Michamwi oder ein kleines Stück vom Paradies – 23.-25. Februar

Die letzten Tage habe ich mir eine kleine Auszeit vom Schreiben gegönnt. Ich bin in Michamvi, einem kleinen Dorf an der Ostküste Sansibars, zur Ruhe gekommen.
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Der Blick von meinem Balkon auf einen Bereich der Unterkunft. Man sieht nicht viel außer grün und Sand. Und genau das ist es, was diesen Ort so traumhaft macht.
Wie ich auf diesen Ort gekommen bin? Ein Einheimischer hat ihn mir als Geheimtipp empfohlen. Über meine Hostelworld App bin ich dann auf das „Sagando Hostel“ gestoßen. Diese Unterkunft würde ich jetzt als Geheimtipp weiterempfehlen. Das Hostel liegt zwar nicht direkt am Strand, aber man läuft nur 2 Minuten zwischen Palmen im Sand entlang und ist auch schon im Meer. Auch mit meiner Schnittwunde im Fuß ist diese Distanz problemlos zu meistern. Und die Anlage ist wunderschön. Viele Bäume. Palmen und was hier sonst noch so wächst.
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Die Unterkunft, mein Balkon, die Katze auf ihrem Wachposten, die Sonne am Abend.
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Hängematten. Leseecken. Schattige Plätzchen. Und vor allem Ruhe. Man hört abends die Affen in den Bäumen und kann tagsüber vor der stechenden Hitze der Mittagszeit flüchten. Die Anlage liegt im Sand und so bin ich 3 Tage ohne Schuhe ausgekommen. Barfuß laufen. Es gibt nichts was ich lieber tue. Barfuß im Sand.
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Der Weg nach Michamvi.
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Ein Dalla-Dalla von hinten, der Mate auf dem Trittbrett.
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Ein locker besetztes Dalla-Dalla von der Seite fotografiert.
Mit einem Dalla-Dalla bin ich nach Michamvi gefahren und der Fahrer hat sogar den Weg vom Dorf auf der sandigen Straße bis vors Hostel auf sich genommen, um mich direkt dort abzusetzen. Vielen Dank nochmal. Das Einzelzimmer war leider schon vergeben, aber der nette Besitzer hat mit sich verhandeln lassen und so habe ich ein Doppelzimmer für 25$ bekommen. Und das war ein Luxuszimmer. Mit eigenem Badazimmer, Balkon mit Abendsonne und einem Bett in dem auch vier Leute ohne Probleme schlafen können. Oder eine. Mit allen vieren von sich gestreckt. Unter dem bereitgestellten Moskitonetz. Wie in einem Himmelbett.
In dem Hostel waren auch zwei Deutsche, die sich von der Mount Meru und Kilimandscharo Besteigung erholen wollten und ebenfalls die Ruhe dieses kleinen Paradieses genossen haben. Abgesehen davon, dass sie Dortmunder waren und beim Fußball Erzrivale Nummer eins von meinem Club sind, haben wir uns gut verstanden.
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Warum ich diesen Ort so liebe? Die Strände bei Nungwi im Norden der Insel sind vielleicht schöner. Der Sand sauberer, weil kein Seegras herumliegt. Die Landschaft ein Postkartenmotiv. Aber hier sind dafür keine Touristen. Keine Möchtegern Masai-Mara Männer in affigen Kostümen am Strand, die dich auf italienisch anquatschen. Keine Strandverkäufer, die dir aufdringlich hinterherlaufen. Keine exklusiven Hotels mit englischen Rasen und Blümchen im Gebüsch. Keine Massenwanderungen am Strand. Keine Autos. Keine Taxis. Kein gar nichts. Nur ich. Der Sand. Das Meer. Die Natur. Die weite des Strandes bei Ebbe. Das türkis schimmernde Wasser. Der erfüllende Moment. Allein am Strand. Das Meer hat sich weit zurückgezogen. Sandbänke sind im Meer entstanden. Krabben in allen Größen rennen hin und her. Wartende Reiher am Ufer. Vögelschwärme, die dicht über das Wasser fliegen. Flussläufe, die ins Meer strömen. Uferböschungen. Bäume mitten im Sand. Bei Flut unter Wasser. Das leise plätschern der Wellen. All das habe ich gesehen, als ich mich bei Ebbe Richtung Westen am Strand entlang auf den Weg gemacht habe. Es war heiß. Brennend heiß, denn die Sonne stand im Zenit. Allerdings ist dieser Spaziergang nur um diese Zeit möglich, wenn das Wasser sich weit zurückgezogen hat. Ohne Kamera. Nur ich mit mir selbst. Und mit der Schönheit der Natur. Auch wenn ich einmal vor Schreck zurückgesprungen bin, weil ich in dem feuchten Sand wie in einem Sumpf versunken bin, war dies mein schönster Spaziergang auf Sansibar.
Am ersten Tag wollte ich schwimmen gehen, allerdings war Ebbe. Also bin ich weit hinaus durch das zurückgebliebene Seegras und zwischen Krabben und Muscheln hindurch, um am Ende doch festzustellen, dass es hoffnungslos ist. Bei Ebbe kann man nicht schwimmen. Egal wie weit man läuft. Man kommt nicht ins tiefe Wasser. Und man läuft Gefahr in einen Seeigel zu treten oder wie ich sich eine Schnittwunde am Fuß zuziehen, während man in eine Muschel tritt. Nicht empfehlenswert. Aber eine Lehre wert. Bei Flut kann man dafür traumhaft in dem türkisblau schimmernden Wasser schwimmen. Die Flut erreicht zu Sonnenaufgang und zu Sonnenuntergang jeweils ihren Höhepunkt. In dieser Zeit kann man für einige Stunden schwimmen. Während Ebbe ist wird im Schatten entspannt. Oder ein Spaziergang gemacht. Im Einklang mit der Natur leben. Die Gezeiten nehmen was sie dir geben. Die Ebbe gibt dir weite Strände und die Möglichkeit zu laufen. Die Flut nimmt den Strand weg bis zum letzten Millimeter und gibt dir dafür die Möglichkeit zum Schwimmen. Fantastisch.
