Strandspaziergänge, Wasserski und internationales Treffen – 21. Februar

Strandspaziergänge. Gut für die Seele. Gut zum Entspannen. Ich kann stundenlang am Strand entlang spazieren. Und mit den Gedanken, die ich während so eines Spaziergangs habe, kann ich ein ganzes Buch füllen.
image
Ich laufe im weißen Sand. Glasklares Wasser umspielt meine Füße. Ich fühle mich wie an der italienischen Adria. Europäische Pauschalurlauber kommen mir entgegen. Auf der linken Seite ist das Ufer von teuren Hotels gesäumt. Franzosen, Italiener, Deutsche, Kroaten, Engländer. Sie alle wollen dem kalten europäischen Winter entfliehen und genießen den Norden Sansibars.
image
image
Weißer Sand unter meinen Füßen. Glasklares Wasser. Wie an der italienischen Adria laufen die dunkelhäutigen Afrikaner zwischen den weißen Urlaubern herum. Strandverkäufer.
image
Weißer Sand. Glasklares Wasser. Bunt gekleidete Einheimische laufen den Touristen hinterher. Sie sehen lächerlich aus in ihren Kleidern. Es hat nichts mit traditioneller Kleidung zu tun. Sie tun es nur für die europäischen Pauschalurlauber. Für ein Foto.
image
Weißer Sand. Glasklares Wasser. Das Ufer gesäumt von Handtüchern, Masken, Schmuck und Gemälden. Souvenirs erschaffen für die europäischen Pauschaltouristen. Eine Atmosphäre wie an der italienischen Adria. „Hakuna matata“ ertönt es, wenn ich die Souvenirs ablehne. „No problem“.
image
image
Weißer Sand. Glasklares Wasser. „Ciao bella, tutto bene?“ Ein Einheimischer begrüßt mich auf italienisch. Bitte was? Ich fühle mich wirklich wie an der italienischen Adria.
image
Nur, der Sand ist weiß, das Meer glasklar und türkisfarben.
Die Hotels am Ufer haben europäischen Stil. Die Pauschalurlauber frühstücken auf englischen Rasenflächen zwischen südeuropäischen Blumen. Unter der afrikanischen Sonne.
image
Die im Fitnesstudio antrainierten Sixpacks werden wie auf dem Laufsteg präsentiert. Im weißen Sand. Abgemagerte Frauen walken mit letzter Kraft im weißen Sand. Dass sich ja kein Speck ansetzt. Aber all-inklusive Hotels buchen.
image
image
Der europäische Fitnesshype auf afrikanischem Boden. Yoga mit Blick auf das Meer. Mit Blick auf das türkisfarbene Wasser.
image
Ich drehe um. Genug gesehen. Genug gesehen von den europäischen Pauschaltouristen. Auch wenn der Strand ein Traum ist, wohl fühle ich mich hier nicht. Es fühlt sich nicht nach Afrika an.
image
Oben: europäische Pauschalurlauber
Unten: einheimische Frauen kommen zurück vom Muschelnsammeln
image
Mit dem Shuttle-service geht es an den Kwendwa-beach. Ein Wassersportzentrum. Vor zwei Monaten eröffnet. Von zwei Weißen. Einem Südafrikaner und ein US-Amerikanerin. Hier gint es alles was Sportlerherz begehrt. Schnorcheln. Tauchen. Fly board. Jetski.Parasailing. Bananaboat. Wakeboard. Und Wasserski.
image
Die Bucht bei Ebbe. Ich habe noch nie einen Ort mkt so starken Gezeiten gesehen. Bei Flut steigt der Meeresspiegel um über 5 Meter an. Oder mehr. Alles wird bis zu den Häusern überflutet.
image
Ich streife mir die Schwimmweste über und steige ins Boot. Wir fahren hinaus auf das Meer.
Interessantes Gespräch auf dem Boot:
Tansanier: „You are from America? I can hear that the way you speak.“
Ich: “ No, from Germany!“
Tansanier: „You are from China?“
Kyle: „No from Southcorea! Do you know the difference between german and american people?“
Tansanier: „No!“
Kyle: „Do you know the difference between chinese, japanese and corean people?“
Tansanier: „No!“
Kyle: „So how do you can say that we are from these countries?“
Wasserski an die Füße und rein ins Wasser.
image
image
Bereit? Ja, ich bin soweit. Bääm. Losgelassen. Dieses Boot hat eine enorme Kraft. Ich bin nicht hochgekommen. Das Boot kommt zurück. Fährt einen Kreis um mich. Ich schnappe das Seil. Los. Platsch. „Why did you release it? You were in a good position!“ Mmh, ok ich versuche es wieder. Und wieder. Die Zeit vergeht. Doch ich stehe immer noch nicht auf dem Wasser. So langsam verfluche ich meine letzten Monate, in denen ich keinen Sport gemacht habe. Das hier ist die Strafe. Ich habe keine Kraft, um mich aus dem Wasser zu heben. Die Muskeln fehlen. Aber wer mich und meinen sportlichen Ehrgeiz kennt, weiß, dass ich so schnell nicht aufgebe.
image
Und nochmal. Bääm. Ich liege im türkisfarbenen Wasser. Doch bin am Verzweifeln.
