Bootsfahrt im Voltadelta – 14. Februar

Nachdem die Körpertemperatur von Marie über Nacht von 39 auf 37 Grad gefallen ist, haben wir uns heute morgen für eine Bootsfahrt entschieden. Vom Hotel aus organisiert.
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Um halb 9 stehen die beiden Motorräder vor der Tür. Und los geht es. Wir fahren an einem Karottenfeld vorbei. Zwei Erwachsene zupfen darin herum. Die Bewässerungsanlage ist aktiv. Es ist das erste Mal in Ghana, dass ich ein Bewässerungssystem sehe. Vielleicht auch deshalb hier, weil im Flussdelta des Volta zu keiner Zeit Wassermangel herrscht. Etwas weiter fahren wir durch ein Fischerdorf. Es riecht streng nach Fisch. Auf der Straße liegen Millionen von Minifischen zum Trocknen. Der ganze Straßenrand ist damit gesäumt. Jetzt kann ich auf meiner Rechten auf das Meer blicken. Es schimmert im Morgenlicht.
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Mittlerweile sitze ich total entspannt auf den Motorrädern. Wie ich daheim auf meinem Sofa sitzen würde. Völlig entspannt. Ja, man gewöhnt sich an alles.
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Dann sind wir auch schon am Fluss. Wir steigen in ein kleines Holzboot mit Motor und tuckern im Schneckentempo quer über den Fluss. Gegenüber sieht man nicht das andere Ufer. Sondern nur eine der 16 Inseln, die sich im Voltadelta befinden. Die Ufer der Inseln sind von Palmen gesäumt. Und zwischendurch sieht man die Häuser der Reichen. Der hauptsächlich reichen Weißen aus Accra, die ihre Wochenenden im Grünen verbringen und mit Jetskis über das Wasser fliegen wollen.
image Die Häuser der Reichen.
Einige Meter weiter ein verfallenes altes Fischerboot. Vor uns erstreckt sich die Sandbank, auf der ich gestern gelaufen bin. Bis zu dem Punkt, wo sich das Meer und der Fluss treffen. Wir biegen nach Osten ab. Fahren an der größten Insel des Deltas entlang. Alles ist grün. Und das Wasser ruhig. Kaum Wellen.
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Wir steuern das Ufer an. Was machen wir hier? Einheimische zeigen uns ihre Destillerie. Alles klar. Hoffentlich fliegt Marie bei dem Geruch nicht gleich um. Noch geht es ihr immer nicht gut. Nur die Körpertemperatur ist gesunken. Ein Mann begrüßt uns. Aus Zuckerrohr wird hier der Schnapps gewonnen. Gemahlen. In Fässern gelagert. Erhitzt. Gefiltert. Bis er trinkbar ist. Etwa 45 Prozent hat er. Es gibt weißen und roten. Der Rote hat seine Farbe von einem Baum, der angeblich sehr gesund ist.
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Wir werden an einen Tisch geführt. Bitte setzen. Und probieren. Äh-. Verdammt, Marie kann heute nichts trinken. Sonst wird ihr gleich wieder schlecht. Ich habe nun seit über 4 Monaten keinen Alkohol getrunken. Ablehnen ist aber unhöflich. Also nehme ich einen winzigen Schluck von dem weißen. Brennt im Hals. Schmeckt aber nicht schlecht. Gute Arbeit würde ich sagen. Der rote ist etwas schwächer und süßlich. Der Mann zeigt uns seine Gästebücher.
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Viele Deutsche waren hier zu Besuch. Einige haben deutsche Trinksprüche hineingeschrieben.
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image Zuckerrohrschnapps
Die Schnappsgläser stehen immer noch vor mir. „Before you go, you need to finish it“. Mmh, mal sehen. „Romanian girl, drink it now! It’s like water for you!“ Fordert Marie mich auf die Gläser zu leeren. Ja ok, er schmeckt ja nicht schlecht. Wie die Sprüche es sagen, ohne zögern trinken. Und leer sind die beiden Gläser. Zwei Gläser hochprozentigen Schnapps auf leeren Magen um halb 10 Uhr morgens. Wieso nicht?
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Danach fahren wir wieder zurück. Die Sonne zeigt sich mittlerweile.
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image Das aufbrausende Meer
image Der Strand vorm Hotel.
Mit unseren Rucksäcken bepackt, steigen wir auf die Motorräder und verlassen das Hotel. Im Zentrum bekommen wir ein Trotro direkt nach Accra. Über die von Schlaglöchern zerfressene Straße fahren wir aus der Deltaregion hinaus. Was ist das? Ein Krankenwagen. Aber wieso sind die ganzen Leute drum herum? Es sieht aus wie eine Beerdigung. Wirklich? Die benutzen den Rettungswagen, um den Leichnam zu transportieren? In einem Land, in dem es viel zu wenige Rettungswägen gibt? In einem Land, in dem man Stunden auf den Krankenwagen warten muss? Sieht wohl danach aus…