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Dann war da noch dieser Felsen. Mit einem Haus drauf. Dieses Bild habe ich schon lange im Kopf. Seit ich „Sansibar“ das erste Mal in Google eingegeben ist. Da kommt sofort dieses Bild. Der Fels im Wasser. Hier in Michamvi habe ich herausgefunden, dass das Haus ein Restaurant ist und der Felsen eine Stunde Fußmarsch von meinem Hostel entfernt ist. Da war meine Entscheidung gefallen. Das will ich sehen. Die beiden Dortmunder wollten sich sofort anschließen. Und haben herausgefunden, dass man dort reservieren muss. Reservieren? Ich habe gelacht. Ich habe während meiner Reise in Tansania noch nichts reserviert. Ab und an sind zwar keine Einzelzimmer mehr zur Verfügung und ich muss ein Doppelzimmer nehmen, aber dieses Übel nehme ich in Kauf, wenn ich dafür die Freiheit habe mir spontan mein nächstes Reiseziel und die Unterkunft nach der Lage aussuchen kann.
Reserviert haben wir also doch am Vorabend und sind dann am 24. nachmittags aufgebrochen.
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Der Weg zum Felsen.
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Kurz vorm Ziel.
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Zuerst im Sand zwischen Palmen entlang bis zur Hauptstraße und dann auf dieser bis nach Pingwe. Dort sind wir an einem Fußballplatz vorbei und standen am Strand. Wow. Da ist es. Tatsächlich. Bei Ebbe steht der Fels komplett im Trockenen. Gegen 17 Uhr konnten wir durch das Wasser waten, um die Treppe zum Restaurant hochzusteigen.
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Die Terrasse
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Die Aussicht
image Das Menü
Es sieht wunderschön aus. Man kann draußen auf der Terasse sitzen. Die Wellen hören, die gegen den Fels klatschen und den Wind im Gesicht spüren. Dollarpreise im Menü. Das sagt schon alles. Auch wenn man in Sansibar Urlaub machen kann ohne Geld zu wechseln. Man kann überall in Dollar zahlen. Ab und an sogar in Euro. Aber diese Preise zeigen hier, dass jemand Geld machen will. Selbstverständlich ist die Lage bombastisch. Aber mit etwas niedrigeren Preisen auch etwas angenehmer. Zwischen den hochgesteckten Hemdkrägen fühlen wir uns nicht wohl. Ein Getränk und dann machen wir uns mit dem Boot auf den Rückweg ans Ufer.
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Abendstimmung
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Dort ist ein kleines Restaurant mit humanen Preisen und einem italienischen Steinofen. Die Minze, der weiße Rum und die Kalamares sind zwar nicht vorhanden, aber was wäre schon eine Bestellung in Afrika bei der man alles bekommt wie gewünscht? Langweilig genau. Und der Besitzer fährt uns drei im Dunkeln sogar zurück nach Michamvi und erspart uns den langen Weg auf dem Asphalt.
image The Rock Restaurant Zanzibar
Heute habe ich um die Mittagszeit das Hostel verlassen, bin nach Stonetown gefahren und mit der letzten Fähre am Abend in Dar Es Salaam angekommen. Total entspannt. Und voller Energie für den bevorstehenden Trip. Morgen geht es nach Moshi. Mit dem Bus. Bis zu 10 Stunden kann diese Fahrt dauern.
20150225_205424 Schulkinder
Ach und noch was! Fast hätte ich es schon wieder vergessen. Der Regen ist zurück! Obwohl ich mehrmals den Standort gewechselt habe, hatte ich über zwei Monate keinen Regen. Keinen Tropfen. Keinen einzigen. Ende Dezember stand ich mal beim Verhandeln mit dem Taxifahrer für 5 Minuten im Regenschauer. Davor war das letzte Mal Ende November, dass ich so richtig Regen erlebt habe. Das sind 3 Monate. Verdammt lang. Ihr denkt was für ein Traum? Ich habe getanzt vor Freude, als ich die ersten Tropfen auf dem Strohdach gehört habe. Und bin sofort hinausgerannt. Hände ausgestreckt, Kopf in Nacken, Augen schließen und den Moment genießen. Das Wasser auf der Haut spüren. Unglaublich dieses Gefühl. Dann bin ich ans Meer und ins Wasser. Was für ein Geräusch! Die Wassertropfen springen von der Wasseroberfläche wieder hoch. Das Meer war spiegelglatt. Und es sah so toll aus, wenn man auf das Meer hinaus geblickt und den Regen an der Wasseroberfläche beobachtet hat. Wunderschön. Leider hat der ganze Spaß kaum eine halbe Stunde gedauert. Aber immerhin. Ich habe im Regen getanzt. Was für ein Gefühl. Von innen heraus habe ich gestrahlt. Regen ist es wundervolles. Wird viel zu wenig wertgeschätzt!

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3 Gedanken zu “Michamwi oder ein kleines Stück vom Paradies – 23.-25. Februar

  1. „Ein locker besetztes Dalla-Dalla“ HI, hi, ja da passen ja noch haufenweise Leute hinein 😀
    Wenn du mal Zeit hast, schau doch bei mir vorbei, Ein Sansibar-Fähnchen würde ich sehr schätzen 😳

    Gefällt mir

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