Is it for real? – It’s Ghana!

Manchmal passieren hier in Ghana Dinge und ich denke nur „bin ich hier im 21. Jahrhundert?“ oder „Ist das hier Wirklichkeit? Oder träume ich?“ Es sind Situationen, die uns Europäern einfach so fremd voekommen. Und in dem letzten Monat mit Marie, der Volontärin aus Belgien, haben sich bei uns so einige Sätze verfestigt. Sätze, die etwa 100 Mal von uns fallen. Die Sätze, die all das beschreiben, was normal für die Ghanaer ist. Aber nicht für uns. Aber auch Sätze, die es uns erleichtern mit den Zuständen hier umzugehen. Und mit all dem, was uns hier zustößt.
Der erste ist „Shit happens – deal with it!“ Was auch immer passiert. Ob wir stundenlang auf ein Trotro warten müssen, die Post schon zu hat, obwohl sie eigentlich noch offen sein müsste, wir 2 Stunden auf unser Essen warten oder wie in der Sauna schwitzen – dieser Satz wird von einem von uns beiden ausgesprochen. Und dann lachen wir.
Dann wäre noch ein Satz, der zunächst sehr simpel und logisch klingt, aber er konfrontiert uns in Situationen, in denen wir damit nicht rechnen. Dieser Satz kommt allerdings von den Ghanaern und nicht von uns. Wenn wir nach etwas fragen, eine Erklärung für etwas wollen. Wieso etwas nicht funktioniert. Oder wieso es jetzt nicht läuft wie geplant, dann bekommt man die Antwort „it’s because of the weather“. Diesem Satz habe ich bereits einen Artikel gewidmet, deshalb werde ich es jetzt nicht vertiefen.
Seit wir reisen und den trockenen, heißen Norden verlassen haben, gibt es einen weiteren Spruch, der unsere Tage begleitet. „You are sweating like a pig!“ Sowie man den Norden Ghanas verlässt und Richtung Süden reist, nimmt die Luftfeuchtigkeit stetig zu. Die Temperaturen sinken zwar etwas, aber durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit schwitzt man ohne Pause. Wenn man dann dazu noch Fieber hat (wie Marie), läuft einem das Wasser nur so herunter. Ich schwitze nicht ganz so schnell wie sie, aber selbst ich könnte hier im Süden mehrmals pro Tag duschen. (Was nicht unbedingt hilft, da man direkt nach der kalten Dusche wieder schwitzt. Aber das kalte Wasser tut trotzdem gut!)
Und zuletzt gibt es noch die beiden Sätze, die die Erklärung für alles geben. Egal was passiert, was wir nicht verstehen, „it’s Ghana“ beantwortet alles. Einige der Situationen habe ich hier aufgelistet. Ich lasse die Konversationen bewusst in englisch, weil sie sich für mich falsch anhören, wenn ich versuche sie zu übersetzen. Zudem habe ich ohnehin zunehmend Probleme mit der deutschen Sprache und muss so manches Wort im Wörterbuch nachschlagen, weil ich nur das englische im Kopf habe. Ich hoffe, ihr seid alle fit genug für die kurzen Sätze. Und wenn nicht: nehmt euch ein Wörterbuch zur Hilfe 😉

image

Da waren diesen beiden Ghanaer, die uns über komische Gerichte aufklären wollten:
„If you mix cow pou with milk, it’s really healthy!“
Is it for real?
It’s Ghana!

In Tamale waren wir auf einer Poolparty und ein Junge läuft am Beckenrand entlang. Is he for real? Er trägt seine Schwimmflügel an den Beinen. Marie und ich lachen. Wir glauben es ist ein Scherz. Unsere befreundeten Ghanaer versuchen uns über den Brauch aufzuklären. Weil die Arme mehr Kraft haben, brauchen die Beine Unterstützung, um im Wasser nicht unterzugehen. Are you for real? Ihr wisst, dass die Dinger eigentlich dafür sind, dass der Kopf über Wasser ist?
image

It’s Ghana!
7 Leute auf einem Motorrad. Are they for real? It’s Ghana!

Ein Mann kommt auf mich zu. Ein totes Eichhörnchen in der Hand. „You want to buy?“ Are you for real?  It’s Ghana!
image

Der Bus fährt über eine Bodenwelle. Der Bildschirm geht aus. Und wieder an. Der Film beginnt von vorne. Is it for real? It’s Ghana!

Wir steuern auf eine Rechts-vor-links-Kreuzung zu. Der Taxifahrer betätigt die Hupe. Anstatt zu bremsen, hält er die Hupe gedrückt und fährt über die Kreuzung. Is he for real?  It’s Ghana!

