Ankunft auf Sansibar – mein Tag in Stonetown – 19. Februar

Es ist noch etwas dunkel, als ich das Hotel verlasse und mich auf den Weg zum Hafen mache. „Taxi?“ Nein, ich laufe.
image Die Sonne geht auf im Hafen von Tansanias Hauptstadt.
10 Minuten später komme ich am Hafen an. Menschenmassen tummeln sich vor den Toren. Ich stelle mich in die Schlange und arbeite mich vor. Mein Gepäck wird durchleuchtet. Ich piepse mal wieder beim Durchleuchten. Vermutlich ist mein Armreif schuld daran, aber ich darf weiter.
image Die Wartehalle im Hafen.
Ich habe mir ein Ticket von der AZAM-Gesellschaft gekauft. Die schnellste und sicherste Fähre zwischen Dar Es Salaam und Stonetown (Sansibar). Die Ausländer können kein Ticket in der Economie Class kaufen. Deshalb habe ich ein Ticket in der Business class bekommen. Da die aber im Innenraum des Schiffs ist und ich die Meeresluft spüren möchte, setze ich mich ganz oben auf das Schiff zwischen die Einheimischen.
image Dar Es Salaam
Wir legen pünktlich im Hafen ab und lassen die Skyline von Dar Es Salaam hinter uns.
image Die Skyline von Dar Es Saalam.
Noch einen Blick auf das regen Treiben am Fischmarkt werfen und raus auf das offene Meer.
image Der Fischmarkt in vollem Gang.
Wooow. Das schaukelt aber heftig. Ich bin eigentlich nicht anfällig für Übelkeit auf dem Schiff, aber bei dem Wellengang meckert mein Körper etwas. Also Handy weg und die Aussicht genießen. Viele große Schiffskräne liegen im Ozean.
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Sobald Sansibar im Osten neben uns auftaucht und uns vor dem offenen indischen Ozean schützt, legt sich der Wellengang etwas. Ein starker Wind weht aber an Deck. Kamera festhalten. Der Mann neben mir versucht mit mir ins Gespräch zu kommen.
„Where from?“
„Germany“
Mmmmh. Er denkt nach. „Do you know America?“
Das hat jetzt keinen Zusammenhang. Vermutlich weiß er nicht wo Deutschland liegt. Ja, ich kenne Amerika.
„Where is Germany?“
Wusst ich’s doch. Im Gegensatz zu den Ghanaern, die entweder selbst in Deutschland waren oder einen Freund/ Bekannte dort haben (haben zumindest 90% der Leute behauptet, denen ich gesagt habe, dass ich aus Deutschland komme), können die Tansanier kaum englisch und wissen nicht einmal wo Deutschland liegt. Das ist zumindest mein Eindruck nach 3 Tagen. Einer dachte, dass Deutschland eine Stadt ist.
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Die deutsche Fahne an der Fähre ist auch verkehrt. Viele Tansanier wissen nicht wo Deutschland liegt, ihre Fähre ist aber rund herum mit deutschen Flaggen geschmückt.
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1) Sandbank
2) Prison Island (Insel vor Sansibar, ehemaliges Gefängnis)
3) Stonetown, Hauptstadt von Sansibar
Was ist das da vorne? Eine Sandbank? Eine Insel, nur mit Sand? Wow!
Wir nähern uns Stonetown. Am Strand kann ich teure Hotels wahrnehmen.
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Auf der anderen Seite sehe ich ein großes Schiff mit Containern. Wir legen an und ich bewege mich mit der Masse herunter vom Schiff. Herauf in die Ankunftshalle. Ein Mann mit einem Fieberthermometer misst die Temperatur von jeden Ankömmling (kontaktlos). Eine Schranke trennt Einheimische von Ausländern. Ich muss zu der Dame mit Kopftuch. „Where do you come from?“ Ich sage jetzt mal lieber Deutschland und nicht Ghana, sonst werde ich wieder woanders hingeführt. Ich muss wieder einen Einwanderungszettel ausfüllen. Dabei gehört Sansibar doch zu Tansania. Und den Pass bitte. Oh nein, hoffentlich schaut der Offizier nicht auf mein letztes Visum. Aber er setzt nur einen Stempel auf das Visum von Tansania. Sansibar hat wohl eine Sonderstellung im tansanischen Staat.
