Zu Fuß durch Daressalam – 18. Februar

Heute fühle ich mich besser. Bereit meine Kamera mitzunehmen. Ich packe sie in meinen kleinen Tagesrucksack und gehe hinunter zur Rezeption. Schlüssel abgeben. „Be really careful! Make with nobody friends! Don’t trust anybody!“ Puh ist das dein Ernst? Das wird anstrengend. Ich bedanke mich bei dem Mann an der Rezeption und stapfe los. In die andere Richtung wie gestern. Was mir gestern schon aufgefallen ist, was ein großer Unterschied zu Ghana ist: in Tansania wird geraucht. In der Öffentlichkeit. Aufgefallen ist mir das sofort, als ich die Zigarettenschachteln auf den Köpfen zum Verkauf entdeckt habe. Was mir noch aufgefallen ist: die Kleidung ist nicht ganz so bunt, wie die in Ghana. Natürlich tragen auch hier Frauen bunte Kleider. Aber viele tragen auch nur ein schwarzes Gewand. So, dass nur das Gesicht frei ist. Und einige wenige sind sogar komplett vermummt. Da kann man nur die Augen sehen.
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Ein kleiner Park mitten in der Stadt.
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Was ist das? Sieht aus wie ein Garten. Mitten in der Stadt? Soll es geben. Ich schau noch einmal zurück. Den Straßennamen einprägen. Könnte nützlich sein. Ok, mich überfordert der Linksverkehr auf voller Länge. Obwohl ich zu Fuß unterwegs bin. Nicht nur, weil ich nie weiß aus welcher Richtung die Autos kommen (für mich kommen sie von überall), sondern auch weil ich auf dem Gehweg rechts laufe. Dauernd kommen mir Leute entgegen.
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Ich schaue um mich. So viele Hochhäuser. Und da vorne die beiden Wolkenkratzer. Die höchsten Gebäude in Daressalam. Die Türme der „bank of Tansania“.
20150218_183317 The bank of Tansania
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Ich laufe weiter. Ein Frau läuft an mir vorbei, dreht sich nocheinmal um und zeigt mit dem Daumen nach oben. War wahrscheinlich auf meine Haare bezogen. Ich lächel. Wohin? Erstmal im Kreis wieder zurück und testen, ob ich meine Straße wieder finde. Da ist sie. Na gut, dann kann ich jetzt weiter. Es ist heiß. Und schwül. Ich schwitze am Rücken. Deshalb hasse ich eigentlich Rucksäcke. Aber hier sind sie praktischer. Unpraktisch für die Trickdiebe. Mir wurde erzählt, dass die Gauner aus dem Auto heraus die Handtaschen von Frauen klauen. Geht bei dem Rucksack nicht so einfach.
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Daressalam ist ziemlich sauber. Zumindest im Vergleich zu Ghana. Ab und an entdecke ich sogar einen Mülleimer. Und ich sehe viele Frauen auf der Straße, die den Müll zusammenkehren. Und das Auto da, sieht aus wie ein Müllauto. Das heißt hier gibt es eine Müllabfuhr. Toll. Ich komme mit einem Mann ins Gespräch. Ob ich zum Markt will? Wieso nicht. Ich denke an die Worte von dem Mann an der Rezeption. Aber sich mit jemand unterhalten heißt ja nicht jemand als Freund anerkennen. Sollte also in Ordnung sein. Er meint der Markt ist nicht weit. Wir können laufen. Diese Frage sollte ich mir abgewöhnen. „Not far“ kann auch 10 Kilometer bedeuten. So laufen wir an der Straße entlang, auf der Straße, zwischen den Fahrbahnen, über die Straße und dann wieder am Straßenrand auf dem Gehweg. Was ist das? „A farm!“ Tatsächlich. Hier wird Gemüse angebaut. Auf einer großen Fläche mitten in der Stadt. Und zwischendrin Palmen. Ein Auto hält an. Ein Freund von ihm. Ich schaue auf das Kennzeichen. Gelbes Nummernschild. Nein, da steige ich nicht ein. Kein registriertes Taxi. Bekannt für Überfälle. Also laufen wir weiter. Lastwägen rasen an uns vorbei. Er bleibt stehen und kauft sich eine Zigarette. Ja, genau eine. An dem Stand nimmt er sich die Streichholzschachtel und zündet sich die Zigarette an. Witzig. Er hat echt njr eine gekauft. Und raucht die jetzt auf dem Weg. In Ghana ist das undenkbar. Rauchen in der Öffentlichkeit.