Wir verlassen den Rastplatz. Zwei Sitze im Bus sind noch leer. Zwei Leute fehlen also. Wir fahren weiter. Is he for real?  Wirklich, zwei fehlen noch! It’s Ghana!

Das Auto vor uns hat die Warnblinkanlage an. Jetzt schon seit einer Stunde. Auf der Hauptstraße. Is it for real?  It’s Ghana!

„Rettungsdienst“ lese ich auf dem Trotro. Die haben den deutschen, ausrangierten Krankenwagen mit Sitzen versehen und in ein Trotro umgebaut. Are they for real? It’s Ghana!

Wir sitzen im Tro. Was läuft da am Straßenrand? Is he for real?  Ein Mann läuft nackt am Straßenrand. Really??? It’s Ghana! (Wenige Meter später folgen zwei weitere nackte Männer)

Überbeladen? Der Lastwagen kippt fast zur Seite! Is it for real? It’s Ghana!
image
Kein gutes Beispiel für „überbeladen“, aber manchmal ist es schwer im richtigen Moment das Foto zu machen. Zur Erklärung. Die Trotros haben gerne mal die Größe eines weiteren Wagens an Fracht auf dem Dach.

Wir fahren auf der Autobahn. Der Fahrer wird langsamer. Er überquert den Mittelstreifen. Is he for real? Wir kreuzen die Fahrbahn gegenüber. Und fahren ins Niemandsland neben der Autobahn? Is it for real? It’s Ghana!

Wir fahren auf der linken Straßenseite. Die Straße hat dort weniger Schlaglöcher. Ein Auto kommt uns entgegen. Wir bleiben am linken Straßenrand. Is he for real? Das Auto fährt rechts an uns vorbei. It’s Ghana!

Wir fahren mit dem Trotro auf eine Kreuzung zu. Die Ampel ist rot. Wir fahren darüber. Is he for real? It’s Ghana!

„The light will not come back before tomorrow morning!“ Is it for real? It’s Ghana!

Überall sieht man Zahnbürsten. Auf dem Boden. In der Dusche. Im Trotro an der Decke. Unterm Strohdach. Is it for real?   It’s Ghana!
image

„The food is almost ready!“ 2 Stunden später… Are you for real? It’s Ghana!

Ein Dorf. 10 Häuser. Aber 20 Kirchen.
Eine Stadt. In einer Straße, 5 Kirchen direkt nebeneinander. Is it for real?  It’s Ghana!

Melcom ist ein ghanaischer Supermarkt. Wir sind die einzigen an der Kasse. Neben der Kassiererin sitzt noch eine Frau. Sie beobachtet uns. „The bill please!“ Sie schaut auf den Kassenzettel und hakt alles, was wir eingekauft haben nocheinmal ab. Are you for real?  Du konntest genau beobachten, dass wir alles was hier liegt bezahlt haben! Trotzdem muss alles abgehakt werden. Sie packt alles in eine Tüte. Wir laufen Richtung Ausgang. Stoooop. Was jetzt? „The bill please!“ AGAIN? Ein Mann am Eingang schaut erneut in die Einkaufstüte und platziert eine  Stempel auf dem Kassenzettel. Is it for real?  It’s Ghana!

Wir fahren im Tro über eine nicht asphaltierte Straße in sehr schlechtem Zustand. Wir werden durchgeschüttelt. Wir fahren 20 km/h. Der Fahrer bremst ab. Is it for real?  Müsst ihr wirklich auf so einer Straße Bodenwellen zur Geschwindigkeitsreduktion bauen? Really? It’s Ghana!

Wir steigen aus dem Trotro aus. Ich bücke mich, um meinen Rucksack zu schultern. Mein T-Shirt rutscht etwas hoch. Man sieht 2 Zentimeter von meinem Rücken. Ein Mann am Straßenrand flucht und schimpft. „Why?“ Was wieso? Are you for real? Eure Frauen im Land packen überall, wirklich ÜBERALL, ihre Brüste aus, um ihre Babys zu füttern. Im Trotro. Im Krankenhaus im Wartezimmer. Auf der Straße. Im Laden. Aber wehe man sieht ein bisschen Haut von meinem Rücken! It’s Ghana!

Wir laufen an einem armen Fischdorf entlang. Eine beschriftete Tafel lehnt an einem Holzpfosten. „Italian pizza und pasta“ lese ich vor. „Are you for real?“ fragt mich Marie. Und tatsächlich. Eine Italienerin hat einen Fischer in diesem Dorf geheiratet und ein kleines Restaurant eröffnet. Mitten im Nirgendwo. Abseits von jeglichem Tourismus. Fernab von jeden Straßen, die von Touristen entdeckt werden. It’s Ghana!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s