Kaum bin ich raus aus dem Hafengebäude hängt schon ein Einheimischer an mir. Bisschen Smalltalk, dann möchte er mich zu einem Hotel führen. Wir laufen an all den wartenden Taxifahrern vorbei und verschwinden in den schmalen Gassen der Altstadt Stonetowns. Wir kommen auf das Thema Ghana zu sprechen und wie ich es erlebt habe. Ich erzähle von den freundlichen Menschen, die mir in ganzes Land gezeigt haben. „Without asking money?“ Ohne Geld zu fordern. „Is here the same!“ Na, da bin ich mal gespannt. Das war ein guter Trick, denn so kommt der Mann, der sich als Guide outet am Ende nicht auf die Idee nach Geld zu fragen. Die stelle mein Gepäck in das Guesthouse und mache mich danach alleine auf den Weg durch die Altstadt.
image Stonetown
Ein bisschen erinnern mich diese engen Gassen an Venedig. Nur, dass es hier keine Kanäle gibt und die Menschen sich so nicht auf Gondeln fortbewegen, sondern auf Rollern um die Ecken sausen. Und in allen Straßen, die breiter als 2 Meter sind quetschen sich Autos hinein.
image Einbahnstraßen wäre eine Option zur Verkehrsregulierung…
Ich komme an eine Hauptstraße. Gegenüber entdecke ich einen Park. Fußgängerampel? Wie toll ist das denn? Ich kann die Straße überqueren ohne Angst um mein Leben zu haben. Grün. Ich laufe los. Ok, doch nicht. Ein Auto rast vor meinen Augen über die Ampel. Ich laufe in den Park. Viele Frauen sitzen hier im Gras und unterhalten sich. Einige Männer sind auch darunter. Sind es Studenten? Einige schreiben etwas. Später werde ich es genauer herausfinden. Ich setze mich auf eine Bank neben zwei Einheimische. Und genieße die angenehme Temperatur im Schatten. Frisches Gras. Saftig grüne Blätter an den Bäumen. Ein toller Erholungsort.
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image Erholungsort in der Stadt
Danach laufe ich über den Markt. Das afrikanische Marktleben ist mir mittlerweile sehr vertraut. Nachdem ich eigene Male in Kumasi (Ghana) über den größten Markt in Westafrika gelaufen bin, habe ich auch keine Probleme mit den Menschenmassen und den intensiven Gerüchen. Hier stößt aber ein neuer Geruch hinzu. Gewürze. Sansibar gilt als die Gewürzinsel. Und das riecht man auch. Gefällt mir. Ich überquere wieder die Hauptstraße. Keine Ampel. Und jetzt? Da ist eine Frau im Niqab (Vollverschleierung, nur Augenschlitze sind frei). An die häng ich mich dran. Ob die mit ihrem Blickfeld besser sieht als ich? Ja, weil ich immer noch überfordert bin im Linksverkehr. Und los. Geschafft. Ok, vielleicht kann ich das Zukunft auch allein. Was ist das? Ein Mann steht am Straßenrand. Ein Behälter mit Saft vor sich. Er füllt mir meine leere Wasserflasche damit auf. Lecker! Die Frucht, aus der er den Saft macht, habe ich leider schon wieder vergessen.
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Willkommen im Islam – Vollverschleierung ist hier nichts Besonderes. Der Niqab hier zu sehen.
Hier auf Sansibar sehe ich keine einzige einheimische Frau, die nicht verschleiert ist. Jede trägt mindestens ein Kopftuch, das den Kopf und den Oberkörper bedeckt. Und viele tragen eben den Niqab, eine Art der Vollverschleierung bei der nur ein Schlitz für die Augen frei ist. In Ghana haben auch viele Frauen ein Kopftuch getragen. Aber eben nur ein Kopftuch. Das hat den Kopf bedeckt und nicht mehr. Dekolleté und Nacken sind frei. Hier gibt es diese Art nicht. Nur Kopftuch mit Schleier. Und Umhang. Mit den Frauen mit Niqab habe ich schon in Dar Es Salaam mir eine Herausforderung gestellt. Wenn mir eine Frau entgegenkommt, dann schaue ich ihr in die Augen, lächel und versuche herauszufinden, ob sie zurück lächelt. Nonverbale Kommunikation. Mit anderen kommuniziere ich ja auch. Wir begrüßen uns und so. Eigentlich erkennt man das Lachen auch an den Augen. Aber die sind zum Teil so verschleiert, dass sie nicht mal die Augen ganz öffnen können. Also ist es mir in der Hauptstadt nicht gelungen. Heute habe ich damit weitergemacht. Bei den ersten Frauen war ich wieder erfolglos. Dann ist aber eine an mir vorbeigelaufen, hat mich auch angeschaut und mit der Hand gewunken. Dann habe ich gestrahlt. Es sind ja auch Menschen. Mit Emotionen. Und auch sie sind im 21. Jahrhundert angekommen. Denn sie haben alle ein Handy. Auch wenn sie sich vorbeugen müssen, um auf den Bildschirm zu sehen. Achja und an einer Schule habe ich gelesen, dass die Mädchen den Niqab ablegen müssen bevor sie die Schule betreten.
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Eine Festung in der Stadt.
image Ein Künstler am Werk.
