Malaria? Nichts für mich!

Als ich letzten Herbst mich auf den Weg Richtung Ghana aufgemacht hatte, musste ich einem ganzen Sturm an Warnungen meiner Freunde und Verwandten standhalten. Warnungen vor Ebola. Für mich unverständlich. Denn die meisten glauben, dass Ebola ganz Afrika nicht bereisbar macht. Oder dass Ebola in ganz Westafrika ist. All die, die das glauben, sollten sich erst Mal die Landkarte vornehmen und erstens schauen wie groß Afrika im Vergleich zu Europa ist, zweitens schauen wie groß Westafrika ist und drittens sich die drei Ebola-betroffenen Länder anschauen. Dann stellt man fest, dass Ghana davon weit entfernt ist. Was viele aber nicht wissen, ist dass in Ghana Cholera ein großes Problem darstellt. Als ich ankam hörte ich das erste Mal davon. Die Küste zwischen Accra und Cape Coast kämpfte bereits gegen die Ausbreitung dieser Krankheit. Und Typhus stellt auch ein Problem dar. Auch einige Volontäre sind an Typhus erkrankt. Zudem hat Ghana wie fast alle afrikanischen Länder mit Malaria zu kämpfen. Es ist Regenzeit und Hochsaison der Moskitos. Von Malaria spricht aber niemand in Europa. Jede Minute stirbt ein Kind in Afrika an Malaria. Und wieso? Weil sie nicht das Geld für die Medikamente haben. Weil sie nicht das Geld für ein Moskitonetz haben.
Nun ja, für uns Europäer hat die Pharmaindustrie teure Tabletten entwickelt, die uns vor dieser Krankheit prophylaktisch schützen sollen. Allerdings stehe ich skeptisch gegen jede Art der Tabletteneinnahme gegenüber und erst Recht gegenüber einer täglichen Einnahme, die sich über 6 Monate zieht. Zu dem hat der Preis auch nicht für sich gesprochen. Über 1000€ hätte ich zahlen müssen. Die Nebenwirkungen des Medikaments, sowie die Tatsache, dass man trotz der Einnahme dieser Tabletten Malaria bekommen kann haben mich schlussendlich überzeugt keine Malariaprophylaxe der herkömmlichen Art zu nehmen.
Bei meinen Recherchen bin ich aber auf eine Pflanze gestoßen, die in der chinesischen Medizin seit 2000 Jahren zur Behandlung von Malaria verwendet wird. Artemisia. Eine spezielle Form von Artemisia. Der einjährige Beifuß. Eine Pflanze, die auch in Deutschland wächst. Diese Pflanze wird in Form von Tee als Heilmittel gegen Malaria benutzt. An dem Punkt habe ich aufgehorcht. Tee gegen Malaria? Das klingt nach etwas für mich. Ich trinke gerne Tee. Und wenn er mich auch noch vor etwas schützt. Wieso nicht? Diesen Tee kann ich prophylaktisch trinken. Ohne Nebenwirkungen. Außer vielleicht einem bitteren Geschmack.
In Ghana habe ich später erfahren, dass die Tabletten, die man verabreicht bekommt, wenn man Malaria hat, Artesima heißen. Und wie das Wort es schon verrät – die Inhaltsstoffe dieser Tabletten sind eben diese Pflanze, in komprimierter Form.
So habe ich mir in Deutschland in der Apotheke 500g Tee von einjährigen Beifuß bestellt. In der Plastiktüte sieht er zwar mehr aus wie Marihuana, aber die Flughafenbehörden hat ihn nicht herausgezogen. Zu meinem Glück. Ich habe mir noch kleine Teebeutel gekauft, um so in Ghana problemlos meinen Tee trinken zu können. Was sich auch als äußerst einfach herausgestellt hat, da die Ghanaer selbst viel Tee trinken und ich somit sowohl in Hotels, als auch in meinen Gastfamilien Tee bekommen habe und einfach meinen Beutel mit hineingehängt habe. Jeden Morgen zum Frühstück trinke ich jetzt seit über 4 Monaten diesen Tee. Wenn ich reise und früh aufbreche, kann es sein, dass ich mal einen Tag keinen Tee trinke, aber weniger als 5 Tage pro Woche mit Tee gibt es nicht. Und wie ihr euch denken könnt – der Tee hat geholfen.