Wir fahren auf der linken Seite. Die Straße ist dort besser. Oder besser gesagt wir holpern die Straße entlang. Was ist dort vorne? Blaulicht? Ein Unfall? Was ist dort passiert? Wir kommen näher. Das ist ein Feuerwehrfahrzeug. Soldaten sitzen hinten auf dem Wagen. Eine lange schwarz-rot gekleidete Menschenmenge folgt dem Wagen. Auch eine Beerdigung. Das zeigen uns die Farben der Kleidung der Menschen. Hunderte von Menschen folgen dem Wagen. Wahrscheinlich hat die Person beim Militär gearbeitet. Wir fahren langsam an dem Prozedere vorbei.
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image Deutsche Transporter in Trotros umgewandelt.
Wir erreichen die Hauptstraße von Accra nach Lomé. Jetzt fahren wir schneller. Und überholen alles was vor uns ist. Und wenn es 7 Fahrzeuge auf einmal sind. Auf dem letzten Stück bis Accra kann man die Straße Autobahn nennen. Zwei Spuren pro Fahrtrichtung. Grüner Mittelstreifen mit Pflanzen.
Accra Mall? „Bus stop!“ Hier müssen wir heraus. Wir schultern unsere Rucksäcke und sehen die Shoppingmall auf der anderen Seite der Autobahn. Verdammt. Und nun? „We can’t cross the highway here“ sage ich zu Marie. „Do we have a choice?“ Nein, haben wir nicht. Wir treten an Straßenrand. Die Autos fliegen an uns vorbei. „It is fucking dangerous here“ stellt Marie fest. Gut erkannt. Die Autos fahren 120 – 150 km/h. Oder mehr. Und es ist relativ viel Verkehr. Ich weiß nicht wie wir da herüber kommen sollen. Ihr meint wir sollen eine Unterführung oder eine Brücke nehmen? Vergesst es. So etwas gibt es hier nicht. Die Menschen müssen die Straße überqueren, wenn sie auf die andere Seite wollen. „Let’s go with this man!“ schlägt Marie vor. Gute Idee. Die Ghanaer wissen wie man eine Autobahn überquert. Ich stelle mich hinter den Mann und warte. Da, sieht es nach einer Lücke aus. Der Mann läuft los. Ich renne hinter ihm. Und Marie mit mir. Puuh, erste Hälfte geschafft. Jetzt? Nein, da kommt ein ziemlich schnelles Auto. Das schaffen wir nie. Aber jetzt. Der Mann läuft los. Wir hinterher. „I survived crossing the highway!“ sagt Marie zu mir. Ja, das haben wir. Nochmal brauche ich so etwas aber nicht.
Danach betreten wir die Shoping Mall. Nicht dass ich dort hin wollte. Aber Marie muss sich ein neues Handy kaufen.
Hier in diese Mall gehen nur reiche Ghanaer. Und Weiße. In High heels. Teuren Kleidern. Wir kommen mit unserem Rucksack durch die Drehtür. Einkaufswagen? Ja, da können wir die Rucksäcke hineintun. Alle Leute schauen uns abfällig an. Ja, ich habe unter meinem Strandkleid noch meinen Bikini an. Und ja ich trage die billig Flipflops, die nur die ärmsten der Armen tragen. 3 Cedi pro Paar. Nicht mal einen Euro. Und ich habe noch Sand an meinen Füßen. Vom Strandbesuch heute morgen. Aber trotzdem: was ist euer Problem?
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Wir halten vor dem Samsung Shop. Marie gibt mir einen Stapel Geld in die Hand. Aaaah, willst du mich ver…? Du kannst mir nicht einfach so viel Geld in Hand geben. Hier sind so viele Menschen. Marie rennt in den Iphone Shop und kommt aufgewühlt zurück. „What happened?“
„I asked for the cheapest Iphone. She showed me the Iphone 5 C and told me, that it is 3000 Cedi (über 800€)! I said wow so expensive, I can’t pay that. And she looked at me like are you poor? ‚why? You don’t have the money?‘ For once I really felt poor!“ Ich lache nur.
Nach dem Handykauf gehen wir etwas Essen. Ich setze mich mit meinem Essen an einen Tisch. Neben uns sitzt eine Frau, aufgestylt, mit einer teuren Sonnenbrille auf der Nase und einem arroganten Blick. Ok, ich glaube ich bleibe authentisch. Schön mit den Händen essen. Und Lächeln. Noch mehr böse Blicke treffen mich.
Alles klar. Lass uns gehen. Ich fühle mich hier nicht wohl.

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Veröffentlicht in Ghana

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