Wolltet ihr schon immer wissen wozu die Rollen am Trolley sind? Hier die Auflösung: so trägt Frau den Trolley. So wird ein Trolley transportiert, falls ihr das nicht wusstet. In Stonetown machen das zumindest alle…
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Ich laufe noch ein wenig durch die Altstadt bevor ich mir ein Wasser kaufe und mich wieder in den Park setze. Es ist verdammt heiß. Die Sonne brennt unerbärmlich. Ich mag diesen Park. Natürlich bin ich die einzige Weiße hier. Neben mir auf der Bank sitzen zwei Frauen und ein Mann. Hinter uns sitzt eine Gruppe im Gras. 8 Frauen und ein Mann. Einige davon vollverschleiert. Der Mann hält einen Laptop in der Hand. Sie unterhalten sich. Ich schaue um mich. In vielen Grüppchen sitzt ein Mann mit mehreren Frauen. Der Grund? Ich kann nur raten. Ich genieße noch eine Weile die Atmosphäre im Park bevor ich mich auf den Weg nach draußen mache.
image Studentinnen im Park.
„Jambo“ begrüßt mich ein Mann in einer Gruppe am Wegesrand. Ich drehe mich um und grüße zurück. „Invited!“ Erst zögere ich, dann laufe ich zurück. Ich soll mich zu euch setzen? Ich unterhalte mich mit dem Mann. Er ist Student. Um ihn herum sitzen im Kreis etwa 10 Frauen. Ich schaue in die Runde und frage sie, ob sie auch studieren. Alle lachen. Ich lache einfach mal mit. Der Mann klärt mich auf. Sie können nur wenig englisch. Mmh. Ich schaue sie an. Hübsche Gesichter, sofern ich sie sehen kann. Ich unterhalte mich ein wenig mit dem Mann über dies und das. Sie studieren Personalmanagement. Und treffen sich im Park zum Lernen. Ob ich sie unterrichten kann? Puh, ich habe das nicht studiert. „But you are better!“ Nur, weil ich weiß bin, bin ich niht allwissend. Er schiebt mir ein Skript unter die Nase. Na gut, ich kann es ja versuchen. Und so sitze ich mit islamischen Frauen im Park im Kreis und lese Satz für Satz aus dem englischen Text vor. Der Mann übersetzt. Ab und an diskutieren die. „What does it mean extroverted and introverted?“ Ich erkläre es. Der Mann zeigt auf die Frau neben mir und sagt, dass sie also introvertiert ist. Alle lachen. Zwei Frauen mit Niqab stehen auf und gehen. Sie drehen sich nocheinmal um und winken. Und ich bilde mir ein, dass sie gelächelt haben. Andere Gruppen drehen sich um und schauen zu uns. Gut, dass ich heute einen langen Rock angezogen habe. Naja, ich zeige selbstverständlich mehr Haut in meinem Top als all die muslimischen Frauen, aber das scheint sie nicht zu stören. „I think it’s enough. They need to remember this at home!“ Eine Frau aus der Nachbargruppe wirft eine grüne Frucht herüber. Der Mann gibt sie mir als Dankeschön. Und zeigt mir auf meine Nachfrage hin wie man sie isst. Ich bedanke mich. Langsam stehen alle auf und die Gruppe verteilt sich. Ich mache mich auf sen Rückweg. Diese Frauen studieren also Personalmanagement. Der Unterricht findet auf englisch statt, aber sie können quasi keinen englischen Satz formulieren. Wie geht das? Mir geht es nicht in den Kopf. Auf jeden Fall weiß ich jetzt wieso im Park oft ein Mann bei vielen Frauen saß. Der Übersetzer. Es war eine tolle Erfahrung mit ihnen. Ich habe es genossen.
Auf dem Rückweg spricht mich wieder jemand mit „rasta-lady“ an. Es ist nicht der erste. Viele haben mich heute hier auf meine Haare angesprochen. Positiv. Sie gefallen ihnen. Ich weiß nicht mal, ob die Frauen ihre Haare hier auch so frisieren. Ich sehe ihre Haare ja nie. Aber dieser Typ bleibt hartnäckig. Also bleibe ich stehen und unterhalte mich mit ihm. „You know what I mean!“ Ähm nein, ich weiß leider nicht worauf du raus willst. Ob ich von Jamaika komme? Nein, die Haare habe ich mir in Ghana machen lassen. „You know what I mean, do you smoke? You need something?“ Äh was? Nein! Und schnell weiter. Das ist ja das erste Mal, dass mich jemand anspricht und mir etwas zum Rauchen andrehen will. Rastahaare haben hier wohl doch eine andere Aussagekraft als in Ghana.
Facebook auf dem Meer. Stellvertretend für den Internetempfang den ich auf der gesamten Fährüberfahrt vom Festland durch den indischen Ozean nach Sansibar hatte.
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Zum Entspannen laufe ich nocheinmal ans Meer und genieße das Wellenrauschen. Ein toller Tag heute. Mit vielen Erlebnissen.

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