image
Und nochmal. „Last try!“ Ok, jetzt noch mal alles abgeben. Zwei drei Meter lasse ich mich ziehen. Ganz aus dem Wasser komme ich aber nicht. Nach all den Versuchen ist auch meine Kraft am Ende. Falls ich überhaupt welche hatte. Aufgeben? Niemals. „One more!“ ruft der Mann mir entgegen und kreist erneut um mich. Ich kralle mich um die Haltstange. Los geht’s. Nur nicht loslassen. Zähne zusammenbeißen.
image
Ich stehe. Ich fahre. Juhuuuu. Ich fliege über die Wellen. Über das türkisfarbene Wasser. Ich habe es geschafft. Ich konzentriere mich. Das Boot macht eine Kurve. Wow, es klappt. Es ist verdammt anstrengend. Ich beiße die Zähne zusammen. Die Muskeln fangen an zu zittern. Soll ich loslassen? Niemals. Ich schaue nach vorne. Kyle filmt mit seiner Gopro. Ich lächel. Ich genieße es über das Wasser zu fliegen.
image
image
image Yeeeeah!
Das Boot macht eine enge Kurve. Das Seil wird locker. Ich sinke ins Wasser. Und lasse die Schnur los. Genug. Ich liege auf das Wasser. Dem türkisfarbenen Meer. Und starre in den blauen Himmel. Und strahle. Ich hab es geschafft. Ein drittes Mal. Das erste Mal bin ich Wasserski an einem Lift gefahren. Die einfachste Variante. 2006. Das zweite Mal wurde ich von einem Jetski gezogen. 2013. Und jetzt von einem Schnellboot. Das hat ordentlich mehr Kraft. Fährt schneller und erfordert somit auch mwhr Kraft. Geschafft. 2015.
image
Das Boot kommt. Der Tansanier klatscht. Ich lache. Und bedanke mich für seine Geduld „ahsante sana!“ Die erste Stufe ist auf Höhe der Wasseroberfläche. Keine Chance. Ich habe keine Kraft mehr mich hochzuziehen. Der Mann hilft mir. Und lasse mich ins Boot fallen. Nie wieder so lange ohne Sport. Versprochen!
image Kyle beim Flyboarding.
Zurück an Land lasse ich mich erst mal in den Sitz fallen. Verschnaufen. Danach entspanne ich mich im ruhigen türkisfarbenen Wasser. Und sammel etwas Kraft, um eine Runde schnorcheln zu gehen. Ein kleines Korallenriff. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich muss an den Film „findet Nemo“ denken. Fische verstecken sich zwischen den Seeanemonen. Wow. Ich paddel noch etwas herum. Wasser aus dem Kopf. Wow bin ich weit weg vom Ufer. Die Strömung ist ganz schön stark. Also zurück. Mit den Flossen komme ich gut voran und erreiche irgendwann das Ufer. Das reicht jetzt aber für heute. Ich setze mich in das seichte Wasser und lasse den weißen Sand durch meine Finger rieseln. Ich kann mich nicht satt sehen an den Farben. „Ciao bella, come stai?“ begrüßt mich ein Einheimischer. Dieser Ort ist der skurrilste, den ich je gesehen habe. Abgesehen von der traumhaften Lage. Neben diesem Wassersportzentrum ist eine teure Hotelanlage. Voll mit Italienern. Am Strand sitzen die Einheimischen neben den Italienern und unterhalten sich mit ihnen. Auf italienisch. Die Tansanier sprechen fließend italienisch. Aber kein Wort englisch. Die Schilder am Strand – auf Italienisch. Die Souvenirshops im Sand – italienische Namen. Sie heißen Don Giovane und „la rinaszente“. Überall stehen über den Shops Schilder mit „benvenuti“! Verrückte Welt.
image
Skurriler Fisch mit Fußabdruck.
image
Kinder bauen im Wasser eine trockene Sitzecke.
image
image
Zurück in Nungwi verabschiede ich mich von dem Südkoreaner Kyle und ziehe in ein Zimmer mit Gorga, einer Kroatin. Mit ihr gehe ich zum Abendessen. Dort bilden wir eine buntgemischte, internationale Gruppe. Neben der Kroatin und mir ist noch eine Kenianerin, ein Chinese, ein Mann aus Ruanda und ein Pärchen aus Estland dabei. Wir feiern die Wiedergeburt des Chinesen. Er ist nämlich heute fast ertrunken. Die Strömung hat ihn weit hinaus auf das Meer gezogen, wo er nach Luft japsend um Hilfe gerufen hat. Der Mann aus Estland war der einzige, der ihn entdeckt hat. Obwohl der Strand voll mit Leuten war. Mit ein paar Einheimischen haben sie ihn dann gerettet. Zum Glück. Die Strömung hier ist wirklich nicht zu unterschätzen. Vor ein paar Wochen ist hier sogar ein Tourist ertrunken. Die Leute am Ufer haben ihm nur zurück gewunken, anstatt ihn zu retten. Und dann war es zu spät.
Es wird spät. Die Gruppe möchte an einen anderen Strand zu einer Party. Die jüngste der Gruppe verabschiedet sich. Ich gehe nicht mit. Sorry Leute, aber ich bin todmüde. Es war ein anstrengender Tag heute. Aber ein wunderschöner Tag!
image
image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s