Freitag, der 13. Februar

Ich beobachte eine Krabbe im Sand. Sobald ich mich bewege flitzt sie in ihr Loch. Kommt aber kurz darauf wieder hinaus. Nur wenn man genau hinsieht, erkennt man sie. Sie hat dieselben Farben wie der Sand.
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Marie testet ihre Apps. Infrarotkamera funktioniert.
Ich sitze wieder am Strand und genieße den Sonnenaufgang. Mit einem Glas frisch gepresstem Orangensaft. Der Ghanaer mit dem wir uns am ersten Abend unterhalten haben, kommt dazu. Es ist 8 Uhr, er bestellt sich Bier. Er ist Polizist. Er ist bereits stockbesoffen. Wie am ersten Abend.
„You didn’t recognised me yesterday in the car!“ Auf unserer Rückfahrt von Aflao gestern hat er unseren Taxifahrer angehalten. Bei einer der üblichen Polizeikontrollen. „Of course, I recognised you! I spoke with you!“ Er kam bei der „Kontrolle“ nur an mein Fenster, um mit mir zu quatschen. „But you know it was dangerous to drive with this taxidriver. He has no license! If there would happen an accident, you would be responsible for your own!“ ARE YOU FOR REAL????? Sorry, aber war das grad dein Ernst? Du kanntest unseren Taxifahrer gestern. Und wusstest, dass er keinen Führerschein hat. Und du hast ihn angehalten. NUR UM MIR HALLO ZU SAGEN. Sorry, aber willst du mich verarschen? Und mir dann noch vorwerfen, dass ich selber Schuld bin? Von wo soll ich denn bitte wissen wer einen Führerschein hat und wer nicht? WENN ICH NICHT MAL DER POLIZEI IM LAND TRAUEN KANN. Wofür macht ihr denn die ganzen Kontrollen im Land, wenn ihr niemanden herauszieht? Ich sehe all die Polizisten im Land, an denen ich vorbeigefahren bin. Ich sehe sie sitzend im Stuhl. Bewegungslos. Ich sehe sie schlafend am Tisch. Bewegungslos. Ich sehe sie stehend am Straßenrand. Bewegungslos. Und dann sehe ich noch die, die dem Taxifahrer die Hand schütteln. Keine schlechte Geste. Wenn man schnell hinschaut. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass während des Hände schüttelns Geld übergeben wird. Das nennt sich Ordnungshüter in Ghana.
Gegen Mittag verlassen wir das Resort und machen uns auf den Weg ins Zentrum. Das erste Taxi nimmt uns bis zur Anloga Station. Dort bekommen wir direkt ein Tro Richtung Accra. In Ada Kasseh steigen wir aus und nehmen ein weiteres „shared Taxi“, um nach Ada Foah zu kommen. Es ist ein größerer Wagen. Ganz hinten sind zwei Sitzplätze. Ich sitze zwischen beiden. Der Mann rechts von mir halb auf mir. Das nennt sich reisen in Ghana. So kommen wir auch zwangsläufig mit dem Mann neben uns ins Gespräch. Er empfiehlt uns ein Hotel in Ada Foah und begleitet uns von der Station bis dorthin. Wir nehmen Motorräder, um dort hinzukommen. Marie bleibt dann im Hotelzimmer. Ihr geht es nicht gut. Wir vermuten, dass sie gestern bei unserem Spaziergang einen Hitzschlag erlitten hat. Übelkeit. Kraftlosigkeit und Fieber sind die Auswirkungen. Naja, ich bin zwar weiter in der Sonne gestern gelaufen, aber was der Körper nicht gewohnt ist, ist er nicht gewohnt. Und so war es wohl zu viel. Unser Freund nimmt mich gleich wieder mit in die Stadt. Ich will den Voltafluss sehen. Und die Stelle, wo er ins Meer fließt. Wir nehmen ein Motorrad. EINS. Muss lustig aussehen. Drei Erwachsene auf einem Motorrad. In der Mitte die weiße Frau.
image Die Inseln im Flussdelta.
Wir laufen noch an ein paar Häusern vorbei und schon sind wir da. Am Fluss. Breit. Mächtig. Ruhig. Gegenüber sehe ich das Ufer einer Insel. Grün. Fluss aufwärts sind Militärschiffe zu sehen. Unauffällig fotografiert. „They protect Ghana in the sea!“ Na dann hoffe ich mal, dass die das gewissenhafter als die Polizisten tun.
image Militärschiffe
In der Ferne sieht man eine Sandbank. Da trifft der Fluss auf das Meer. Da will ich hin. „Do you want to take a boat or a motorbike?“ Hallo? Ich laufe!
image Die Sandbank in der Ferne: mein Ziel!