Gefühlt 10 Kilometer weiter frage ich erneut wo denn der Markt ist. Immer noch „not far“. Was heißt das genau. Aber wir können den „public transport“ nehmen. So bezeichnet er die Dalla-Dallas. Die tansanische Version der ghanaischen Trotros. Ist eher ein Linienbussystem. Fixe Preise. Zielort steht auf dem Bus. Man steht im Bus, wenn alle Plätze besetzt sind. Also gut. 2 Minuten später stehen wir in einem drin. So langsam denke ich nach. Die Aktion mit dem Auto wo ich einsteigen sollte, gefällt mir nicht. Und auch, dass er dauernd telefoniert. Ich habe ja keine Ahnung worüber er spricht. Aber wenn die hier wirklich so auf Überfälle stehen, dann wäre das keine gute Aktion. Mein Bauch fühlt sich nicht wohl. Wir steigen aus. Auf einer Art Busbahnhof. Wir überqueren ihn und laufen auf eine Hauptstraße zu. Er hält ein Auto an. Sir müssen ein „shared car“ nehmen. Ähm stop. Da steige ich nicht ein. Ich fühle mich nicht sicher. Ich geh zurück, sage ich ihm. Aber wieso? Hier nehmen alle diese „shared Autos“. Weil ich mich nicht sicher fühle. Ich habe hier noch nicht von dieser Transportvariante gehört. Und mir wurde gesagt, ich soll nicht in Autos mit gelben Nummernschildern einsteigen. Ich verabschiede mich und setze mich in den Schatten eines großen Gebäudes. Vielleicht habe ich ihn zu Unrecht abgewiesen. Vielleicht wollte er mich wirklich nur zum Markt bringen. Aber ich wurde gestern und heute so oft gewarnt, dass ich mich hier einfach nicht so locker herumbewegen kann. Und wenn mein Bauchgefühl sagt, dass es sich nicht gut anfühlt, dann ist Ende. Ich trinke einen Schluck Wasser und schaue auf die Karte. Selbstverständlich habe ich nicht die geringste Ahnung wo wir sind. Ich laufe zurück zum Busbahnhof und kaufe mir erstmal eine Fanta. Zum Entspannen. Es ist nichts passiert. Nein ich habe keine Angst, und bin auch nicht genervt, aber es ist so ein inneres ungutes Gefühl. Das muss raus. So, wo will ich hin? Da steht was von Markt auf meiner Karte. Ich präge mir den Namen ein und laufen zwischen den vielen Bussen durch. Hin und her. Doch nirgendwo sehe ich den Namen stehen. Ok, jetzt reiht es. In Ghana habe ich mich immer durchgefragt. Wieso soll ich das hier nicht auch machen. Ich frage einen Mann, der mich eh schon anspricht. Und tata. Er steht auf, läuft zu einem Bus und zeigt mir wo ich einsteigen muss. Geht doch. „Asante!“ Das bedeutet Danke. Habe ich schon gelernt. Kurz darauf sind alle Sitzplätze besetzt und wir fahren wir los. Immer wieder hält der Bus an und Leute steigen ein. Die müssen stehen. Eine Frau steht seit einiger Zeit neben mir. Sie ist ganz in einem schwarzen Umhang vermummt. Nur die Augen sind frei. Ich schaue auf ihre Hand. Erst jetzt sehe ich, dass sie weiße Haut hat. Die erste weiße Person, die mir heute begegnet. Ja, tatsächlich. Obwohl ich viel gelaufen bin, sind mir keine Weißen entgegengekommen. Am Flughafen hat es noch so von Europäern gewimmelt. Alle wollen sie entweder in Tansanias Nationalparks oder weiter nach Sansibar. Aber niemand bleibt in Daressalam. Oder wenn sie da bleiben, da wohnen sie in teuren Hotels, die sie aus Sicherheitsgründen nicht verlassen. Mutmaße ich. Viele Asiaten habe ich auch am Flughafen gesehen. Wobei in Addis Ababa waren es noch mehr. Hier in der Stadt kommen mir mehr Inder entgegen. Auch eine indische Schule habe ich gesehen. Aber wie gesagt, diese weiße, komplett in schwarz vermummte Frau, ist die erste Weiße, die ich heute sehe.