Während ich andere Volontäre im Krankenhaus besucht habe, die Malaria hatten obwohl sie die Prophylaxe eingenommen hatten, war ich diejenige, die zwar ziemlich zerstochen wurde von Moskitos, aber über 4 Monate in Ghana Malariafrei überstanden hat. Den Moskitospray habe ich auch nicht so regelmäßig benutzt und oft auf das Moskitonetz verzichtet, weil es darunter einfach noch 5 Grad heißer ist.
Auf den Märkten in Ghana habe ich Hisbiskusblüten gefunden und die zu meinem Tee gemischt. So wird er etwas schmackhafter. Und ansonsten die meiste Zeit einfach den Schwarztee getrunken, der in Ghana überall serviert wird und meinen Teebeutel hineingehängt. Fertig ist meine Prophylaxe.
Ich würde es wieder so machen, wenn ich in ein malariagefährdetes Gebiet fahren werde. Ich empfehle diesen Tee auch gerne weiter. Er soll kein Geheimrezept bleiben, allerdings hat die Pharmaindustrie etwas gegen die Verbreitung dieses Heilmittel.
Trotzdem, ich bin kein Arzt. Wer selber in meine Situation kommt, soll einen Tropenmediziner aufsuchen und nicht meine Empfehlung als medizinischen Rat nehmen. Es ist nur meine persönliche Erfahrung.
wpid-20150115_133204.jpg
Und zu den anderen Krankheiten, die in Ghana vorkommen, passt ein Kommentar von Marie ziemlich gut. „I really don’t know why you never get sick. You never wash your hands, eat the food from the streets, don’t peal the fruits, you use this dirty water for brushing your teeths – you have to be sick the way you behave!“ Naja, ich schäle die Äpfel nicht, aber wische sie einmal an meiner Hose ab. „On your dirty pant? That makes it even worse!“ Mmh, ok. Und ja, ich schäle im Trotro das Ei mit selbstverständlich ungewaschenen Händen, wundere mich dann wieso das Eiweiß braun ist, aber esse es. Was mich nicht umbringt macht mich stärker.
Ich glaube, im Umgang mit Hygiene und Gesundheit habe ich die Erziehung meiner Mutter verinnerlicht. Wenn der Körper keine Bakterien kennt, dann kann er damit auch nicht umgehen. Abhärtung war für sie die beste Medizin. Und so verhalte ich mich heute noch. Und anscheinend funktioniert es auch in Afrika. Ich hatte nur nach den ersten 5 Tagen in Ghana Probleme mit der Verdauung. Einen Tag lang. Das lag aber am scharfen Essen, welches mein Magen absolut nicht gewöhnt war. Danach meinte ich meine Zähne mit Trinkwasser putzen zu müssen. Das habe ich ganze sieben Tage durchgehalten. Dann war es mir zu blöd. Danach habe ich nur versucht meinen Körper dauerhaft mit leicht scharfen Essen an die Schärfe zu gewöhnen. Was auch funktioniert hat.
Ansonsten hatte ich absolut keine Krankheit. Ah doch, als ich an der Küste am Strand entlang spaziert bin, habe ich mich leicht erkältet. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe. Bei der gesunden Meeresluft. Und den Temperaturen. Aber sobald ich wieder im Norden war, war die Erkältung auch verschwunden.
Was mein größtes Problem war, war meine Verletzung. In Deutschland habe ich auch dauernd Verletzungen. Allerdings vom Sport. In Ghana habe ich die Wunde von einer Silvesterrakete bekommen (siehe Artikel 1. Januar). Das größte Problem einer Wunde im Norden Ghanas ist, dass man sich nicht an der Luft verheilen lassen kann. Zu viele Bakterien in der Luft. Dennoch habe ich mir Mühe gegeben beim Pflegen der Wunde und so war die offene Stelle nach einem Monat endlich geschlossen. Zu dem Zeitpunkt sind auch quasi die Schmerzen verschwunden. Danach hat es einen weiteren Monat gedauert bis sie etwas verheilt. Jetzt, zweieinhalb Monate später, ist die Wunde immer noch klar zu erkennen, hat kritische Phase aber überstanden.
So kann ich jetzt selbstbewusst in Ostafrika reisen. Keine Panikmache vor Krankheiten. Stress kenne ich jetzt eh nicht.

Advertisements
Veröffentlicht in Ghana

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s