Von Keta nach Aflao und zurück – 12. Februar

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Die Sonne geht gerade über dem Meer auf. Fischer ziehen in gemeinsamer Arbeit ihre Netze aus dem Meer. Ein Junge sitzt auf einem Stamm und schaut seiner Mutter bei der Arbeit zu.
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Ich lausche dem Wellenrauschen. So entspanne ich in den frühen Morgenstunden, während Marie noch schläft. Ich habe nicht gut geschlafen, es ist zu heiß in der Hütte. Müde bin ich trotzdem nicht.
image Hier wird ein Hotel gebaut. In der Lagune.
Um die Mittagszeit machen wir uns auf den Weg. Wir wollen nach Aflao. In die Grenzstadt. In Ghana liegt Aflao. In Togo Lomé. Eigentlich kleben die beiden Städte aneinander. Lomé ist Togos Hauptstadt. Wir fahren auf der Straße zwischen Meer und Lagune entlang.
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Palmenhaine und arme Fischerdörfer prägen das Landschaftsbild. Mancherorts ist die Lagune nur noch eine ausgetrockene Ebene. Die Straße ist von vielen Schlaglöchern zerfressen.
Wir kommen nach Aflao. Zahlreiche Reisebusse, Trotros und Taxis säumen den Straßenrand. „Baguette!“ ruft Marie. Wo? Tatsächlich. Eine der Frauen trägt eine Schüssel mit richtigem Baguette auf dem Kopf. Togo ist französisch sprachig. Und schon an der Grenze taucht das Baguette auf. Wir steigen aus. „Accra, Accra!“, „Ho, Ho, Ho“ rufen uns die Männer entgegen. Die Zielorte ihrer Wägen. Und rennen auf uns zu. Wir bleiben hier. Etwas mühselig alle abzuwimmeln, aber ich laufe schnurstracks auf das Baguette zu. „With salad?“ Wieso nicht. Und schon schneidet die Frau das Baguette auf und füllt es mit Salat auf. Mmmh, sieht lecker aus. Wir kaufen noch ein paar Orangen und schlagen uns den Weg zum Strand frei. Dort ist es ruhiger. Wir setzen uns auf die Sandkuppe und beobachten die vorbeilaufenden Menschen. Dort muss die Grenze sein. Wenn die alle mit so vielen Waren hinüber laufen können, dann müssen wir das auch hinkriegen oder?
image Grenzübergang ohne Halt
image Baguette mit Salat – köstlich
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Auf dem Meer sind zahlreiche Schiffe zu sehen. Lomé hat wohl einen großen Hafen.
Ein Mann kommt zu uns und erklärt uns, dass es hier gefährlich ist. Es gibt böse Männer und wir sollen lieber woanders hingehen. Ok, wenn wir fertig gegessen haben. Jeder von uns isst ein halbes Baguette und danach genießen wir die Orangen. Das Schild mit „Bienvenue au Togo“ ist schon zu lesen. Wir machen uns auf den Weg. Richtung Togo. Ich im Wasser, Marie oberhalb. Eine entgegenkommende Frau versucht mich hysterisch vor einer Welle zu warnen. Ich lache nur. Platsch. Die Welle klatscht gegen meine Beine und mein Kleid ist nass. Es ist nur Wasser. Ich lache. Jetzt lacht sie auch. Marie, ich glaube das wird nichts. 10 Meter vor uns kommt ein Soldat aus seinem Häuschen heraus. Wird wohl nix mit die Grenze am Strand überqueren. Wir bleiben aber freundlich und lächeln. So rät uns der Soldat im Immigration Office vorbeizuschauen. Die werden uns bestimmt nach Togo lassen. Alles klar danke. Durch das Niemandsland zwischen Ghana und Togo gehen wir auf das Büro zu. Der Prozess hier ist wesentlich komplizierter als mein Weg im Norden von Ghana nach Burkina Faso. Jeder Offizier sagt uns, dass er uns ohne Pass nicht gehen lässt. Den Pass hält aber unsere Organisation fest. Blöd. Wir sollen auf den Boss warten. Na gut. Eine Dreiviertelstunde später kommen wir mit diesem ins Gespräch, der uns ebenfalls für US Amerikaner hält. Wegen unserem guten Englisch. Naja es ist nicht so schwer besser englisch als ihr Ghanaer zu sprechen. Und nur weil man englisch kann, muss man nicht aus den USA kommen. Aber gut. Smalltalk.
„You are not allowed to cross the border, because you are white!“
Are you for real? Danke für die Diskriminierung. Die dunkelhäutigen Schmuggler überqueren die Grenze ohne Stopp und wir dürfen wegen unserer Hautfarbe nicht rüber? Danke fürs Gespräch.