Ich genieße die Fahrt im Dalla-Dalla. So eine Fahrt ist auch eine Art Stadtrundfahrt. Man fährt schließlich kreuz und quer durch die Stadt. Und anstatt 40$ habe ich nur wenige Cent gezahlt. Alle stehen auf. Ok, ich glaube hier steige ich auch aus. Eine riesen Halle ist auf der rechten Seite zu sehen. Ich gehe hin und schaue mir das genauer an. Schmale Gänge. Shops auf beiden Seiten. Haushaltswaren. Werkzeuge. Alles Mögliche gibt es hier. Auf der anderen Seite ist ein großes Dach. Davor sehe ich Gemüse auf dem Boden verteilt. Dodt wird wohl der Essensmarkt sein. Ich laufe hin. Tomaten, Zwiebeln, Karotten, Gurken, Paprika, Bananen, Kochbananen und Fisch. Gaaanz viel Fisch. Ich laufe weiter hinein. Es riecht nach Gewürzen. Und hier sind Bohnen. Alles mögliche wird mir angeboten. Ich zwänge mich zwischen Mauern durch enge Gänge hindurch. Ok, der Fischgeruch ist nicht gut. Eigentlich bin ich den Geruch durch die Märkte in Ghana gewohnt. Gut riecht er mir dafür immer noch nicht. Ich schaffe mir wieder den Weg nach draußen frei und atme erst mal durch. Die Straße entlang. Dort werden Kleider verkauft. Und Stoffe. Im Erdgeschoss der Wohngebäude sind die Shops. Auch hier kann man in Gängen in das Innere verdrängen. Eine Frau bietet mir ihre bunten Stoffe an. Einige von ihnen kenne ich aus Ghana. Es sind dieselben Muster. Einige sind mir ganz fremd. Aber alles tolle Farben und ganz bunt. Am liebsten würde ich alle kaufen. Aber ich kann auf meiner Reise keine transportieren. Ein Mann läuft in den Gängen genau meinen Weg und jetzt auf der Straße folgt er mir auch. Trotz der vielen Menschen ist er mir aufgefallen. Ich nehme meinen Rucksack nach vorne. Ich biege ab. Er biegt ab. Ok jetzt reicht es mir. Ich bleibe stehen und schaue ihn direkt an. Er läuft weiter. Danke.
Straßennamen? Einige Schilder sind nicht mehr zu lesen. An der nächsten Kreuzung kann ich mich aber wieder orientieren. So weit ist es gar nicht bis zum Hotel. „Taxi? Come!“ Nein, ich orientiere mich nur. Ich laufe, danke. So finde ich den Weg wieder zurück zu dem Garten und von dort ohne Probleme ins Hotel.
Einige Male habe ich heute die Orientierung verloren. Das war aber nicht so schlimm, da ich eh die Stadt ein wenig sehen wollte und nicht einen bestimmten Ort hatte wo ich hinwollte. Mit der Karte habe ich aber immer den Weg zurück gefunden. Dennoch fühle ich mich nicht wohl in Daressalam. Ich bin noch überfordert in der Zivilisation. Und überfordert im linksfahrenden Verkehr. Selbst zu Fuß. Ein Mann hat mich an einer Kreuzung angeschrien. Ich wollte gerade die Straße überqueren und habe in die falsche Richtung nach Autos Ausschau gehalten. Das Auto stand quasi schon neben mir und hat gehupt. Sonst stand ich immer an Kreuzungen und habe mit weit aufgerissenen Augen in alle 100 Richtungen geschaut. Die beste Taktik, die ich mir angeeignet habe, ist sich an einen Einheimischen dranhängen. Und hinterher rennen über die Straße. Das ist die sicherste Methode. Dennoch mag ich die Stadt nicht. Zu groß. Zu modern. Deshalb habe ich mir am Hafen ein Ticket für die Fähre gekauft. Morgen früh geht es los nach Sansibar.
20150218_183544 Der Blick auf den Hafen
20150218_183614 Eine Kirche am indischen Ozean gelegen.
20150218_183653 Kunst in der Stadt.
Ich hoffe, dass ich dort besser zurechtkomme. Ich weiß, dass Sansibar sehr touristisch ist, aber ich finde immdr auch ruhigere Plätzchen.
Und jetzt gute Nacht. Die Sonne und das viele Laufen haben mich müde gemacht.

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