Zunächst laufen wir an einigen großen Häusern vorbei. „From the rich white people!“ Natürlich. Und das da? Gehört dem Präsidenten! Oh ok. Ich sehe nur eine graue Mauer.
image Fischer bei der Aebeit.
Der Weg führt uns durch arme Fischerdörfer. Lehmhäuser deren Höfe von Palmenwedeln abgegrenzt werden. Dächer aus Stroh. „Puuh, it’s so hot!“ Ich schaue den Mann an. Ist das dein Ernst? Du beschwerst dich, weil es so heiß ist? Und schwitzen musst? Hier weht eine Meeresbrise und es ist absolut angenehm. Es ist weder so heiß wie im Norden, noch so schwül wie im Westen im Nationalpark.
Ich genieße den Weg durch die Dörfer und an den Palmen vorbei. Hier gibt es nichts anderes. Nur Palmen. Und Sand. Die Gebäude stehen hier alle im Sand.
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Aaah, hier riecht es streng nach Whisky! Natürlich. „Café rum“ lese ich an einer Türe. Armes Fischerdorf, aber Geld für Alkohol ist da. Rechts erhebt sich eine hohe Sandbank. Dahinter ist das Meer. Zu meiner Linken liegt der Fluss ruhig da.
image Hinter der Düne erstreckt sich das Meer.
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Eine Brücke führt zum Nächsten Dorf. Palmen säumen das Ufer. Klick. Nicht dein Ernst. Akku leer. Und ich ahne schon. Ersatzakku ist nicht auf seinem Platz. Nach dem Laden habe ich ihn im Ladegerät gelassen und nicht in die Kameratasche getan. Passiert. Ärgern brigt nix, ändern kann ich es nicht.
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Riesige Muschelhaufen. Die Einwohner ernähren sich wohl hauptsächlich von Muscheln und Kokosnüssen. Dort noch ein Resort. Mein Begleiter wird müde. Ich lache ihn aus. Wer ist hier der Ghanaer? Der die Hitze gewohnt ist. Der das Laufen im Blut hat? Aber ich mache keine Anstalten umzukehren. Niemand zwingt dich mit mir herumzulaufen.
Wir steigen die Sanddüne hinauf. Ein heftiger Wind haut mich fast um. Die Wellen klatschen ans Ufer. Während ich im Wasser entlanglaufe und den vielen Krabben zusehe, wie sie vor mir fluchtartig ins Meer rennen, neigt sich die Sonne dem Horizont zu. Die Strahlen beleuchten das Wasser und der Himmel färbt sich rosarot. So stapfe ich in der Abenddämmerung meinem Ziel entgegen und erwarte, dass ich dort allein sein werde. Aber was ist das? Wo kommen diese Jungen jetzt her? Drei Jungen im Alter von 14 bis 18 stehen vor mir im Sand. Natürlich. Sie haben mich durch das Dorf laufen sehen und wollten gleichmal bereit sein, wenn man was schnappen kann. Dann wird heute halt nicht mehr geschwommen. Denn ich traue weder den drei Jungen, noch meinem Begleiter. Ein bisschen Vertrauen ja. Sonst wäre ich nicht mit ihm mitgegangen. Grundvertrauen in die Menschheit. Es lebt sich einfacher. Und die meisten wollen dir eh nur helfen. Aber vertraue niemandem zu 100 Prozent. Außer dir selbst.
image Mein Standpunkt aus der Ferne: die Sandbank
Ich laufe auf der Sandbank ins Meer bis meine Knie im Wasser sind. Vor mir brechen die Wellen des weiten Ozeans auf die Strömung des Voltaflusses. Ein tolles Schauspiel. Kraftvoll. Zwei Meter vor mir verschwindet die Sandbank. Dort geht es steil hinab. Was die Natur hier alles entwickelt. Vor mir liegen zahlreiche Inseln im Flussdelta. Grün. Mit Palmen. Und der ein oder anderen Lodge darauf. Die drei Jungs kommen zu mir ins Wasser. Bei der ersten größeren Welle rennen sie aber fluchartig heraus. Ich drehe mich um und laufe im Sand den Fluss hinauf. Eine andere Welt. Auf der einen Seite die rauhen Wellen des Meeres. Auf der anderen Seite der Sanbank plätschert der Fluss ruhig dahin. Kaum Wellen am Ufer. Das Wasser ist klar. Ich laufe der Sonne entgegen. Während wir wieder durch Palmen hindurchlaufen verfärbt sie sich orange. Dann verschwindet sie am Horizont.
Hierher werde ich einmal zurückkommen. Es ist ein wunderschöner Ort.
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