Wo bin ich gelandet? – 22. Februar

Ich sitze im Sand. Lausche dem Wellenrauschen. Und lasse den weißen Sand durch meine Finger gleiten. So feiner Sand! Da vorne liegt eine schöne Muschel. Moment die bewegt sich ja. Anscheinend ist noch eine Krabbe drin. Wahrscheinlich wollte jemand die Muschel mitnehmen und hat das festgestellt, dass noch Leben drin ist und hat sie in den Sand geworfen. Die Muschel bewegt sich im Zeitlupentempo. Gaaaanz langsam „Pole pole“, wie die Tansanier sagen würden. Immer mit der Ruhe. Und was ist das für eine Spur im Sand? Sieht ein bisschen wie der Abdruck eines Fahrradreifens aus. Aber nein, das ist die Spur von der Krabbe in der Muschel. Tolle Spur! Spurenlesen im Sand.
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Heute morgen habe ich mich in Nungwi in ein Dalla-Dalla gesetzt (öffentliches Transportmittel in Tansania). Ziel Uroa Bay. Ich habe sogar mit durchfragen herausgefunden, dass ich zwei Mal umsteigen muss. Alles klar. Wird ja nicht so schwer sein. Alle 50 Meter halten wir, ein paar Leute steigen ein oder aus, der Mate (Helfer des Fahrers, sammelt Geld ein, organisiert das Gepäck auf dem Dach…) klopft gegen die Außenwand des Gefährts und der Fahrer gibt Gas. So verständigen die beiden sich. Über Klopfzeichen. Mit einer Münze klopft der Mate einige Male gegen die Metallstange und der Fahrer hält 50 Meter weiter an. Die Person steigt aus, der Mate klopft mit der flachen Hand an die Außenwand, die Fahrt geht weiter. Der Mate ist grundsätzlich noch auf dem Boden, wenn der Fahrer Gas gibt. Der Mate läuft einfach zwei schnelle Schritte und springt dann auf das Trittbrett auf. Dort steht er während der ganzen Fahrt. Mit einer Hand an der Stange und er hält sich bei jeder Geschwindigkeit. Hakuna matata. No problem. Ein Mann steht am Straßenrand. Wir werden langsamer. Der Mann springt auf. Wir beschleunigen wieder. Zum Stillstand sind wir nicht gekommen. Der Mate sammelt Geld ein. Er steckt seinen Kopf unter das Holzdach. Eine Holzstrebe reicht ihm, um sich daran einzuhaken. Beide Hände frei? Hakuna matata. Alles kein Problem.
Hier geht es nach Kedwendwa? Hier muss ich raus. Ok, danke. Wo bekomme ich das nächste Dalla-Dalla? Der Mate zeigt in eine Richtung. Klopfen. Und weg ist er. Na gut. Ich hebe meinen Rucksack und gehe in die Richtung. Dort steht ein Dalla-Dalla bereit. Ich frage nach meinen Ort. Die Frauen schütteln nur den Kopf. Ein Mann klopft auf die Bank neben sich. Ich soll mich hinsetzen. Er sitzt auf einer Bank unter einem Dach. Ich frage ihn nach meinen Ort. Er nickt. Wo fährt es da? Hier? Oder auf der anderen Straßenseite? Oder da vorne? „Yes!“ Ok, danke für die Antwort. Englisch kannst du wohl auch nicht. Naja, mir bleibt nichts anderes übrig als mich hinzusetzen und zu warten. Wird schon was vorbeikommen.
Ein Mann kommt dazu. „Parlo italiano?“ Puuuh. Es reicht. Ich habe jetzt verstanden. Die nächste Sprache, die ich lernen werde, wird definitiv italienisch sein. Englisch kann er nicht.
Ich sitze im Schatten. Um mich herum sitzen Einheimische. Sie unterhalten sich aufgeregt miteinander. Verdammt. Ich bin hier auf Sansibar. Mitten auf der Insel in einem kleinen Dorf und die einzige Sprache, die mir hier weiterhelfen würde, ist italienisch. Ich kann es immer noch nicht glauben. Zu skurril das Ganze.
