brauchen die Gruppe zum Reisen. Aus Bequemlichkeit. Eigentlich tun sie mir Leid, denn so lernen sie nie Land und Leute kennen. Aber naja, jedem das Seine.
Ich entspanne im Bett und genieße die heiße Dusche in dieser Unterkunft. Ja, heiß! Keine Ahnung wie lange ich kein warmes Wasser mehr hatte. So richtig vermisst habe ich es bei diesen Temperaturen zwar nicht, aber dieses Gefühl! Unglaublich was heißes Wasser in deinem Körper auslösen kann!
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Der Kilimandscharo am nächsten Morgen. Bin fast gegen ein Auto gelaufen, weil ich nicht glauben konnte, dass dort wirklich Schnee liegt.

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