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Wir verlassen das Gebäude. Marie fragt, ob ich ein Foto vom Willkommensschild machen kan. Aber das ist hier militärisches Gelände. Du weißt was das heißt. Keine Fotos, sonst wird die Kamera entzogen. Ach egal. Klick. Und weg hier. SSSSSSSST. Wer ruft uns da? „You took a picture here!“ Verdammt. Ja. Aber nur von dem Bild. „You know that this is not allowed.“ Von den Leuten ja, aber das Schild? Er schaut böse. Wird nicht wieder vorkommen. Wir verabschieden uns und verschwinden jetzt wirklich. Bevor die uns noch festnehmen.
Wieder geraten wir in die Traube von Männern, die uns transportieren wollen. „WE STAY HERE“ rufe ich ihnen ins Gesicht. Und wenn ihr weiter so macht, dann laufe ich bis Accra. Schrecklich wie penetrant die sein können. Und wenn du ihnen nicht sagst wo du hinfährst, dann sagen sie „Come to Ho, is a nice place“. Ähm nein danke. Wenn wir sagen, wir wollen ein bisschen herumlaufen und uns die Stadt anschauen, dann verstehen sie uns auch nicht. Sie holen kurz Luft und fangen von Neuem an „Accraaaccraccraaa“.
Später im Taxi Richtung Keta genieße ich wieder die Lage zwischen Meer und Lagune.
image Das Bild links und rechts von der Straße
„Stop here“ bringen wir den Fahrer zum Halten. Wir hatten uns bei der Hinfahrt eine Stelle ausgesucht, wo das Meer und die Lagune nur von einem schmalen Streifen Sand getrennt wird. Dort wollten wir entlang laufen. Oder besser gesagt ich. Marie habe ich überzeugt mitzukommen. Die Straße verläuft auf einem Damm durch die Lagune.
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Wir laufen im Sand. Ich im Wasser. Marie oberhalb. Ich barfuß. Sie in Schuhen. Ich lachend. Sie schwitzend. Sie verflucht mich etwas, aber genieße die Landschaft. Nach der Landzunge versuchen wir auf einem Felsen unsere Unterkunft zu entdecken, aber keine Chance. Wir sind noch zu weit weg. Also beschließt sie an die Straße hochzulaufen und ein Taxi zu nehmen.
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Ich laufe weiter. Und mit mir die Krabben. Ich habe noch nie so viele von ihnen gesehen. Im Sand sind überall die Haufen von ihren Höhleneingängen zu sehen. Hier in der Brandung warten sie auf dem harten Sand und rennen ins Meer sobald ich mich ihnen auf 3 Meter nähere.  Einige sind fast so groß wie meine Hand. Ich muss die nicht unbedingt berühren, aber ich merke, dass die mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen habe.
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image Fische zum Trocknen im Sand.
Was liegt denn da? Ich beuge mich herunter. Ein Auge starrt mich an. Ach das ist ein Fisch. Weniger später liegen noch zwei größere Exemplare dieser Art im Sand.
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Auch zwei Zacken eines Seesterns finde ich. Sowie die Scheren einer besonders großen Krabbe. Und viele tolle Muscheln. Ein Mädchen taucht am Rand des Abhangs auf. Ich winke ihr und begrüße sie. Sie lächelt und fragt mich wo ich hinlaufe. Keta. Ich drehe mich nocheinmal um. Sie winkt und ruft „Goodbye“.
image Die Küste
Ich laufe im Sand und bewundere die vielen tollen Muscheln, die hier liegen.
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Am Abend machen Marie und ich uns auf den Weg zum Italiener. Ja, zum Italiener. Heute morgen, als wir an einem Fischerdorf vorbei gelaufen sind habe ich vorgelesen „italian pizza and pasta“. Marie hat gelacht und gesagt „are you for real?“ Sorry, aber das steht da. Und tatsächlich. In diesem armen Fischerdorf hat eine Italienerin einen Ghanaer geheiratet und eine kleine Herberge mit samt Restaurant aufgebaut. Sie ist zur Zeit nicht da. Man erkennt sofort, dass eine Europäerin diesen Platz gestaltet hat. Alles geordnet, gepflegt, Deko auf dem Tisch, italienische Vorhänge an den Wänden. Aber können wir hier was essen, wenn sie nicht da ist? „Sure!“ empfängt uns der freundliche Ghanaer. Während er in der Küche brutzelt und uns das italienische Olivenöl, den Parmesankäse und die Nudeln zeigt, läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Wir entdecken noch einen Blumentopf mit Basilikum und können es kaum glauben. Dann bringt der Mann uns noch zwei Milka-Schokokugeln, die wir auf der Zunge zergehen lassen. So gut. Ich weiß nicht, wann ich meine letzte Schokolade hatte. Es fehlt mir nicht wirklich, aber die hier war verdammt gut. Und dann bringt er uns die Teller. Einen Haufen Spaghetti und einen Haufen Penne. Ein riesen Berg auf jedem Teller. Mit köstlicher Soße. Und Parmesan. Und Basilikum. Al dente sind die Spaghetti. Spaghetti al dente vom Ghanaer zubereitet. Hat was. Danke für das gute Essen!
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