Ein anderer Mann kommt hinzu. Einige Brocken englisch kann er. „That’s your car!“ ruft er. Ich springe auf und gehe die zwei Schritte bis zum Wagen. Doch das Dalla-Dalla ist schon voll. Und es hält noch nicht, da kommen 10 Männer angerannt, die während der Fahrt aufspringen. Innen kann man nicht mehr sitzen. Alles belegt. Der Raum dazwischen ist auch belegt. Halb gebückt stehen die Leute dort. Und dann hängen noch 10 Leute hinten dran. Keiner beachtet mich. Wo ist der Mate? Brumm. Ja, danke fürs Gespräch. Ihr müsst mich nicht beachten. Ist ja eh voll. Jetzt wirklich voll. Ich setze mich wieder in Schatten. Bin mal gespannt, ob ich hier noch wegkomme.
Eine halbe Stunde später kommt noch ein Dalla-Dalla. Diesmal praktisch leer. Also einsteigen und losfahren. Leute steigen ein und aus. Die Zeit vergeht. Die Frauen um mich herum versuchen mit mir zu reden. Auf Swahili. Mit energischer Stimme. Leute ihr könnt noch so viel reden, ich verstehe nichts. Ich sage wieder meinen Ort. Die Frauen zeigen aus dem Wagen nach hinten hinaus. Da lang? Aber wieso? Auf dem Dalla-Dalla steht doch der Name von meinem Umsteigeort. Also muss es dort am Ende hinfahren. Und wir fahren noch. Sie diskutieren heftig und sprechen mich an. Kein Grund sich aufzuregen. Ich kann eh nichts ändern. Wird schon irgendwie. Eine Frau steigt ein. Sie spricht mich auf italienisch an. Natürlich. Ich resigniere.
Wir kommen in ein Dorf. Der Wagen dreht um und bleibt stehen. Eine Frau versucht mir zu erklären, dass ich sitzen bleiben soll und zurückfahren muss. Ein Mann will mich zum Aussteigen bewegen. Ein Mann aus dem Dorf wird geholt. „Where do you go?“ Endlich jemand der englisch kann. In welches Hotel? Ich habe mir kein Hotel ausgesucht. Ich wollte aber in die Bucht. Der Mann versucht mir zu erklären, dass das kompliziert ist. Oder nicht geht. Oder was weiß ich. Ich soll hier aussteigen. Sind wir nah am Strand? Habt ihr hier ein günstiges Hotel? „Yes, yes, yes!“ Na dann los.
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Ich steige aus, setze meinen Rucksack auf und laufe neben dem Mann die Asphaltstraße hinunter.
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Tatsächlich. Wir sind am Meer. Wow. Vorne sehe ich das türkisblaue Meer zwischen den Palmen durch. Ja, hier kann ich auch bleiben. Ich laufe direkt auf das Meer zu. Ein Mann kommt auf mich zu und zeigt mir ein Hotel. Der Besitzer begrüßt mich freundlich.
image Mein Hotel
Er zeigt mir die Zimmer. Ziemlich luxuriös. Zumindest für mich. Er fragt mich, ob ich aus Südafrika komme. Nein, eigentlich nicht,
„How much?“ frage ich ihn nach dem Preis.
„30 Euro! “
„Puuh, that’s really expensive!“
Er lacht. „You think it’s expensive?“
Ja, für mich ist das teuer. Ich frage ihn, ob es hier noch etwas günstigeres gibt. Er verneint die Frage. Natürlich. Noch glaube ich es ihm nicht ganz. Dennoch nehme ich das Zimmer. Und mache mich auf den Weg zum Strand. Also das Hotel ist ja am Strand. Aber bis zum Wasser sind bei Ebbe ein paar Meter zu laufen. Etwas im Meer drin entdecke ich eine Sandbank. Durch das Wasser wate ich hin. Viele Pärchen sind hier im Wasser. Ich schaue ans Ufer. Eine Hotelanlage an der anderen. Exklusive Anlagen. Jetzt weiß ich wieso der Mann mich ausgelacht hat. Hier kommen vor allem Pärchen in den Flitterwochen hin. Aber keine Rucksacktouristen.
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Ich lege mein Kleid auf die Sandbank und gehe ins Meer. Kaum ein Minute liege ich auf dem Wasser, als ich meinen Kopf hebe und ein Paket schwimmen sehe. Oh, das ist mein Kleid. Die Sandbank ist weg. Die Leute strömen aus dem Wasser. Nur keine Hektik. Sooo schnell kommt die Flut auch nicht. Aber doch relativ schnell. Und die Strömung zwischen der Sandbank und dem Ufer hat auch Kraft.
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Ich sitze auf der Terasse und genieße den Ausblick. Ich bin nicht dort angekommen, wohin ich wollte. Ich weiß nicht wo ich bin. Wie das Dorf heißt. Aber es ist schön hier.
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